https://www.theamericanconservative.com/larison/there-is-no-accountability-in-u-s-foreign-policy/

 

Es gibt in der US-Außenpolitik keine Rechenschaftspflicht

 

von Daniel Larison, 22.11.2019

 

(Anm.d.Ü.: zerohedge veröffentlicht diesen Artikel unter dem Titel:

 Paul Wolfowitz' Leitartikel in der New York Times: Das Gefasel eines frömmelnden Perversen“)

 

 

Aus irgendwelchen bizarren Gründen hat die New York Times Paul Wolfowitz gebeten, über die US-Außenpolitik im Nahen Osten zu schreiben:

 

Wenn wir die Alliierten aufgeben, die den Sieg über ISIS ermöglicht haben, und jetzt vielleicht sogar die afghanischen Alliierten aufgeben, die uns ermöglicht haben, 2001 Al Qaeda aus ihrem Land zu vertreiben, dann werden die USA den selben Fehler machen wie Mark Twains Katze, und alles im weiteren Nahen Osten durch das Prisma einer schmerzhaften Erfahrung mit „heißen Öfen“ sehen – die Kriege im Irak und in Afghanistan. Alliierte aufzugeben, die die amerikanischen Interessen vorangebracht haben und tapfer für sich selbst gekämpft haben, das ist keine Formel, um ein weiteres großräumiges Militärengagement im Nahen Osten zu vermeiden, sondern eher ein Rezept um in einem weiteren zu landen. Das nächste Mal allerdings ohne die örtlichen Verbündeten, die wir brauchen.“

 

Bevor wir Wolfowitz' Argumente an sich betrachten – dürfen wir uns über die Schamlosigkeit von Wolfowitz wundern, wenn er glaubt, jemanden über vernünftige Politikentscheidungen belehren zu wollen? Wolfowitz war einer der enthusiastischsten Unterstützer der Irak-Invasion, und in seiner Rolle im Pentagon war er einer der Top-Beamten, die am meisten für das folgende Debakel verantwortliche sind. Und dann hat er den Nerv, diesen Krieg und den Krieg in Afghanistan mit „heißen Öfen“ zu vergleichen, als wären die Folgen dieser sinnlosen Kriege nichts weiter als vorübergehende Brandblasen. Was für eine schreckliche Art, fast zwei Jahrzehnte des Versagens und den enormen Verlust von Menschenleben zu verharmlosen.

 

Niemand muss Wolfowitz zu diesem und offen gesagt zu jedem anderen Thema der Außenpolitik zuhören. Es muss Dutzende anderer Autoren geben, die für die gleiche allgemeine Position argumentieren würden, ohne mitzuhelfen, einen der Architekten des größten außenpolitischen Fehlers der USA in den letzten vierzig Jahren zu rehabilitieren. Wenn wir wissen wollen, warum es keine Rechenschaftspflicht in der US-Außenpolitik gibt, dann ist dieser Leitartikel von Wolfowitz Beweisstück A. Ehemalige Beamte und politische Entscheidungsträger können die Dinge so falsch wie möglich einschätzen und sich für eine wirklich katastrophale Politik einsetzen, die Hunderttausende von Menschenleben fordert, und doch werden ihre Meinungen immer noch ernst genommen und veröffentlicht, als ob nichts jemals geschehen wäre. Es gab keine beruflichen oder rechtlichen Konsequenzen für die Beamten, die für das große Verbrechen verantwortlich sind, das der Irak-Krieg war, und stattdessen werden sie um ihren Rat gefragt, was die USA als nächstes in der gleichen Region tun sollten, die sie in Brand gesteckt haben.

 

Der Hauptfehler in der Substanz von Wolfowitz' Leitartikel ist, dass er davon ausgeht, dass die USA in immer noch mehr regionale Konflikte "hineingezogen" würden, wenn sie jemals versuchten, einen von ihnen zu verlassen. Nach dieser Ansicht ist der Rückzug destabilisierender als die Intervention, und während Wolfowitz also nie mit den Interventionen nicht einverstanden ist, so ist er vehement gegen die Rückzüge. Wenn die USA niemals einen ausländischen Konflikt verlassen können, den sie aus Angst vor der Schaffung eines "Vakuums" bekämpfen wollen, dann bedeutet das, dass einige US-Streitkräfte auf Dauer in diesen Ländern bleiben müssen. Es werden keine US-Interessen bedient, indem man sich weigert, diese Kriege zum Abschluss zu bringen. Es bringt die USA einfach in eine Sackgasse, die wir selbst gebaut haben. Anstatt darüber nachzudenken, wie wir die lokalen Partner auf den unvermeidlichen Abzug der USA vorbereiten können, verschwenden unsere Politiker und politischen Entscheidungsträger diese Zeit, indem sie unplausible Geschichten aushecken, warum wir nie abziehen können.

