https://www.zerohedge.com/geopolitical/trilateral-commission-using-crisis-opportunity-reform

 

Die Trilaterale Kommission:

Der Einsatz von Krisen als Gelegenheit für Reformen

 

von Steven Guinness, 29.02.2020

 

 

Vor einigen Jahren habe ich einen Artikel veröffentlicht, der einen kurzen Abriss über die Trilaterale Kommission gab. Darin habe ich zahlreich ehemalige Mitglieder dieser Institution zitiert und wie ihr übergreifendes Ziel die Integration von Nationalstaaten ist, auf Kosten der Selbstbestimmung.

 

(Ordnung aus den Chaos: Ein Blick auf die Trilaterale Kommission: https://stevenguinness2.wordpress.com/2018/06/12/order-out-of-chaos-a-look-at-the-trilateral-commission/ )

 

In jenem Artikel habe ich behauptet, dass das vorherrschende Modell für Globalisten mindestens seit dem Ersten Weltkrieg darin bestand, die Krise als Chance zu nutzen, indem sie zunächst Perioden des Chaos anstifteten, bevor sie sich als die Ordnung der nachfolgenden Unruhen präsentieren konnten. Vier der größten globalen Institutionen der Welt – die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Vereinten Nationen – wurden auf diesem Prinzip gegründet. Ohne eine Reihe von Krisen hätte es keinen Grund für ihre Existenz gegeben.

In den letzten Jahren war ein Trend zu beobachten, wie inmitten geopolitischer Konflikte globale Gremien und führende Persönlichkeiten der Welt im Zuge des zunehmenden politischen Nationalismus und Protektionismus substanzielle Reformen der Europäischen Union und der Welthandelsorganisation forderten. Der Drang nach Reformen wurde weitgehend damit begründet, dass die internationale "auf Regeln basierende Weltordnung" – die aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervorgegangen ist – bedroht sei, und das alles als direkte Folge des Wachstums von Antiglobalisierungsbewegungen, die oft als "Populismus" bezeichnet werden.

Wenn also die globalen Institutionen ihr Machtniveau durch eine tiefere Zentralisierung erweitern wollen, wo genau passt die Trilaterale Kommission in diesen Zusammenhang? Anfang dieses Monats bin ich zufällig auf einen Blog namens 'Dorset Eye' gestoßen, der 2012 gestartet wurde und sich selbst als „ein Online-Bürger-Medienmagazin beschreibt, „in dem lokale, nationale und internationale Mitglieder der Öffentlichkeit ihre Stimme zur Geltung bringen können.“

https://dorseteye.com/

Einer der jüngsten Artikel von Dorset Eye konzentrierte sich auf die Trilaterale Kommission und bezog sich auf einen von der Institution im Sommer 2019 veröffentlichten Bericht mit dem Titel "Democracies Under Stress": Recreating the Trilateral Commission to Revitalize Our Democracies to Upfold the Rules-Based International Order" („Demokratien unter Stress: Die Trilaterale Kommission zur Wiederbelebung unserer Demokratien und zur Aufrechterhaltung der regelbasierten internationalen Ordnung erneuern“). Seltsamerweise ist die betreffende Broschüre nicht direkt von der Website der Trilateralen Kommission aus zugänglich. Eine Google-Suche nach dem Dokument ergibt eine authentische und herunterladbare PDF-Datei, aber keinen tatsächlichen Ort auf der Webseite der Gruppe. Aus welchem Grund auch immer, die Kommission hat dieses Dokument nicht leicht zugänglich gemacht.

http://trilateral.org/download/files/brochure/Trilateral_brochure-2_7.pdf

Bevor wir uns einige Details der Broschüre ansehen, sei angemerkt, dass sie zwei Jahre nach dem Tod der beiden Gründungsmitglieder der Trilateralen Kommission – David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski – im Jahr 2017 veröffentlicht wurde. Das war auch nach dem Tod von Peter Sutherland, der von 2001 bis 2010 europäischer Vorsitzender der Kommission und auch der ehemalige Vorsitzende von Goldman Sachs war. Insbesondere nach dem Tod von Rockefeller und Brzezinski sieht die Trilaterale Kommission nun die Notwendigkeit, sich selbst "neu zu erschaffen" und die Arbeit ihrer Gründerväter fortzuführen.

