http://thesaker.is/book-excerpt-how-i-became-a-kremlin-troll-by-the-saker/

 

Buchauszug: Wie ich zu einem Kreml-Troll wurde

 

vom Saker, 27.11.2017

 

 

Liebe Freunde,

heute poste ich mit freundlicher Erlaubnis von Phil Butler den vollständigen Textbeitrag zu seinem Buch „Putin's Praetorians: Geständnisse eines Top Kreml-Trolls“.

https://www.amazon.com/Putins-Praetorians-Confessions-Kremlin-Trolls/dp/3981891902/

 

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist, dass ich fest daran glaube, dass dieses Buch eine viel höhere Präsenz verdient (daher stelle ich es auch ausnahmsweise in die „Analyse“-Kategorie). Lest meine Buch-Besprechung um zu erfahren, warum ich so sehr für dieses Buch bin:

https://thesaker.is/the-saker-reviews-putins-praetorians-confessions-of-the-top-kremlin-trolls-by-phil-butler/

 

Ich bin ehrlich gesagt, schockiert, dass dieses Buch so wenige Besprechungen bekommen hat. Ich weiß gar nicht, ob jemand außer Russia Insider eine Besprechung geschrieben hat. Aber selbst wenn, dann ist es eine große Schande, dass dieses höchst interessante Werk von den alternativen Medien bisher ignoriert wurde, selbst von den russlandfreundlichen. Indem ich hier meinen Beitrag einstelle, will ich das Buch sozusagen wieder auf die „Vorderseite“ unserer Gemeinde bringen. Und zweitens bitte ich um eure Hilfe. Momentan hat die Kindle-Version des Buches 15 Kommentare auf Amazon und nur einen Kommentar für die gedruckte Version. Das ist nicht genug. Ich bitte euch daher: 1) kauft das Buch (Amazon will Kommentare von Lesern) und 2) schreibt einen Kommentar auf Amazon. Jungs – das können die meisten von euch machen, also helft bitte mit! Wir müssen der Welt zeigen, dass es da draußen einen „anderen Westen“ gibt, der weit von einer Russophobie entfernt ist, ja der in der Lage ist, echte Freunde zu gewinnen und sogar Verteidiger Russlands zu sein. Also bitte, tut euren Teil, helft Phil in seinem heldenhaften Kampf, besorgt euch die Buchversion (Anm.d.Ü.: schon passiert) und kommentiert auf Amazon!

 

Vielen Dank für eure Hilfe, seid herzlich gegrüßt

 

Der Saker

 

 

 

 

Wie ich zu einem Kreml-Troll wurde

 

vom Saker

 

 

Durch meine Geburt, meine Erfahrungen und Ausbildung hatte ich alle nötigen Voraussetzungen um Putin zu hassen. Ich stamme aus einer Familie „weißer Russen“ , deren Antikommunismus total und tiefsitzend war.

 

Meine Kindheit war angefüllt mit (zumeist wahren) Geschichten über Gräueltaten und Massaker durch die Bolschewiken während der Revolution und dem folgendem Bürgerkrieg. Da mich mein Vater verließ, hatte ich einen russisch-orthodoxen Erzbischof als spirituellen Vater und durch ihn lernte ich die ganze völkermordende Verfolgung der Bolschewiken gegen die Orthodoxe Kirche kennen.

 

Mit 16 Jahren hatte ich bereits alle drei Bände von „Archipel Gulag“ gelesen und die Geschichte des 2. Weltkriegs aufmerksam studiert. Mit 18 war ich in zahlreiche antisowjetische Aktivitäten involviert, etwa die Verteilung antisowjetischer Propaganda in den Briefkästen sowjetischer Diplomaten und die Organisation der illegalen Einfuhr verbotener Bücher in die Sowjetunion mittels der sowjetischen Handelsmarine und Fischereiflotte (zumeist über ihre Station auf den Kanarischen Inseln). Ich arbeitete auch mit einer Untergrundgruppe orthodoxer Christen und schickte Hilfe, hauptsächlich in Form von Geld, an die Familien inhaftierter Dissidenten. Und da ich fließend Russisch spreche, führte mich meine militärische Karriere von der Grundausbildung zur elektronischen Kampfführung, zu einer Spezialeinheit aus Linguisten beim Generalstab des schweizerischen Militärs. Dort wurde ich zu einem militärischen Analysten für den strategischen Geheimdienst der Schweiz.

 

Die sowjetischen Behörden hatten mich und meine gesamte Familie bereits auf ihrer Liste als gefährliche antisowjetische Aktivisten und daher konnte ich bis zum Fall der Sowjetunion 1991 nicht nach Russland reisen. Danach habe ich den erstbesten Flug nach Moskau genommen, wo die Barrikaden gegen den Umsturzversuch der GKChP (Staatskomitee für den Ausnahmezustand) noch standen. Wahrlich, bis zu diesem schicksalhaften August 1991 war ich der perfekte antisowjetische Aktivist und ein antikommunistischer Hardliner. Ich habe sogar ein Foto von mir neben der gestürzten Statue von Felix Dserschinski (dem Gründer der Tscheka, der ersten Geheimpolizei Sowjetrusslands), mit meinem Stiefel fest auf seiner eisernen Gurgel. An jenem Tag fühlte ich, dass mein Sieg vollständig war. Aber er war auch kurzlebig.

