http://thesaker.is/the-systemic-collapse-of-the-us-society-has-begun/

 

Der systemische Kollaps der USA hat begonnen

 

vom Saker, 04.06.2020 geschrieben für Unz Review

 

 

Insgesamt 24 Jahre habe ich in den Vereinigten Staaten gelebt und in dieser langen Zeit viele Krisen erlebt. Aber was heute vor sich geht ist wahrlich einzigartig und viel ernster als jede andere Krise an die ich mich erinnere. Und um meinen Standpunkt zu erläutern, möchte ich zuerst sagen, was ich glaube, worum es sich bei diesen Unruhen, die wir in Hunderten US-Städten sehen, nicht dreht. Es geht nicht um:

 

1. Rassismus oder „weiße Privilegien“

 

2. Polizeigewalt

 

3. Soziale Entfremdung und Verzweiflung

 

4. Armut

 

5. Trump

 

6. Liberale, die Öl ins soziale Feuer gießen

 

7. Streitereien innerhalb der US-Eliten/des Tiefen Staats

 

Es geht nicht um irgendeines davon, denn es umfasst alle diese Themen, und noch mehr.

 

Es ist wichtig, immer an den Unterschied der Begriffe „Ursache“ und „Scheingrund/Vorwand“ zu denken. Es stimmt zwar, dass all diese oben genannten Faktoren real sind (zumindest in bestimmtem Ausmaß, und ohne die Unterscheidung zwischen Ursache und Wirkung zu betrachten), aber nichts davon ist die wahre Ursache dessen was wir erleben. Das Obige sind höchstens Scheingründe, Auslöser wenn man so will, aber die wahre Ursache dessen, was sich heute abspielt, ist der systemische Zusammenbruch der US-Gesellschaft.

 

Als nächstes müssen wir daran denken, dass das Vorhandensein eines Zusammenhangs kein Beweis der Ursächlichkeit ist. Nehmen wir zum Beispiel diesen Artikel von CNN mit der Überschrift „Die schwarz-weiße Ungleichheit der USA in 6 deutlichen Diagrammen“. Darin werden die beiden Begriffe völlig durcheinandergebracht und es kommt dieser Satz darin vor: „Diese Ungleichheit existiert wegen einer langen Politikgeschichte, die farbige Amerikaner ausgeschlossen und ausgebeutet hat, sagte Valerie Wilson, Direktorin des Programms über Rasse, Ethnizität und Wirtschaft beim Economic Policy Institute, einer linkslastigen Gruppe.“ Das Wort „wegen“ weist deutlich auf eine Kausalität hin, dennoch gibt es in dem Artikel oder den Daten absolut nichts, was das unterstützen würde. Die US-Medien sind randvoll mit solchen Vermengungen von Korrelation und Ursache, aber das wird selten kritisiert.

 

Damit eine Gesellschaft, jede Gesellschaft, funktioniert, müssen eine Reihe von Faktoren vorhanden sein, die den Sozialvertrag herstellen. Die genaue Liste, die diese Faktoren beinhalten, hängt vom jeweiligen Land ab, aber typischerweise beinhalten sie eine Art von politischem Konsens, die Akzeptanz der Regierung und ihrer Institutionen durch den Großteil der Bevölkerung, oft auch eine vereinigende Ideologie oder zumindest gemeinsame Werte, das Vorhandensein einer stabilen Mittelschicht, die begründete Hoffnung auf ein funktionierendes „Sozialleben“, Bildungseinrichtungen etc. Schließlich – und das ist zynisch – ist es immer gut, wenn die herrschenden Eliten genug Zirkus (TV) und Brot (Essen) für die meisten Bürger liefern können. Diese gilt ebenso für die sogenannten autoritären/totalitären Gesellschaften, die – im Gegensatz zum liberalen Mythos – normalerweise die Unterstützung eines großen Teils der Bevölkerung genießen (und sei es auch nur, weil diese Regime oft eher in der Lage sind, die Grundbedürfnisse einer Gesellschaft liefern können).

