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Von Skripal bis Syrien – Die „neuen Realitäten“ des Imperiums sind am Ende

 

von Rob Slane, 12.04.2018

 

 

So funktioniert die Welt eigentlich nicht mehr. Wir sind jetzt ein Imperium. Und wenn wir handeln, dann erschaffen wir unsere eigene Realität. Und während ihr diese Realität studiert – so akribisch ihr wollt – dann handeln wir erneut und erschaffen eine neue Realität, die ihr auch wieder studieren könnt. Und so funktioniert es. Wir sind die Handelnden der Geschichte...und euch, euch allen, bleibt nur das Studium dessen was wir tun.“

 

So sprach Karl Rove, der stellvertretende Stabschef der Regierung von George W. Bush.

 

Ich wünschte, die Menschen würden Roves Worte sorgfältiger studieren. Ganz genau studieren. Denn täten sie es, dann würden sie jedes Mal, wenn wieder eine Gräueltat geschieht und die Vereinigten Staaten zusammen mit ihrer Koalition aus rückgratlosen Vasallen schon 10 Minuten später schreien und aufheulen, jetzt müsse gehandelt werden, aufgrund eines mit Waschmittelpulver gefüllten Teströhrchens oder Bildern verletzter Frauen und Kinder in einem Kriegsgebiet und die ganzen Medien mit den pflichtschuldigen Stenografen „etwas muss unternommen werden“ kreischen, dann würden sie vielleicht innehalten und sich fragen, ob man ihnen nicht etwas vorspielt. Anstatt in einen emotionellen Krampf zu fallen, würden wir vielleicht stattdessen das ohrenbetäubende Kriegsgetrommel zurückweisen – Kriege, die übrigens die Angewohnheit haben, unermesslich viel mehr Frauen und Kinder zu töten als die angeblichen Zwischenfälle auf denen sie beruhen – und uns die Frage stellen, ob nicht das „Rovesche Gesetz“ am Werk ist.

 

Und die interventionistischen Kriege des Westens erinnern mich auch an den wunderbar zynischen Dialog aus dem Film „Der Mann mit zwei Gehirnen“:

 

Dr. Hfuhruhurr: „Wir sollten den Tod nur akzeptieren, wenn er durch unsere eigene Inkompetenz verursacht wird!“

 

Dr. Necessiter: „Unsinn! Wenn der Mord an 12 unschuldigen Menschen ein menschliches Leben retten kann, dann ist es das wert!“

 

 Und so verkauft uns Dr. Necessiter den Irak-Krieg: „Unsinn! Wenn uns der Sturz des bösen Diktators Saddam Hussein 500.000 Menschenleben kostet, dann wird es das wert gewesen sein!“

 

Und so verkauft er uns die Bombardierung Libyens: „Unsinn! Wenn der Preis für den Sturz von Gaddafi ein Libyen als gescheiterter Staat ist, ein Tummelplatz für Terroristen und ein Massenexodus an Flüchtlingen, dann wird es das wert gewesen sein!“

 

Und noch einmal Dr. Necessiter, dieses Mal verkauft er uns die Bombardierung Syriens: „Unsinn! Es ist das Risiko eines Zusammenstoßes mit einem bewaffneten Land wert, das Tausende von Nuklearwaffen besitzt, wenn wir nur auf den angeblichen Tod von weniger als 100 Menschen bei einem völlig unbewiesenen Chemiewaffenangriff antworten können!“

 

Man beachte die „Logik“ der Interventionisten!

 

Aber zurück zu Rove. Was hat er gesagt? Drei Dinge:

 

Nummer Eins: Wir – das heißt der globalistische Tiefe Staat, zentriert in Washington DC – sind der Souverän über den gesamten Globus und wir handeln wie es uns gefällt.

 

Nummer Zwei: Wir folgen nicht der Realität, wir erschaffen sie.

 

Nummer Drei: Wir sind vorbereitet, Dinge zu tun, die euch den Mund offen, eure Haare zu Berge stehen lassen und euch werden die Augen herausfallen während ihr euch fragt was da los ist und während euer Mund, euer Haar und eure Augen mit sich beschäftigt sind, dann haben wir schon unsere nächste Realität in Angriff genommen.