 

Anstatt dem lange leidenden russischen Volk Freiheit, Frieden und Wohlstand zu bringen, brachte das Ende des Kommunismus nur Chaos, Armut, Gewalt und eine widerwärtige Ausbeutung durch die übelste Sorte des Abschaums, den das marode Sowjetsystem hervorgebracht hat. Ich war erschüttert. Im Gegensatz zu anderen anti-sowjetischen Aktivisten, die gleichzeitig Russlandhasser waren, habe ich niemals mein Volk mit dem unterdrückenden Regime verwechselt. Während ich also das Ende des einen Horrors bejubelte, war ich gleichzeitig angewidert von dem was stattdessen passierte. Noch schlimmer: es war nicht zu leugnen, dass der Westen eine aktive Rolle bei sämtlichen Formen antirussischer Aktivitäten spielte, vom kompletten Schutz der russischen Mafialeute über die Unterstützung der wahhabitischen Aufrührer in Tschetschenien bis zur Finanzierung einer Propagandamaschine die versuchte, das russische Volk in hirnlose Konsumenten zu verwandeln, bis zur Gegenwart von westlichen „Beratern“ (ah ja!) in sämtlichen Schlüsselministerien. Die Oligarchen plünderten Russland und verursachten unermessliches Leid, und der gesamte Westen, die sogenannte „Freie Welt“ unternahm nichts um zu helfen, sondern half allen Feinden Russlands wo sie nur konnte. Bald griffen die NATO-Streitkräfte Serbien an, einen historischen Verbündeten Russlands, in völliger Verletzung der heiligsten Regeln des internationalen Rechts. Ostdeutschland wurde nicht nur wiedervereint sondern umgehend in Westdeutschland eingemeindet und die NATO drängte so weit wie möglich nach Osten. Ich konnte nicht so tun als könnte man das alles mit einer Furcht vor dem sowjetischen Militär erklären, oder als eine Reaktion auf die kommunistische Theorie der Weltrevolution. In Wahrheit wurde mir klar, dass die westlichen Eliten nicht das sowjetische System oder die Ideologie hassten, sondern dass sie das russische Volk und die Kultur und Zivilisation, die es geschaffen hat, an sich hassten.

 

Als der Krieg gegen die serbische Nation in Kroatien, Bosnien und Kosovo ausbrach, da war ich in einer einzigartigen Situation: den ganzen Tag lang konnte ich als geheim eingestufte Berichte von UNPROFOR und dem Militär darüber lesen was in der Region geschah. Und nach der Arbeit konnte ich die den Tatsachen widersprechende antiserbische Propaganda der westlichen ZioMedien lesen, die sie jeden Tag ausspuckten. Ich war entsetzt, dass buchstäblich alles was die Medien sagten eine komplette Lüge war. Dann kamen die False Flags, zuerst in Sarajevo und später auch im Kosovo. Meine Illusionen über die „Freie Welt“ und den „Westen“ begannen zu zerfallen. Schnell.

 

Das Schicksal verschlug mich 1993 nach Russland, wo ich das Gemetzel durch das „demokratische“ Jelzin-Regime gegen Tausende Russen in Moskau beobachtete (viel mehr als die offizielle Presse berichtete). Ich sah auch die roten Flaggen und die Stalin-Portraits, die um das Parlamentsgebäude herumgetragen wurden. Meine Abscheu war komplett. Und als sich das Jelzin-Regime dazu entschied, Dudajews Tschetschenien durch ein weiteres unnötiges Blutbad zur Raison zu bringen, da verwandelte sich meine Abscheu in Verzweiflung. Dann folgte die gestohlene Wahl von 1996 und der Mord an General Lebed. An jenem Punkt dachte ich: „Russland ist tot“.

 

Und als die Jelzin-Clique plötzlich einen unbekannten Niemand zum Präsidenten auserkor, da hatte ich – gelinde gesagt – meine Zweifel. Der neue Kerl war kein Alkoholiker oder ein arroganter Oligarch, aber er sah nicht sehr beeindruckend aus. Er war auch ein Ex-KGBler, was interessant war: einerseits war der KGB mein lebenslanger Feind, aber andererseits wusste ich, dass jener Teil des KGB, der sich mit der Auslandsaufklärung beschäftigte, mit den Klügsten der Klugen besetzt war und dass sie nichts mit politischer Unterdrückung, Gulags und dem ganzen anderen widerlichen Zeug zu tun hatten. Damit war eine andere Abteilung des KGB beschäftigt (die 5., jene Abteilung, die 1989 abgeschafft wurde). Putin kam aus der 1. Hauptabteilung des KGB, der „PGU KGB“. Dennoch galten meine Sympathien mehr dem (weitaus weniger politischen) militärischen Geheimdienst (GRU) als der sehr politischen PGU, die – da war ich mir ziemlich sicher – ein dickes Dossier über meine Familie und mich besaß.

