http://www.theblogmire.com/another-national-dismemberment-brought-to-you-courtesy-of-the-oilygarchy/

 

Eine weitere nationale Zersplitterung,

präsentiert mit freundlichen Grüßen der Öligarchie

 

von Rob Slane, 31.01.2019

 

 Wir kommen um die Freiheit zu bringen.

 

Ihr habt nichts zu verlieren, außer Öl.

 

 

 

Oligarchie, die: – Eine kleine Gruppe Menschen, die ein Land oder eine Organisation kontrolliert

 

Öligarchie, die: – Eine kleine Gruppe Menschen, die entschlossen ist, die Welt zu kontrollieren, die Wörter wie „Demokratie“, „Menschenrechte“ und „Freiheit“ benutzt, um ahnungslose Menschen zu überzeugen, ihre Pläne zum Sturz von Regierungen anderer Länder, vor allem solcher mit großen Ölvorkommen, zu unterstützen.

 

"Leg' alles beiseite und kümmere dich um Venezuela. Ja, du! Obwohl wir das Land noch nie zuvor erwähnt haben und du vielleicht nicht einmal in der Lage bist, es auf einer Landkarte zu finden, musst du dich jetzt nur darum kümmern. Du musst das tun. Es wäre herzlos, es nicht zu tun, oder? Die armen Menschen in diesem Land, von denen du kaum etwas gehört hast und von denen du nichts weißt, leben unter einem Diktator, dessen Namen du nicht kennst. Und Nacht für Nacht werden wir weiter darüber reden, bis du es im Schlaf sagen kannst: Maduro muss weg! Er muss durch einen anderen Mann ersetzt werden, dessen Namen du noch nie gehört hast, aber wir können dir versichern, dass er ein guter Kerl ist. Jawoll, er ist ein guter Kerl. Nett. Mitfühlend. Ein wahrer Demokrat. Ein wahrer Liebhaber der Freiheit. Ein Mann des Volkes. Oh, und er ist auch mit unseren Ölgesellschaften befreundet.

 

Also, komm schon, worauf wartest du noch? Unterstütze unsere nächtliche Kampagne, um den Mann abzusetzen, dessen Namen du noch nie gehört hast, aus dem Land, das du nicht kennst, und durch einem Mann zu ersetzen, dessen Namen du kaum aussprechen, geschweige denn dich daran erinnern kannst. Und gemeinsam wollen wir dem venukrainischen Volk wahre Freiheit bringen und uns vielleicht auch etwas billigeres Öl besorgen."

 

So sprachen die westlichen Medien in ihrer neuen Kampagne, um uns dazu zu bringen, einen weiteren Regimewechsel zu unterstützen, mit freundlicher Genehmigung von Neocon Warmongers Inc., natürlich schön verpackt in das obligatorische Gewand von schwammigen Nachrichten-Schlagwörtern wie "freedom'n'democracy'n'human rights".

 

Ich hatte bis zum vergangenen Wochenende keine Ahnung, dass die Regierung meines Landes eine Zuständigkeit dafür besitzt, wer das Land Venezuela leitet. Aber anscheinend tun sie das. Ich bin mir nicht sicher, woher diese Zuständigkeit stammt, geschweige denn, wer sie ihnen gegeben hat, aber es scheint, dass sie glauben, dass sie das Recht haben, dem Führer eines souveränen Landes auf der anderen Seite der Welt Ultimaten zu stellen.

 

Natürlich wird es hoffentlich nicht eurer Aufmerksamkeit entgangen sein, dass viele der Leute, die das tun, genau die gleichen Leute sind, die in den letzten Jahren ununterbrochen über die scheinbare Einmischung eines Landes in die Angelegenheiten anderer geflucht und gebrüllt haben – obwohl sie es versäumt haben, ihre Behauptungen mit irgendwelchen Beweisen zu belegen. Und doch sind sie hier und versuchen nicht einmal, ihre unverhohlene Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen souveränen Staates zu verbergen, der nichts mit ihnen zu tun hat. Aber eigentlich ist das keine Einmischung; das ist EINMISCHUNG in 30m hohen Neonbuchstaben – ein eklatanter, krasser, offener und aggressiver Versuch, den Führer eines anderen Landes zu stürzen und ihn durch ihren eigenen Mann zu ersetzen.

 

Eines muss man ihnen lassen. Ein solches Ausmaß an Heuchelei liegt so weit über jener Heuchelei, der wir tagtäglich begegnen könnten, dass man sich nur zurückschrecken und staunen kann, dass sie nicht an ihrer eigenen Zunge ersticken oder zumindest in einen Anfall von wahnsinnigem Kichern ausbrechen, wenn sie sich einerseits über unbewiesene Einmischung beschweren, und andererseits aber auch die offensichtlichste Einmischung begehen, die sie zustande bringen.

 

Ah, aber natürlich ist es für die westlichen Demokratien in Ordnung, so etwas zu tun. Es ist natürlich keine Einmischung. Nein, es geht darum, sich für die Rechte der Menschen in diesem Land einzusetzen, um deren eigene Zukunft zu bestimmen. Es geht um die Freiheit. Es geht um Menschenrechte und die Verteidigung des Volkes vor dem brutalen Diktator. Bla, bla, bla, bla, bla.

 

Ist es das wirklich? Okay, also warum sehen wir jetzt nicht Versuche, den saudischen Despotismus zu stürzen, um den armen Menschen dort Freiheit und Demokratie zu bringen? Warum laden wir den nicht gewählten chinesischen Despoten nach London ein, um von der Königin und der Regierung verehrt zu werden? Warum sprechen wir uns nicht im Namen von Le Mouvement des gilets jaunes gegen den zutiefst unbeliebten und arroganten Führer dieses Landes aus? Könnte es sein, dass die Gründe, warum wir in Venezuela intervenieren müssen, nicht von den edlen Prinzipien geleitet werden, die wir Tag für Tag in den Medien hören, sondern von eher schmutzigen Prinzipien? Ja, ich denke, das könnte so sein.