 

Ich möchte behaupten, dass die US-Regierung derzeit nahezu völlig die Fähigkeit verloren hat, eines dieser Dinge zu liefern oder den zerbrochenen Sozialvertrag zu reparieren. Tatsächlich können wir das genaue Gegenteil beobachten: Die US-Gesellschaft ist extrem gespalten, genauso wie die herrschende Klasse der USA (was noch wichtiger ist). Nicht nur das, aber seit der Wahl von Trump haben die glühenden Trump-Hasser nicht nur die Legitimität von Trump selbst, sondern des politischen Systems untergraben, das seine Wahl ermöglicht hat. Ich sage das schon seit Jahren: Indem sie „Nicht mein Präsident“ sagen, haben die Trump-Hasser nicht nur Trump persönlich delegitimiert, sondern auch die Exekutive als solches delegitimiert.

 

[Nebenbemerkung: Das ist ein absolut faszinierendes Phänomen: Während Trump seit nahezu vier Jahren das US-Imperium im Ausland zerstört, haben die Trump-Hasser die selben vier Jahre damit verbracht, die USA von innen heraus zu zerstören! Wenn wir über die (größtenteils fiktiven) Unterschiede zwischen den Republikraten und den Demolikanern hinausblicken, so können wir sehen, dass sie wie eine Art gemeinsames Abrissunternehmen arbeiten. Und während sie sich gegenseitig leidenschaftlich hassen, tragen sie beide dazu bei, das Imperium und die Vereinigten Staaten zu Fall zu bringen. Für jeden, der sich mit Dialektik beschäftigt, wäre dies sehr vorhersehbar gewesen, aber leider wird Dialektik nicht mehr unterrichtet, daher dieser erstaunte, vor Angst gelähmte Blick auf den Gesichtern der meisten Menschen heutzutage.]

 

Und schließlich ist ziemlich klar, dass trotz all der Dementi über eine Unterstützung der „friedlichen Demonstranten“ und ihrer Verurteilung als „auswärtige Plünderer“ die meisten US-Medien (sowie die alternativen Medien) völlig unfähig sind, eine moralisch/ethische Auswertung des Geschehens abzuliefern. Damit meine ich Folgendes:

 

Indem sie das Mantra „Schwarzer Zorn ist legitim“ wiederholen, geben die liberalen US-Medien im Grunde der Gewalt und dem Plündern ihren Segen. Schließlich ist schwarzer „Zorn“ legitim, und wenn „weiße Privilegien“ real sind, dann ist es ganz „verständlich“, dass dieser „Zorn“ „manchmal“ „überkocht“ und zu „bedauerlichen“ „Exzessen“ führt. Schaut euch nur dieses Bild mit Biden an, wie er vor einem farbigen Demonstranten kniet:

 

Natürlich werden Biden und seine Unterstützer behaupten, dass Biden nur vor einem süßen kleinen Mädchen und ihrem friedlich protestierenden Vater kniet. Aber wenn man es mit den Angriffen gegen Trumps „Law and Order“-Rhetorik durch Biden und seine Unterstützer (darunter vier ehemalige US-Präsidenten!) kombiniert, so glaube ich, dass diese Art von Photo-Op eine sehr andere Botschaft sendet: „Demonstriert“ ruhig weiter, wir sind auf eurer Seite, was, wenn es von einem Typen wie Biden kommt, der das Paradesymbol der Ein-Prozent-Elite und ein perfektes Beispiel „weißer Privilegien“ ist, nur beweist, dass die Heuchelei der US-Politiker wirklich grenzenlos ist.

 

[Nebenbemerkung: Ich muss hier anmerken, dass diese Unruhen auch eine potentielle Gefahr für beide Fraktionen der Einheitspartei darstellen: Für die Demolikaner bieten die Unruhen vielleicht die letzte Gelegenheit, eine Wiederwahl von Trump zu verhindern. Aber wenn die Demolikaner in ihrer Unterstützung für die Unruhen zu offensichtlich sind, dann könnte das Folgen haben, wenn sich die verängstigten „Law and Order“-Typen gegen sie wenden. Aber wenn sie die Unruhen nicht unterstützen, dann vergraulen die Demolikaner ihre Kernwählerschaft (ein Mischmasch aus verschiedenen „Minderheiten“, die ihre engstirnige Agenda aus Identitätspolitik vorantreiben). Gleichzeitig ist es für Trump eine Gelegenheit, seine „Law and Order“-Fähigkeiten zu zeigen und den Weißen und den relativ wenigen Farbigen in seiner Basis zu versprechen, dass er sie schützen wird. Wenn er jedoch dabei zu direkt vorgeht und wenn Trump das anordnet, was von vielen als unfaire oder übermäßige Gewalt gesehen werden könnte (wovon es nahezu überall eine Menge gab), dann riskiert er, dass viele moderate Republikraten abspringen und zu den Demolikanern wechseln (oder zumindest mit ihrer Stimme). Mit anderen Worten: Beide Gruppen der Einheitspartei spüren, dass die Unruhen sowohl eine Gelegenheit als auch eine Gefahr sind, und daher prescht keine Fraktion vor und spricht wahrheitsgemäß über die wahren Ursachen der Unruhen.]