In der Zusammenfassung der Broschüre stellt die Kommission fest, dass "die globale Ordnung, die am Ende des Kalten Krieges so unbesiegbar schien, heute in Frage gestellt ist":


Ob die Welt sich als fähig erweist, die dringendsten Probleme, denen sich die Menschheit heute gegenübersieht, zu lösen, wird zum Teil von der Fähigkeit der fortgeschrittenen Demokratien abhängen, ihre gegenwärtige Misere zu überwinden und wie in den vergangenen Jahrzehnten zusammenzuarbeiten.

Die Trilaterale Kommission, eine fünfundvierzig Jahre alte Organisation, schafft sich selbst neu, um bei diesen Bemühungen eine führende Rolle zu spielen und eine unverzichtbare Ressource zu sein.

 
Sie sprechen von der "Wiederentdeckung ihrer Wurzeln", der "Schärfung" ihrer Mission und der Notwendigkeit einer "Verjüngung" ihrer Mitglieder – alles unter dem Vorwand, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu überwinden und "die auf Regeln basierende internationale Ordnung aufrechtzuerhalten".

Eine der größten Herausforderungen besteht laut Kommission darin, dass "das Streben nach tieferer Integration und größerer Globalisierung bis vor wenigen Jahren unumkehrbar schien", die "unbeabsichtigten Folgen dieser Trends – von Ungleichheit bis hin zu kultureller Entfremdung – neue Formen der Unzufriedenheit geschürt haben, die einen Anstieg von Populismus und Nationalismus in den fortschrittlichsten Volkswirtschaften und Demokratien der Welt begünstigt haben".

Die Kommission bietet sich selbst als Lösung an, indem sie feststellt, dass "die heutigen Institutionen – sowohl die globalen als auch die nationalen – schlecht gerüstet scheinen, um diesen Trends entgegenzutreten und die Aufrechterhaltung der auf Regeln basierenden internationalen Ordnung zu gewährleisten".

Sie erwähnen, wie die Zunahme von Populismus und Nationalismus dazu geführt hat, dass Nationen auf der ganzen Welt "durch interne Spaltungen kompromittiert und von Institutionen regiert werden, die den Realitäten der Zeit nicht mehr gerecht werden".

Wie zu erwarten ist, hat die Kommission einen Plan, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Erstens bedarf das einer "Wiederbelebung" der Demokratien Nordamerikas, Europas und Asiens und der Säuberung „autoritärer Regime, die an Vertrauen gewinnen und sich auf globaler Bühne stärker etablieren". Zweitens, damit diese "demokratische Erneuerung" erreicht werden kann, bedarf es "neuer Stimmen und eines neuen Denkens aus allen Teilen dieser Gesellschaften".

Ein potenzieller Weg für eine "Erneuerung" ist die Annahme des von der UNO ausgearbeiteten Green New Deal auf nationaler Ebene, der in den Vereinigten Staaten von Alexandria Ocasio-Cortez mit Nachdruck vertreten wird. Bei den Wahlen 2024 wird sie mit fünfunddreißig Jahren für die Präsidentschaft kandidieren können.

Aber anscheinend ist der Drang der Trilateralen Kommission, Reformen zu beginnen, unmittelbarer als vier Jahre in der Zukunft. Inmitten vermeintlich autoritärer Regime und des Zusammenbruchs der internationalen Ordnung glauben sie, dass sie sich in einer idealen Position befinden, um mit den "globalen Übeln" fertig zu werden:

 

Die Trilaterale Kommission ist gut aufgestellt, um bei dieser Wiederbelebung eine entscheidende Rolle zu spielen und versucht, wieder zu einer analytischen Heimat für die Bewertung der Belastungen zu den fortgeschrittenen Demokratien zu werden, sie bietet Lösungen für den Umgang mit ihnen an und katalysiert die Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern in globalen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Fragen.

 

Wie in der Broschüre erwähnt, war einer der Gründe für die Gründung der Trilateralen Kommission im Jahre 1973, "eine angeschlagene Handelsordnung zu stützen". Wenn man den zunehmenden politischen Protektionismus betrachtet, steht der Handel im Vordergrund der Diskussion. Neben den künftigen Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU und dem anhaltenden Handelskonflikt zwischen den USA und China gibt es nun das zusätzliche Element des Coronavirus, das die globalen Lieferketten einzuschränken droht. Zusammengenommen ist es ein Schmelztiegel aus sich entwickelnden Krisen.