 

Dann geschahen zeitgleich zwei einschneidende Dinge: Sowohl die „Freie Welt“ als auch Putin zeigten ihr wahres Gesicht: Die „Freie Welt“ als AngloZionistisches Imperium, auf Teufel komm raus auf Aggression und Unterdrückung versessen, und Wladimir Putin als wahrer Patriot Russlands. Ja, Putin erschien für mich langsam wie ein Held: sehr bedächtig, zuerst in sehr kleinen Schritten, begann Putin Russland umzukrempeln, insbesondere in zwei wichtigen Angelegenheiten: er versuchte, dem Land seine „Souveränität“ zurückzugeben (es wieder richtig souverän und unabhängig zu machen), und er wagte das Undenkbare: er sagte dem Imperium offen, dass es nicht nur falsch lag, sondern illegitim ist (lest einfach die Umschrift von Putins faszinierender „Münchener Rede“ 2007).

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Sicherheitskonferenz/2007-putin-dt.html

 

Putin hat mich dazu inspiriert, eine dramatische Wahl zu treffen: soll ich an meinen lebenslangen Vorurteilen festhalten oder soll ich zulassen, dass die Realität beweist, dass meine lebenslangen Vorurteile falsch waren? Die erste Option wäre für mich wesentlich bequemer und alle meine Freunde hätten sie gutgeheißen. Die zweite wäre weitaus komplizierter und sie würde mich viele Freundschaften kosten. Was wäre die bessere Option für Russland? Konnte es sein, dass es für einen „weißen“ Russen wie mich möglich wäre, sich mit einem Ex-KGB Offizier zu verbünden?

 

Ich habe die Antwort darauf in einem Foto von Alexander Solschenizyn und Wladimir Putin gefunden:

 

 

Wenn dieser antikommunistische Hardliner der alten Schule, der im Gegensatz zu mir im Gulag war, Putins Hand schütteln kann, dann könnte ich das auch!

 

Eigentlich war die Antwort von vorneherein klar: während die „weißen“ und „roten“ Grundsätze und Ideologien inkompatibel waren und sich gegenseitig ausschlossen, so gibt es auch keinen Zweifel, dass man heutzutage wahre Patrioten sowohl im „weißen“ als auch im „roten“ Lager findet. Anders gesagt: ich denke nicht, dass sich die „Weißen“ und „Roten“ jemals über die Vergangenheit einig werden, aber wir können und müssen uns über die Zukunft einig werden. Davon abgesehen schert sich das Imperium nicht darum, ob wir „Rote“ oder „Weiße“ sind – das Imperium will uns entweder versklavt oder tot.

 

Währenddessen ist Putin der einzige Weltführer mit genug Mumm, um dem Imperium mitzuteilen, wie hässlich, dumm und unverantwortlich es ist (lest seine UN-Rede 2015). Und wenn ich ihm zuhöre, dann erkenne ich, dass er weder „weiß“ noch „rot“ ist. Er ist einfach Russisch.

 

So wurde ich also zu einem Kreml-Troll und Putin Fanboy.

 

Der Saker

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Opa Jürgen (Dienstag, 28 November 2017 22:15)

    Da erübrigt sich jeder Kommentar, danke.

  • #2

    Uwe (Mittwoch, 29 November 2017 11:08)

    Ein wunderbarer Beitrag, den ich aus persönlichem Erleben sehr gut nachvollziehen kann. Als Bürger der von der UdSSR besetzten DDR habe ich die Russen (und das war durchaus als Schimpfwort gemeint) gehasst. Heute ist Russland für mich die einzige Hoffnung für unseren Planeten.

  • #3

    Peter Burgermeister (Donnerstag, 30 November 2017 18:11)

    Wow! Der schreibt mir aus der Seele. Das ist praktisch 1:1 die Entwicklung welche ich auch durchlaufen habe.
    Auch ich bin zu einem bekennenden Kreml-Troll und Putin Fanboy geworden.

  • #4

    eppi69 (Freitag, 01 Dezember 2017 22:07)

    Als Bürger der DDR hatte ich keinen Grund, die "Russen" zu hassen.

  • #5

    Sascha Iwanow (Mittwoch, 06 Dezember 2017 14:11)

    "Als Bürger der DDR hatte ich keinen Grund, die "Russen" zu hassen."

    Ich auch nicht. Und ja, Heute ist Russland für mich die einzige Hoffnung für die Menschheit, auch wenn es kapitalistisch ist.