http://thesaker.is/a-sea-painted-nato-black/

 

Ein Meer, gefärbt in NATO-schwarz

 

von Pepe Escobar, 28.06.2021

 

 

Willkommen zur jüngsten NATO-Show: Heute beginnt Sea Breeze und dauert bis zum 23. Juli. ( https://shape.nato.int/news-archive/2021/nato-allies-and-partners-ready-for-exercise-sea-breeze-21 )

 

Co-Gastgeber sind die 6. Flotte der USNavy und die ukrainische Marine. Der Hauptdarsteller ist die Standing NATO Maritime Group 2.

 

Die Show ist laut NATO-Sprech nur eine unschuldige Zurschaustellung der „Stärkung der Abschreckung und Verteidigung“. Der NATO-Dreh erzählt uns, dass die Übung „an Popularität gewinnt“ und jetzt mehr als 30 Länder „aus sechs Kontinenten“ beinhaltet, die 5.000 Soldaten, 32 Schiffe, 40 Flugzeuge und „18 Spezialoperationen und Taucherteams“ stationiert. Alle dazu entschlossen, jenes magische NATO-Konzept umzusetzen und zu verbessern: „Interoperabilität“.

 

Schieben wir mal den Nebel beiseite und widmen uns dem Herz der Sache. Die NATO vermittelt den Eindruck, sie würde bestimmte Bereiche des Schwarzen Meeres im Namen des „Friedens“ übernehmen. Die obersten Glaubenssätze der NATO, beim letzten Gipfel erneuert, lauten „Russlands illegale Annexion der Krim“ und „Unterstützung der Souveränität der Ukraine“. Für die NATO ist Russland also ein Feind des „Friedens“. Alles andere ist hybrider Kriegsnebel.

 

Die NATO „erkennt Russlands illegale und widerrechtliche Annexion der Krim nicht an und wird es nicht tun“, und verurteilt auch die „zeitweilige Okkupation“. Dieses Drehbuch, geschrieben in Washington, wird in Kiew und praktisch in der gesamten EU vorgelesen.

 

Die NATO sagt, sie sei der „transatlantischen Einheit“ verpflichtet. Die Geografie sagt uns, dass das Schwarze Meer, noch nicht an den Atlantik angebunden wurde. Aber das ist kein Hindernis für den guten Willen der NATO – die Aufzeichnungen zeigen uns, dass damit Libyen in Nordafrika in ein von Milizen beherrschtes Brachland verwandelt wurde. Was die Kreuzung von Zentral- und Südasien angeht – so wurde der gesamten NATO von einem Haufen bärtiger Paschtunen mit gefälschten Kalaschnikows ordentlich der Hintern versohlt.

 

Darf ich vorstellen – die Bukarest 9

 

Das Weiße Haus definiert seine NATO Ostflanke als die Bukarest 9.

 

Zu den Bukarest 9 gehören die Mitglieder der Visegrad 4 (Tschechien, Ungarn, Polen und die Slowakei), das baltische Trio (Estland, Lettland, Litauen); und zwei Schwarzmeer-Anrainer (Bulgarien und Rumänien). Keine Ukraine – zumindest noch nicht.

 

Wenn sich das Weiße Haus auf „die Stärkung der transatlantischen Beziehungen“ beruft, so bedeutet das vor allem eine „engere Zusammenarbeit mit unseren neun Alliierten in Zentraleuropa und der baltischen und der Schwarzmeer-Regionen, zur gesamten Bandbreite der Herausforderungen“. Übersetzung: „gesamte Bandbreite der Herausforderungen“ heißt Russland.

 

Nun, willkommen zur stilvollen Rückkehr des Intermarium --- das „zwischen den Meeren“, hauptsächlich die Ostsee und das Schwarze Meer, mit dem Mittelmeer als Nebenschauplatz.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg der Drang danach, was womöglich eine geopolitische Entente mit den drei baltischen Staaten, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Weißrussland und der Ukraine werden sollte. Dieses Machwerk entstand in Polen.

