Einleitung d.Ü.: Andrei Martyanov ist ein in der UdSSR geborener und in den USA lebender Militäranalyst, der einen eigenen Blog (Reminiscence of the Future...) betreibt und mehrere Bücher veröffentlichte. Pepe Escobar und der Saker halten große Stücke auf ihn.

Hier ein Artikel, in welchem Martyanov einen Aufsatz des britischen Historkers Niall Ferguson in dem NWO-Magazin The Economist kritisiert:

 

http://smoothiex12.blogspot.com/2021/08/niall-ferguson-has-no-idea.html

 

Niall Ferguson hat keine Ahnung

 

von Andrei Martyanov, 26.08.2021

 

Die Russen diskutieren heute über einen Artikel, den Niall Ferguson vom Hoover Institute für The Economist (da gehen sofort alle Warnlampen an) verfasst hat, und viele kratzen sich ungläubig am Kopf. Der gesamte Artikel wurde übersetzt und bei einer berühmten russischen Quelle veröffentlicht (InoSMI (Foreign Media).

https://inosmi.ru/politic/20210826/250381436.html

 

Und selbst die seriöse RIA gibt eine Zusammenfassung dieser "historischen Erkenntnis" (auf Russisch) unter dem Titel „A Big War Was Promised to the World Because of the Crash of American Empire“.

 

Um zu verstehen, wer Herr Ferguson ist, hier ein Link zu seinem Lebenslauf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Niall_Ferguson

 

Man erkennt sofort, dass er ein Mann ist, der in seinem Leben nie einen brauchbaren Job hatte und ein Produkt der geisteswissenschaftlichen Abteilungen angelsächsischer Bildungseinrichtungen ist, die uns auch BoJo, George W., Obama, (Anm.d.Ü.: und Merkel), die Neokons usw. beschert haben.

 

Ihr versteht, worauf ich hinaus will. Das Original von Fergusons Artikel kann auf der Website des Economist gefunden werden. Für jene, die über ein Einkommen verfügen, das sie ohne Gewissensbisse für pseudo-scholastisches Psychogeschwätz verschwenden, für das The Economist bekannt ist – hier ist es: https://www.economist.com/by-invitation/2021/08/20/niall-ferguson-on-why-the-end-of-americas-empire-wont-be-peaceful?itm_source=parsely-api

Niall Ferguson darüber, warum das Ende des amerikanischen Imperiums nicht friedlich sein wird.

Der Niedergang Amerikas, das Afghanistan im Chaos zurücklässt, spiegelt den britischen Niedergang vor einem Jahrhundert wider. Das könnte auch zu größeren Konflikten führen, warnt ein Historiker

 

Bevor ich zu diesem Ferguson-Beitrag komme, muss ich den anderen glorreichen (und nicht ohne Talent oder Bedeutung) britischen Geist erwähnen, den verstorbenen Sir Roger Scruton, der als nomineller britischer bzw. angelsächsischer "Konservativer" einige ziemlich seltsame (pseudo-)historische Konstrukte zu Fragen des globalen Kräftegleichgewichts hinterlassen hat, wie z. B. seine Schlussfolgerung, dass, ich zitiere:


John O'Sullivan hat eindringlich argumentiert, dass die gleichzeitige Präsenz von Reagan, Thatcher und Papst Johannes Paul II. in den höchsten Ämtern die Ursache für den Zusammenbruch der Sowjetunion war. Und meine eigene Erfahrung bestätigt dies.

 

Nun, es ist nur natürlich, dass der ehemalige Herausgeber eines neokonservativen Blattes, der National Review, völlig a-historisch und ignorant ist, denn das ist es, was der angelsächsisch-jüdische "Konservatismus" ist – er ist ein Narrativ, das in drei wesentlichen Aspekten versagt, was Fergusons Stück perfekt demonstriert. Allerdings ist anzumerken, dass die meisten Historiker, wenn sie mit der Komplexität der modernen Welt konfrontiert werden, überall einen großen Fehler begehen – sie fangen an, Parallelen zu ziehen, um ihre eigene Inkompetenz bei praktisch allen Mechanismen zu verbergen, die die moderne Welt antreiben. Das Ergebnis ist bestenfalls ein verzerrtes Bild, schlimmstenfalls verfälschen sie – ob sie wollen oder nicht – die gesamte Geschichte. Ich gebe zu Protokoll, dass ich extrem vorsichtig bin, wenn es darum geht, historische Parallelen zu ziehen, und wenn ich sie ziehe, tue ich es mit großen Vorbehalten. Dieses Scheitern mit "historischen Parallelen" verbinde ich gewöhnlich mit einem zweiten Scheitern der angelsächsischen "Geschichte" – es ist ihre völlige Inkompetenz in der modernen Kriegsführung und im globalen Machtgleichgewicht, und Fergusons Beitrag ist ein erstklassiges Beweisstück für eine zu Tode geprügelte, abgedroschene und ignorante historische Erzählung.

