https://www.craigmurray.org.uk/archives/2018/04/yulia-skripal-is-plainly-under-duress/

 

 Yulia Skripal steht deutlich unter Zwang

 

von Craig Murray, 11.04.2018 (Historiker, ehemaliger britischer Botschafter, Menschenrechtsaktivist)

 

 

Nur die Russen haben uns gestattet, die tatsächliche Stimme von Yulia Skripal zu hören, in ihrer aufgezeichneten Unterhaltung mit ihrer Cousine. Eines wissen wir also mit Sicherheit: dass sie bei der ersten Gelegenheit ihre Cousine in Russland angerufen hat, um ihr zu sagen was los ist. Wenn ihr euch erinnert, so haben die britischen Behörden bis zu dem Zeitpunkt, da die Russen das Telefonat veröffentlichten, immer noch die Lügen verbreitet, dass Sergei im Koma liege und Yulia selbst in Lebensgefahr sei.

 

Wir wissen nicht, wie es Yulia schaffte, den Anruf zu tätigen. Ich wurde selbst einige Male bewusstlos in ein Krankenhaus eingeliefert und jedes Mal fand ich mein Handy neben mir in meinem Nachtschränkchen. Yulias Handy wurde ihr eindeutig weggenommen und nicht zurückgegeben. Und man hat ihr auch kein offizielles Telefon gegeben – sie hat ihrer Cousine ausdrücklich gesagt, dass sie sie nicht auf dem Telefon zurückrufen könne, denn das besitze sie nur vorübergehend. Die britische Regierung hätte ihr eines geben können um zurückgerufen zu werden – wenn sie ihr denn hätte helfen wollen.

 

Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass Yulia jemanden im Krankenhaus überreden konnte, ihr ein Handy zu leihen, ohne dass es die britische Behörden mitbekamen. Das würde erklären, warum der britische Staat und seine Lakaien-Medien die Authentizität des Anrufs zuerst angezweifelt haben. Es würde erklären, warum sie der offiziellen Geschichte über ihren Gesundheitszustand widersprechen konnte, und warum sie keinen Rückruf entgegennehmen konnte. Was noch wichtiger ist: es würde erklären, warum ihre Familie seither ihre Stimme nicht mehr gehört hat. Und auch niemand anderes.

 

Es erscheint mir von Natur aus unwahrscheinlich, dass Yulia, als sie dazu in der Lage war, als erstes ihre Cousine anzurufen, sie jetzt über Scotland Yard eine formelle Stellungnahme abgibt, in der sie ihrer Cousine einen Kontakt oder einen Besuch verweigert. Dieser Stellungnahme der britischen Polizei glaube ich ganz einfach nicht:

 

Ich wurde am 9. April 2018 aus dem Bezirkskrankenhaus Salisbury entlassen. Ich bin dort mit so einem medizinischen Sachverstand und mit einer solcher Herzlichkeit behandelt worden, dass ich das Personal sofort vermisst habe.

 

Ich habe meinen Vater in ihrer Obhut gelassen, und er ist immer noch ernsthaft erkrankt. Auch ich leide noch unter der Wirkung des Nervenkampfstoffs, der gegen uns eingesetzt wurde.

 

Ich finde mich in einem völligen anderen als in meinem gewöhnlichen Leben wieder, das ich vor einem Monat verlassen habe, und ich versuche, mich mit meinen Aussichten zu arrangieren und erhole mich gleichzeitig von dem Anschlag auf mich.

 

Mir stehen speziell ausgebildete Beamte zur Verfügung, die versuchen, sich um mich zu kümmern und mir die laufenden Ermittlungsvorgänge zu erläutern. Ich habe Zugang zu Freunden und Familie und mir wurden die speziellen Kontakte zur russischen Botschaft erklärt, die mir dankenswerterweise ihre mögliche Unterstützung jeder Art angeboten haben. Im Moment will ich mich ihrer Dienste nicht bedienen, aber wenn ich meine Meinung ändere, dann weiß ich wie ich sie erreichen kann.

 

Am wichtigsten ist: ich bin in Sicherheit und fühle mich mit der Zeit besser, aber ich bin noch nicht stark genug, um den Medien ganze Interviews zu geben, was ich hoffentlich eines Tages tun kann. Bis dahin möchte ich betonen, dass niemand für mich oder meinen Vater spricht, nur wir selbst. Ich danke meiner Cousine Viktoria für ihre Sorge, aber bitte darum, dass sie mich nicht besucht oder versucht, mit meinem Vater zum derzeitigen Punkt Kontakt aufzunehmen. Ihre Meinungen und Einschätzungen sind nicht die meinen und nicht die meines Vaters.

