https://www.paulcraigroberts.org/2018/05/14/putins-strategy-finally-beginning-work/

 

Fängt Putins Strategie endlich an zu wirken?

 

Von Paul Craig Roberts, 14.05.2018

 

 

Ich habe das christliche Verhalten des russischen Präsidenten Wladimir Putin schon erklärt, wenn er bei den Provokationen des Westens seine andere Wange hinhält, um Europa davon zu überzeugen, dass Russland vernünftig handelt, aber Washington nicht . Und dass Russland für Europas Interessen und Souveränität keine Gefahr darstellt, aber Washington schon. US-Präsident Donald Trump könnte durch seine Gefälligkeit gegenüber Israel und den Rückzug aus dem multinationalen iranischen Atomabkommen der Strategie Putins zum Erfolg verholfen haben.

 

Die drei wichtigsten europäischen Vasallenstaaten Washingtons, Britannien, Frankreich und Deutschland, widersetzen sich Trumps einseitigen Aktionen. Trump ist der Meinung, dass das multinationale Abkommen allein von Washington abhängt. Wenn Washington das Abkommen aufkündigt, dann ist das das Ende des Abkommens. Es spielt keine Rolle, was andere Vertragspartner wollen. Folglich will Trump die früheren Sanktionen gegen Geschäfte mit dem Iran wieder einführen und neue Sanktionen hinzufügen. Sollten Britannien, Frankreich und Deutschland mit ihren Geschäftsverträgen mit dem Iran weitermachen, dann wird Washington auch seine Vasallenstaaten sanktionieren und Aktivitäten britischer, französischer und deutscher Firmen in den USA verbieten. Washington glaubt, dass die europäischen Profite in den USA jene übersteigen, die man mit dem Iran machen kann und daher auf die Linie Washingtons einschwenken werden, so wie es die Vasallenstaaten in der Vergangenheit getan haben.

 

Und so könnte es kommen. Aber dieses Mal gibt es Nebenwirkungen. Ob sich das auf die starken Worte über einen Bruch mit Washington beschränkt, bleibt abzuwarten. Trumps neokonservativer und pro-israelischer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hat europäischen Firmen befohlen, ihre Geschäfte mit dem Iran abzusagen. Trumps Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat deutschen Firmen befohlen, sofort ihre Geschäftsaktivitäten mit dem Iran einzuschränken. Die Schikane Europas und die unverblümte Missachtung europäischer Interessen durch die USA haben die langjährige Unterwerfung Europas plötzlich allzu offensichtlich und unangenehm gemacht.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel, bisher eine loyale Washingtoner Marionette, sagte, dass Europa Washington nicht länger vertrauen könne und „sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen müsse“.

 

Der Europäische Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, dass Washingtons Führung versagt habe und dass es an der Zeit sei, dass die EU die Führungsrolle übernehmen und „die Vereinigten Staaten ersetzen“ müsse. Verschiedene Minister aus der französischen, britischen und deutschen Regierung haben sich dieser Meinung angeschlossen.

 

Das Titelblatt des deutschen Magazins Der Spiegel zeigt zur Schlagzeile „Goodbye Europe!“ Trump, wie er Europa den Stinkefinger zeigt. Das Magazin erklärt, dass es „für Europa an der Zeit ist, dem Widerstand beizutreten“.

 

Auch wenn europäische Politiker für ihr Vasallentum gut bezahlt worden sind, könnten sie das jetzt als eine unwürdige und unangenehme Last empfinden.

(Anm.d.Ü.: Ich denke hier irrt PCR. Der „Widerstand“ bezieht sich einzig und allein auf die Person Trump. Alles andere aus Washington wird geschluckt.)

 

Ich respektiere zwar die Tugend Putins, dass er nicht auf Provokationen mit Provokationen antwortet, aber ich habe meine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Putins Hinnahme der Provokationen zu noch mehr Provokationen ermutigen, die sich in ihrer Intensität steigern werden, bis ein Krieg oder eine Kapitulation Russlands die einzigen Optionen sind. Aber sollte die russische Regierung eine aggressivere Haltung gegenüber den Provokationen einnehmen, so würde das Gefahren und Kosten dieser Provokationen für die Europäer bringen, deren Zustimmung zu Washington die Provokationen erst ermöglichen. Jetzt sieht es so aus, als hätte Trump selbst den Europäern diese Lektion erteilt.

 

Russland hat mehrere Jahre der syrischen Armee dabei geholfen, Syrien von jenen Terroristen zu säubern, die Washington geschickt hat, um die syrische Regierung zu stürzen. Aber trotz der russisch/syrischen Allianz macht Israel mit seinen illegalen militärische Attacken auf Syrien weiter. Diese Angriffe könnten gestoppt werden, wenn Russland Syrien mit dem Luftverteidigungssystem S-300 ausrüsten würde.

 

Israel und die USA wollen nicht, dass Russland das S-300 Luftverteidigungssystem an Syrien verkauft. Denn Israel will Syrien weiterhin angreifen. Und die USA wollen, dass Syrien weiterhin angegriffen wird. Denn sonst würde Washington Israel einbremsen.

 

Mehrere Jahre bevor Washington seine islamistischen Stellvertreter zum Angriff auf Syrien geschickt hat, hat Russland dem Verkauf von modernen Luftverteidigungssystemen an Syrien zugestimmt. Aber man hat sich Washington und Israel gebeugt und die Systeme nicht ausgeliefert. Jetzt hören wir nach dem Besuch Netanjahus in Russland von dem Putin-Berater Wladimir Kozhim, dass Russland seine modernen Luftverteidigungssysteme weiterhin nicht an Syrien liefert.

 

Vielleicht glaubt Putin, er müsse das tun um Washington keinen Vorwand zu liefern, Europa wieder in Reih und Glied mit Washingtons aggressiver Politik zu bringen. Für alle, die das nicht so sehen, lässt es Russland jedoch wieder einmal schwach erscheinen und nicht dazu bereit, einen Alliierten zu verteidigen.

 

Falls Putin glaubt, dass er auf Netanjahu irgendeinen Einfluss bezüglich einer friedlichen Lösung mit Syrien und Iran habe, dann hat die russische Regierung nicht verstanden, was Israels Absichten sind oder was die 17 Jahre Krieg aus Washington im Nahen Osten bedeuten.

 

Ich hoffe, dass Putins Strategie funktioniert. Falls nicht, so muss er seine Haltung gegenüber den Provokationen ändern oder es wird zu einem Krieg kommen.