https://www.strategic-culture.org/news/2018/05/07/nato-promoter-colonialism-21-century.html

 

Die NATO: Förderer des Kolonialismus im 21. Jahrhundert

 

von Wayne Madsen, 07.05.2018

 

 

Es gibt fünf NATO-Mitglieder, die immer noch Kolonien besitzen. Diese NATO-Staaten haben nicht die Ansicht, ihren Territorien bald die Unabhängigkeit zu schenken. Frankreich, des Vereinigte Königreich, die Niederlande, Dänemark und die Vereinigten Staaten bestehen nicht nur darauf, die Überbleibsel ihrer kolonialen Vergangenheit zu behalten, ihre Kolonien sind auch mit der militärischen Infrastruktur der NATO verwoben.

 

Die fortdauernde Gegenwart französischer, britischer, holländischer, dänischer und amerikanischer Kolonien rund um die Welt erweitert die sogenannte „North Atlantic Treaty Organization“ bis in den Südatlantik, die Karibik, den Pazifischen und den Indischen Ozean. Wenn es jemals eine Organisation gegeben hat, die sich irreführender Werbepraktiken schuldig gemacht hat, dann die NATO.

 

Jüngste Versuche für mehr politische Autonomie in den französischen Überseegebieten Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana, letzteres ist die Heimat für den strategisch bedeutenden französischen Weltraumbahnhof Kourou, wurden von Paris mit Gleichgültigkeit bis extremer Feindschaft beantwortet. Am 26. Januar 1968 warnt ein GEHEIM-Bericht der CIA vor sowjetischen Versuchen, in Französisch-Guayana eine Weltraumüberwachungsstation zu errichten. Im selben Jahr wurde in der französischen Kolonie in Kourou das Guayana Space Center gegründet. Die NATO befahl die Unterdrückung jeder Unabhängigkeitsbewegung aus dem Volk von Guayana, um das Zentrum allein in den Händen Frankreichs und der Europäischen Weltraumagentur zu belassen. Im März und April 2017 kam es zu Protesten, als guayanische Demonstranten den Weltraumbahnhof Kourou blockierten und protestierten, dass Frankreich das Volk der Kolonie ignoriere. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt zum Beispiel atemberaubende 55 Prozent.

 

Britische Schritte, die finanzielle Unabhängigkeit der karibisch-atlantischen Territorien der Cayman-Inseln, der Turks and Caicos, Bermudas, Anguilla und der Britischen Jungferninseln (BVI) zu bremsen, haben in jenen Gebieten zu Anklagen geführt, die Briten würden in diesen autonomen Gebieten den Kolonialismus wieder einführen. Die Holländer waren die krassesten Neo-Kolonialisten, indem sie die autonomen Regierungen in St. Maarten, Bonaire, St. Eustasius und Saba eingeschränkt haben. Die Holländer haben 2015 ein Referendum in Bonaire völlig ignoriert, das eine Eingliederung der Insel in die Niederlande zu 65% abgelehnt hat. 2014 hat ein Referendum in St. Eustasius die Eingliederung in die Niederlande ebenfalls abgelehnt. Die holländischen Kolonialisten haben im Auftrag und mit Einverständnis der NATO dennoch die direkte Herrschaft über die beiden Inseln eingeführt.

 