 

Nun wird unter dem Hegemon und seinem bewaffneten NATO-Arm ein neu aufgelegtes Intermarium (Ostseee-Schwarzes Meer) als Eiserner Vorhang eines neuen Kalten Kriegs 2.0 gegen Russland vorangetrieben. Deshalb ist die endgültige Einverleibung der Ukraine in die NATO für Washington so wichtig – denn das würde endlich das Intermarium absichern.

 

007 macht auf Monty Python

 

Das Prequel zu Sea Breeze fand letzte Woche statt, und zwar mit einem absurden "Britannia Rules The Waves"-Stunt, der wie ein Monty-Python-Sketch inszeniert wurde – jedoch mit potenziell explosiven Untertönen.

Stellen Sie sich vor, Sie warten an einer Bushaltestelle irgendwo in Kent und finden in einem Mülleimer einen feuchten Stapel – fast 50 Seiten – geheimer Dokumente, in denen das Verteidigungsministerium den explizit provokativen Einsatz des Zerstörers HMS Defender vor Sewastopol an der Krimküste erläutert.

Sogar ein BBC-Journalist, der auf dem Zerstörer eingebettet war, zertrümmerte den offiziellen Londoner Spin, dass es sich lediglich um eine "unschuldige Passage" gehandelt habe. Außerdem waren die Waffen der Defender voll geladen – als sie zwei Seemeilen in russische Gewässer vorstieß. Moskau veröffentlichte ein Video, das den Stunt dokumentiert.

Es kommt noch besser. Der feuchte Stapl, der in Kent gefunden wurde, enthüllte nicht nur Diskussionen über die mögliche russische Reaktion auf die "unschuldige Passage", sondern auch Abschweifungen über die Briten, die, "ermutigt" von den Amerikanern, nach dem Truppenabzug am 11. September Kommandos in Afghanistan zurücklassen wird.

Das wäre ein zusätzlicher Beweis dafür, dass die anglo-amerikanische-NATO-Kombo Afghanistan nicht wirklich "verlassen" wird.

Ein vages "Mitglied der Öffentlichkeit" kontaktierte die BBC, als es unschuldig die geopolitisch radioaktiven Materialien fand. Niemand weiß, ob dies eine undichte Stelle, eine Falle oder ein dummer Fehler war. Wäre das "Mitglied der Öffentlichkeit" ein echter Whistleblower gewesen, hätte er sich an Wikileaks gewandt, nicht an die BBC.

Die "unschuldige Passage" geschah nur Stunden, nachdem London ein Abkommen mit Kiew über die "Verbesserung der ukrainischen Marinefähigkeiten" unterzeichnet hatte.

An der russischen Reaktionsfront brachte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharova, alles auf den Punkt: "London hat eine weitere provokative Aktion gezeigt, gefolgt von einem Haufen Lügen, um sie zu vertuschen. 007-Agenten sind nicht mehr das, was sie einmal waren."

Unterdessen wurden an der Mittelmeerfront, die die NATO als ihr Mare Nostrum betrachtet, letzte Woche zwei russische Mig-31k-Kampfflugzeuge, die Hyperschallraketen vom Typ Khinzal tragen können, nach Syrien verlegt. Die Khinzal-Reichweite umfasst das gesamte Mittelmeer, sowohl im Westen als auch im Osten.

Im gesamten Globalen Südens ruft die NATO, die im Hafen von Odessa am Schwarzen Meer für den "globalen Frieden" wirbt, unweigerlich Assoziationen an Libyen und Afghanistan hervor. Austin Powers, selbsternannter „Doppelagent Oh! Behave!" würde perfekt zu der Kent-Mülleimer-"Geheimdokumente"-Kapernummer passen. "Oh. Behave!" trifft voll auf "Sea Breeze" zu. Ansonsten könnte sich die Gelegenheit ergeben, Mr. Kinzhal Hallo zu sagen.