Anm.d.Ü.: Zum folgenden Aufsatz von Eric Zuesse passt hervorragend dieser CrossTalk mit dem Titel

"Deep state rising":

 

https://www.strategic-culture.org/news/2019/11/06/how-the-deep-state-justifies-itself-in-america/

 

Wie sich der Tiefe Staat in den USA „rechtfertigt“

 

von Eric Zuesse, 06.11.2019

 

 

Am 30. Oktober gab es eine Podiumsdiskussion beim National Press Club und dem Michael V. Hayden Center.

 

Die Diskussionsteilnehmer waren John Brennan, Michael McCabe, John McLaughlin und Michael Morrell. (Anm.d.Ü.: Drei ehemalige CIA-Direktoren und ein ehemaliger FBI-Direktor)

 

Hier der Link zum C-Span Video:

https://www.c-span.org/video/?465878-1/national-security-officials-discuss-election-security

 

Sie stimmten alle dieser Äußerung des ehemaligen stellvertretenden CIA-Direktors McLaughlin zu: „Thank God for the Deep State“ – und das zahlreiche Publikum applaudierte – niemand buhte.

 

John Brennan ergänzte diesen Gedanken und es gab noch mehr Applaus. Dieser Gedanke wurde jedoch nicht von McLaughlin erfunden; er hat sich vor kurzem auf den Seiten der New York Times entwickelt. Vielleicht haben die Diskutanten es dort gelesen. Anstatt dass die amerikanischen „Nachrichten“-Medien unkritisch das hinausposauen, was Regierungsbeamte als Tatsachen versichern (wie es normalerweise der Fall ist), so haben wir jetzt ehemalige Geheimagenten, die unkritisch das hinausposaunen, was ein „Nachrichten“-Medium des Mainstream sich kürzlich als Tatsache zurechtgelegt hatte – und sie erzählen das über sich selbst. Sie haben sich geoutet, sie geben sich als der Tiefe Staat zu erkennen. Aber sogar dabei lügen sie noch, denn sie sind nicht der Tiefe Staat; sie sind nur Agenten für ihn.

 

Der Tiefe Staat „rechtfertigt“ sich in Amerika in den „Nachrichten“-Medien, die er besitzt, und er tut es, indem er falsch „definiert“, was der Tiefe Staat ist (er besteht in Wahrheit aus den 607 Milliardären des Landes, deren angestellte Agenten in die Millionen gehen). Sie „definieren“ ihn falsch und tun so, als wären es die vom Steuerzahler bezahlten Berufsangestellten der Regierung, bekannt als „der Öffentliche Dienst“. (Obwohl einige Beamte – vor allem in den oberen Rängen – wirklich Agenten der amerikanischen Milliardäre sind und nach dem Dienst angenehme Pöstchen erhalten, die meisten aber nicht. Und die „Drehtür“ zwischen dem „öffentlichen Sektor“ und dem „privaten Sektor“ ist es, wo sich die Operationen des Tiefen Staats konzentrieren. Dort befindet sich das Herz des Netzwerks, an dem sich die Milliardäre bedienen lassen. Und natürlich erzählen diese ehemaligen Agenten vor dem Nationalen Presseclub darüber nichts. Sind sie wirklich so dumm, dass sie es nicht wissen, oder tun sie nur so?)

 

Wie die Agenten des Tiefen Staats diese Täuschung über die Bedeutung von „Deep State“ ausüben, das wurde gut in neun Links dargestellt, die am 28. Oktober von dem außerordentlich ehrlichen, anonymen deutschen Geheimdienstanalysten geliefert wurden, der als „Moon of Alabama“ bloggt und 9 Artikel der New York Times getadelt (und verlinkt) hat, sie würden eine Gefahr für die Demokratie in Amerika darstellen. Wie ich hier darstellen möchte, zielen diese 9 Artikel tatsächlich darauf ab, die amerikanische Öffentlichkeit zu täuschen, darüber was die echte Bedeutung des Begriffs „der Tiefe Staat“ ist. Sein Aufsatz trägt den Titel: „Endorsing The Deep State Endangers Democracy“ (und das ist es, was diese Diskussionsteilnehmer am 30. Oktober getan haben: den Tiefen Staat befürworten – to endorse)

https://www.moonofalabama.org/2019/10/endorsing-the-deep-state-endangers-democracy.html