Die NATO behandelt die karibischen und atlantischen Territorien ihrer Mitglieder als „Festland“, wo bereits Luft- und Marinestützpunkte existieren oder für militärische Zwecke ausgebaut werden können. Unabhängigkeitsbemühungen oder eine stärkere Autonomie sind nicht im Interesse der NATO. Über ihren Stellvertreter in Kopenhagen hat die NATO jede Bemühung der Färöer und Grönlands zu einer Unabhängigkeit vereitelt– beides dänische Territorien, die auf dem Papier Autonomie genießen. Die NATO will ihre Präsenz in der US-Basis Thule fortsetzen und China von Bergbau-Vorhaben in dem sich rasch aufwärmenden Grönland abhalten, einem Gebiet mit bekannten großen Vorkommen Seltener Erden. Vor kurzem haben Wahlen in Grönland zu einem Sieg für Premierminister Kim Kielsen und seiner Vier-Parteien-Koalition geführt, die eine Unabhängigkeit von Dänemark bevorzugen. Eine dieser Parteien, Nunatta Qitornai, wünscht eine sofortige Unabhängigkeit von Dänemark. Ein geplantes Referendum auf den Färöer-Inseln für eine neue Verfassung wurde um sechs Monate verschoben. Das Referendum, das zu einer Unabhängigkeit von Dänemark führen könnte, ist womöglich aufgrund einer direkten Einmischung der NATO über ihre Stellvertreter in Kopenhagen und der färöischen Hauptstadt Torshavn verschoben worden.

 

Die Holländer haben in den karibischen Gebieten Aruba und Curacao Forderungen nach mehr Autonomie ignoriert. Beide Orte sind Stützpunkte des Militärs und der Geheimdienste der USA und der NATO, wo ihre Luftwaffe und Marine auf die Regierung Venezuelas und linke Gruppierungen in Kolumbien abzielen. Die U.S. 12th Air Force, die in der Davis-Monthan Air Force Base in Arizona stationiert ist, betreibt am Hato International Airport in Curacao und am Reina Beatrix International Airport in Aruba zwei „kooperative Sicherheitsstandorte“.

 

Ein Stationierungsabkommen (Status of Forces Agreement, SOFA) zwischen den Vereinigten Staaten und den Niederlanden von 2012 gewährt dem US-Militär in Bonaire, Saba, St. Eustasius und St. Maarten bis 2021 für „Ausbildung“ und andere Zwecke Zugang. Nach der Unterzeichnung dieses Abkommens wurde die spezielle Autonomie für diese Territorien von den Regierungscliquen in Den Haag und Amsterdam nach und nach aufgeweicht.

 

Jüngste Schritte der britischen Regierung, ihre karibischen und anderen Territorien vor Ende 2020 zu einem öffentlichen Register zu verpflichten oder zu riskieren, dass ihre finanziellen Angelegenheiten direkt von London übernommen werden, haben in den britischen Kolonien zu einer Revolte geführt, vor allem jenen in der Karibik. London behauptet, dass dieses öffentliche Register notwendig sei, um den Fluss von „schmutzigem Geld“ und verdeckten Konzernkonstrukten in Folge der Finanzskandale der Steuerschlupflöcher, der „Panama und Paradise Papers“, zu verhindern. Die britischen Territorien behaupten, dass nach der Einführung eines öffentlichen Registers die Offshore-Firmen und ihr Geld einfach zu anderen Orten auswandern, wo es weiterhin das Steuergeheimnis gibt.

 

Um den Diktaten Londons zu entgehen, spielen natürlich einige britische Territorien bereits mit dem Gedanken an eine Unabhängigkeit. Der Premier der BVI, Orlando Smith, sagte, Londons Schritt zur Einmischung in die Autonomie der BVI lasse Zweifel an der verfassungsmäßigen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Volk der BVI aufkommen. BVI bemüht sich um eine direkte Verbindung zur karibischen Gemeinschaft unabhängiger Nationen (CARICOM), ohne Einmischung der Londoner Kolonialbehörden. BVI ist jetzt bei den Treffen der CARICOM und der Vereinigung der Karibischen Staaten mit ihrem eigenen Minister für Auswärtige Angelegenheiten vertreten. Der Premier der Cayman-Inseln, Alden McLaughlin, verlangt ebenfalls mehr Kontrolle über die Angelegenheiten seiner Inseln, einschließlich der nationalen Sicherheit und einer Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation. Die britischen Behörden haben das nicht nur zurückgewiesen, sondern unternehmen Schritte, der populären Offshore-Steueroase finanzielle Regulierungen zu verpassen.

