https://thesaker.is/iran-trumps-broken-deal-maneuver-to-war/

 

Der Iran – Trumps Vertragsbruch – ein Kriegsmanöver?

 

Von Peter Koenig, 11.05.2018

 

 

Trumps „Vertragsbruch“, seine irrationale Entscheidung, sich aus dem JCPOA zurückzuziehen, einfach das iranische Atomabkommen genannt, hat kaum ein anderes Motiv als eine weitere Provokation zu einem Krieg. Die Entscheidung ist total unvernünftig. Wir sollten nicht vergessen, dass der Deal neun Jahre diplomatische Bemühungen beanspruchte, Verhandlungen unter dem Namen „5+1“ der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, plus Deutschland – und natürlich dem Iran. Er wurde schließlich am 14. Juli 2015 in Wien unterzeichnet.

 

Ein kurzer Rückblick: Von Anfang an, schon in Trumps Präsidentschaftswahlkampf, war er gegen den Deal. Es sei ein schlechter Deal, „der schlechteste, den Obama machen konnte“ – er hat das immer wiederholt, ohne zu sagen, was daran schlecht sei. Und er hat auch nicht verraten, wer der „Flüsterdolmetscher“ war, der dieses Mal nicht zu Obama mit seinen unvernünftigen Anliegen vordringen konnte.

 

Ich vermute, dass Trump nicht wusste, und auch heute noch nicht weiß, was an dem Deal schlecht war/schlecht sein soll. Jeder Deal, der ein Land nuklear abrüstet, ist ein Deal für den Frieden und damit ein guter Deal, zumindest wenn man die Gewinnmotive für Krieg außer acht lässt. Die Gründe, die Trump bei seiner Ankündigung zum Ausstieg aus dem Nuklearabkommen angegeben hat – man könne dem Iran nicht trauen, der Iran sei ein terroristisches Land, das alQaeda und andere Terrorgruppen unterstütze, das ballistische Raketensystem des Iran, und so weiter und so fort... diese Gründe sind lächerlich, es sind Lügen, widersprüchlich und haben nichts mit der Substanz des Deals zu tun – was Trump offen gesagt in seiner breiten und weitreichenden Bedeutung bis zum heutigen Tag nicht ganz versteht, was traurig ist.

 

Was er aber versteht, das sind seine sehr engen Verbindungen zu Israel, besser gesagt zu seinem Kumpel Bibi Netanjahu. Und das nicht zuletzt dank Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, der langgehegte Geschäftsverbindungen zu Israel hat und auch eng mit Netanjahu befreundet ist. Selbst die Massenmedien erwähnen diese Tatsache. Aber das ist nur ein zusätzliches Gewicht in Trumps Vorliebe für Israel,denn das Sagen in der US-Außenpolitik hat der finstere, tiefe Staat, der sich aus Typen wie Netanjahu zusammensetzt. Trump weiß, dass das politische und sonstige Überleben davon abhängt, wie ordentlich man deren Befehlen folgt.

 

                                                                                                            *

 

Aber zurück zur Realität: Erstens hat die Atomkommission in Wien (IAEA) bis zuletzt bestätigt, dass der Iran nicht die Absicht hat, ein nukleares Waffenprogramm zu starten. Sie haben diesen Befund seit der Unterzeichnung des Deals acht Mal bestätigt. Zweitens: die europäischen Alliierten – sprich Vasallen – haben bis jetzt ihre starke Meinungsverschiedenheit zu Trumps Entscheidung zum Ausdruck gebracht, vor allem die drei M's – May, Merkel und Macron. Der weniger edle Grund dafür könnte mit ökonomischen Interessen zu tun haben, denn sie haben mit dem Iran bereits milliardenschwere Handels- und Technologieverträge abgeschlossen. Drittens: selbst die gemäßigte und diplomatische Außenministerin der Europäischen Union, Federica Mogherini, sagte deutlich, dass es keinen Grund für einen Ausstieg aus dem Deal gebe und dass die EU sich an den Deal halten werde. Die EU hat in der Vergangenheit jedoch eher demonstriert, dass sie kein Rückgrat besitzt. Haben sie jetzt – aus Geschäftsgründen – plötzlich entschieden, dass sie sich ein Rückgrat zulegen? – Das wäre schön, aber bisher ist es nur ein Traum.

