https://www.paulcraigroberts.org/2017/12/04/plunder-capitalism/

 

Raubtierkapitalismus

 

von Paul Craig Roberts, 04.12.2017

 

 

Ich missbillige die Steuersenkung, die vom Kongress genehmigt wurde. Das ist keine wirtschaftspolitische Steuersenkung und sie hat überhaupt nichts mit angebotsorientierter Wirtschaftspolitik zu tun. Der einzige Zweck ist, die Börsenkurse dadurch zu erhöhen, dass man den Aktienbesitzern mehr Kapitalgewinne und Dividenden gestattet. Mit anderen Worten: es handelt sich um ein Gesetz das Aktienbesitzer reicher macht und somit die Gesellschaft weiter polarisiert, in eine breite Masse aus Armut und Armutsgefährdeten und dem Einen Prozent, genauer gesagt einem Bruchteil des Einen Prozent, das sich in Milliarden von Dollar suhlt. Wenn unsere Führer die Erklärungen nicht mehr kontrollieren können, dann wird uns die Steuersenkung näher an eine Revolution heranschieben, die aus dem völligen Vertrauensverlust gegenüber der Regierung resultiert.

 

Das gegenwärtige Steuergesetz lässt die Körperschaftssteuer auf 20% sinken. Das bedeutet, dass globale Konzerne mit Sitz in den USA mit einer niedrigerem Steuersatz besteuert werden als eine ausgebildete Krankenschwester mit $50.000 pro Jahr. Die Krankenschwester, falls ledig, hat für ihr Einkommen über $37.950 im Jahr 2017 einen Steuersatz von 25%.

 

Eine ledige Person hat für ein Einkommen über $191.651 einen Steuersatz von 33%. 33% war der höchste Steuersatz für Sklaven im Mittelalter und reicht an den Steuersatz von US-Sklaven im 19. Jahrhundert heran. Ein so gehobenes Mittelschicht-Einkommen von $191.651 hört sich für die meisten Amerikaner abenteuerlich an, aber es ist so weit von den Multimillionen-Einkommen der Reichen entfernt, dass es kaum sichtbar ist. In Amerika ist es die schrumpfende Klasse der Mittelschicht und der gehobenen Mittelschicht, die die Hauptlast der Einkommenssteuer trägt. Die Reichen mit ihren Kapitalgewinnen aus ihren Aktienbesitzen werden mit 15% besteuert.

 

Sogar Einzelpersonen, die zwischen 1 Dollar und 9.325 verdienen, zahlen 10% auf ihre Almosen.

 

Die neoliberalen Ökonomen, die die Handlanger der Reichen, der Wall Street und der Too Big To Fail-Banken sind, behaupten fälschlicherweise, dass durch die Senkung der Körperschaftssteuer auf 20% alle möglichen Profite aus dem Ausland in die USA zurückgebracht würden und zu einer boomenden Wirtschaft und höheren Löhnen führen würden. Das ist total kompletter Blödsinn. Das Geld wird nicht zurückkehren, denn es ist im Ausland investiert, wo die Arbeitskosten niedriger sind. Wenn es überhaupt investiert wird und nicht für Akteinrückkäufe oder Firmenübernahmen verwendet wird. Nach 20 Jahren Verlagerung von US-Produktion und Dienstleistung und den damit verbundenen Jobs ins Ausland, wer wird da schon in Amerika investieren? Die amerikanische Bevölkerung hat nicht das Einkommen um die Güter und Dienstleistungen neuer Investitionen zu kaufen und die Kreditkarten der amerikanischen Bevölkerung sind ausgereizt.

 

Das einzige was geschehen wird: Wall Street wird die niedrigeren Steuersätze in höhere Akteinkurse einpreisen. Wall Street kann das tun ohne dass die Gewinne aus dem Ausland zurückkehren. Plötzlich wird jeder Aktienbesitzer einen Reichtums-Schub verspüren, oder der Schub ist bereits vor dem Geschenk passiert.