 

Die genau gleiche Botschaft von Schwäche und sogar unterwürfiger Ohnmacht wird, so glaube ich, gesendet, wenn ein Polizist niederkniet, wenn er mit friedlichen Demonstranten konfrontiert ist, so wie in diesem Foto:

 

Es mag vielleicht als Botschaft von Mitgefühl gedacht sein, ja gar als eine Entschuldigung, aber die Randalierer sehen darin nur ein machtvolles Zeichen der Kapitulation der örtlichen Behörden und ich finde das extrem gefährlich.

 

Ja, es gibt zahlreiche rassistische, gewalttätige und anderweitig inkompetente Cops in den USA. Und ja, viele meiner schwarzen Freunde berichten über ihr Gefühl, dass sie von den Cops herausgepickt und rüde behandelt werden. Aber da ich viel in der Welt herumgekommen bin, möchte ich versichern, dass die USA mit ziemlicher Sicherheit nicht die schlimmsten Cops haben. Tatsächlich glaube ich, dass die meisten US-Cops anständige Menschen sind. Noch viel wichtiger ist, dass diese Polizisten die „dünne blaue Linie“ sind, die die Gesellschaft gegen Kriminelle schützt. Und während ich glaube, dass US-Polizisten besser gebildet, besser geschult, besser angeführt und besser beaufsichtigt werden sollten, so erkenne ich auch, dass es für sie keine kurzfristige Alternative gibt. Es ist schön und gut, von gebildeten, friedlichen und nicht rassistischen Polizisten zu träumen, aber wenn man die existierende Polizeistreitmacht aus der Gleichung entfernt, dann bleiben keine Alternativen übrig (die Nationalgarde und die regulären Streitkräfte sind nicht qualifiziert und haben eh nicht das richtige Training um mit Zivilisten umzugehen), das gilt vor allem für jene Bundesstaaten, die den 2. Verfassungszusatz (Anm.d.Ü.: Das Waffenrecht) erfolgreich zerstört haben, mit dem, was ich den „Tod durch Tausende behördliche Auflagen“ nenne (darunter NY und NJ).

 

 

 

Dann gibt es das, was Solschenizyn den „Verfall von Mut“ im Westen nannte: Die große Mehrheit der US-Politiker hat im Grunde die Fähigkeit verloren, Farbige zu kritisieren, selbst wenn es ziemlich offensichtlich ist, dass viele der gegenwärtigen Probleme der schwarzen Bevölkerung in den USA durch die Schwarzen selbst verursacht werden: Ich denke an die echt vulgäre, obszöne und allgemein widerliche „Rap-Kultur“, mit der der Großteil der farbigen Jugend heute seit frühester Kindheit „erzogen“ wird, oder wie vielen schwarzen Jugendliche das Gehirn gewaschen wurde, um Gang-Mitglieder und Straßenprostituierte als das Maß für „Coolheit“ zu betrachten, wenn es um Kleidung, Sprache und das allgemeine Verhalten geht. Ich glaube, dass jedem Menschen, der in den USA lebt, ziemlich offensichtlich ist, dass Farbige sehr oft (meistens?) die Ursache ihrer eigenen Misere sind: Ich kann euch sagen, dass meine jamaikanischen und zentralafrikanischen Freunde (die in den USA leben) mir oft erzählt haben, dass a) sie denken, dass US-Farbige Möglichkeiten haben, die sie in Afrika oder Jamaika nie gehabt hätten und dass b) ansässige Farbige den afrikanischen und jamaikanischen Farbigen oft übelnehmen, dass letztere so viel besser in der US-Gesellschaft zurechtkommen. Ich kann auch die Tatsache bezeugen, dass ich bei US-Farbigen eine Menge Anti-Latino-Ressentiments erlebt habe. Was Farbige oft von Asiaten halten, da muss man nur an die Unruhen in LA 1992 denken. Schließlich glaube ich, dass viele (die meisten?) Menschen in den USA wissen, dass die stärkste und häufigste Form des Rassismus in den USA sich gegen Weiße richtet, vor allem bei den politisch engagierten Schwarzen.

