https://consentfactory.org/2019/08/08/the-war-on-white-supremacist-terror/

 

Der Krieg gegen den rechtsextremen (weißen) Terror

 

von C.J.Hopkins, 08.08.2019

 

 

Wenn dir der ursprüngliche Krieg der globalen Konzernherrschaft gegen den islamistischen Terror gefallen hat, dann wirst du ihren jüngsten Ableger, den Krieg gegen den rechtsextremen Terror lieben. Im Grunde ist es das Gleiche wie der alte Krieg gegen den Terror, nur sind dieses Mal die schlechten Kerle alles weiße Rechtsextreme, und Donald Trump ist Osama bin Laden … außer Putin ist Osama bin Laden. Okay, ich bin mir nicht ganz sicher, wer Osama bin Laden ist. Wie auch immer. Es geht darum: Die Terroristen kommen!

 

Jawohl, irgendein rassistischer Verrückter hat in Texas einen Haufen Leute ermordet, darum muss man wieder mal „die Samthandschuhe ausziehen“, irgendeine neue Art von Patriot Act beschließen, die Bürgerfreiheiten weiter einschränken und ganz allgemein die Öffentlichkeit zu einer Massenhysterie wegen des „rechtsextremen Terrors“ aufstacheln.

 

Die Redaktionsleitung der New York Times ist bereits kräftig am werkeln. In einem längeren Kommentar am letzten Sonntag („Wir haben ein Problem: rechtsextremer Terror“) schlägt das Team vor, dass wir alle sicherer wären, wenn die Regierung – aber vermutlich nicht diese Regierung – Menschen nach eigenem Gutdünken als „Terroristen“ oder „potentielle Terroristen“ oder „Terror-Sympathisanten“ einstufen könnte, unabhängig davon, ob sie eine Verbindung zu tatsächlichen Terrorgruppen haben, und... nun, die Redaktionsleitung hat folgendes im Sinn:

 

Die Ressourcen der amerikanischen Regierung und ihrer internationalen Verbündeten würden unverzüglich mobilisiert. Die gewaltige Macht des Staates würde unermüdlich daran arbeiten, zukünftigen Terroristen den Zugang zu Waffen, Geld und Foren zu verweigern, um ihre Ideologie zu verbreiten. Die Bewegung würde von Spionen und Informanten infiltriert werden. Ihre Finanziers würden mit Sanktionen rechnen müssen. Treffpunkte würden überwacht werden. Diejenigen, die den Terroristen Hilfe oder Unterschlupf gewähren, werden strafrechtlich verfolgt.“

 

Die Redaktionsleitung hat die Gulags im Ausland, die Aggressionskriege, die Ermordungen, die Folter und die Massenüberwachung von praktisch Jedem nicht erwähnt, oder andere Dinge wie den ursprünglichen Krieg gegen den Terror. Aber vermutlich ist dieses ganze Zeug in der „gewaltigen Macht des Staates“ inbegriffen, die das Team durch die US-Regierung am liebsten „unverzüglich mobilisieren“ sehen möchte.

 

Und die Bonzen von der New York Times legten danach erst richtig los mit ihrer Terror-Hysterie. Die Dienstag-Ausgabe war voll mit Anspielungen auf „weißen Rechtsextremismus“ und „inländischem Terrorismus“. Hier einige der Schlagzeilen auf der Titelseite … „Trump ist ein Rechtsextremist, der Terrorismus inspiriert“ „Der weiße Terrorismus zeigt Parallelen zum Islamischen Staat“ „Der Ober-Nihilist: wie unser Präsident und unsere Massenmörder durch die selben finsteren psychischen Kräfte verbunden sind“ „Ich habe 25 Jahre lang Dschihadisten bekämpft. Rechtsextreme sind nicht viel anders“ „Trump, Steuersenkungen und der Terrorismus“. Und so weiter.

 

Die NYT ist dabei natürlich nicht alleine. Nach den Schießereien von El Paso und Dayton flippten die Konzernmedien völlig aus und pumpten ihre Massenhysterie über „rechtsextremen Terror“ rund um die Uhr unters Volk. Der Guardian gönnte sich eine Auszeit von der Verleumdung Jeremy Corbyns als Antisemit und verkündete, dass El Paso „von Trump inspirierter Terrorismus“ sei. Der Sydney Morning Herald erklärte, dass die USA jetzt offiziell in einer „weißen nationalistischen Terror-Krise“ stecken. The Atlantic verglich Trump mit Anwar al-Awlaki und versicherte uns, dass „das Schlimmste noch bevorsteht!“ Liberale Journalisten und Politiker stürzten sich auf Twitter, um ihre Follower zu informieren, dass eine globale Verschwörung weißer Rassisten und Terroristen, die durch Donald Trump (der, ihr erinnert euch, ein russischer Geheimagent ist) „ermutigt“ oder „inspiriert“ werden, das schöne Gewebe der Demokratie bedroht, daher wird es Zeit, einige außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen!

 

Dabei spielt es keine Rolle, wenn sich herausstellt, dass zwei der drei „rechtsextremen terroristischen“ mutmaßlichen Massenmörder (d.h. bei den Schießereien in Gilroy, El Paso und Dayton) sich gar nicht als weiße Rassisten herausstellten, und das keiner von ihnen Verbindungen zu einer terroristischen Gruppe hatte. Wir leben im Zeitalter des nicht-terroristischen Terrors, in welchem ein jeder als „Terrorist“ oder “spontan selbst-radikalisierter Terrorist“ eingestuft werden kann, unabhängig davon, ob er tatsächlich eine Verbindung zu organisiertem Terrorismus hat.