 

Natürlich werden Russland und China an dem Deal festhalten. Schließlich ist ein internationales Abkommen ein internationales Abkommen. Der einzige Schurkenstaat auf dem Globus, und selbsternannte außerordentliche Nation, denkt da aber anders. Buchstäblich bei jeder Gelegenheit, wenn es ihnen gefällt. Und in diesem Fall macht es für die Vereinigten Staaten nicht einmal Sinn sich zurückzuziehen. Im Gegenteil. Theoretisch könnte der Iran jetzt sofort mit einem Nuklearprogramm anfangen und in paar Jahren oder früher wären sie mit Nuklearwaffen ausgerüstet.

 

Aber der Iran ist eine kluge und zivilisierte Nation. Man hat das Nichtverbreitungsabkommen unterzeichnet und zumindest bisher hat Irans Präsident Hassan Rouhani verkündet, sich daran zu halten. Das könnte sich natürlich ändern, je nachdem wie sich die Europäer in Zukunft verhalten. Werden die dem Druck aus USA nachgeben? Oder werden sie endlich ihre Souveränität zurückerlangen und eine unabhängige, autonome europäische Einheit werden, die in der Lage und bereit dazu ist, Geschäftsbeziehungen mit jedem aufzunehmen, wenn sie es für richtig halten, unabhängig von illegalen US-Sanktionen? Das würde natürlich den Iran und normalisierte Beziehungen zu Russland einschließen, ihrem natürlichen Partner über Jahrhunderte, bevor die außergewöhnliche Nation aufstieg. – Die Zeit wird zeigen, ob das nur ein Hirngespinst ist.

 

Was erwarten sich also Trump und seine Puppenmeister von diesem ungesetzlichen Ausstieg aus einem internationalen Abkommen? – Ein Schritt zu einem „Regimewechsel“? – Wohl kaum. Sie wissen bestimmt, dass sie mit dieser undiplomatischen Entscheidung Präsident Rouhani in das Lager der Hardliner treiben, jener große Fraktion im Iran, die von Anfang an gegen diesen Deal war.

 

Diese Entscheidung ist auch ein Rückschlag für die „Fünfte Kolonne“ der Atlantiker, die im Iran ziemlich stark ist. Sie sehen sich vom Westen verlassen und jetzt ist klar, dass der Iran jenen Kurs beschleunigen wird, den man bereits eingeschlagen hat, nämlich die Hinwendung zum Osten, mit einer Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion und mit einem formellen Aufnahme in die Shanghai Cooperation Organization (SCO) als reguläres Mitglied. Bei beiden haben Russland und China den Vorsitz.

 

Und nicht zu vergessen, Präsident Xi Jinping hat kürzlich glasklar gesagt, dass der Iran ein überaus wichtiges Bindeglied innerhalb der Neuen Seidenstraße sein wird, der BRI oder Belt and Road Initiative, einem chinesischen sozio-ökonomischen und kulturellen Vorhaben, das vermutlich die nächsten paar hundert Jahre bestimmen wird, mit Billionen an Investitionen für Transport, industrielle Fertigung, Erziehung, Forschung und kulturelle Infrastruktur. Die Verbindung Asiens mit dem westlichen Europa, Afrika, dem Nahen Osten und sogar Südamerika. BRI ist sogar in der chinesischen Verfassung verankert.