 

Ich kann persönlich bezeugen, dass es in den USA jede Menge anti-weißen Rassismus gibt. Ich habe das nicht nur selbst erlebt (ich habe von 1986 bis 1991 in Washington DC gelebt), sondern das wurde umfassend von Leuten wie Colin Flaherty dokumentiert, seine Bücher „White Girl Bleed A Lot: The Return of acial Violence to America and How Media Ignore It“ und „Knockout Game a Lie?: Awww, Hell No!“ sind exzellente Lehrbücher über schwarze Gewalt und Rassismus gegen Weiße. Aber wer anzudeuten wagt, dass US-Farbige selbst mindestens zum Teil für ihr eigenes Leid verantwortlich sind, der wird sofort als „Rassist“ gebrandmarkt.

 

Für jene unter euch, die nicht in den USA leben, möchte ich dieses einfache Gedankenexperiment vorschlagen: Nehmt euch 20-30 Minuten Zeit und schaut euch die Bilder SOWOHL der „friedlichen Proteste“ UND der „gewalttätigen Unruhen“ an und achtet sorgfältig nicht nur darauf, was diese Menschen in den Bildern für Kleidung tragen, sondern wie sie agieren, was sie sagen und wie sie es sagen und stellt euch eine einfache Frage: Würdet ihr einen dieser Typen anstellen und ihm ein ordentliches Gehalt zahlen? Ich bezweifle sehr, dass jemand das tun würde. Offen gesagt, die meisten dieser Randalierer sind nicht vermittelbar, und „Rassismus“ hat damit nichts zu tun.

 

Tatsache ist, dass das, was manchmal „MTV-Kultur“ genannt wird, in Wahrheit nichts anderes als eine systematische Verherrlichung von kriminellem Chaos ist. Vergesst den Rap mit seinen berühmten Hits „Fuck da Police“ oder „Kill d'White People“, ich möchte behaupten, dass 99% des Rap eine Verherrlichung all der schlimmsten Probleme der schwarzen Gemeinden in den USA ist (Drogen, Gewalt, häufig wechselnder Sex, Frauen als Objekte, Alkoholismus, Verherrlichung von kriminellem Verhalten auf der Straße und in Gefängnissen usw.). Dennoch scheinen die meisten US-Politiker wie gelähmt und verspüren die Notwendigkeit so zu tun als wären sie von dieser sogenannten „Black Culture“ absolut verzaubert. Aber es ist noch schlimmer.

 

Man verbinde diese saft- und kraftlos regierende Politik, die es nicht wagt, die Dinge beim Namen zu nennen und die eine (angebliche) „Kultur“ fördert, die Gewalt und Hass gegen Nicht-Kriminelle verherrlicht, einschließlich gesetzestreuer Farbiger, die „Toms“ genannt und aufs Korn genommen werden, wie in diesem „schönen“ Rap, der unter anderem folgenden „Vers“ enthält: „Then you got niggas that's blacker then the night, Running around town saying their best friends are white, Niggas like that are gonna hang up from a tree, And burn them up alive and let everybody see“ (Schaut euch diesen „schönen“ Rap hier an und den kompletten Text, eine wahrlich faszinierende Lektüre):

 

https://genius.com/Mc-ren-do-you-believe-lyrics

 

Dann mischt man einen völlig dysfunktionalen Staat hinzu, im Besitz und regiert von einer winzigen Bande obszön reicher und selbstverliebter Bastarde (aller Rassen, ja auch Schwarzer), man füge die totale Abwesenheit von echten sozialen Aufstiegschancen hinzu, dann noch die COVID-Pandemie und die schlimmste Rezession in der Geschichte der USA, mit Rekordständen in der Arbeitslosigkeit sogar unter jenen, die vermittelbar wären (Leute mit heruntergelassenen Hosen, exzessiven Tattoos, vergangenen Verurteilungen und einer umfassend unprofessionellen Einstellung würden keinen Job bekommen selbst wenn die Wirtschaft boomen würde). Dann kommt ein relativ örtlicher „Funke“ (wie der Mord an George Floyd durch eine Bande arroganter Schwachköpfe in Uniform), der ein Feuer auslöst, das sich sofort im ganzen Land ausbreitet, noch dazu wo es neben den Schwarzen so viele andere Gruppen gibt, die „Huckepack“ ihre eigenen Pläne verfolgen, neben Black Lives Matter oder Antifa (ich beziehe mich hier natürlich auf das wahre Füllhorn aus Trump-Hassern, die seine Wahl nie akzeptiert haben).

