https://caitlinjohnstone.com/2019/10/31/mainstream-journalists-who-refuse-to-defend-dissident-journalists-are-worshippers-of-power/

 

Mainstream-Journalisten, die sich weigern, dissidente Journalisten zu verteidigen, sind Anbeter der Macht

 

von Caitlin Johnstone, 31.10.2019

 

 

Alternative Medienzirkel berichten seit zwei Tagen, seit die Nachrichten über die Verhaftung des Grayzone-Journalisten Max Blumenthal bekannt wurden, der angeblich zwei Tage lang inhaftiert war, nachdem am vergangenen Freitag Polizei im SWAT-Stil auftauchte und damit drohte, seine Tür aufzubrechen.

Blumenthal wird wegen eines einfachen Angriffs angeklagt, der angeblich vor fünf Monaten während der berüchtigten Pattsituation stattgefunden haben soll, als die US-Regierung daran arbeitete, die offizielle venezolanische Regierung aus ihrer Botschaft in DC zu entfernen und sie durch Diplomaten der von Guido geführten Marionettenregierung zu ersetzen, die sie an die Macht zu bringen versuchte. Dissidente Journalisten, darunter Blumenthal, stationierten sich in der Botschaft gegen die illegale Vertreibung und dokumentierten das Verhalten der Vertreiber. Blumenthal nennt die Anklage "eine 100-prozentig falsche, gefälschte, erstunkene und erlogene, unrichtige und böswillige Lüge".

 

 

Ich habe die Nachrichten über die Botschaftskrise mit großem Interesse verfolgt, vor allem, weil das widerwärtige, törichte Verhalten der Anti-Maduro-Gegenprotestanten vor Ort ein perfektes Spiegelbild des widerwärtigen, törichten Verhaltens war, das ich von Anti-Maduro-Seite online erlebt hatte. Ich habe mit jeder großen politischen Fraktion in Amerika an einem Punkt oder anderen argumentiert, und einige von ihnen können geradezu abscheulich sein, aber ich bin in meinen drei Jahren bei diesem Job noch nie auf eine so intellektuell unehrliche, grobe, böse Gruppe von Menschen gestoßen, wie diejenigen, die die die Agenda des Regimewechsels der Trump-Administration in Venezuela angefeuert haben. Es besteht kein Zweifel daran, dass jemand aus dieser skrupellosen, zwielichtigen Gruppe in der Lage wäre, falsche Anschuldigungen gegen einen dissidenten Journalisten zu erheben, der mit ihnen nicht einverstanden war.

"Nach Angaben einer mit dem Fall vertrauten Person wurde der Haftbefehl gegen Blumenthal zunächst abgelehnt", berichtet Grayzone. "Seltsamerweise wurde diese falsche Anklage Monate später ohne Wissen des Angeklagten wiederbelebt."

Das ist in der Tat seltsam.

@MaxBlumenthal: „Ich wurde am Freitag aufgrund einer komplett falschen Anklage verhaftet, die von der venezolanischen Opposition im Zusammenhang mit der Belagerung der Botschaft in DC ersonnen wurde. Ich haben zwei Tage im Gefängnis verbracht, für längere Zeit in Handschellen und ohne das Recht, einen Anwalt anzurufen. Hier die Fakten: https://thegrayzone.com/2019/10/28/this-charge-is-one-hundred-percent-false-grayzone-editor-max-blumenthal-arrested-months-after-reporting-on-venezuelan-opposition-violence/

 

So seltsam es auch ist, Personen der alternativen Medien sind die einzigen, die über die Verhaftung eines oppositionellen Journalisten berichten, der aufgrund dubioser Gründe auf höchst verdächtige Art und Weise verhaftet wurde. Die Reporter der Mainstreammedien haben diese Story komplett ignoriert.

 

"Die Festnahme und Verhaftung des oppositionellen US-Journalisten Max Blumenthal erinnert mich (und andere, die ich kenne) an das Schlimmste in Russland", twitterte der Journalist Mark Ames. "Außer dort, wo der Oppositionsjournalist Iwan Golunow verhaftet wurde, unterstützten die meisten namhaften russischen Journalisten Golunow öffentlich– einschließlich Putin-freundliche. Hier – Stille."

Dieses Schweigen ist an dieser Stelle nicht überraschend, denn dieselbe Medienklasse ist seit Jahren entweder stumm oder sogar für die Verfolgung eines anderen dissidenten Journalisten, Julian Assange. Ambitionierten jungen Journalisten wird bewusst gemacht, dass der einfachste Weg, ihre Loyalität gegenüber dem plutokratischen Establishment, das die Medien kontrolliert, zu demonstrieren, darin besteht, sich an der unerbittlichen Hetzkampagne gegen den Gründer von WikiLeaks zu beteiligen, die sich in praktisch allen politischen Sektoren der westlichen Welt durchgesetzt hat, und der einfachste Weg, sein Ansehen in den plutokratischen Medien zu verlieren, ist es, ihn zu verteidigen.

 

Es gibt ein bekanntes Zitat eines deutschen Theologen, der nach dem 2. Weltkrieg diese Zeilen schrieb:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.


Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

 


Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.

 

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

 

(Anm.d.Ü.: Dieses Niemöller-Zitat existiert in verschiedenen Variationen. Caitoz lässt den ersten Vers weg. Und der vierte Vers ist laut Wiki nicht in der Originalfassung.

