https://kunstler.com/clusterfuck-nation/going-where-exactly/

 

Wo genau gehen wir eigentlich hin?

 

Von James Howard Kunstler, 07.06.2019

 

Als Reaktion auf das, was aus einer Nation schamloser Gaunereien geworden ist, lebhafter Vermögensunterschiede und schockierender Armut, die in den Straßen der Stadt zu sehen ist, sucht die Partei des einfachen Mannes nach Lösungen bei der Umverteilung des Kapitals. Das scheint für viele mehr als fair zu sein. Nicht umsonst stilisieren sie es als "soziale Gerechtigkeit", die Wegbereiterin eines Wirtschaftssystems namens Sozialismus – natürlich mit den Obertönen, dass sie zusätzlich die Rassen- und Geschlechterfragen lösen.

 

Der Sozialismus mag wie die Antwort auf all diese Ungerechtigkeiten und Demütigungen erscheinen. Und natürlich konzentriert er sich auf die beiden Aktivitäten, die sich zu den schlimmsten Gaunereien in Amerika entwickelt haben: Hochschulbildung und Gesundheitswesen, auch bekannt als "Eds and Meds" (Anm.d.Ü.: „Education and Medicines“). Beide sind heute grausam aufgeblähte Parodien dessen, was sie einmal waren, und verwandeln ihre Kunden in Schuldsklaven und Bankrotteure, abgesehen von ihrem trostlosen Versagen bei ihren Grundaufgaben: Den sich entwickelnden Geist auf die Realität vorzubereiten und "zuerst keinen Schaden anzurichten".

 

Die vorgeschlagene Abhilfemaßnahme besteht darin, dass die nationale Regierung die Verantwortung für den Betrieb übernimmt und ihre Dienste für alle kostenlos zugänglich macht. Das würde natürlich nichts daran ändern, die offenkundigen Idiotien der Gender Studies-Abteilungen zu reformieren (Anm.d.Ü.: Gruß an Hadmut Danisch!); oder die traurigen Opfer von Adipositas und Diabetes vor ihrem giftigen Konsum von Whoppers, Pizzen und Slushies zu retten. Dieses Kräftespiel läuft auf Feedback-Rädern der Sinnlosigkeit, für die es kein Happy End außerhalb drastischer Veränderungen im Denken und Verhalten gibt.

 

Die Linke verspricht nun die Erlösung von diesen großen Dilemmata, mit einer Wechselmannschaft aus Robin Hood und Weihnachtsmann, die eine neue goldene Ära der kostenlosen Dinge einleiten wird. Das ist vielleicht verständlich, wenn man bedenkt, wie verzweifelt so viele Bürger dieses Landes sind und wie diese Verzweiflung die Rettungsfantasien nährt. Und die Linke könnte sogar nach der nächsten Wahl die Chance bekommen, diese Zauberei auszuprobieren. Aber es ist wirklich nicht der Ort, an den uns die Geschichte führen wird. Amerika wird nicht sozialistisch, es wird mittelalterlich werden. Warum ist das so?

 

Um es einfach zu sagen, das Geld ist nicht da. Aber "Geld" ist nur eine abstrakte Darstellung des materiellen Reichtums der einen oder anderen Art – Energie, Güter, Ressourcen und Liefersysteme – und all das wird immer mehr zu einer flüchtigen Präsenz in der realen Zivilisation. Wir haben nicht mehr die unwiderstehliche Anziehungskraft, diese ausufernden Aktivitäten zu verstaatlichen und zu zentralisieren. Es ist offensichtlich, dass die Regierung nicht nur tödlich bankrott ist, sondern dass sie auch durch Überinvestitionen in Komplexität ein Stadium aus schwindenden Renditen erreicht hat, was zu allgemeiner Inkompetenz führt. Es ist nicht nur Mr. Trump allein, der für die chaotische Lähmung um uns herum verantwortlich ist.

 

Gesellschaften sind selbstorganisierende, sich verändernde Phänomene. Sie reagieren auf die Umstände, die die Realität präsentiert, und sie führen uns in unerwartete Richtungen. Die allgemeine Erwartung in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg war, dass der materielle Komfort durch ein unerschöpfliches technisch-industrielles Füllhorn, eine Art kosmische Schlaraffenland-Maschine, immer weiter steigt. Nun, wir sollten unser Denken besser an die Tatsache anpassen, dass das Füllhorn aus Goodies schockierend leer ist und dass kein finanzieller Hokuspokus es wieder auffüllen wird. Mutige Versuche, den bereits vorhandenen Reichtum umzuverteilen, werden sich als enttäuschend erweisen, vor allem, wenn sich die Papier- und digitalen Darstellungen dieses Reichtums aus "Geld" als Erfindungen erweisen – Zahlungsversprechen, die niemals eingehalten werden, weil sie nicht eingehalten werden können.

