http://thesaker.is/xi-and-putin-make-the-case-for-win-win-vs-zero-sum/

 

Xi und Putin machen sich auf den Win Win-Weg

 

von Pepe Escobar, 02.02.2021

 

 

Nun, die Davos-Agenda kam und ging.

https://www.weforum.org/events/the-davos-agenda-2021

 

Das war die virtuelle Vorschau auf den Great Reset, präsentiert von dem Kissinger-Gefolgsmann und Weltwirtschaftsforum-Orakel, Herr Klaus Schwab.

 

Und die sogenannten politischen Konzern-Lenker werden weiter blumig über ihre Vierte Industrielle Revolution schwafeln – oder dessen sanftere Ableger wie „Build Back Better“, der Lieblings-Slogan der neuen Bewohner des Weißen Hauses.

 

Die Co-Sponsoren des WEF – von UN und IWF bis BlackRock, Blackstone und Carlyle Group – werden weiter ihren Gleichschritt mit Lynn Forester de Rothschild und ihrem konzernlastigen „Council for Inclusive Capitalism with the Vatican“ ausbauen – mit Papst Franziskus an der Spitze.

https://www.inclusivecapitalism.com/

 

Und ja, sie akzeptieren Visa.

https://www.inclusivecapitalism.com/organization/visa/

 

Es war zu erwarten, die beiden wirklich wichtigen Ereignisse in Davos haben im wackligen Westen kaum oder gar keine Berichterstattung bekommen: Die Reden von Präsident Xi und von Präsident Putin.

 

Die Highlights von Xi haben wir bereits erwähnt. ( https://asiatimes.com/2021/01/xi-reads-multilateral-riot-act-to-virtual-davos/ ) Neben seinen mächtigen Argumenten für einen Multilateralismus als einzig gangbaren Weg für die globalen Herausforderungen betonte Xi, dass nichts Substantielles erreicht wird, wenn die Ungleichheit zwischen dem Norden und dem Süden nicht reduziert wird.

 

Die beste tiefschürfende Analyse von Putins außergewöhnlicher Rede wurde ohne Zweifel von Rostislav Ishchenko geliefert, den ich 2018 in Moskau kennenlernen durfte.

 

Hier Putins Rede: http://en.kremlin.ru/events/president/transcripts/64938?fbclid=IwAR1tE8YTkF-3tSi7UCueeoSVEKGvOnK3Lq_w9H9NDU80p_Yj6kFb4qJDN4Y

 

Hier Ishchenkos Analyse: https://www.stalkerzone.org/munich-esque-davos/

 

Ishchenko betont, wie dies „gemessen am Ausmaß und der Wirkung historischer Vorgänge tiefgreifender ist als die Schlacht von Stalingrad und Kursk zusammen.“ Die Rede, so sagt er, war völlig unerwartet, so wie Putins verblüffende Intervention auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, die „vernichtende Niederlage“ Georgiens 2008 und die Rückkehr der Krim 2014.

 

Ishchenko enthüllt auch etwas, das im Westen niemals anerkannt wird: „80 der einflussreichsten Menschen der Welt lachten nicht in Putins Gesicht, so wie damals 2007 in München, und ohne viel Aufsehen trafen sie sich nach seiner offenen Rede zu einer geschlossenen Konferenz mit ihm.“

 

Putins sehr wichtige Bezüge zu den unheilvollen 1930ern – „die Unfähigkeit und der Unwillen, substantielle Lösungen dafür zu finden, wie sie im 20. Jahrhundert zur Katastrophe des 2. Weltkriegs führten“ – wurden einer allgemeinen Warnung gegenübergestellt: Die Notwendigkeit, eine Übernahme der globalen Politik durch Big Tech zu verhindern, die „im Grunde mit Staaten konkurrieren“.

 

Die Reden von Xi und Putin waren im Grunde ergänzend – die Betonung nachhaltiger, ökonomischer Win-Win-Entwicklungen für alle Teilnehmer, vor allem im globalen Süden, gepaart mit der Notwendigkeit neuer sozio-politischer Verträge in den internationalen Beziehungen.

 

Diese Entwicklung sollte auf zwei Säulen beruhen: Souveränität – das heißt, das gute alte Westfälische Modell (und kein Great Reset, keine hoch-konzentrierte Eine Welt-Regierung) und eine nachhaltige Entwicklung, angetrieben durch techno-wissenschaftlichen ortschritt (und nicht Techno-Feudalismus).

 

Was Putin und Xi im Grunde vorgeschlagen haben, war eine gemeinsame Anstrengung, die Grundlagen der russisch-chinesischen strategischen Partnerschaft für den gesamten globalen Süden zu erweitern: die wichtige Entscheidung zwischen einem Win-Win und dem Nullsummenspiel der „Einzigartigen“.

 

Putscht diese Kommunisten weg!

 

Diese Road Map von Xi und Putin wurde bereits im Detail von Michel Hudson genau untersucht, zum Beispiel in diesem Aufsatz, der auf dem ersten Kapitel seines kommenden Buches „Cold War 2.0: The Geopolitical Economics of Finance Capitalism vs. Industrial Capitalism“ beruht.

https://michael-hudson.com/2021/01/the-rentier-resurgence-and-takeover-finance-capitalism-vs-industrial-capitalism/

 

Viele dieser Themen wurden vor kurzem in einer Unterhaltung zwischen Michael und mir erörtert:

https://consortiumnews.com/2021/01/07/the-consequences-of-moving-from-industrial-to-financial-capitalism/

 

Der gesamte globale Süden erkennt, wie der Unterschied zwischen dem amerikanischen Modell – der Neuauflage des Neoliberalismus in Form eines Turbo-Finanzialismus – und dem produktiven Investment in den industriellen Kapitalismus Ostasiens nicht stärker sein könnte.