 

Es überrascht nicht, dass die Kommission sich "als einzigartig gut geeignet sieht, die vielen Herausforderungen, die fortgeschrittenen Demokratien gemeinsam sind, anzugehen und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen ihnen anzuregen":

 

Sie ist die einzige Organisation, die alle betroffenen Länder in dieser trilateralen Struktur zusammenbringt und sie gut positioniert, um Experten, Institutionen und andere Einheiten miteinander zu verbinden, um zu diagnostizieren, was diese Demokratien belastet, und um Schritte vorzuschreiben, um sie zu stützen.

 

Ob zufällig oder nicht, wenn es darum geht, im Detail zu beschreiben, wie die internationale Struktur der Kommission in der Lage ist, "drängenden globalen Problemen" zu begegnen, wird als eines der Beispiele dafür der Umgang mit Pandemien genannt. Auch die Verbreitung von Atomwaffen, der Klimawandel und der Protektionismus werden als Probleme anerkannt.

 

Wie ich bereits früher geschrieben habe, stammen die Wurzeln der Kommission aus dem Bereich des Bankwesens. Der Gründer David Rockefeller war früher Vorsitzender der Chase Manhattan Bank, und einst gehörten acht Vorstandsmitglieder der Chase Manhattan Bank zu Rockefellers Kommission. Ein Blick auf die Mitgliederliste für das Jahr 2020 zeigt, dass die Kommission nach wie vor weitgehend von Konzerninteressen im Banken-, Öl- und Mediensektor bevölkert ist. Unter den Mitgliedern befinden sich auch ehemalige Premierminister und Mitglieder der nationalen Parlamente. Im Vereinigten Königreich ist eines der bemerkenswertesten Beispiele Keir Starmer, der derzeit für den nächsten Vorsitzenden der Labour-Partei kandidiert. Michael Bloomberg, der als Kandidat der Demokraten bei den US-Wahlen kandidiert, ist ebenfalls Mitglied.

 

Was einst als eine elitäre Organisation begann, das ist auch heute noch so, da sie nach wie vor von den CEOs, Vorsitzenden und Vertretern einiger der größten Unternehmen und der größten politischen Jurisdiktionen der Welt dominiert wird.

 

Bei einer besonderen Veranstaltung im Jahr 1998 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Trilateralen Kommission wurde eine Liste der finanziellen Unterstützer von 1973 bis 1998 veröffentlicht, auf der Namen wie Exxon Corporation, AT&T Foundation, The Coca-Cola Company, The First National Bank of Chicago, Morgan Stanley & Co und Goldman Sachs aufgeführt sind. Eine Liste für heute ist nicht ohne weiteres verfügbar.

 

Daneben hat die Trilaterale Kommission bei der Ausarbeitung einer "neuen, stärker fokussierten Mission" eine Handvoll Themen identifiziert, bei denen sie zur Normalität zurückkehren will. Ein Thema davon ist der Populismus. Wenn die Kommission signalisiert, dass der Populismus ein Leitthema für ihr weiteres Vorgehen sein wird, so deutet dies darauf hin, dass das Wiederaufleben von Nationalismus und Protektionismus noch nicht abgeschlossen ist. Wenn man zwischen den Zeilen liest, dann erwarten sie, dass die Verzweigungen des Populismus die Zersplitterung der internationalen Ordnung mit sich bringen werden, und dass es daher notwendig sein wird, die globalen Gremien aufzufrischen, z.B. durch eine stärkere Zentralisierung der Macht, um damit fertig zu werden.