 

Die territorialen Führer der Karibik weisen darauf hin, dass diese Anforderungen an sie nicht für die Isle of Man und die Bailiwicks von Jersey und Guernsey gelten, die als Kronkolonien von Queen Elizabeth nicht den Launen des britischen Parlaments unterworfen sind. Sollte London den Kronkolonien (der Karibik) ihren Willen aufdrücken, so würden sie bekanntgeben, dass sie ihre Verbindungen zur britischen Krone abbrechen und für eine Unabhängigkeit stimmen werden.

 

Die NATO will natürlich keine Unabhängigkeitsschritte der Inseln in der Irischen See, im Kanal oder der Karibik. Die Trump-Regierung führt die Zweite Flotte der US Navy wieder ein, die von Präsident Obama 2011 aufgelöst worden war. Sie ist für den Nordatlantik zuständig, einschließlich Bermuda und Grönland, das auch die Unabhängigkeit von seinen dänischen Kolonialherren anstrebt. Die Vierte Flotte der US Navy dominiert weiter die karibischen Territorien der U.S. Virgin Islands und von Puerto Rico; die britischen Gebiete der Caymans, Turks and Caicos, Anguilla, BVI und Montserrat; die holländischen Gebiete Aruba, Curacao, Bonaire, Saint Maarten, Saba und St. Eustasius; und die französischen Territorien von Guadeloupe und St. Barthelemy, Martinique und Französisch-Guayana. Das U.S. Southern Command mit Sitz in Miami übt über die gesamte karibische Region eine politische Dominanz im Stile eines Vizekönigs aus.

 

Die NATO behält auch die französische Kolonie Neukaledonien im Pazifik aufmerksam im Auge. Weder die NATO noch Australien wollen, dass die Wähler von Neukaledonien sich im anstehenden Referendum in diesem November für eine Unabhängigkeit entscheiden. Festland-Franzosen, die das Inselgebiet kolonisiert haben, drängen auf ein „Nein“ bei der Wahl und der französische Präsident Emmanuel Macron hat vor kurzem die Kolonie besucht und die Bedeutung einer Aufrechterhaltung der kolonialen Beziehungen zu Frankreich betont. Es gibt einen bedeutenden psychologischen Feldzug, um die eingeborenen Kanakys davon zu überzeugen, dass die französischen Kolonialisten im Kampf gegen die Unabhängigkeit bereits die Mehrheit hätten. Eine weitere psychologische Kampagne wird mit der falschen Behauptung geführt, China würde im nahen Vanuatu eine Marinebasis errichten.

 

Die NATO, die immer noch den Begriff „Nordatlantisch“ benutzt, will ihren kolonialen Fußabdruck rund um die Welt nicht verlieren. Von Mayotte im Indischen Ozean bis St. Helena im Südatlantik und Guam im Westpazifik. Die NATO wird seit langem beschuldigt, in Afrika, dem Nahen Osten und Asien neokoloniale Kriege zu führen. Aber wenn es um Wald-und-Wiesen-Kolonialismus geht, so ist die NATO bestrebt, die Kontrolle über die territorialen Brückenköpfe ihrer Mitgliedsstaaten auf den sieben Weltmeeren zu behalten.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Roland Heß (Mittwoch, 09 Mai 2018 06:36)

    Nanana,
    Grönland als eine "Kolonie" und damit Dänemark als Kolonialisten zu bezeichnen, ist ja wohl Unsinn. Grönland könnte ohne Zuschüsse aus Dänemark gar nicht existieren und seinen Bewohnern die Sozialhilfe und Heizkosten bezahlen. Von der Jagd und dem Fischfang können sie ihre Lebenshaltungskosten nicht bestreiten, zumal durch die grünen Spinner das wertvolle Robbenfell unverkäuflich (Pelz und Leder=ganz,ganz böse) in den Kühlhäusern vor sich hin dümpelt. Pro Fell zahlt Dänemark den Grönländern allerdings einen Obulus und trägt die Kosten für die Kühlhäuser!