https://caitlinjohnstone.com/2019/08/12/everyones-a-conspiracy-theorist-whether-they-know-it-or-not/

 

Jeder ist ein Verschwörungstheoretiker,

ob er's weiß oder nicht

 

von Caitlin Johnstone, 12.08.2019

 

 

Die plutokratische Propaganda-Klitsche MSNBC hat zu der Eilmeldung, dass der Befund des Leichenbeschauers zur Ursache von Jeffrey Epsteins Tod „von weiteren Informationen abhängt“, die Tatsachen verdreht.

 

Unsere Quellen sagen immer noch, dass es wie Selbstmord aussieht, und ich befürchte, dass das Verschwörungstheoretiker auf den Plan rufen wird“, sagte NBC Korrespondent Ken Dilanian. „NBC News hat den ganzen Tag lang gehört, dass es keine Anzeichen für ein falsches Spiel gibt und dass es wie ein Selbstmord aussieht und er sich in seiner Zelle selbst erhängt hat.“

 

Dilanian, der sich in seiner Eile beim Wort „Verschwörungstheoretiker“ verhaspelte, nur um es gleich in seinen ersten Satz zu packen, ist ein bekannter Zuarbeiter der Central Intelligence Agency. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist eine bestens dokumentierte Tatsache. Ein Artikel im The Intercept von 2014 mit dem Titel „The CIA's Mop-Up Man“ („Die Reinigungskraft der CIA“) enthüllt Emails (die durch einen Freedom of Information Act-Antrag veröffentlicht wurden) zwischen Dilanian und Beamten des Pressebüros der CIA, die „zeigen, dass Dilanian eine enge Beziehung zur Agentur pflegte, ausdrücklich eine positive Berichterstattung versprach und dem Pressebüro manchmal ganze Story-Entwürfe schickte, damit sie es vor der Veröffentlichung durchsehen konnten.“ Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass diese kuschelige Beziehung beendet wurde, so dass alles, was er veröffentlicht, mit Sicherheit als Pressearbeit der CIA abgelehnt werden kann.

 

Als ich zu dem Twittervideo von MSNBC Dilanians Verbindungen zur CIA erwähnte, da hat MSNBC seinen Tweet gelöscht und dann ohne Dilanians Namen neu eingestellt. Hier ist ein Screenshot des ersten Tweets, gefolgt von einem eingebetteten Link zum gegenwärtigen Tweet (den ich sicherheitshalber archiviert habe).

 

Bis zu der Neuigkeit, dass Epsteins Autopsie einen Selbstmord nicht endgültig bestätigen konnte, haben die Schlagzeilen der Massenmedien überall ohne Fragen hinausposaunt, dass dies als die Ursache für den Tod des angeklagten Sex-Dealers bekannt sei.

 

(Anm.d.Ü.: Ich erlaube mir, hier meinen Tweet zu dieser Thematik einzufügen)

 

Und das trotz der Tatsache, dass die Untersuchung des FBI es ausdrücklich als „offenkundig Selbstmord“ bezeichnet hat. Und trotz der Tatsache, dass man glaubwürdig annehmen darf, dass er in eine sexuelle Erpressungsoperation mit Verbindungen zu Geheimdiensten involviert war, in die viele mächtige Personen verwickelt sind, von der eine jede von seinem Tod hochgradig profitieren konnte.

 

Und somit spielen sich sehr seltsame Dinge ab und die Menschen sind aus gutem Grund völlig baff. Die Antwort der Narrativ-Manager der Massenmedien darauf lautet natürlich, jeden als „Verschwörungstheoretiker“ abzukanzeln.

 

Jeffrey Epstein: Wie nach dem Tod des Finanziers Verschwörungstheorien ins Kraut schießen“, so lautet eine BBC-Schlagzeile.

https://www.bbc.com/news/world-us-canada-49312746

 

Die Verschwörungen zu Epsteins Selbstmord zeigen, wie vergiftet unser Informationssystem ist“, lautet eine Schlagzeile der New York Times.

http://archive.is/F26o8

 

Nach dem Tod von Epstein kursieren im Internet die Verschwörungstheorien“, warnt das Wall Street Journal.

https://www.wsj.com/articles/conspiracy-theories-fly-online-in-wake-of-epstein-death-11565561364

 

Der Tod des Finanziers Epstein enttäuscht die Opfer und führt zu Veschwörungstheorien“, lautet die Schlagzeile des von der US-Regierung finanzierten Voice of America.