 

Die Schulden-bewussten Republikaner haben in das Gesetz zur Förderung des Reichtums der Reichen Kürzungen für Sozialleistungen hineinschreiben lassen, damit „Arbeitern höhere Zinsen durch Budgetdefizite erspart bleiben“. Das ist nur noch mehr Unehrlichkeit. Sollte die Fed die Zinsen auf ein nennenswertes Niveau heben, dann würden die Derivate liquidiert und die Fed würde weitere Billionen neuer Dollars schaffen müssen um ihr Schneeballsystem am Laufen zu halten. Das aus der Steuersenkung resultierende Defizit wird durch den Ankauf der Fed von Schatzbriefen gedeckt werden, und nicht durch eine Erhöhung der Zinssätze.

 

Was wir in den USA erleben und eigentlich in der gesamten westlichen Welt, das ist das totale Scheitern des Kapitalismus. Der Kapitalismus ist jetzt nichts als eine Maschine zur Plünderung. Der Finanzsektor stellt kein Kapital mehr für die Produktion zur Verfügung. Was der Finanzsektor tut: Er verwandelt verfügbares Einkommen in Zinsen und Gebühren für Banken. Die Gesamtnachfrage kann nur durch Schuldenausweitung wachsen und die Verbraucher kommen an einen Punkt an dem sie ihre Schulden nicht mehr ausweiten können.

 

Der Kapitalismus, der sich hinter dem „Globalismus“ versteckt, was fälschlich als eine gute Sache gedeutet wird, aber in Wirklichkeit der Tod selbst ist, siedelt die Produktion dort an wo die Arbeit am billigsten ist und nimmt so der Arbeiterschaft der Ersten Welt die guten Löhne und Arbeitsgelegenheiten. Und er setzt die Länder der Ersten Welt auf den Weg, zu Ländern der Dritten Welt zu werden. Kurzfristige Profite, Boni und Aktienoptionen für Vorstände und Aufsichtsräte werden maximiert, auf Kosten der Zerstörung des einheimischen Konsumentenmarkts.

 

Der Raubtierkapitalismus privatisiert auch so viel wie möglich vom öffentlichen Sektor, etwa dem Militär, und treibt damit die Kosten des Verteidigungshaushalts in die Höhe. Jobs, die früher die Soldaten selbst erledigten, werden an politisch verbündete Firmen vergeben. Was einst der KP (Küchendienst) war, wird heute von einem ausgelagerten Privatdienst erledigt. Vom Pentagon angeheuerte Söldner kassieren in einem Monat so viel wie ein Soldat an der Front in einem ganzen Jahr. Ich weiß gar nicht ob die Armee überhaupt noch eine Nachschuborganisation außer Privatdienstleistern besitzt.

 

Die Krankenkassen Medicare und Medicaid werden als nächstes privatisiert werden, zusammen mit der Sozialversicherung. Die Steuersenkung wird zu Defizit und einem Hype über höhere Zinsen führen, und diese Lügen werden benutzt werden, um die Arbeiter vor höheren Zinsen für ihre Hypotheken, Kreditkarten und den Schulden für Studiengebühren zu retten, indem man Medicare, Medicaid und Sozialversicherungen kürzt oder privatisiert.

 

Die Umwelt und staatliches Land werden für die privaten Profite der Holz-, Minen- und Energiekonzerne geopfert. Grizzlybären und Wölfe werden ihren Schutz durch das Gesetz über bedrohte Arten verlieren, damit die Staaten ihre Lizenzen an Trophäenjäger vergeben können, die ihre Männlichkeit dadurch unter Beweis stellen können indem sie Tiere mit einem großkalibrigen Gewehr aus sicherer Entfernung töten.

 

Wir werden Zeugen der völligen Plünderung Amerikas und des gesamten Westens. Während die westliche Welt zusammenbricht, sitzen die ahnungslosen und untertänigen Menschen herum und nuckeln an ihren Daumen während sie gleichzeitig ruiniert werden.

 

Vom Westen ist nichts mehr übrig, außer Plünderer bei der Arbeit.

 

Das Steuergesetz ist eine Abscheulichkeit, ein Akt der brutalen Plünderung. Seine Förderer sollte man teeren und federn und aus der Stadt schmeißen, wenn nicht gar an einem Laternenpfahl aufknüpfen.