 

Syrien ist das beste Beispiel. Selbst wenn ISIS einen großen Teil des Territoriums besetzt halten würde, so müssten die USA dort nicht in den Krieg ziehen. Die USA haben sich nicht selbst verteidigt, und unsere Streitkräfte hatten auch vor fünf Jahren nichts in Syrien verloren. Jetzt wo ISIS nur noch ein Schatten seiner selbst ist, gibt es überhaupt keinen Grund mehr dafür, dass die US-Streitkräfte dort bleiben. Die USA sollten in der Lage sein, ein weiteres "großes militärisches Engagement" in der Region zu vermeiden, weil es keinen guten Grund für die USA gibt, sich an einem weiteren zu beteiligen. Der Gedanke dass die USA ihre Streitkräfte illegal in Syrien halten müssen, um zu verhindern, dass unsere Regierung einen weiteren Krieg im Ausmaß der Irak-Invasion auslöst, ist absurd, aber Wolfowitz präsentiert es, als ob es unzweifelhaft wäre.

 

Wolfowitz beschuldigt die USA gerne für ihre "Untätigkeit" in der Region, womit er immer meint, dass die USA sich entschieden haben, sich nicht noch aktiver in Konflikte innerhalb anderer Länder einzubringen. Es ist aufschlussreich, dass er die Lüge wiederholt, dass die USA die syrische Opposition nicht unterstützt hätten, als die Unterstützung für die Opposition aus den USA und unseren Verbündeten und Klienten dazu beitrug, den Krieg anzuheizen und ihn länger andauern ließ, als er es sonst getan hätte. In einem Atemzug listet er die schrecklichen menschlichen Kosten des Krieges auf, und dann im nächsten verurteilt er die USA, weil sie nicht mehr getan hätten, um es zu steigern. Es gibt nirgendwo in seiner Stellungnahme die Anerkennung, dass die Intervention der USA die Dinge häufig verschlimmert, und es gibt keine Überlegung, dass die Vermeidung einer größeren Beteiligung an diesen Konflikten tatsächlich im besten Interesse der Vereinigten Staaten läge. Natürlich gibt es keine. Wolfowitz ist ein müder neokonservativer Ideologe und er wird nichts aus den katastrophalen Fehlern der von ihm unterstützten Politik lernen.

 

Natürlich gibt es keine unvermeidliche Kraft, die die USA in diese Konflikte hineinzieht. Es sind die falschen Annahmen von Ideologen wie Wolfowitz, die sich vorstellen, dass in Konflikten lebenswichtige amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen – wo es keine gibt. Die USA werden nie "wieder hineingezogen". Unsere Regierung marschiert bei der erstbesten Gelegenheit wieder ein. Manchmal wird dies durch das Aufbauschen einer Bedrohung vorangetrieben, manchmal durch Schlagzeilen, die zu "Aktionen" auffordern, manchmal durch ein fehlgeleitetes Bedürfnis, "Führung" zu zeigen, und manchmal ist es einfach das gute alte „Wir müssen etwas tun", bei dem die USA eingreifen, weil sie es können. Das wird fast nie von der Notwendigkeit angetrieben, die Vereinigten Staaten oder sogar unsere vertraglichen Verbündeten zu schützen. Ein Präsident nach dem anderen beschließt, die USA in Konflikte im Nahen Osten zu verwickeln, die die USA leicht vermeiden könnten. Nachdem wir diese Verstrickungen nicht vermieden haben, wird uns dann gesagt, dass eine Loslösung niemals eine akzeptable Option ist. Wenn sich die USA jemals aus endlosen Kriegen befreien wollen, müssen wir lernen, dass unsere anhaltende militärische Beteiligung an diesen Konflikten eine größere Quelle der Instabilität ist, als unser Abzug es jemals sein könnte.

 

 

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Über den Autor:

 

Daniel Larison ist Senior Editor bei TAC, wo er auch einen Soloblog führt. Er wurde in der New York Times Book Review, Dallas Morning News, World Politics Review, Politico Magazine, Orthodox Life, Front Porch Republic, The American Scene und Culture11 veröffentlicht und war Kolumnist für The Week. Er promovierte in Geschichte an der University of Chicago und lebt in Lancaster, PA. Folgen Sie ihm auf Twitter: @DanielLarison

 

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