 

Mit anderen Worten – wir sind Gott – aber kein netter und gnädiger Gott, sondern ein Gott, der alle Menschen, Nationen und Sprachen herumkommandiert, der Lügen erzählt und dann noch mehr Lügen erzählt um die Lügen zu vertuschen und – wenn ihr Einfaltspinsel versucht, herauszufinden was wirklich los ist – bevor ihr wisst was geschehen ist, dann sind diese Lügen, und die Lügen um die Lügen zu vertuschen, zur neuen Realität geworden. Wir sind dann schon weitergezogen und die Welt damit, und das Narrativ, das wir erzeugt haben, wird in die Geschichtsbücher eingehen, die wir selber schreiben werden.

 

Der Fall Sergei Skripal und der angebliche Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta scheinen irgendwie den Zenit dieser Ideologie zu repräsentieren.

 

Ich weiß nicht, wer Sergei Skripal vergiftet hat und aus welchem Grund. Es könnte sein, dass die russische Regierung dahinter steckt. Aber das würde bedeuten, dass man die höchst unwahrscheinliche These akzeptiert, dass sie sich einen ehemaligen MI6-Spion vorgenommen haben, den sie vor acht Jahren aus dem Gefängnis entlassen haben und dabei die dümmste Mordmethode der Menschheitsgeschichte verwendet haben – einen ineffektiven, langsam wirkenden „militärischen“ Nervenkampfstoff, den man zu ihnen zurückverfolgen kann und den sie im verregneten Salisbury an einen Türgriff geschmiert haben – eine Woche vor ihrer Präsidentenwahl und weniger als 100 Tage bevor sie Gastgeber der Fußball WM sind. Mit anderen Worten: die offizielle Sichtweise beruht nicht auf der Feststellung, dass der russische Staat der Inbegriff des Bösen ist, sondern auf der Feststellung, dass er der Inbegriff von Verrücktheit und stümperhafter Inkompetenz ist.

 

Ich weiß nicht, was in Ost-Ghouta geschah. Es könnte sein, dass die syrische Regierung hinter dem steckt was angeblich geschehen ist (wenn es denn geschehen ist), aber das würde bedeuten, die These zu akzeptieren, dass sie nur 24 Stunden vor der kompletten Befreiung der letzten Widerstandsnester in Damaskus, nachdem die USA, UK und Frankreich alle davor gewarnt hatten, dass sie angreifen werden falls Chemiewaffen eingesetzt würden, nur etwa eine Woche nachdem der US-Präsident Donald J. Swamp angekündigt hat, er würde sich aus Syrien zurückziehen (das sie übrigens illegal besetzt haben), dass sie sich zum Einsatz von Chemiewaffen entschieden haben, was ihnen überhaupt keinen militärischen Vorteil verschafft hätte, was aber praktisch garantiert als Vorwand zu Luftschlägen gegen sie verwendet würde. Mit anderen Worten: wie im Fall Skripal basiert diese Theorie nicht auf der Feststellung, dass der syrische Staat der Inbegriff des reinen Bösen ist, sondern auf der Feststellung, dass es der Inbegriff selbstzerstörerischer Dummheit in einem gewaltigen Ausmaß ist.

 

Habt ihr bemerkt was ich getan habe? Ich bin genau in die Falle von Karl Rove getappt, oder? Ich stelle Fragen dazu, ob diese Sichtweisen überhaupt einen Sinn ergeben. Im Falle von Skripal habe ich fleißig die Realität studiert indem ich eine Menge Fragen gestellt habe, die jemandem mir einem Interesse and der Wahrheit in den Sinn kommen können, damit die Wahrheit herausfindet. Ich könnte zu Syrien das selbe tun, wenn ich die Zeit dazu hätte.

 

Aber während ich das tue, bewegt sich das Narrativ schon weiter. Ich tappe genau in jene Falle, die Karl Rove und seine Schüler aufgestellt haben. Sie wollen zwei Sorten von Menschen: jene die blind akzeptieren, dass es die Russen waren, oder dass es dem Assad sei Werk war; und jene, die ihre Zeit damit zubringen, Fragen zu der offiziellen Erklärung zu stellen. Die erste Gruppe nennt die zweite Gruppe Verschwörungstheoretiker und Irre. Die zweite Gruppe nennt die erste Gruppe dumme Schafe. Und der globale Tiefe Staat lacht und lacht und lacht, während die beiden Gruppen sich darüber zanken was geschehen ist und geben ihm einen Freipass um die nächste Realität zu erschaffen. Wahrlich, ich sage euch, diese Bolschewisten haben ihre Hegelsche Dialektik gut gelernt.