 

Der Terrorismus ist nicht mehr das, was er einmal war. Damals (das heißt in den 1970ern), da gab es terroristische Gruppen wie die PFLP, ANO, BSO, IRA, RAF, FARC, die Weathermen, und so weiter... mit anderen Worten, echte terroristische Gruppen, die echte terroristische Taten verübten. In jüngerer Zeit gab es AlQaeda und ISIS. Heute jedoch kann mehr oder weniger jeder Aufmerksamkeit suchende Soziopath mit einer Todessehnsucht und einer geklauten AR-15 (oder ein Idiot mit ein paar nicht explodierender Rohrbomben) als solider „inländischer Terrorist“ bezeichnet werden – solange es dem offiziellen Narrativ der globalen, kapitalistischen Herrscherklasse dient.

 

Das offizielle Narrativ unserer Tage lautet: Die Demokratie gegen die Putin-Nazis (auch bekannt als „Der Krieg gegen den Populismus“), was ich in diesen Kolumnen satirisch und auch ernsthafter während der letzten drei Jahre abgedeckt habe. Gemäß diesem offiziellen Narrativ ist „die Demokratie in Gefahr“, durch eine Verschwörung von Russen und Neonazis, die sich auf magische Weise während des Sommers 2016 aus dem Nichts materialisiert hat, genau zu jener Zeit als Trump die Nominierung gewann. Okay, der russische Teil hat vor kurzem etwas nachgelassen, daher gehen die global herrschenden kapitalistischen Klassen und ihre Tröten in den Konzernmedien jetzt voll auf die Faschismus-Hysterie los. Seit Trump die Wahl gewonnen hat, tun sie das ohne Unterlass, wechseln von Woche zu Woche zwischen der Russland-Hysterie und der Faschismus-Hysterie, manchmal stündlich, je nachdem was im Moment gerade „heiß“ ist.

 

Die jüngsten Massenschießereien haben ihnen eine goldene Gelegenheit geliefert, nicht nur wieder einmal auf der Faschismus-Hysterie zu reiten, sondern in jene Terrorismus-Hysterie einzubeziehen, mit der die Amerikaner seit dem 11. September 2001 indoktriniert wurden (das Ziel dieser Indoktrination war es, in der amerikanischen Psyche den „Terroristen“ als den neuen offiziellen Feind einzupflanzen und den „Kommunisten“ als offiziellen Feind zu ersetzen, der diese Rolle während des Kalten Krieges einnahm). Wenn ihr glaubt, dass es beim ursprünglichen Krieg gegen den Terror nur ums Öl oder geopolitische Vorherrschaft ging, der sollte sich die Twitter-Antworten auf die Schießereien in El Paso und Dayton ansehen. Ihr werdet sehen, dass nicht nur hysterische Liberale, sondern „Linke“ und sogar sogenannte „Anarchisten“ über den „rechtsextremen Terrorismus“ kreischen. Am Montag war das der Nummer Eins Hashtag in den USA.

 

Nein, der ursprüngliche Krieg gegen den Terror (was auch immer das war) war vermutlich die effektivste faschistische PsyOp in der Geschichte faschistischer PsyOps. 15 Jahre lange, unablässige Berieselung mit fabrizierter „Terrorismus“-Hysterie hat die meisten Amerikaner (und ganz generell die meisten Westler) so konditioniert, dass sie beim Vernehmen emotioneller Trigger-Wörter wie „Terrorist“ und „Terrorismus“ sofort ihr kritisches Denken ausschalten und fordern, dass die Behörden das Internet zensieren, die Verfassung aussetzen und die Straßen mit militarisierten Fahrzeugen und speziellen „Anti-Terror“-Einheiten mit automatischen Waffen im Anschlag füllen sollen. Dieser Tweet von Geraldo Rivera fängt dieses autoritäre Denken perfekt ein:

 

In der Zwischenzeit muss es an jedem Ort, an dem sich Unschuldige aufhalten, gut geschultes, schwer bewaffnetes Sicherheitspersonal geben.“

 

Ich bin mir nicht ganz sicher, was „In der Zwischenzeit“ bedeuten soll. Vielleicht bedeutet es: Bis die USA, Westeuropa und der Rest des Imperiums in einen glücklichen, Hass-freien, supranationalistischen privaten Polizeistaat umgewandelt werden können, in dem es keinen Rassismus, keinen Faschismus, keinen Terrorismus mehr gibt und niemand jemals wieder schlimme Dinge im Internet sagt.

 

Was wäre das doch für eine glorreiche, transhumane Welt, wie eine lebende und atmende Benetton-Werbung, wenn all diese Rassisten, Terroristen und Extremisten eliminiert sind, oder medikamentös behandelt, oder in Quarantäne und umerzogen sind!

 

Bis dahin wird der Krieg gegen rassistischen Terrorismus, inländischen Terrorismus, islamistischen Terrorismus, russischen Terrorismus, iranischen Terrorismus, antisemitischen Terrorismus der Labour-Partei und jede andere Form von Terrorismus, Extremismus, Hass und Verschwörungsdenken … oh, und gegen Populismus (das hätte ich beinahe vergessen) und jede andere Form von Nicht-Konformität gegenüber der globalen kapitalistischen Ideologie weitergehen , bis wir den Endsieg errungen haben! Er wird kommen … wahrscheinlich eher als ihr denkt.

 

Verdammt, hier sitze ich, am Ende meines Artikels, und ich hätte beinahe vergessen, Trump einen Rassisten zu nennen. Er ist einer, natürlich. Er ist ein großer, fetter Rassist. Ich hätte das gleich zu Beginn schreiben sollen. Ich liege ja schon über Kreuz mit meinen linken Genossen, weil ich das nicht oft genug tue. Ach ja, damit da klar ist, falls irgendwelche anderen Inquisitoren hier mitlesen, ich verleugne auch Satan und sein gesamtes Werk.

 

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