 

Er hat jedoch nicht die Taktik erklärt, die die Redaktion der NYT (und diese ehemaligen Geheimdienstler) benutzt haben, um die Öffentlichkeit über den Tiefen Staat zu täuschen, und das will ich hier erklären, indem ich die Transformation zeige, wie diese Propaganda-Organisation, die New York Times, mit der Zeit den Begriff „Deep State“ eingeführt hat – eine erstaunliche Transformation, die am 16. Februar 2017 begann, als die Zeitung abstritt, dass in Amerika ein Tiefer Staat existiere, so etwas gäbe es nur in korrupten Ländern; und das wurde mit der Zeit auf den Kopf gestellt, indem man versicherte, dass es in den Vereinigten Staaten einen Tiefen Staat gibt, aber dass er gegen die Korruption in diesem Land kämpfe. Wie immer glauben das nur Idioten (so wie das applaudierende Publikum am 30. Oktober), aber Propagandisten sind auf Idioten angewiesen, ohne die können sie nicht gedeihen. Und hier hat sich die NYT in 9 Artikeln rasch von einer glatten Leugnung zu der stolzen America the Exceptional-Bestätigung gewandelt, dass der Tiefe Staat dieses Land regiert und auch regieren sollte. Ich stimme der Feststellung zu, dass „die Befürwortung des Tiefen Staats die Demokratie gefährdet“, aber ich bin mehr daran interessiert zu erklären, wie diese Befürwortung – diese Täuschung – ausgeführt wird.

 

Der erste dieser NYT-Artikel erschien am 16. Februar 2017, und darin wird abgestritten, dass die USA überhaupt einen „Deep State“ hätten.

http://archive.is/3naTW („Die Leaks werden immer mehr, Ängste vor einem 'Deep State' in Amerika“)

 

Der zweite erschien am 6. März und gibt Präsident Trump die Schuld (da die NYT hauptsächlich Milliardäre der Demokratischen Partei repräsentiert) dafür, dass der Begriff „der Tiefe Staat“ in den politischen Diskurs der USA Einzug gehalten hat, und tut so, als würde sich dieser Begriff nur auf „Länder wie Ägypten, Türkei und Pakistan beziehen, wo sich autoritäre Elemente zusammentun, um demokratisch gewählte Führer abzusägen.“

http://archive.is/SdQMB („Untergräbt das Grollen über einen 'Deep State' Trump? Einst war das ein fremdes Konzept“)

 

Der dritte Artikel wurde am 10. März 2017 veröffentlicht und wiederholt die Vermutung, dass dieser Begriff nur für „die mächtigen Deep States in Ländern wie Ägypten oder Pakistan gilt, so sagen Experten“.

http://archive.is/jCQQz („Was geschieht, wenn man einen 'Deep State' bekämpft, der nicht existiert“)

 

Der vierte erschien am 5. September 2018 und stammt von einem anonymen Gastkommentar eines Regierungsangestellten, der Trump verurteilt und „sich geschworen hat, Teile seiner Agenda und seine schlimmsten Neigungen zu vereiteln“. „Das ist nicht die Arbeit des sogenannten Tiefen Staats. Das ist die Arbeit des stabilen Staats.“ Also: die Radaktion der NYT bearbeitet immer noch ihre Propaganda-Linie, dass es in den USA keinen Tiefen Staat gibt – hier es gibt nur Whistleblower.

http://archive.is/MrcZi („Ich bin Teil des Wiederstandes innerhalb der Trump-Administration“)

 

Im fünften Artikel vom 18. Dezember 2018 hieß es zum Beispiel, dass „Adam Lovinger, ein Analyst im Pentagon, einer der ersten war, der sich in die Verteidigung des Tiefen Staats verwickelt hat“ – nämlich, dass sie „aus Leuten bestehen, die zu politischen Zwecken aufs Korn genommen werden.“ Jetzt bestätigt also die Redaktion der NYT ihre neue, falsche „Definition“ des „Tiefen Staats“: es handele sich nur um Whistleblower aus der Regierung.