 

Es gibt einen guten Grund, warum dieses gigantische chinesische Programm in den westlichen Massenmedien kaum erwähnt wird. – Jene Konzern-Oligarchen, die diese Medien kontrollieren, wollen nicht, dass die Welt über die betrügerische Wirtschaft des Westens Bescheid weiß, aufgebaut auf Schulden und einem monetären Pyramidensystem (einem riesigen Schneeballsystem), das allmählich einfällt und jene, die daran festhalten, alleine und im Elend zurücklässt.

 

Nun, Präsident Xi bietet – ganz in friedlicher, chinesischer Tao-Tradition – den Ländern der Welt an, dieser großen sozio-ökonomischen Initiative beizutreten – ohne Druck – nur ein Angebot. Viele haben das bereits akzeptiert, darunter der Iran, Indien, Türkei, Griechenland... und der Druck aus der Geschäftswelt und von Politikern in Europa, Teil dieses fantastischen Projekts zu werden, nimmt zu. BRI ist ein unaufhaltsamer Zug.

 

Welchen Nutzen werden US-westliche Sanktionen für einen Iran haben, der sich vom Westen löst? Und der sich immer weiter von der westlichen Wirtschaft und ihrem Geldsystem verabschiedet? – Gar keinen. Wie Mr. Rouhani sagte, wird der Iran kurzzeitig Einbußen erleiden, aber am Ende „werden wir uns schließlich erholen“. Nur weil man zwischen dem Westen und dem Osten laviert – eine Linie, die Präsident Rouhani zu gehen versucht hat, haben die westlichen Sanktionen irgendeine Bedeutung. Von diesem Standpunkt aus kann man leicht erkennen, dass sich Trump selbst in den Fuß geschossen hat.

 

Aber es gibt da diesen anderen Zweig des Tiefen Staats – der Militär-Sicherheits-Industrie-Komplex – diese Multi-Billionen Dollar Kriegsmaschine – ein Apparat, der sich größtenteils selbst füttert: er produziert um zu zerstören und er muss immer mehr zerstören um sein Überleben zu garantieren. Das würde erklären, warum Obama zwei Kriege geerbt hat und seine Präsidentschaft mit sieben Kriegen beendete – die wurden an Trump weitergereicht, und der tut sei Bestes um sie am Laufen zu halten. Aber das reicht nicht, er braucht neue Kriege um das bodenlose Kriegsmonster zu füttern – denn dieses Monster ist zu einem Synonym für die US-Wirtschaft geworden. Das heißt: ohne Krieg bricht die Wirtschaft zusammen.

 

Die Kriege halten auch die Wall Street am Leben. Krieg ist, so wie der Immobilienmarkt, Schulden-finanziert. Außer dass die Kriegsgelder Staatsschulden sind, die nie zurückgezahlt werden – daher Ponzi-Schema oder Schneeballsystem. Neues Geld, neue Schulden, aus dem Nichts erzeugt, refinanzieren alte Schulden und häufen sich zu Schulden auf, die nie zurückgezahlt werden. 2008 hat dass General Accountability Office (GAO) (Anm.d.Ü.: der US-Rechnungshof) bei „nicht erfüllten Verpflichtungen“, oder „ungedeckten Verbindlichkeiten“, die projizierte Schuld über die nächsten fünf Jahre auf $48 Billionen geschätzt, etwa das 3,2 fache des BIP. Im April 2018 betrug das BIP in etwa $22 Billionen, im Vergleich dazu betragen die ungedeckten Verbindlichkeiten etwa $140 Billionen, fast das 6,5 fache des BIP. Ponzi würde sich mit einem riesigen Lächeln im Grabe umdrehen.