Näheres zu dem Zitat hier: http://martin-niemoeller-stiftung.de/martin-niemoeller/was-sagte-niemoeller-wirklich#more-212 )

 

Es ist ein gutes Zitat, und verständlicherweise haben die Menschen es für den ständig eskalierenden Krieg gegen den oppositionellen Journalismus geltend gemacht, den wir im gesamten westlichen Imperium erlebt haben. Schreie von "Zuerst holten sie Assange" und "Zuerst holten sie die Journalisten" sind in Kreisen üblich, die die Existenz einer freien Presse schätzen, die in der Lage ist, Rechenschaft abzulegen, mit dem Argument, dass, wenn sie sie Journalisten wie Assange und Blumenthal abholen, es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie auch dich holen.

Da ist nur ein Problem: Es stimmt so nicht.

 

 

@MarkAmesExiled: „Die Festnahme und Inhaftierung des oppositionellen US-Journalisten @MaxBlumenthal erinnert mich (und andere auch) an das Schlimmste in Russland. Außer dass dort, als der oppositionelle Journalist Ivan Golunow verhaftet wurde, die meisten großen russischen Journalisten – darunter Putin-freundliche – Golunow öffentlich unterstützt haben.

 

Hier – Schweigen.“

 

Es ist nicht wahr, dass, wenn man der Autorität erlaubt, dissidente Journalisten zu verfolgen, sie zwangsläufig hinter einem her sein werden. Das ist nur wahr, wenn man irgendwann etwas veröffentlichen will, was die Machthaber nicht wollen, dass man es veröffentlicht. Wenn man die Tür zu der Möglichkeit geschlossen hat, dass man das jemals tun könnte, dann weiß man, dass es kein Risiko für einen gibt, so dass es nicht notwendig ist, dissidente Journalisten zu verteidigen, wenn man seine Berichterstattung auf eine juristische Verfolgung durch die Mächtigen ausrichtet. Das ist genau das, was Mainstream-Reporter, die Assange und Blumenthal nicht verteidigen, uns von sich selbst erzählen: Sie haben diese Tür geschlossen und die Seite der Macht gewählt, komme was wolle.

 

Von daher kommt die Stille. Es ist nicht so, dass diejenigen, die in den Mainstream-Nachrichtenmedien arbeiten, kein Verständnis dafür haben, dass sich die Machtstrukturen irgendwann verschieben könnten, und man Fakten berichten will, die für die Mächtigen unangenehm sind, ohne Angst vor Inhaftierung; diese Leute haben alle miterlebt, wie Donald Trump gewählt wurde. Sie wissen bereits, dass die Dinge in Zukunft eine sehr dunkle Wendung nehmen könnten, wo sich die Macht befindet, und sie haben bereits entschieden, dass es ihnen egal ist und sie in Zukunft immer auf der Seite der Mächtigen stehen werden. Wenn die Wahl von Donald Trump nicht ausreicht, um diesen Menschen zu zeigen, dass es eine gute Idee ist, sicherzustellen, dass die Presse auch in Zukunft die Macht zur Rechenschaft ziehen kann, dann wird es nichts geben das ausreicht. Sie sind nicht ignorant, sie sind unterwürfig. Sie haben sich ein Leben lang verpflichtet, weiterhin den Altar der Macht anzubeten, egal welche Form diese Macht annimmt.

 

Wenn wir das Gedicht "First they came" neu schreiben würden, um den aktuellen Krieg gegen den dissidenten Journalismus zu beschreiben, den wir 2019 erleben, würde es eher so lauten:

 

Zuerst holten Assange, und ich habe das Maul nicht aufgemacht,

weil ich ein westlicher Mainstream-Journalist war, ohne die Absicht, die Mächtigen jemals zu verärgern.

 

Dann holten sie Blumenthal, und ich habe das Maul nicht aufgemacht,

weil ich ein westlicher Mainstream-Journalist war, ohne die Absicht, die Mächtigen jemals zu verärgern.

 

Dann holten sie all die anderen dissidenten Journalisten, und ich habe mich nicht geäußert,

weil ich nie ein dissidenter Journalist sein werde

 

Mich haben sie nie abgeholt,

weil ich mich dazu entschieden habe, der Macht zu dienen.

 

*

 

 

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*

Anm.d.Ü.:

Hierzu passt gut dieser Cross Talk über Blumenthal von Peter Lavelle.

Kommentare: 2
  • #2

    Der Kaiser (Sonntag, 03 November 2019 20:17)

    Solange jene die Waffen und das Geld beherrschen (rule of the Game) und "Verantwortungslos" agieren, müssen sie als Krug solange zum Brunnen gehen, bis sie es be-greifen.
    Diese Antwort macht dann 1 Mark 80!

    Oder good Times: https://www.youtube.com/watch?v=9MFFSJM0KMs

  • #1

    willi uebelherr (Sonntag, 03 November 2019 08:32)

    Es ist nicht richtig, dass die "Mainstream-Journalisten" aus Angst vor verfolgung nicht berichten. Sie tun es, weil sie die alternativen Medien hassen wie die Pest, weil die gefahr besteht. dass sie selbst unwichtig und ueberfluessig werden. Diese Angst, die ihren Konkurrenzkampf schuert, ist allerdings wirklich berechtigt.

    So nuetzt das Jammern von Caitlin nichts. Wenn, dann nuetzt nur der direkte Angriff.