 

Schlussfolgerung 1: Dies ist keine US-Version der Gelbwesten!

 

Mancher ist vielleicht versucht zu sagen, das was wir in den USA sehen, sei eine US-Version der französischen Gelbwesten. Ich kann euch versichern, dem ist nicht so. Zum einen hatten die Gelbwesten ein ziemlich klares politisches Programm. Die US-Randalierer nicht. Dann waren die Gelbwesten zumeist friedlich und ein großer Teil der Gewalt wurde von der französischen Polizei verursacht (einschließlich dem Einsatz gefälschter Randalierer). Sicher gibt es in den USA auch friedliche Demonstranten, aber weder BLM noch Antifa haben die Randale wirklich verurteilt (und warum sollten sie, wenn die US-Medien und Politiker nicht den Mut haben, das zu sagen?) Und schließlich haben die herrschende Klasse und die Medien in Frankreich nicht jene Art von „Verständnis“ für die Unruhen gezeigt, auch wenn Macron sich mit zwei „Gangstas“ ablichten ließ, um „cool“ auszusehen (was nicht funktioniert hat):

 

Schlussfolgerung 2: Diese ist keine Revolution oder ein Bürgerkrieg.

 

Einige träumen jetzt davon, dass das, was wir heute erleben, eine Revolution oder ein Bürgerkrieg sei. Ich glaube, dass es nichts davon ist.

 

Damit es ein Revolution ist, braucht es ein Macht, die in der Lage ist, nicht nur die Personen an der Macht auszutauschen, sondern einen fundamentalen Regimewandel, der Politik selbst und sie durch etwas anderes zu ersetzen. Die Erklärung „Black Lives Matter“ oder das Plündern von Geschäften oder gar die Forderung, der Polizei die Finanzmittel zu entziehen, dass hat nicht annähernd das Potential dazu.

 

Für einen Bürgerkrieg braucht es mindestens zwei Seiten, jede mit einer klar definierten politischen Agenda. Da in den USA die wahre Macht vor der öffentlichen Aufmerksamkeit verborgen ist, gibt es kein Potential für einen „das Volk gegen die Herrschenden“-Bürgerkrieg. Ein „Rechts/Konservativ gegen Links/Liberal“ ist ebenfalls nicht möglich, weil sowohl die US-Rechte als auch die US-Linke in Wirklichkeit vom Tiefen Staat kontrolliert werden, der weder liberal noch konservativ ist. Schließlich ist eine Neuauflage Norden gegen Süden auch nicht möglich, weil die modernen USA nicht mehr entlang Nord/Süd gespalten sind. Aus geografischer Sicht gibt es so etwas wie ein „Große Städte gegen die ländlichen USA“, aber das findet sowohl im Norden als auch im Süden des Landes statt. Was wir stattdessen beobachten ist ein sozialer Bruch der USA in „Zonen“, wo es einigen besser geht als anderen (große Städte mit einem hohen schwarzen Bevölkerungsanteil schneiden am schlechtesten ab, zumeist weiße Kleinstädte am besten; das gilt sogar innerhalb eines Bundesstaats). In einigen dieser Zonen werden wir vermehrt solche Art von Selbstschutz sehen:

 

Diese Art der Konfrontationen, selbst wenn sie nicht gewalttätig sind, sind nur eine weitere Illustration eines Staates, der einfach nicht in der Lage ist zu handeln und die Menschen zu schützen.

