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Das unangenehme Gefühl einer Zivilisation im Abwärtstrend

 

von MN Gordon, 21.06.2019

 

 

Heute beginnen wir mit einer Liste. Einer teilweisen Liste. In keiner bestimmten Reihenfolge...

 

Angela Merkel. Donald Tusk. Mario Draghi. Donald Trump. Jerome Powell. Shinzo Abe. Haruhiko Kuroda. Theresa May. Boris Johnson. Mark Carney. Xi Jinping. Emmanuel Macron. Wladimir Putin. Justin Trudeau. Juan Trump. Und viele, viele andere...

 

 

Diese zentralen Planer – obwohl sie es vielleicht nicht wissen – stehen vor einer No-Win-Situation. Sie haben die Vergangenheit hochgerechnet und versuchen, den Status quo in die Zukunft zu erhalten. Doch ihre Bemühungen, die Wachstumskurve ihrer Länder und Unionen nach oben fortzusetzen, sind gegen die unerbittlichen Wendungen der Geschichte nutzlos.

 

Die politischen, finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen, die in den letzten 75 Jahren – und vielleicht auch in den letzten 220 Jahren – geschaffen wurden, fallen zusammen. Und keine politische Richtlinie, keine Zinsanpassung, kein Handelszoll, kein Fünfjahresplan, keine außergewöhnlichen Maßnahmen, kein Green New Deal, und keine technokratischen Verdrehungen der Wahrheit werden es verhindern. Big Government hat keine Chance.

 

Der gesamte Apparat, von Sozialprogrammen bis hin zu einer lächerlich komplexen Kapitalstruktur, basiert auf ewigem Wachstum. Aber Wachstum, wie wir alle gerade entdecken, ist vergänglich. Die schnelle Schaffung von Falschgeld durch zentrale Planer kann den Abwärtstrend, der einem Mega-Wachstumszyklus folgt, vielleicht aufschieben. Aber sie kann es nicht verhindern.

 

Dennoch unternehmen die zentralen Planer alles Mögliche, um dem Abwärtstrend zu widerstehen. Sie ergreifen Notfallmaßnahmen. Sie verfügen extreme Währungsabwertungen. Sie pflastern die gesamte Wirtschaftslandschaft mit Preiskontrollen. Sie beginnen Kriege. Sie nutzen den Populismus aus. Sie machen das alles – und noch mehr.....

 

Sie stolpern und rutschen und fallen und flattern. Tatsächlich ist dies eine epische Torheit seit ewigen Zeiten. In diesem Zusammenhang folgen einige der besten Beispiele dieser Woche...

 

Dauerhafte Impulse

 

Am Dienstag litt Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Hören der deutschen Nationalhymne unter sichtbarem Zittern. Sie stand neben dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky bei einer Begrüßungszeremonie in Berlin, als die Hitze und der Stress sie überkamen. Kann man es ihr verübeln?

 

 

Merkel hat 14 Jahre im Amt verbracht und sich bemüht, das europäische Projekt vor der Fragmentierung zu bewahren. Das ist eine lange Zeit für jeden, der täglich in den Abgrund blickt. Glücklicherweise ging es Merkel nach drei Gläsern Wasser viel besser.

 

Am selben Tag bekräftigte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario "was auch immer nötig ist" Draghi, sein Engagement für die Abwertung der Währung. Sein Ziel ist es, der Wirtschaft der Eurozone einen dauerhaften Impuls zu geben. Ähnlich wie Elizabeth Warrens Plan eines Wirtschaftspatriotismus zielt Draghi darauf ab, die Exporte durch die Zerstörung des Geldes zu steigern.

 

Nach Draghi's Äußerungen dehnte sich die große europäische Anleihen-Blase in die äußere Stratosphäre aus. Die Rendite der deutschen 10-jährigen Bundesanleihe fiel auf einen Rekordwert von Minus 32 Basispunkten. Zudem rutschte die Rendite des 10-jährigen französischen OAT (Schatzbriefe) zum ersten Mal in der Geschichte kurzzeitig in den negativen Bereich. Aber das ist noch nicht alles...

                                    Rendite 10jährige Bundesanleihe

 

Europas größte Geldkurbel Mario Draghi verspricht eine noch lockerere Geldpolitik und schickt die deutschen 10-jährigen Bund-Renditen weiter in die Niederungen der negativen Renditen bis zur Fälligkeit. Das ist Wahnsinn wie er im Buche steht.