 

Der amerikanische Niedergang spiegelt in keiner Weise den Niedergang Großbritanniens wider, denn auf dem Höhepunkt seiner Macht konnte das britische Empire die Ureinwohner mit der Kraft seiner 16-Zoll-Kanonen unterwerfen, die von den Schlachtschiffgeschwadern der Royal Navy rund um den Globus getragen wurden. Und London konnte die Weltpolitik bis zu einem gewissen Grad manipulieren, da es eine Insel war, ein Ort, der von den Mühen einer kontinentalen Kriegsführung mit all ihren Schrecken isoliert war. Und wenn Ferguson den Unterschied zu einer nuklearen Supermacht, die die ganze Welt mehrfach zerstören kann, nicht versteht und versucht, Parallelen zu einem alternden Empire zu ziehen, das 1939 militärisch eine hohle Macht war und sich aus eigener Kraft nicht gegen Nazi-Deutschland und seine Verbündeten behaupten konnte, so muss Ferguson seine "Geschichte" auffrischen, indem er einen wirklich brillanten britischen Geist liest:

 

Sieg um jeden Preis

 

...auch wenn Deutschland besiegt wurde, so war England – aus eigener Kraft und eigenen Mitteln – kein Sieger. Nach der Kriegszeit war England, mit den Grundlagen einer ehemals unabhängigen nationalen Macht, genauso völlig zerstört wie Frankreich oder Deutschland. Aber was hinzukommt: Mit der heiklen Kehrseite, dass man das als „Sieger“ nicht erkannt hat.

Denn im Gegensatz zum Zusammenbruch der französischen Macht im Jahr 1940 und der deutschen Macht 1945 wurde der Zusammenbruch der britischen Macht nicht durch eine Niederlage im Feld offensichtlich; ihr historische Moment wurde nicht durch einmarschierende Truppen in die Hauptstadt definiert oder schön gefilmte und fotografierte Zeremonien einer Kapitulation. Stattdessen verging die britische Macht sang und klanglos in den gewaltigen Ereignissen des 2. Weltkriegs, so wie ein Schiff unentdeckt im Rauch und Getümmel einer Schlacht untergeht.

 

Großbritannien schied als kleineres der Drei Großen aus, weil es wirtschaftlich schwach und unfähig war, eine solide Strategie für den Zweiten Weltkrieg zu entwickeln. Ein Ereignis, das von den angelsächsischen Historikern in einem solchen Ausmaß umgeschrieben wurde, dass es sowohl in London als auch in Washington D.C. schon lange nicht mehr mit der Realität der Ereignisse des XX. Jahrhunderts in Verbindung gebracht wird. Aber ich bin mir sicher, dass Ferguson die Feinheiten der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und den Standardcharakter der amerikanischen Supermacht im Jahr 1945 versteht. Oder? Heute, wo Großbritannien eine drittklassige Militärmacht ist, deren militärisches Potenzial von den Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas in den Schatten gestellt wird und deren Wirtschaft in erster Linie aus FIRE besteht, d. h. weitgehend unproduktiv ist (Anm.d.Ü.: Den Begriff FIRE lernte ich von dem großartigen Professor Michael Hudson: Finance, Insurance, Real Estate – also Finanzen, Versicherungen und Immobilien), so kommen wir zum dritten Versagen der angelsächsischen "Historiker" und "Intellektuellen"... sie haben keine Ahnung, wie die reale Wirtschaft funktioniert. Es reicht, das Schundblatt zu lesen, in dem Ferguson seinen Artikel veröffentlicht hat – The Economist.

 

Nur wenige Publikationen sind so wahnhaft und von der wirtschaftlichen Realität der Welt abgekoppelt wie das Londoner Blatt The Economist (und jene Gruppe, die es besitzt). In vielerlei Hinsicht könnte The Economist heute als ein Protokoll des Niedergangs des globalen Angelsachsentums und des verzweifelten Wunsches Großbritanniens, als relevant betrachtet werden, in einer Welt, die die Analysen und Tugenden des Economist ignoriert und sich auf eine militärische und wirtschaftliche Macht stützt, die alles in den Schatten stellt, was Großbritannien jemals besaß.