 

Nun, das schließt nicht aus, dass in den Fällen Salisbury und Ost-Ghouta die offiziellen Sichtweisen nicht die korrekten sein können – vielleicht. Dass Wladimir Putin und Bashar al-Assad Dick und Doof der Geopolitik sein könnten. Es muss jedoch gesagt werden, was immer man von ihnen halten mag, dass keiner von beiden in Interviews den Eindruck von Dummheit oder Unfähigkeit erweckt. Und es erweckt auch keiner von beiden den Eindruck, dass sie plötzliche irre Anfälle hätten, Dinge zu tun, die ihn absolut nichts nützen, die aber ihren Feinden massive PR-Siege bescheren.

 

Aber das geht am Argument vorbei. Die Frage ist nicht, ob diese speziellen Vorfälle das sind, was die offizielle Berichterstattung verlauten lässt, oder ob es sich um Provokationen handelt. Es genügt den „neuen Schöpfern der Realität“, gelegentlich ihre Realitäten zu schaffen, oder vielleicht auch Vorfälle zu verzerren, die sie nicht geschaffen haben, und bevor man es merkt hat man zwei Gruppen die sich über Ereignisse streiten, die wahr sein können oder gefälscht. Die Verschwörungsanalysten – die jedes Ereignis studieren, um die Details und die Unstimmigkeiten herauszufinden – und die Schafe – die glauben, dass ihre Regierung voller gutherziger, anständiger Kerle und Mägde ist, die niemals etwas Schlechtes tun würden – anders als diese Orks aus Mordor.

 

Rove und Co haben im Grunde eine „Realität“ erschaffen, wo die Wahrheit nicht mehr erkennbar ist, wo eine Schuldvermutung als eine Tatsache gilt und wo die Lücken in dieser Art von Zwischenfällen nur dazu dienen, die Menschen weiter zu spalten, damit der globale Tiefe Staat voranschreiten kann, um seine nächste Realität zu erzeugen.

 

Aber lasst uns nicht düster werden. Die gute Nachricht ist, dass sie zwar denken, sie könnten damit auf ewig davonkommen, aber dem ist nicht so. Kein Königreich oder Imperium, das auf Lügen erbaut ist, kann ewig bestehen. Sie scheitern alle. Und könnt ihr nicht langsam die Anzeichen dafür sehen, dass die „neuen Realitäten“ des Imperiums – oder was der Laie als Lügen bezeichnet – ihren Siedepunkt erreichen? Spürt ihr nicht, dass sie zu selbstsicher geworden sind und deshalb anfangen, sorglos zu werden? Sie machen Fehler. Und während sie das tun, müssen sie zu immer größeren Lügen greifen, um jene zu vertuschen, die sie bereits erzählt haben.

 

Zum Bedauern von Rove und Co, aber zum Glück für uns, funktioniert die Welt tatsächlich nicht so wie sie denken. Die Realität – ich meine die echte Realität, nicht die unechte Realität, die sie geschaffen haben – wird sie früher oder später einholen. Ich spüre, dass das bereits jetzt geschieht. Und wenn das endlich kommt, dann wird das ganze verfaulte Gebäude, das diese „Handelnden der Geschichte“ errichten wollten, in sich zusammenkrachen. Das wird viel Freude bereiten.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    michel o.neland (Montag, 16 April 2018 21:01)

    Je nach dem, wie es kracht, wird es überhaupt keine Freude bereiten. Nur mal so

  • #2

    Unkenrufer (Donnerstag, 19 April 2018 10:50)

    Ich sehe auch keinen Grund für Optimismus. Das Rowe-Modell war doch die Blaupause für das NATO Spektakel Skripal/Duma/Raketenangriff.
    Die Realität wurde komplett auf den Kopf gestellt, Opfer wurden zu Tätern, Kläger zu Richtern und die Angeklagten sollten ihre Unschuld beweisen - und die Sache hat einwandfrei funktioniert: Während die meisten Menschen selbst diese aberwitzige Geschichten einfach geglaubt haben, fingen die "kritischen" Geister an, die Lügen zu widerlegen, und waren und sind intensiv beschäftigt - und können nichts gegen die geplanten Abläufe tun.
    Es war ein Experiment, und es hat funktioniert. Leider.