 

Alastair Crooke hat die zweifelhafte "Anziehungskraft" des amerikanischen Modells skizziert, darunter "Vermögensmärkte ..., die von jeglicher Verbindung zu wirtschaftlichen Erträgen getrennt sind"; Märkte, die "nicht frei sind, sondern vom Finanzministerium verwaltet werden"; und "Unternehmenskapitalismus ..., der sich in monopolistischen Oligarchismus verwandelt hat".

Der eklatante Gegensatz zu Xi-Putin in Davos war ein sogenanntes "Strategiepapier", das von der NATO-Denkfabrik Atlantic Council herausgegeben wurde, pompös betitelt mit "The Longer Telegram", als ob dies genauso relevant wäre wie George Kennans "Long Telegram" von 1946, das die Eindämmung der UdSSR vorsah.

https://www.atlanticcouncil.org/content-series/atlantic-council-strategy-paper-series/the-longer-telegram/

Nun, das Mindeste, was man über den anonymen "ehemaligen hochrangigen Regierungsbeamten mit tiefem Fachwissen" über China sagen kann, ist: "Herr Anonym, Sie sind kein George Kennan". Im besten Fall haben wir es mit einem minderwertigen Mike Pompeo mit einem heftigen Kater zu tun.

Inmitten eines Tsunamis aus Plattitüden erfahren wir, dass China eine "revisionistische Macht" ist, die "ein ernsthaftes Problem für die gesamte demokratische Welt darstellt"; und dass die chinesische Führung sich besser zusammenreißen und "innerhalb der von den USA geführten liberalen internationalen Ordnung agieren sollte, anstatt eine rivalisierende Ordnung aufzubauen".

Die übliche giftige Mischung aus Arroganz und Herablassung verrät das Spiel, das darauf hinausläuft, "China abzuschrecken und daran zu hindern, die roten Linien der USA zu überschreiten", und das gute, alte Kissingersche Teile und Herrsche zwischen Russland und China anzuwenden.

Oh, und vergesst nicht den Regimewechsel: Wenn die "Strategie" funktioniert, "wird Xi mit der Zeit durch die traditionellere Form der Führung der Kommunistischen Partei ersetzt werden."

Wenn es das ist, was in atlantischen Kreisen als intellektuelle Feuerkraft durchgeht, brauchen Peking und Moskau nicht einmal Feinde.

Das asiatische Zentrum der Schwerkraft

Martin Jacques, jetzt Gastprofessor an der Tsinghua-Universität und Senior Fellow am China-Institut der Fudan-Universität, ist einer der wenigen Westler, die tatsächlich über echte "Expertise" zu China verfügen.

Er konzentriert sich jetzt auf das Hauptschlachtfeld in dem sich entwickelnden US-China-Konflikt: Europa. Jacques stellt fest, dass "der Trend zu einer wachsenden Distanz zwischen Europa und den USA langsam, gewunden, konfliktreich und schmerzhaft sein wird." Wir befinden uns jetzt "in einem neuen Territorium. Amerikas Niedergang bedeutet, dass es Europa immer weniger zu bieten hat."

Lasst uns als Beispiel zu einer Besonderheit der BRI/Neuen Seidenstraße und einem ihrer wichtigsten Knotenpunkte, dem China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), übergehen: die Digitale Seidenstraße .

In Partnerschaft mit Huawei werden Glasfaserkabel quer durch Pakistan verlegt – wie ich selbst gesehen habe, als ich den Karakorum Highway, den nördlichen Teil des CPEC, bereiste. Dieses Glasfaserkabel, das vom Karakorum bis nach Belutschistan verläuft, wird mit dem Unterseekabel Pakistan-East Africa Connecting Europe (PEACE) im Arabischen Meer verbunden.

Das Endergebnis wird eine High-End-Konnektivität zwischen einer Reihe von BRI-Teilnehmerstaaten und Europa sein – der Abschnitt im Mittelmeer, der von Ägypten nach Frankreich führt, wird bereits verlegt. Noch vor Ende 2021 wird das gesamte 15.000 km lange Glasfaserkabel online sein.

Das zeigt, dass es bei der BRI nicht so sehr um den Bau von Straßen, Dämmen und Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetzen geht, sondern vor allem um die Digitale Seidenstraße, die eng mit modernster chinesischer Cyber-Tech verbunden ist.

Es ist kein Wunder, dass Jacques sehr wohl versteht, wie "die Anziehungskraft Chinas und Asiens im Allgemeinen Europa nach Osten zieht". Nichts illustriert dieses Phänomen besser als die von China vorgeschlagene Belt and Road Initiative."

In ReOrient: Global Economy in the Asian Age, einem außergewöhnlichen Buch, das bereits 1998 veröffentlicht wurde, hat der verstorbene, großartige Andre Gunder Frank den Eurozentrismus gründlich zertrümmert und gezeigt, dass der Aufstieg des Westens nur ein historischer Ausrutscher und eine Folge des Niedergangs des Ostens um 1800 war.

https://www.amazon.com/ReORIENT-Global-Economy-Asian-Age-ebook/dp/B0064BV2I8/ref=sr_1_1?crid=2QXJIGSNE8RIC&keywords=reorient+global+economy+in+the+asian+age&qid=1612243693&sprefix=Reorient+%2Caps%2C432&sr=8-1

Jetzt, nur zwei Jahrhunderte später, liegt der Schwerpunkt des Planeten wieder in Asien, so wie er es für den größten Teil der aufgezeichneten Geschichte gewesen ist. Das Schicksal derjenigen, die blind für die Beweise sind und sich nicht anpassen können, besteht darin, sich selbst in die völlige Bedeutungslosigkeit zu "telegrammieren".