https://www.voanews.com/usa/financier-epsteins-death-disappoints-victims-launches-conspiracy-theories

 

Diese Medien passen im Allgemeinen zur Melodie von Dilanian, der jeden, der die offizielle Story zu Epsteins Tod anzweifelt, als komplett Verrückten hinstellt. Mittlerweile drücken ganz normale Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum in den Sozialen Medien ihre Skepsis über das „Selbstmord“-Narrativ aus. Viele von ihnen leiten ihre Zweifel mit einer Abwandlung dieses Satzes ein: „Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber...“

 

Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, aber es gibt eine Menge sehr mächtiger Menschen, die möchten, dass dies Epstein-Sache verschwindet. Gibt es eine Untersuchung des diensthabenden Beamten?“ twitterte die Schauspielerin Patricia Heaton.

 

Ich halte nichts von Verschwörungstheorien. Aber Epstein hatte zerstörerische Informationen über eine außergewöhnliche Anzahl außergewöhnlich mächtiger Menschen. Es ist nicht leicht, in einem Gefängnis Selbstmord zu verüben. Vor allem nachdem er es angeblich schon einmal versucht hat“, twitterte der Strafverteidiger Scott Hechinger.

 

 

Die Journalistin Abi Wilkinson fasst die Albernheit dieser weit verbreiteten Einleitung sehr schön zusammen und twitterte: „'Ich bin kein Verschwörungstheoretiker' ist, wenn man darüber nachdenkt, eine echt schräge Annahme, der Gedanke, dass es zwischen dem Glauben an sämtliche Verschwörungen und der völligen Ablehnung dieses Konzeptes unter allen Umständen nur ein entweder/oder gäbe.“

 

Ja, ich denke, dass es fair ist zu sagen, dass jeder ein Verschwörungstheoretiker ist, wenn er wirklich ehrlich zu sich ist. Nicht jeder glaubt, dass die offiziellen Storys zu 9/11 und dem Mord am JFK mit Handlungslücken oder was auch immer übersät sind. Aber ich bezweifle, dass jemand, der sich hinsetzt und echt mit der Frage „Verschwören sich mächtige Menschen?“ beschäftigt, dies ehrlich abstreiten würde. Nur sind halt manche selbstkritischer als andere, über die selbstverständliche Realität, dass sich mächtige Menschen die ganze Zeit verschwören, und es ist nur eine Frage des Wie und mit Wem und in welchem Ausmaß.

 

Das Wort „sich verschwören“ wird im Merriam-Webster folgendermaßen definiert: „Sich an einer geheimen Absprache beteiligen, um eine illegale oder unrechtmäßige Tat zu begehen, oder eine Tat, die als Resultat der geheimen Absprache ungesetzlich wird.“ Keine vernünftige Person würde bestreiten, dass so etwas geschieht, und auch nicht, dass dies eine Sache ist, die vermutlich in gewissem Ausmaß unter den Mächtigen in ihrem eigenen Land geschieht. Allein das schon ist per Definition eine Theorie über Verschwörung, und sie passt so ziemlich auf jeden. Da es für so ziemlich jeden gilt, ist das Label im Wesentlichen bedeutungslos, entweder als abwertend oder als etwas anderes.

 

Die Bedeutungslosigkeit des Begriffs wurde durch Russia Gate deutlich veranschaulicht. Seine Anhänger reagieren mit stotternder Empörung, wenn man sie darauf hinweist, dass sie an einer Verschwörungstheorie beteiligt sind. Trotz der selbstverständlichen Tatsache, dass es genau das ist: eine Theorie über eine Gruppe von mächtigen russischen Verschwörern, die sich mit den höchsten Ebenen der US-Regierung verschworen haben. Ihr Protest ist nicht auf den Glauben zurückzuführen, dass sie nicht über eine Verschwörung theoretisieren, ihr Einwand ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass ein stark stigmatisiertes Etikett, von dem sie gewohnt sind, es auf andere Menschen zu kleben, ihnen angeheftet wurde. Dieses Etikett wird abgelehnt, weil seine tatsächliche Definition bis zum Punkt der Bedeutungslosigkeit ignoriert wird.

 

Ajamu Baraka: „Kürzlich kam das FBI mit dem absurden Gedanken daher, dass Verschwörungstheorien eine Gefahr für die nationale Sicherheit sind & Epstein wurde tot in seiner Zelle aufgefunden. Aber wenn Garry Webb die Geheimdienstverschwörung in der Crack Kokain Epidemie aufdeckte, da hat er sich in den Kopf geschossen – zweimal!