 

Eine weitere interessante Aussage der Kommission ist, dass sie "auch Themen aufzeigt, die durch ihre Mischung aus Politik- und Wirtschaftsführern vorangetrieben werden können und nicht unbedingt eine Annahme durch die nationalen Regierungen erfordern, um Wirkung zu erzielen". Mit dem ganzen Narrativ eines Zusammenbruchs der "regelbasierten globalen Ordnung" ist die Gefahr verbunden, dass die nationalen Administrationen bei der Bewältigung internationaler Herausforderungen ohnmächtig werden. Diese Passage könnte darauf hindeuten, dass in Zukunft das traditionelle Modell der Regierungsgesetzgebung – das oft verleumdet wird, weil es nicht entschlossen oder nicht willens genug ist, Themen wie den Klimawandel zu bekämpfen – zugunsten einer globalen Regierungsführung umgangen werden könnten. Eine Welt, in der Konzerninteressen im Gleichschritt mit reformierten globalen Institutionen faktisch zu einer internationalen Legislative werden.

 

Diese Theorie wird vielleicht noch verstärkt, wenn die Kommission erklärt, dass sie sich nun "auf jene Belastungen konzentrieren wird, die die Fähigkeiten der heutigen fortgeschrittenen Demokratien zur kollektiven Bewältigung globaler Dilemmata beeinträchtigen". Ich glaube, dass die Kommission ohne diese "Belastungen" keine ausreichenden Gründe hat, um ein Vorrücken ihres Einflussbereichs zu rechtfertigen.

 

Die Broschüre lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Kommission "neu formiert". Sie will dies unter anderem durch "neue, innovative Rezepte in die nationalen Debatte und Regierungsprozess", um "bessere Ergebnisse in der Innen- und Außenpolitik" zu erreichen“.

 

Da in der Kommission zahlreiche globale Medien sowie bedeutende Konzerninteressen vertreten sind, scheinen sie gut aufgestellt zu sein, um mit der Gestaltung dieser "Rezepte" zu beginnen und den künftigen öffentlichen Diskurs über die Medien der nationalen Presse und der sozialen Medien zu lenken. Schließlich sind innerhalb der Mitglieder Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, Europa und den USA vertreten, ein Bindeglied, das die Verbreitung von Informationen von der trilateralen Ebene bis hinunter zur allgemeinen Bevölkerung wesentlich erleichtert.

 

Dies wird nicht das letzte Beispiel sein, das wir über globale Institutionen erfahren, die inmitten der zunehmenden geopolitischen Instabilität weitreichende Reformen anstreben. Das größere Ausmaß an Chaos, das den Nationalstaaten zugefügt wird, wird die Trilaterale Kommission und andere nur stärken, um die nationale Souveränität zugunsten von global ausgearbeiteten Lösungen zu verdrängen.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Lieber Bi als Tri (Freitag, 06 März 2020 07:43)

    Ich hasse diesen Drecksverein!

  • #2

    Humml (Mittwoch, 04 März 2020 17:03)

    "..., dass in Zukunft das traditionelle Modell der Regierungsgesetzgebung – das oft verleumdet wird, weil es nicht entschlossen oder nicht willens genug ist, Themen wie den Klimawandel zu bekämpfen – zugunsten einer globalen Regierungsführung umgangen werden könnten. Eine Welt, in der Konzerninteressen im Gleichschritt mit reformierten globalen Institutionen faktisch zu einer internationalen Legislative werden."

    Das derzeitige "Sanktionsregime" des "Westens" ist dafür eine Art Testlauf oder "Pilotprojekt". Wer nicht "mitspielt", wird durch die "Weltgemeinschaft" von der "Weltwirtschaft" abgeschnitten. TTIP oder TISA, u.ä., sind da die gefährlichen Formate, mittels derer die "Regeln" geschaffen werden, auf denen die "Ordnung" dann "basiert".
    Wenn der Chef von BlackRock jüngst verkündigte, daß für seinen "Verein" die Ausrichtung von Unternehmen auf den "Klimaschutz" maßgebliche Bedeutung haben wird, so können wir heute schon ahnen, was das "Klima" so an "Regeln" zu erwarten und derselben es sich gefälligst zu unterwerfen hat - zu unser aller Schutze selbstverständlich, und wenn ich das "Klima" wäre, würde ich da auch ziemlich "heiß".

  • #1

    Ines (Montag, 02 März 2020 08:10)

    Die haben ja auch ihre Statthalter meist von Goldman Sachs in Europa und in Lateinamerika z.B. dieser Putschpräsident von Venezuela, dann Macron in Frankreich und andere die in der EU vetreten sind.

    Ines