 

Ich staune über die Neokons. Diese kleine Gruppe von umbenannten Trotzkisten ist Vieles, nicht zuletzt entschlossen. Nachdem sie gesehen haben, wie ihre Träume von der Errichtung eines NATO-Marinestützpunktes in Sewastopol vor ihren sehr kriegerischen Augen verflogen sind, und nachdem dann ihre Träume von der Absetzung des syrischen Präsidenten mit islamistischen Fanatikern, die die Pionierarbeit verrichten, in Rauch aufgingen, sind sie weit davon entfernt, sich zurückzuziehen, um etwas Nützliches mit ihrem Leben zu tun, wie etwa Buße über ihre Bosheit, die das Leben unzähliger Menschen ruiniert hat. Nein, es geht weiter.

 

Und das Drehbuch ist immer das gleiche. "Es muss etwas getan werden." "Er ist ein Diktator." "Wir müssen handeln, um die Demokratie in das Land ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ zu bringen." "Das Volk verdient die Freiheit." Ich kann es kaum glauben, dass es da draußen noch Menschen gibt, die naiv genug sind, um auf diesen Mist reinzufallen. Es spielt keine Rolle, wie oft es getan wird, und wie oft das Stürzen eines kleinen Despoten wie Maduro zu noch mehr Elend und Chaos führt als zuvor, das westliche Fernsehpublikum fällt immer noch darauf herein. Dazu gehört natürlich auch, dass die westlichen Medien den Film immer nur bis zu dem Punkt zeigen, an dem der Putsch beendet ist und der alte antiwestliche Despot gestürzt wird. An dem Punkt verlassen sie dieses Land, das nun sicher in den Händen jenes neuen pro-westlichen Despoten ist, von dem wir sicher sind, dass er sein Land zu diesem magischen, sonnigen Ort führen wird, an dem die Demokratie gedeiht, die Rechte der Menschen garantiert sind und Eiskrem kostenlos ist. Und während die Völker des Westens in ihr Leben zurückkehren und vergessen, wo sich dieses Land befindet und wer wen ersetzt hat. Überzeugt von dem Wissen, dass die Freiheit über die Tyrannei triumphiert hat. Weit weg vom grellen Glanz von CNN, Fox und der BBC fällt es noch mehr in eine Hölle auf Erden als zuvor.

 

In diesem Fall haben sie uns aber sogar gesagt, worum es wirklich geht. Hier ist, was der Über-Neokon John Bolton in diesem neuen Interview mit Fox News sagte (eigentlich ist "Interview" vermutlich das falsche Wort, da es eins der schrecklichsten Beispiele korporativer Nachrichten-Propaganda ist, das ich jemals gesehen habe):

 

"Es wird wirtschaftlich einen großen Unterschied für die Vereinigten Staaten machen, wenn wir amerikanische Ölgesellschaften dazu bringen könnten, wirklich in Venezuela zu investieren und die Ölkapazitäten zu fördern."

 

Aha. Dann geht es also nicht nur um Freiheit und Demokratie und Menschenrechte, oder? Eigentlich überhaupt nicht über diese Dinge. Wenn dies der Fall wäre, gäbe es viele andere Länder auf der ganzen Welt, die die USA zu stürzen versuchen würden, darunter einige ihrer engsten Verbündeten. Nein, es geht natürlich um das Recht der US-Regierung, venezolanische Ölfelder zu kontrollieren – da dieses Land über rund 20 % der nachgewiesenen Ölreserven der Welt verfügt – was ihnen eine enorme Hebelwirkung gegenüber den anderen Ölförderländern verschaffen würde.

 

Die Situation vieler Menschen in Venezuela unter der korrupten Regierung Maduro mag durchaus entsetzlich sein – schlimm genug, um eine große Zahl von Menschen dazu zu bringen, in die Nachbarländer zu gehen. (Anm.d.Ü.: Rob Slane erwähnt leider nicht, warum er ausgerechnet Maduros Regierung für korrupt hält, und er erwähnt auch nicht die verheerenden Sanktionen, die das Land ins Chaos stürzen.)

 

Aber wenn du denkst, dass sich Leute wie Mike Pompeo, John Bolton und Elliot Abrams in irgendeiner Weise um die Menschen sorgen, dann hätte ich da eine schöne Brücke, die ich dir verkaufen könnte. Und da die obersten Vasallen und Schoßhunde sich hinter die USA stellen, während sie sich darauf vorbereiten, ein weiteres Land zu zerstückeln, erinnert euch daran, wenn es in noch mehr Chaos und möglicherweise einen regelrechten Bürgerkrieg stürzt. Und die westlichen Medien werden vergessen, wo es ist, und dass dies alles unter dem Banner der Wiederherstellung von Freiheit und Menschenrechten geschehen ist. Obwohl die Öligarchien vielleicht andere Motive hatten.

 

Kommentare: 2
  • #2

    lex (Montag, 11 Februar 2019 17:47)

    Vielen dank. Sehr lesenswert.

  • #1

    Propapanda (Samstag, 02 Februar 2019 01:36)

    Zum Thema Sanktionen: Sanctions Are Wars Against Peoples
    https://www.moonofalabama.org/2019/01/sanctions-are-wars-against-people.html
    in Deutsch: http://www.antikrieg.com/aktuell/2019_01_29_sanktionen.htm
    (Die Übersetzung soll aber - laut MoA - nicht die beste sein...)