Stellt keine Fragen“

 

Das Problem lag nie im Begriff „Verschwörungstheorie“ an sich; das Problem war der beliebige und völlig bedeutungslose Gebrauch als Beleidigung. Die beste Art, dieses Problem anzugehen, wäre ein populistischer Schritt, dieses Etikett zu entstigmatisieren, indem man sich seiner bemächtigt. Letzten Monat twitterte Dave Callum von der Cornell-Universität:

 

Ich bin ein 'Verschwörungstheoretiker'. Ich glaube, dass sich reiche und mächtige Männer und Frauen verschwören. Wenn du das nicht glaubst, dann bist du das, was man einen 'Idioten' nennt. Wenn du Sachen glaubst, aber dich vor dem Etikett fürchtest, dann bist du das, was man einen 'Feigling' nennt.“

 

Das müssten wir alle tun. Die Debatte muss gewaltsam von der absurden Frage weggeleitet werden, ob es Verschwörungen gibt oder nicht, hin zu der wichtigen Frage, welche Verschwörungstheorien gültig sind und in welchem Umfang.

 

Und wir sollten uns besser beeilen. Yahoo News berichtete Anfang diesen Monats, dass das FBI kürzlich ein Dokument veröffentlichte, in welchem „durch Verschwörungen angetrieben inländische Extremisten“ als eine wachsende Bedrohung beschrieben werden. Und das war, bevor die jüngste Flut von US-Schießereien die Narrativ-Manager des Establishments dazu brachte, auf neue inländische Terrorismus-Gesetze zu drängen. Dies, zusammen mit der Tatsache, dass wir nicht einmal Fragen über extrem verdächtige Ereignisse wie den Tod von Jeffrey Epstein stellen dürfen, ohne von der Gedankenpolizei der Massenmedien mit diesem bedeutungslosen Schimpfwort geteert zu werden, was bedeutet, dass wir in naher Zukunft einem extremen Risiko ausgesetzt sind, in etwas viel Orwellianischeres versetzt zu werden.

 

Kommentare: 4
  • #4

    P Pank (Donnerstag, 15 August 2019 18:53)

    #EbsteinSuicide

    Klappe zu, Affe tot! Aufklärung erledigt. Vielleicht erfährt man ja auch irgendwann, wer dieser Leichnam auf dem Foto war!

  • #3

    lex (Mittwoch, 14 August 2019 12:31)

    @marie: damals hieß das noch nicht Verschwörungstheoretiker sonder Ketzer. Die Bedeutung war dieselbe.

  • #2

    marie (Dienstag, 13 August 2019 17:55)

    das gesamte wissen der menschheit ist durch erforschen, beobachten und einem strengen analytischen abgleich der widersprüche erfolgt - galileii war bestimmt nicht der erste sogenannten verschwörungstheoretiker - nur ein exakter wissenschaftler der zu erkenntnissen kam, die der herrschenden macht-ideologie nicht in den kram passte - heute arbeitet jeder kriminologe nach diesem indizien/zeugen/ausschluprinzip - jeder verantwortungsvolle arzt bei der erstellung einer diagnose


    die dämonisierungsbegriffe ändern sich mit dem zeitgeist: "neger" wird nicht akzeptiert - sogar aus der literatur in einem anderen kontext mit der zeit gestrichen/geändert -heute werden reichlich neue stigmata zum alleinigen zweck der diffamierung in die gesellschaft gebracht - wir sollten diese absicht klar erkennen und uns vor den menschen hüten, die diese begriffe als ausdruck ihrer primitiven mißachtung und fehlender intelligenz für klare argumente benutzen

    dieser artikel ist ein sehr gutes beispiel für die abwehr von dummheit und gemeinheit - leider fehlt noch vielen der mut bzw. die wirksame kommunikationstechnik zur abwehr ... ist höchste zeit dafür zu lernen!

  • #1

    Hans-Peter (Dienstag, 13 August 2019 09:46)

    Ich bin selbstverständlich ein 'Verschwörungstheoretiker'. Ich glaube, dass sich Menschen verschwören und dadurch zu reichtum und Macht gelangen. Wenn du das nicht glaubst, dann kannst du wohl nicht anders. Wenn du dich vor dem Etikett fürchtest, dann bist du das, was man einen 'Feigling' nennt.“ https://kinesiologiewordpress.wordpress.com/2019/02/06/warum-sollten-verschwoerungstheorien-schlecht-sein/