 

Da Washingtons Außenpolitik von zionistischen Think Tanks geschrieben wird, ist es verständlich, dass mehr Kriege benötigt werden. Ein großer Kandidat ist der Iran. Aber warum? Der Iran tut niemandem weh, das gleich gilt für Syrien – keinem tun sie weh, auch nicht der Irak, oder Libyen. Dennoch gibt es eine gewisse Gruppe von Leuten, die wollen, dass diese Länder zerstören werden. Es ist der winzige kleine Schwanz, der mit dem Monster-Hund wedelt – für die Ressourcen und ein Greater Israel – wie inoffizielle Karten bereits andeuten – das sich vom Euphrat über das Rote Meer bis an den Nil erstreckt und Teile von Syrien, Irak, ganz Palästina natürlich, Jordanien, Saudi Arabien und Ägypten absorbiert.

 

Quelle: globalsecurity.org

 

Jene, die die US Think Tanks kontrollieren, stellen sicher, dass dieses Ziel in den Köpfen der US-Entscheider verankert wird. Das würde für den Plan einer globalen Hegemonie des Auserwählten Volkes (nicht zu verwechseln mit der „außerordentlichen Nation“) eine riesige Errungenschaft bedeuten. Obwohl der Iran in diesem Bild nicht enthalten ist, so wäre der Iran der ernsteste und geeignetste Gegner – Feind – in einem solchen Plan.

 

Mit dem Bruch des Atomabkommens erwarten Trump und sein Meister , vor allem Netanjahu, jetzt oder später eine heftige Reaktion des Iran. Und wenn keine solche Reaktion kommt, dann eine False Flag – sagen wir eine Rakete auf Israel, dann würden sie behaupten, dass das aus dem Iran kommt – und Bingo, die gehirngewaschene Bevölkerung des Westens schluckt das und es gibt einen Grund für eine direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Iran – natürlich mit Unterstützung Washingtons. Das wäre dann der Krieg Nummer 8 seit Obama Anfang 2009 übernommen hat. Und das würde jede Menge Tod und Zerstörung bringen – und sehr wahrscheinlich Russland und China involvieren – und – würde das nur ein konventioneller Krieg innerhalb des Nahen Ostens bleiben? – Oder würde sich das global über den Planeten als nuklearer 3. Weltkrieg ausbreiten? – Würden die herrschenden Eliten ihr eigenes Leben riskieren? Man weiß es nicht. Das Leben in einem Bunker ist nicht so hübsch wie in einer Luxusvilla oder auf einem Luxusboot. Das wissen sie.

 

Das ist das Dilemma, das die meisten, die hinter Trumps Entscheidung stehen, wohl noch nicht ganz durchdacht haben. Zugegeben, es ist nicht leicht, geradeaus und vor allem voraus zu denken, wenn man durch Gier und sofortigen Profit verblendet ist – so wie es die westliche neoliberale/faschistische Doktrin diktiert.

 

Meine Vermutung ist, aber nagelt mich da nicht fest, dass diese Trump-Entscheidung, den „Deal zu brechen“, der Beginn eines katastrophalen und dabei immer schnelleren Niedergangs des globalen westlichen Hegemonie-Projekts sein wird.

 

 

 

Peter Koenig ist Ökonom und geopolitischer Analyst. Er ist auch Spezialist für Wasserressourcen und die Umwelt. Er arbeitet über 30 Jahre lang rund um die Welt für die Weltbank und die WHO auf dem Gebiet von Umwelt und Wasser. Er hält an Universitäten in den USA, Europa und Südamerika Vorträge. Er schreibt regelmäßig für Global Research, ICH, RT, Sputnik, Press TV, The 21st Century, TeleSur, The Vineyard of the Saker Blog und andere Webseiten. Er ist Autor von „Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed“, einem auf Fakten und 30 Jahren Erfahrung rund um die Welt bei der Weltbank basierenden Roman. Er ist auch Koautor von „The World Order and Revolution! – Essays from the Resistance“.

 

https://www.amazon.com/Implosion-Economic-Environmental-Destruction-Corporate/dp/059545349X

 

https://www.amazon.com/World-Order-Revolution-Essays-Resistance/dp/6027005874

 

Kommentare: 1
  • #1

    Ryshard (Donnerstag, 17 Mai 2018 22:31)

    Super analisiert.