 

Schlussfolgerung 3: Dies ist ein Aufstand, der den systemischen Kollaps der US-Gesellschaft eingeleitet hat

 

Das was heute passiert, nenne ich eine Aufstand. Einen gewalttätigen Aufruhr oder eine Rebellion gegen die Autoritäten als solches. Wenn man ein Polizeirevier anzündet, dann protestiert man nicht gegen ein paar Cops, nein, man vertreibt die Cops aus seiner Nachbarschaft (Ich kenne das persönlich. Ich lebte in Argentinien in einem Vorort von Buenos Aires, in dem die Polizeistation so oft angegriffen wurde, dass sie geschlossen und nie wieder aufgebaut wurde). Und da in einer zivilisierten Gesellschaft der Staat das Monopol auf den (legalen) Einsatz von Gewalt haben sollte, lehnt man im Grunde die Autorität und Legitimität des Staates ab, der die Polizei unterhält. Dieser Aufstand wird sehr wahrscheinlich Trump nicht aus dem Amt jagen (daher ist es auch kein Umsturz oder eine Revolution), aber die Anti-Trump-Fraktion der herrschende Eliten haben jetzt eindeutig die Strategie eines „schlechter ist besser“ adoptiert, einfach weil sie erkennen, dass diese Unruhen womöglich ihre letzte Chance sind, alles auf Trump zu schieben (oder auf Russland, warum nicht?) und ihn so vielleicht, nur vielleicht, im November zu besiegen.

 

Momentan sehen wir etwas, das man nur eine Herrschaft des Pöbels nennen kann (der technische Begriff dafür ist „Ochlokratie“). Aber der Pöbel, egal wie gewalttätig, ist selten erfolgreich darin, greifbare politische Resultate zu erzielen, da er „gegen etwas“ und nicht „für etwas“ handelt. Daher muss die wahre (hinter den Kulissen) herrschende Klasse diesen vom Mob inszenierten Aufstand zu seinem politischen Vorteil instrumentalisieren. Ich möchte meinen, dass bisher weder die Demolikaner noch die Republikraten damit erfolgreich waren. Aber vor uns liegt ein sehr langer und möglicherweise extrem gefährlicher Sommer und das könnte sich ändern.

 

Unabhängig davon, ob eine der Fraktionen mit der Instrumentalisierung der Unruhen Erfolg hat: Was wir heute sehen, ist ein systemischer Zusammenbruch der US-Gesellschaft. Das muss nicht heißen, dass die USA verschwinden werden, überhaupt nicht. Aber so wie die Sowjetunion ein Jahrzehnt oder länger brauchte bis sie völlig einstürzte (etwa von 1983 bis 1993), so werden auch die USA viele Jahre brauchen um komplett einzustürzen. Und so wie schließlich 1999 ein Neues Russland Gestalt annahm, wird aus dem gegenwärtigen Kollaps ein Neues USA entstehen. Komplette und endgültige Zusammenbrüche sind sehr selten, zumeist lösen sie nur einen langen und potentiell sehr gefährlichen Transformationsprozess aus, dessen Ergebnis nahezu unmöglich vorauszusagen ist.

 

Aber so wie das russische Volk damit aufhören musste, sich selbst mit dummen Träumen über „Demokratie“ zu veralbern und die wahren Probleme Russlands angehen musste, so wird das Volk der USA den Mut finden müssen, sich mit den wahren Problemen abzugeben, frontal und bewusst. Wenn es das nicht schafft, dann wird sich das Land wahrscheinlich weiter in zahlreiche und gegenseitig feindliche Einheiten zerlegen.

 

Die Zeit wird es zeigen.

 

 

 

Der Saker

 

 

Kommentare: 4
  • #4

    michel o. neland (Dienstag, 09 Juni 2020 18:52)

    ,,...dann wird sich das Land wahrscheinlich weiter in zahlreiche und gegenseitig feindliche Einheiten zerlegen."
    ,,Divide and rule (Latin: divide et impera), or divide and conquer, in politics and sociology is gaining and maintaining power by breaking up larger concentrations of power into pieces that individually have less power than the one implementing the strategy."
    Das ist der Plan. Der Saker beschreibt den Prozess und benennt die Prozessbeteiligten. Grundsätzlich aber keine wesentlichen neuen Erkenntnisse.

  • #3

    Elisa (Montag, 08 Juni 2020 09:29)

    "Indem sie das Mantra „Schwarzer Zorn ist legitim“ wiederholen, geben die liberalen US-Medien im Grunde der Gewalt und dem Plündern ihren Segen."

    Das macht die US-Medienlandschaft und ihre globalen Berufsfreunde auf Geheiss der geheimdienstlichen Strippenzieher schon seit Jahren und Jahrzehnten, indem die illegalen US-Kriege immer als Heldentat in den Medien verherrlicht wurden und werden, während die eigene US-Bevölkerung an den daraus erfolgenden US-Schuldenbergen verreckt. Immer schön bei den wahren Verursachern dieser Untergangsmisere bleiben!!!