 

Anstatt also von kostenlosen Doktorandenprogrammen für alle und kostenlosem Insulin für die Massen zu träumen, sollte man stattdessen die Aussicht einer reduzierten Bevölkerung in Betracht ziehen, die auf den Feldern und Äckern arbeitet, um genügend Nahrung aus dem lang missbrauchten Land zu holen, um den nächsten Winter zu überleben. Stellt euch auf eine Welt ein, in der, wenn wir Glück haben, der Strom für ein paar Stunden am Tag vorhanden ist, aber möglicherweise überhaupt nicht. Stellt euch eine Welt vor, in der Männer und Frauen tatsächlich in verschiedenen Arbeitsteilungen und sozialen Räumen funktionieren, weil sie es müssen, um das menschliche Projekt am Laufen zu halten. Stellt euch eine Welt vor, in der die Gedanken in euren Köpfen über diese Welt tatsächlich mit der Art und Weise übereinstimmen müssen, wie diese Welt wirklich funktioniert, und der schweren Strafe, wenn man das nicht erkennt. Das ist die wahrscheinlichere Welt, in die wir uns begeben werden. Es wird den utopischen Träumen von kosmischen Belohnungen kein Ende setzen, aber es wird ein ernüchternder Moment in der Geschichte sein.

 

Kommentare: 3
  • #3

    willi uebelherr (Sonntag, 16 Juni 2019 01:18)

    "Bei sinkender Wertschöpfung .."

    Da haben wir es wieder mit Religion zu tun. Michel, allen Ernstes, eine "Wertschoepfung" gibt es nicht. Sie wird nur vorgetaeuscht.

    Der Hintergrund dessen ist, dass die privaten Geld- und Finanzsysteme reiner Klamauk sind. Aufgeschaeumte Theaterveranstaltungen. Das Problem ist nur, dass ihre eigene Choreografie sich dem Schwchsinn naehert.

    James Howard Kunstler weiss es selbst, weil er es zwischen den Zeilen andeutet. Aber er kann den Gedanken nicht zu Ende denken, weil ihm dann wohl der Angst und Schrecken in die Glieder faehrt.

    Sein Hinweis auf die "Linken" ist voellig richtig, weil sie ueber das bedruckte Papier und die Zahlen in den Datensystemen nicht hinaussehen. Sie verstehen es nicht, weil sie es auch nicht verstehen wollen. Ihre parasitaere Existenzweise ist auf dessen funktionieren aufgebaut.

    Allerdings versteht auch Kunstler die Oekonomie nicht, wenn wir uns seine Perspektiven genauer betrachten. Er meint wohl tatsaechlich, dass wir von den Eliten abhaengig waeren. Er ja, aber wir?

  • #2

    FritztheCat (Sonntag, 09 Juni 2019 23:07)

    Hallo michel,
    schöner Kommentar - auf den Punkt!
    Bei der Erklärung wird's schwierig. Eigentlich wäre das Aufgabe der Presse und der Bildung. Wir haben leider nur Presstituierte und Ideologen.
    Wenn ich hier Artikel zur Wirtschaftspolitik übersetze, ist die Reaktion leider sehr mau. Ist ja auch ein schwieriges Thema.
    Meine Empfehlung ist "The Wolff of Wall Street", die wunderbare Serie von Ernst Woff bei KenFM:
    https://www.youtube.com/watch?v=BVDBXKELJd4

  • #1

    michel o.neland (Sonntag, 09 Juni 2019 22:35)

    Wieder mal ein toller Artikel, ja Kunstler, eine Punktlandung. Man finde jetzt aber mal eine Erklärung, dass pauschal gesagt, die Allgemeinheit nicht erkennt, dass ausschließlich nur Erwirtschaftetes verteilt werden kann, also Robin Hood nur Produziertes verteilen kann, zumal der Weihnachtsmann sehr lange auf sich warten werden lässt. Bei sinkender Wertschöpfung, die mit der zunehmenden Verdummung der Bevölkerung verbunden ist (Idiocracy), fällt der Westen tatsächlich wieder auf mittelalterliches Niveau. Genau das ist aber auch der Plan einiger Auserwählter.