 

Und das ist der springende Punkt: Es gibt KEINE Parallelen zwischen dem britischen Niedergang, der langwierig und… im Vergleich zu den kolossalen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und der Ostfront relativ unbedeutend war, die eine entscheidende Rolle sowohl für den britischen Niedergang als auch für Amerikas Aufstieg zur Supermacht nach dem Zweiten Weltkrieg spielten. Diese Geschichte muss erst noch vollständig geschrieben werden, und sie kann sicher nicht von Leuten wie Ferguson geschrieben werden. Es gibt nicht nur keine Parallelen zwischen dem britischen und dem amerikanischen Niedergang, sondern wir befinden uns in einem völlig neuen Paradigma und Stadium der Weltgeschichte, in dem in der Tat das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht – ein Ausmaß an Konsequenzen, das sich kein britischer Monarch, kein Staatsmann oder Intellektueller, am wenigsten Churchill, je vorstellen konnte.

 

Die Verhinderung des (von Ferguson vorhergesagten) möglichen Krieges des amerikanischen Zusammenbruchs kann nicht auf irgendetwas beruhen, was Churchill oder die meisten anderen britischen Köpfe mit Anspruch auf Ruhm sich jemals vorstellen könnten, da sie durch den britischen Niedergang traumatisiert sind und immer noch in einem Wahn britischer, längst vergangener Größe leben. Und sie passen die Geschichte an, indem sie sie umschreiben, anstatt etwas über die Außenwelt zu lernen. Sie haben einfach kein geistiges Instrumentarium, um den tiefgreifenden Unterschied zwischen den Instrumenten eines Staates im Jahr 1939 und im Jahr 2021 zu begreifen.

 

Der amerikanische Niedergang beruht nicht auf der "Schlappheit des Imperiums", zumal der US-Dollar die Weltreservewährung ist und die Vereinigten Staaten seit 1971 in der Lage sind, die Inflation in die ganze Welt zu exportieren. Sondern er beruht auf der Unfähigkeit, einen Krieg zu gewinnen, vor allem einen billigen, was in Verbindung mit einer katastrophalen, vorsätzlichen Deindustrialisierung die Vereinigten Staaten dem Untergang geweiht hat – eine Konstellation, der Großbritannien nie begegnet ist, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten es nicht geschafft haben, eine Kernnation zu bilden. Oberflächliche Ähnlichkeiten zwischen irgendwelchen Imperien sind genau das: oberflächliche Ähnlichkeiten. Alle Imperien gehen unter. Römische, russische, britische oder amerikanische Imperien haben nur sehr wenig gemeinsam. Vielmehr überwiegen die Unterschiede zwischen ihnen, und es ist unsinnig, irgendwelche Parallelen zwischen ihnen zu ziehen.

 

Skagerrak: Das Auftauchen der britischen Flotte in einem Umkreis von 50 Kilometern um die Halbinsel Jütland bedeutete, dass diese Flotte mit der deutschen Flotte konfrontiert werden musste, was 1916 zu einem Blutbad führte.

 

1941 bekämpfte der Bismarck die HMS Hood auf 20 km mit einer abschließenden dritten Salve auf etwa 14 km Entfernung.

 

Weder 1916 noch 1941 entsprechen die militärischen und geopolitischen Realitäten den heutigen Gegebenheiten. Heute können ganze Flugzeugträgergruppen der Royal Navy oder der US Navy von Stützpunkten aus mit Salven aus 4.500 Kilometern Entfernung oder im Meer aus 1.500 Kilometern Entfernung zerstört werden. Der Sitz der britischen oder irgendeiner anderen Regierung könnte mit einer Genauigkeit und Präzision zerstört werden, wie es sie in der Geschichte der menschlichen Zivilisation noch nie gegeben hat, und das alles ohne den Einsatz von Atomwaffen. Oder mit ihnen, wenn es darauf ankommt. Das ist es, was heute die Welt im Gleichgewicht und im Frieden hält – die Unfähigkeit des vereinten Westens, mit diesen Fähigkeiten mitzuhalten. Das sind die Realitäten der modernen Welt, die viele Menschen in der angelsächsischen Welt mit geisteswissenschaftlichen Studienabschlüssen nicht wahrhaben wollen oder nicht wahrhaben können. Und die weiterhin so tun, als könnten einige vergangene glorreiche Zeiten den Mangel an ernsthaften technischen, militärischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Kenntnissen irgendwie kompensieren. Aber das ist das Problem, über das ich ständig schreibe – sie können einfach nicht lernen, denn sie können nicht mit der Wahrheit umgehen.

 

Fergusons mäandernder Artikel in The Economist ist ein perfektes Beispiel und eine perfekte Illustration der Ursachen für den allgemeinen Niedergang des angelsächsischen Raums im XX Jahrhundert. Oder um es in der Sprache der Laien zu sagen – Ferguson, geh heim und lern' verdammt noch mal deine historischen Fakten!