http://archive.is/9GdfE („Dem Tiefen Staat die Schuld geben“)

 

Im sechsten Artikel vom 6. Oktober 2019 heißt es: „Präsident Trump und einige seiner Verbündeten behaupten ohne Beweise, dass es eine Verschwörung amerikanischer Beamter gäbe – des sogenannten Tiefen Staats – in einer breit angelegten Operation, um den Wahlkampf von Mr. Trump zu behindern. Die Verschwörungstheorie bleibt unbegründet.“ Jetzt streitet die NYT-Redaktion wieder ab, dass es in Amerika irgendeinen „Tiefen Staat“ gibt. Das war ein Signal von ihnen, dass sie erkannt haben, dass man die „Definition“ von „Deep State“ durchrütteln muss, wenigstens ein bisschen.

http://archive.is/CzpDt („Italiens Verbindung zur Russland-Untersuchung – eine Erklärung“)

 

Der siebte Artikel vom 20.Oktober 2019 stammt von einem Mitglied der Redaktionsleitung und spricht mutig über den „Deep State“: „Lasst uns diese nicht schweigenden Helden loben“. Jetzt haben sich die Propagandisten fest auf ihre neue (und zuvor bloß informative) „Definition“ des „Tiefen Staats“ festgelegt, er besteht aus Whistleblowern in der Beamtenschaft der US-Regierung, aus „Individuen, die bereit sind hervorzutreten und gegen den Krieg der Administration gegen Wissenschaft, Sachkompetenz und Fakten zu protestieren.“

http://archive.is/sFGtl („Sie sind nicht der Widerstand. Sie sind keine Verschwörung. Sie sind Staatsdiener.“)

 

Der achte Artikel vom 23. Oktober 2019 setzt den „Tiefen Staat“ noch offener mit der Amtsenthebung von Präsident Trump gleich: „In den letzten drei Wochen ist der Tiefe Staat aus den Schatten hervorgetreten, in Form von echten, lebenden Regierungsbeamten, ehemaligen und gegenwärtigen, die sich einem Versuch des Weißen Hauses widersetzt haben, die Zusammenarbeit mit der Untersuchung zum Amtsenthebungsverfahren des Repräsentantenhauses zu blockieren und die Beweise geliefert haben, die den immer noch anonymen Informanten weitgehend unterstützen.“

http://archive.is/ouzfr („Trumps Krieg gegen den 'Deep State' wendet sich gegen ihn“)

 

Der neunte Artikel vom 26. Oktober 2019, der von „einer mitwirkenden Gastkommentatorin und Geschichtsprofessorin“ stammt, behauptet, dass man die Ursprünge des „Tiefen Staats“ bei Teddy Roosevelt in den 1880ern findet, als „eine gesunde Dosis Elitismus Roosevelts Kreuzzug vorantrieb, da die Filzokratie der Weg zur Macht für die von Einwanderern getriebene politische Maschinerie in Großstädten wie New York gewesen war. Doch die von ihm und anderen geschaffenen Gesetze des öffentlichen Dienstes markierten den Beginn eines Übergangs zu einem gerechteren, weniger korrupten öffentlichen Bereich.“

http://archive.is/SIPW7 („Der 'Tiefe Staat' existiert, um Menschen wie Trump zu bekämpfen“)

 

Mit anderen Worten: der Tiefe Staat besteht in Amerika nicht aus Tätern einer korrupten Regierung (wie etwa in „Ländern wie Ägypten, Türkei und Pakistan, wo sich autoritäre Elemente zusammentun, um demokratisch gewählte Führer abzusägen“), sondern es handelt sich stattdessen um mutige Feinde einer korrupten Regierung; und sie werden bei uns von der Aristokratie eingesetzt (den heutigen amerikanischen Milliardären), mit dem Auftrag, die Korruption in der Regierung (die, so behauptet die NYT jetzt, aus den niederen Klassen kommt oder ihnen dient) zu verringern, wenn nicht gar zu eliminieren.