  • #2

    Humml (Sonntag, 07 Juni 2020 12:30)

    In entfernterem Zusammenhang mit dem Vorstehenden:
    Ich habe da etwas, was primär für den Betreiber dieses Weblog von Interesse sein könnte, und zwar im Hinblick auf Begriffe, wie „vertikale Kompetenzstreuung, Kompetenzprivatisierung“, die ich da vor längerer Zeit „kreierte“, und welche ihm da „Freude“ bereiteten.

    https://makroskop.eu/2020/05/covid-19-entlarvt-das-versagen-des-postpolitischen-staates/

    Oder, für ihn vielleicht besser geeignet das Original:

    https://www.thefullbrexit.com/covid19-state-failure

    Ab dem Zwischentitel „Der postpolitische Staat“ bzw. „The Crisis of Regulatory Governance“ wird es richtig interessant.

    (Ich räume ein, ich war richtig „glücklich“, als ich das las. Man ist ja immer etwas beruhigt, wenn man da auf den einen oder anderen trifft, dessen Gehirn angesichts des „Hauptstromes“ ähnliche „Fehlfunktionen“ auf weißt.)

    Welche Folgen das hat, gerade für „Demokratie“, kann man allerdings nur ermessen, wenn man Klarheit darüber hat, was das eigentlich ist. Und da sehe ich keinen Lichtblick.

    Im Grunde kann man dort jeden Staat der sog. westlichen Wertegemeinschaft „einsetzen“ – vielleicht bis auf Frankreich, jedenfalls vor Macron.

    Und zur Krise in Frankreich, deren Ursachen, sollte man sich unbedingt das anschauen, die Stunde lohnt sich:

    Heiner Flassbeck - Warum die nie gelöste Eurokrise jetzt zurück kommt!

    https://www.youtube.com/watch?v=BA85mao8p6o&list=RDBA85mao8p6o&start_radio=1

    Dazu eine "nette" kleine persönliche Erfahrung:
    Anfang der 90ige Jahre während eines Studiums der Rechte, welches wir da im schon leicht fortgeschrittenen Alter absolvierten, saßen wir in einer Vorlesung, die im Rahmen des Europarechtes sich allerdings vorwiegend mit politische und ökonomisch Fragen befaßte.
    Der Dozent war nicht der „klassische Rauschebart“.
    Aber was mir da auffiel, deshalb erinnere ich mich auch noch gut daran, waren stetig wiederkehrende, subtile Seitenhiebe gegen Frankreich, die Wirtschafts- und Finanzpolitik betreffend.
    Damals dachte in etwa wörtlich: „Na, die Sache mit dem Erbfeind ist wohl auch noch nicht so richtig vom Tisch.“

    Wenn ich mir das ganze heute anschaue, dann sieht es so aus, als ob sich die Befürchtungen von Thatcher und Mitterrand bestätigten.

    Mehr noch:
    Die Deutschen scheinen gerade so nebenbei damit befaßt, uralte Rechnungen zu begleichen – in beiden, in diesem Zusammenhang relevanten, Himmelrichtungen.


  • #1

    Josch (Sonntag, 07 Juni 2020 11:26)

    In den USA hat die Angst die Seite gewechselt. Es ging doch niemals um rechts gegen links, schwarz gegen weiß, Muslim gegen Christ, Frauen gegen Männer etc.. Es ging immer nur um reich gegen arm. Es ist völlig irrelevant, welche Hautfarbe Du hast oder an was Du glaubst, solange Dein Konto gefüllt ist.

    Im November 2006 wurde der US- Finanzinvestor Warren Buffet in einem Interview mit der TIMES (Ben Stein) gefragt, welchen er für den zentralen Konflikt unserer Zeit hält. Seine Antwort: "Der zentrale Konflikt unserer Tage ist der Krieg Reich gegen Arm. Wir, die Klasse der Reichen, haben diesen Krieg angefangen, und wir werden ihn auch gewinnen."

    Englisches Original: ”There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”

    That's it. Die Massen in den USA schließen sich jetzt zusammen gegen das Establishment und wie es scheint, sind all die vielen künstlich aufgeworfenen Gräben plötzlich zunichte gemacht und alle marschieren gemeinsam. Ein Beispiel, dass noch Schule machen könnte in Europa.