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von James Howard Kunstler, 28.12.2018

 

 

Man muss einfach das Märchen lieben, das die Finanzmedien am Mittwoch über den mehr als 1000-Punkte-Zoom im DJIA (Dow Jones Industrial Index) erzählt haben: dass Pensionsfonds ihre Portfolios "neu ausrichten". Es erweckt das Bild eines ertrinkenden Mannes auf dem Grund des tiefblauen Meeres, mit einem Anker in der einen Hand und einem Amboss in der anderen und der die beiden Gegenstände austauscht.

 

Die 900-Punkte-Wende in letzter Minute am Donnerstag war ein weiterer wunderbarer Stunt. Jemand gab dem ertrinkenden Mann ein Paar Schwimmflossen, um sich wütend an die Oberfläche zu strampeln und einmal Luft zu holen. Die Wahrheit ist natürlich, dass Pensionsfonds versenkt werden während sie unter Wasser sind – wie auch immer man seine riesigen Investments ausgleicht. Aus purer Verzweiflung kauften sie Aktien, weil zehn Jahre lang die Anleiherenditen nahe Null lagen und sie haben begonnen, sie wieder in Anleihen zu verwandeln, als die sich über den Null-Zinssatz schlichen, und jetzt, da die Anleiherenditen zurückgehen, weichen sie wieder auf immer noch überteuerte Aktien aus, die vorgeben, "Schnäppchen" zu sein. Jeder weiß, dass dies für die Pensionsfonds nicht gut enden wird. Gluck Gluck Gluck

 

Die Finanzpresse und ihre rothaarigen Stiefgeschwister in den regulären Nachrichtenmedien scheinen zu denken, dass die Absetzung von Herrn Trump den ewigen Bullenmarkt in ein Elon Musk-Nirwana mit Urlauben auf dem Mars, in Hyperloops und in ein weiteres Kapitel der US-Weltherrschaft verwandeln wird – mit Wonder Woman, die die Joint Chiefs of Staff leitet und die eine Armee von Eunuchen anführt. Die New York Times machte heute (Freitag) in einem Leitartikel des verehrten Sumpffossils Elizabeth Drew, 83, die alles andere als ein glaubwürdiges Argument gegen den Goldenen Golem der Größe darlegte, einen weiteren Anlauf zu einer Anklage. Die Zeitung macht sich mit ihrer wütenden gynäkologisch-narzisstischen Hysterie jeden Tag lächerlicher.

Was die NYT und ihre Medienkollegen nicht bemerken, ist, dass die Nation unwiderruflich von unseren vertrauten techno-industriellen Arrangements in das unerforschte Gebiet der aufgeschobenen Fantasien und realen harten Zeiten übergegangen ist. Die Finanzialisierung der Wirtschaft war der letzte Trick, um dieses Boot über Wasser zu halten. Es erlaubte Politikern und Wirtschaftsführern so zu tun, als würde die Zerstörung des Landesinneren das allgemeine Wohlbefinden fördern – damit die Moralisierer von den Küsten das mikrogrüne Mittagessen und die Operation zur Geschlechtsumwandlung genießen können. Die Banktraumata von 2008 hätten diesem Spiel ein Ende setzen sollen, aber die zwischen dem DC Sumpf und Wall Street rotierenden Spieler haben bei dieser Aktion nur doppelt und dreifach draufgesattelt – im Grunde genommen immer mehr aus der Zukunft geborgt, in Form von Anleihen, die unmöglich zurückgezahlt werden können.

 

Die wahre Neugewichtung der Pensionsfonds und alles andere im amerikanischen Leben wird mit der Erkenntnis einhergehen, dass wir angezählt sind und an die tatsächlichen Grenzen stoßen. Leider kann sich die Wirtschaft nicht kleinschrumpfen, zumindest nicht in geordneter Weise. Sie hat eine gewisse vollständige Blüte erreicht und wird dann welk oder kollabieren. Das Überleben wird zu der Frage, wie sich die Menschen an neue Bedingungen anpassen. Versuche einer Abmilderung – die Unterstützung des Status Quo – summieren sich zu einem schwachsinnigen Spiel, sei es an den Börsen, im Agro-Business, in politischen Parteien, in Wettersystemen oder im Einfluss auf Menschen in fernen Ländern.

 

Die Frage wird sich zwischen den Schadensminderern und den Anpassern entscheiden. Das Problem für die Schadensminderer ist, dass das meiste von dem, was sie tun können, auf Täuschungen basiert: z.B. dass ein Energiewunder zur Hand ist.... dass wir bald Asteroiden abbauen werden... dass wir Deiche um Miami Beach bauen werden.... dass die moderne Geldtheorie (die "Wissenschaft", etwas für nichts zu bekommen) die physikalischen Gesetze des Universums aufheben kann. Die Schadensbegrenzer werden enttäuscht sein, wenn sie ihre letzten Bilder von iPhone Pornos "konsumieren" und darauf warten, dass Elon Musk die Welt rettet.

 

Die Anpasser werden da draußen sein und mit den Veränderungen arbeiten, die die Realität mit sich bringt, wahrscheinlich mit Handwerkszeugen. Es gibt vielleicht viel weniger von denen, die in einer enthaltsameren täglichen Wirtschaft leben, aber sie werden auf der Bühne bleiben, während die Schadensbegrenzer diese Erde unter Tränen verlassen und einem mysteriösen Reich nachweinen werden, das sich nicht als eine Trabantenstadt mit Golfplätzen auf dem Mars mit einem Tesla in jeder Einfahrt erweist. Etwas kommt und die wilde Instabilität der Algorithmen in den Märkten ist ein weiteres Zeichen, das jeder erkennen kann. Auch wenn es Anfang 2019 für einige Wochen ruhig wird, wie ich denke, so beginnt das Feuerwerk erst.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mike (Montag, 31 Dezember 2018 00:43)