 

Die Lektionen über Big Brother, die von George Orwell in seinem bloß bildlichen Meisterwerk 1984 gelehrt wurden, sie wurden offenbar nie gelernt. Denn sogar heute – da sein „Neusprech“ immer weiter verfeinert wird, so dass Schwarz jetzt Weiß ist, und gut böse, und die Wahrheit eine Lüge – gibt es immer noch Menschen, die den Propagandisten beipflichten und von ihren lächerlichen Betrügereien nicht genug bekommen können. In einigen armen Ländern regiert zwar ein korrupter Tiefer Staat; aber in Amerika regiert ein Tiefer Staat, um Korruption zu reduzieren oder gar zu verhindern, so folgert jetzt die New York Times.

 

Ihr könnt in diesen neun Artikeln in der NYT sehen, wie es gemacht wird. Ist das nicht einfach erstaunlich?!

 

Kommentare: 1
  • #1

    Humml (Sonntag, 10 November 2019 10:13)

    So, so – der „Tiefe Staat“ also.
    Nun was er hier beschreibt, nannten wir früher „Staatsmonopolistischen Kapitalismus“, der Begründer dieser Theorie war ein gewisser Rudolf Hilferding - aber warum nicht „das Rad zum zweiten mal erfinden“ – wenn es denn der Wahrheitsfindung dient?!
    Wer sich da näher informieren möchte, dem sei - https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsmonopolistischer_Kapitalismus#Kernaussagen_der_Stamokap-Theorie -
    durchaus empfohlen.
    Was dort unter „Kernaussagen…“ zu lesen ist, müßte einem eigentlich bekannt vorkommen.
    (Wir bedienen uns recht gern dieses Mediums, trotz aller z. T. berechtigten Kritik, weil eine „Färbung“ im Sinne einer Sympathie für „Kommunismus“ bzw. dem sog. „Ostblock“, wie er einst existierte, relativ unwahrscheinlich sein dürfte.)

    Und da wir es „lieben“, geradezu aberwitzige Zusammenhänger herzustellen, möchten wir doch wärmstens, gar dringend, diesen Vortrag empfehlen:
    „ÖDP-Vortrag 14.03.2019 Prof. Dr. Heiner Flassbeck: Neues Freihandelsabkommen mit Afrika“
    https://www.youtube.com/watch?v=4tUWXRqu31c

    Flassbeck beschreibt hier u. a. ein „Freihandeln“, welches in Fachkreisen als „Carry Trade“ bekannt und unter „freiem Kapitalverkehr“ einzuordnen sein dürfte – aber vor allem eine Form „legitimierter Wirtschaftkriminalität“ ist.
    (Der entsprechende deutsche Wikipedia-Eintrag ist da übrigens durchaus kritikwürdig, weil dort beispielhaft die falschen Währungen herangezogen werden.)

    Nebenbei können wir von Flassbeck auch Erhellendes zu den segensreichen Auswirkungen von „Freihandel“ auf Haiti erfahren - die Ursachen für das ganze dortige Elend werden einem mit einem Schlag offenbar.

    Und nein, liebe Brüder und Schwestern, Flassbeck ist kein „Kommunist“, er ist noch nicht einmal „Sozialist“.
    Denn der „Kommunismus“ ist ja tot.
    Amüsanterweise werden da besonders diese „Hardcore-Liberalen“, diese „Von Hayek-Apologeten“ oder „Friedmann-Adepten“, die sich da wohl „Libertäre“ nennen (die Begrifflichkeit ist hier etwas „unübersichtlich“), nicht müde, auf ein totes Pferd drein zu schlagen …. irgend wann muß denen mal einer verklickern, daß sie mit ihrem Verhältnis zum – besser - mit ihrer Vorstellung vom „Staat“ verdammt „kommunistisch“ daherkommen (so wie wir uns das perspektivisch einmal gedacht hatten) - obwohl – lieber nicht, sonst würden wir ggf. für massenhafte „Selbstentleibungen“ verantwortlich werden.