 

Im Moment will ich nicht mit der Presse oder den Medien sprechen, und ich bitte um deren Verständnis und Geduld, während ich versuche, mit meiner momentanen Lage zurechtzukommen.“

 

Da ist auch die sehr ernste Frage, in welcher Sprache das geschrieben wurde. Yulia Skripal verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Großbritannien und spricht gut Englisch. Aber die obige Stellungnahme ist in einer speziellen Art eines formellen, offiziellen Englisch verfasst, das nur von einer bestimmten Art eines Muttersprachlers kommen kann.

 

Im Moment will ich mich ihrer Dienste nicht bedienen“ – das hat kein russischer Muttersprachler geschrieben, niemals.

 

Auch der Rhythmus oder die Redewendungen, die irgendwie auf eine Übersetzung aus dem Russischen hindeuten würden. Z.B.: „Ich danke meiner Cousine Viktoria für ihre Sorge, aber bitte darum, dass sie mich nicht besucht oder versucht, mit meinem Vater zum derzeitigen Punkt Kontakt aufzunehmen. Ihre Meinungen und Einschätzungen sind nicht die meinen und nicht die meines Vaters.“ Das ist nicht nur unglaublich kaltherzig, wenn man bedenkt, dass ihr erster Impuls war, ihre Cousine anzurufen, auch die Sprache ist einfach falsch. Das ist nicht das Englisch, das Yulia schreiben würde, und es lässt sich schlecht ins Russische übersetzen, daher ist es auch keine natürliche Übersetzung aus dem Russischen.

 

Um es offen zu sagen, und ich sage es als jemand, der darin viel Erfahrung besitzt: Das Englisch der Stellungnahme ist genau jenes Englisch eines Beamten der britischen Sicherheitsdienste und genau nicht jenes Englisch, das jemand wie Yulia Skripal verwenden würde oder auch keine natürliche Übersetzung aus dem Russischen.

 

Yulia ist natürlich „zu ihrer eigenen Sicherheit“ in Schutzverwahrung. Bestenfalls wird ihr unter psychologischem Zwang die Story über die böse russische Regierung eingetrichtert, die sie mit dem Türgriff vergiften wollte, und sie wird vollkommen von jedem Einfluss isoliert, der jedwede Zweifel zu dieser Story aufkommen lassen könnte. Es gibt noch weit schlimmere Alternativen, inklusive Bedrohung und die Sicherheit ihres Vaters. Aber selbst bei der günstigsten Auslegung der Aktionen der britischen Behörden: Yulia Skripal wird in Isolationshaft gehalten, und unter Zwang.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Armin Pieroth (Freitag, 13 April 2018 10:39)

    Das ist klares Englisch eines Regierungssprechers, nie im Leben die Sprache von jemandem, der gerade aus einer tödlichen Gefahr befreit wurde. Wer so etwas in die Welt setzt, hat den Kontakt zur Realität schon lange verloren. Man möchte Ihr/Ihm fast wünschen, einmal nach einer Operation im Aufwachraum einer Klinik zu sich zu kommen. Wäre bestimmt sehr lehrreich.
    Oder wollte der/ie Verfasser/in deutlich machen, was von dem zu halten ist, das er/sie da verfassen musste? War sie/er ehrlich bei einer offensichtlichen Lüge, um nicht als Dummkopf dazustehen? (Was mag es bedeuten, dass es das Wort Dummkopf nicht in weiblicher Form gibt? ;-)

  • #2

    ALeXandria (Samstag, 14 April 2018 03:16)

    "Ihre Meinungen und Einschätzungen sind nicht die meinen und nicht die meines Vaters."

    Das ist niemals von Julia geschrieben worden. Warum hätte sie soetwas schreiben sollen?
    In dem Gespräch mit Viktoria findet man KEINE Meinung und KEINE Einschätzung! Wie könnte Julia dann feststellen, dass sie und Viktoria über irgendetwas verschiedene Meinungen hätten?
    Einen anderen Kontakt zwischen den beiden hat es nicht gegeben.

    Das ist für mich der wichtigste Grund, warum dr Brief nicht von Julia geschrieben wurde.