https://caitlinjohnstone.com/2019/11/04/the-incredible-shrinking-overton-window/

 

Das unglaublich schrumpfende Overton-Fenster

 

von Caitlin Johnstone, 04.11.2019

 

 

Anm.d.Ü.: Das Overton-Fenster: Die Bandbreite der tolerierten Gedanken im öffentlichen Diskurs. Gemäß Overton enthält dieses Fenster jene Bandbreite an Politik, die ein Politiker empfehlen kann, ohne als zu extrem betrachtet zu werden, um im gegenwärtigen Klima der öffentlichen Meinung ein öffentliches Amt zu erlangen oder zu behalten.

https://en.wikipedia.org/wiki/Overton_window

 

Die clevere Art, Menschen passiv und gehorsam zu halten, besteht darin, das Spektrum der akzeptablen Meinungen strikt zu begrenzen, aber eine sehr lebhafte Debatte innerhalb dieses Spektrums zu ermöglichen – sogar die kritischeren und dissidenten Ansichten zu fördern. Das gibt den Menschen das Gefühl, dass frei gedacht werden kann, während die Voraussetzungen des Systems durch die Eingrenzung des Diskussionsbereichs die ganze Zeit über verstärkt werden."Noam Chomsky

 

Die Narrativ-Manager der politischen/medialen Klasse, die im Besitz von Plutokraten sind, arbeiten ständig daran, das Overton-Fenster zu verkleinern, jenes Spektrum der Debatte, das als sozial akzeptabel betrachtet wird. Sie tun das, indem sie immer mehr Debatten danach framen, wie das oligarchische Imperium erhalten und unterstützt werden soll, und indem sie von Debatten darüber Abstand nehmen, ob dieses Imperium überhaupt existieren soll.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob es gemäßigte Veränderungen geben soll oder überhaupt keine Veränderungen – anstelle von massiven und radikalen Veränderungen, von denen wir wissen, dass sie am ganzen System nötig sind.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob sie einen Schurken mit einem roten Hut oder einen Schurken mit einem blauen Hut wählen sollen – anstatt darüber zu diskutieren, ob sie überhaupt gezwungen werden sollten, Schurken zu wählen.

 

Sie bringen die Menschen dazu, die Übertretungen bei geheimen Gesetze der Regierung zu diskutieren – nicht darüber, ob es der Regierung überhaupt ansteht, diese Geheimnisse vor ihren Bürgern zu verheimlichen.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie das Internet zensiert werden soll und wer zensiert werden soll – anstatt darüber, ob das Internet überhaupt zensiert werden soll.


Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie und in welchem Ausmaß es Überwachung durch die Regierung geben soll – nicht darüber, ob es der Regierung ansteht, ihre Bürger auszuspionieren.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie untertänig und folgsam jemand sein muss, damit er nicht von einem Polizisten erschossen wird – anstatt darüber, ob ein Polizist grundlos auf Menschen schießen darf.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob eine Gruppe von Demonstranten höflich genug ist oder nicht – anstatt über die Dinge zu diskutieren, gegen die diese Demonstranten protestieren.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob diese oder jene Sache eine „Verschwörungstheorie“ ist – anstatt über die bekannte Tatsache zu diskutieren, dass sich mächtige Menschen verschwören.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Tulsi Gabbard eine gefährliche Irre ist, eine russische Agentin, eine Agentin der Republikaner, die sich für eine Kandidatur einer dritten Partei bereitmacht, oder ob sie eine harmlose Irre der Demokratischen Partei ist – anstatt die Tatsache zu diskutieren, dass ihre Außenpolitik vor dem 11. September als völlig normal betrachtet worden wäre.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Bernie Sanders wählbar sei oder zu radikal – anstatt darüber zu diskutieren, was es über den Staus quo aussagt, wenn seine extrem moderaten Vorschläge, die in jedem anderen großen Land bereits umgesetzt wurden, in den Vereinigten Staaten als etwas haarsträubendes behandelt werden.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Jeremy Corbyn genug unternommen habe, um die Antisemitismus-Krise der Labour Partei anzugehen – anstatt darüber, ob diese „Krise“ jenseits der Halluzinationen der professionellen Verleumder im Establishment überhaupt existiert.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Joe Biden oder Elizabeth Warren gegen Trump gewinnen kann – anstatt darüber, ob einer dieser Lakaien des Establishments überhaupt ein würdiger Kandidat ist.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Politiker von Konzernen bezahlt werden sollten – anstatt darüber, ob es Konzernen überhaupt erlaubt werden sollte, sich in Wahlvorgänge einzumischen.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob die USA im Iran oder in Syrien Regimewechsel verfolgen sollen – anstatt darüber, ob die USA überhaupt das Recht haben, die Regierungen souveräner Länder zu stürzen.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie viele US-Soldaten in Syrien sein sollen – anstatt darüber, ob illegale Invasionen und Besetzungen überhaupt legitim sind.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob man Menschen langsam durch Sanktionen töten oder schnell töten mit Bomben soll – anstatt darüber, ob man sie überhaupt töten darf.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob ein Führer eines anderen Landes ein böser Diktator ist – anstatt darüber, ob sie das überhaupt etwas angeht.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, in welchem Ausmaß Russland oder Trump in die E-Mail-Leaks der Demokratischen Partei verwickelt waren – anstatt über den Inhalt dieser Leaks zu diskutieren.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, was die Antwort auf eine russische Einmischung in die Wahlen sein sollte – anstatt darüber zu diskutieren, ob es überhaupt eine Einmischung gab und ob es wirklich eine Rolle spielt, wenn es so wäre.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie viel Regierungsunterstützung es für Arme geben sollte – anstatt darüber, ob die Reichen das behalten dürfen, was sie den Armen gestohlen haben.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, welche Steuern Milliardäre zahlen sollten – anstatt darüber, ob es einen Sinn macht, dass es überhaupt Milliardäre gibt.