 

Draghi's Äußerungen veranlassten Präsident Trump, den folgenden Twitter-Schuss abzufeuern:

 

"Mario Draghi kündigte gerade an, dass weitere Impulse kommen könnten, die den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließen, was es ihnen ungerechterweise leichter macht, gegen die USA zu konkurrieren. Sie kommen seit Jahren damit durch, zusammen mit China und anderen."

 

Natürlich war Trumps beabsichtigter Empfänger dieses Tweets nicht Draghi; es war Fed Chair Jerome Powell...

 

Das unangenehme Gefühl einer Zivilisation im Abwärtstrend

 

Am Mittwoch wollte es das Schicksal, dass Powell an der Reihe war und die unagenehme Hitze einer Zivilisation im Abwärtstrend spürte. Trump will ohne Zweifel, dass Powell den Dollar abwertet und einen durch billige Kredite induzierten Wirtschaftsboom und eine Börsenblase erzeugt, die mit dem Wahltag am 3. November 2020 zusammenfällt. Seit Monaten verspottet er öffentlich die geldpolitische Straffungspolitik von Powell.

 

Powells Mandat, das von der Junitagung der FOMC (dem Offenmarktausschuss der US-Zentralbank) in dieser Woche ausging, bestand darin, Trump zu beruhigen, während er vorgibt, dass es der Wirtschaft einfach gut geht. Als Powell sich darauf vorbereitete, die FOMC-Erklärung der Fed freizugeben, registrierte er daher einen Pucker-Faktor 9 (PF9) von 10 auf der Puckerfaktor-Skala des Militärs (Stress- oder Panik-Faktor). Er schaffte es jedoch, seine Aufgabe ohne sichtbares Zittern zu erfüllen.

 

Die Rendite der 10-jährigen US-Schatzbriefe – auf dem aktuellen Niveau wird sie deutlich unter dem Federal Funds Rate gehandelt.

 

Bisher scheint Powell sein Mandat erfüllt zu haben. Die zentralen Planer der Fed hielten ihre angefeuchteten Finger in den Wind und kamen zu dem Schluss, dass sie den Leitzins weiterhin zwischen 2,25 und 2,5 Prozent festlegen werden. Und um Trump zu beruhigen, fügte Powell in seinen einleitenden Bemerkungen hinzu:

 

"Das Argument für zusätzliche Kreditgewährung hat sich verstärkt."

 

Sowohl der Kreditmarkt als auch die Börse feierten die Zusicherung der Fed, die zukünftige Währungsabwertung sicherzustellen. Die Rendite der 10-jährigen Treasury Note fiel unter 2 Prozent. Am Donnerstag erreichte der S&P 500 Index dann mit 2.954 Punkten ein neues Schlusshoch. Auch der Dow Jones Industrial Average legte mit 27.000 Punkten erneut zu.

 

Sie sehen, mit genügend monetärem Treibstoff und falschem Vertrauen können die Finanzmärkte nach oben schießen. Aber was nützt das, wenn die eigentliche Wirtschaft zurückbleibt?

                                                            S&P 500

 

Die Börse eilt in Richtung neuer Allzeithochs und feiert eine Reihe von Veröffentlichungen der letzten schwachen Wirtschaftsdaten, die Hoffnungen auf mehr geldpolitische Stimulans durch die Fed geweckt haben. Bizarrerweise scheint die Fed begierig darauf zu sein, dem nachzukommen. Hätte uns vor einem Jahr jemand gesagt, dass die Fed bei einer Arbeitslosenquote von 3,6% und dem S&P 500 Index auf einem Allzeithoch ernsthaft über Zinssenkungen nachdenken würde, hätten wir das nie geglaubt. Und doch, da sind wir jetzt.

 

Denken Sie daran, dass es Umsicht, Weisheit und Fleiß braucht, um Wohlstand zu erwerben und aufzubauen. Die Tatsache, dass zentrale Planer versuchen, diese Schritte zu umgehen, indem sie haufenweise Falschgeld ausgeben, ist eine Bestätigung für einen geschädigten menschlichen Geist.

 

An dieser Stelle kann man praktisch die Tage zählen, bis wir den Ruin durch ihre Torheit erleiden.

 

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