 

Sie bringen die Menschen dazu, machtlos über die schlimmen Dinge zu diskutieren, die andere Länder tun – anstatt über die schlimmen Dinge, die ihr eigenes Land tut, wogegen sie tatsächlich etwas unternehmen könnten.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, was man gegen den Aufstieg Chinas unternehmen soll – anstatt darüber, ob einen multipolare Welt nicht etwas Gutes wäre.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob die Eskalationen des Westens wie im Kalten Krieg gegen die Russische Föderation ausreichen – anstatt darüber, ob man die Schrecken des Kalten Kriegs überhaupt wieder auferstehen lassen will.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, in welchem Ausmaß Cannabis entkriminalisiert werden soll – anstatt darüber, ob es der Regierung erlaubt sein sollte, jemanden deswegen einzusperren, weil er sich dazu entschieden hat, welche Substanz auch immer in den eigenen Körper zu stecken.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob die US-Truppen sich aus Afghanistan zurückzuziehen oder nicht – anstatt darüber, ob es außerhalb der USA überhaupt US-Truppen geben sollte.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Julian Assange eine „echter Journallist“ ist oder nicht – anstatt darüber zu reden, ob man juristische Präzedenzfälle schaffen sollte, die journalistische Taten notwendigerweise kriminalisieren.

 

Sie bringen die Menschen dazu, über die Feinheiten von Kautionsverfahren, politischem Asyl, Katzenhygiene in einer Botschaft und Leaking zu diskutieren – anstatt darüber zu diskutieren, ob es jemals legal sein kann, einen Herausgeber für die Veröffentlichung von Kriegsverbrechen einer Regierung zu inhaftieren.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, was die Strafe für Whistleblower sein sollte – nicht darüber, was die Strafe für jene sein sollte, über die die Whistleblower berichten.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob Fox oder MSNBC die wahren „Fake News“ sind – anstatt darüber, ob die gesamten Mainstreammedien oligarchische Propaganda sind.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, wie jene Dinge, wegen derer alle über Trump ausflippen, zuvor von Obama getan wurden – anstatt darüber zu diskutieren, warum alle US-Präsidenten dieselben bösen Dinge tun, unabhängig von ihrer Partei oder ihren Wahlkampfversprechen.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, was man mit dem Geld machen soll – und nicht darüber, ob die Vorstellung von Geld selbst eine komplette Überholung braucht.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, was man mit der Regierung tun soll – und nicht darüber, ob das Regierungskonzept selbst eine komplette Überholung braucht.

 

Sie bringen die Menschen dazu, darüber zu diskutieren, ob der Status quo verstärkt oder verändert werden sollte – anstatt darüber, ob man ihn nicht die Toilette hinunterspülen sollte, da wo er hingehört.

 

Sie bringen die Menschen dazu, heftig über Dinge zu streiten, die sie nicht ändern können – anstatt konstruktiv an Dingen zu arbeiten, die sie verändern können.

 

Sie bringen die Menschen dazu, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, während sie zügig um uns alle herum einen Käfig errichten.

 

 

*

 

 

Der beste Weg, um die Internet-Zensoren zu umgehen und sicherzustellen, dass ihr das seht, was ich veröffentliche, ist, sich in die Mailingliste für meine Website einzutragen, was euch eine E-Mail-Benachrichtigung für alles verschafft, was ich veröffentliche. Meine Arbeit wird vollständig von Lesern unterstützt, also wenn dir dieses Stück gefallen hat, überlege dir bitte, es zu teilen, mich auf Facebook zu liken, meinen Possen auf Twitter zu folgen, etwas Geld in meinen Hut auf Patreon oder Paypal zu werfen, einige meiner süßen Waren zu kaufen, mein neues Buch zu kaufen: Rogue Nation : Psychonautical Adventures with Caitlin Johnstone, oder mein vorheriges Buch Woke: A Field Guide for Utopia Preppers. Für weitere Informationen darüber, wer ich bin, wo ich stehe und was ich mit dieser Plattform zu tun versuche, klickt hier:

https://medium.com/@caityjohnstone/who-i-am-where-i-stand-and-what-im-trying-to-do-here-4a113e783578

 

Jeder hat meine uneingeschränkte Erlaubnis, jeden Teil dieses Werkes (oder alles andere, was ich geschrieben habe) in irgendeiner Weise zu veröffentlichen oder zu verwenden, die ihm gefällt, kostenlos.

 

Kommentare: 0