https://www.strategic-culture.org/news/2019/04/06/war-with-russia-is-not-inevitable-keep-repeating-that.html

 

Denkt immer daran: Ein Krieg mit Russland ist nicht „unabwendbar“

 

Von James George Jatras, 06.04.2019 (zahlreiche Links im Original!)

 

 

Na, das hat ja nicht lange gedauert! Kaum hat der Großinquisitor Robert Mueller seine obszön teure Inquisition ohne Ergebnis einer sogenannten Kollusion mit Russland abgeschlossen, schon sind die Hindernisse für eine Annäherung zwischen Washington und Moskau verschwunden. Von so profunden Denkern wie Daniel R. DePetris vom American Conservative (Trump hat jetzt „zum ersten Mal die Gelegenheit, eine Russland-Politik ohne das Risiko extremer politischer Rückschläge anzugehen“) und Srdja Trifkovic vom Chronicles kommen Aufrufe für eine neue Détente:

 

Jetzt wo der russische Kollusionsmythos als eine verlogene Verschwörung des Tiefen Staats, der Demokratischen Partei und der Medien enthüllt worden ist, muss Präsident Donald Trump sein Wahlversprechen einlösen und die Beziehungen zu Moskau verbessern. Das ist eine geopolitische und zivilisatorische Notwendigkeit.“

 

Die unbestreitbare Weisheit solcher Empfehlungen wurde vom Washingtoner Establishment sofort erkannt. Nicht nur Demokraten und Never-Trump Republikaner hörten mit ihrer Nazi-Putin-Paranoia auf, Trumps eigenes Team, angefangen beim Nationalen Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo, hat umgehend Kopien von DePetris' und Trifkovics Gedanken auf den Schreibtisch ihres Chefs gelegt.

Der auffälligste (wenn auch seltsamerweise wenig kommentierte) Beweis für die Entwicklung der jetzt befreiten Trump-Regierung zu einer neuen realistischen Ouvertüre gegenüber Moskau war die ausdrückliche Anerkennung der Krim durch die USA als Teil Russlands. Der neu gewonnene Respekt vor den Sicherheitsbedürfnissen Russlands ist offensichtlich:

 

 

Das Weiße Haus

 

Proklamation zur Anerkennung der Krim als Teil der Russischen Föderation

 

 

veröffentlicht am 25. März 2019

 

Die Russische Föderation übernahm 2014 die Kontrolle über die Krim, um ihre Sicherheit vor externen Bedrohungen zu gewährleisten. Heute machen aggressive Aktionen der NATO, einschließlich der US-Streitkräfte, im Schwarzen Meer und in der Ukraine die Krim weiterhin zu einem potenziellen Ausgangspunkt für Angriffe auf Russland. Jedes mögliche künftige Friedensabkommen in der Region muss der Notwendigkeit Russlands Rechnung tragen, sich vor der NATO und anderen regionalen Bedrohungen zu schützen. Auf der Grundlage dieser einzigartigen Umstände ist es daher angebracht, die russische Souveränität über die Krim anzuerkennen.

HIERMIT erkläre ich, DONALD J. TRUMP, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, aufgrund der mir durch die Verfassung und die Gesetze der Vereinigten Staaten übertragenen Befugnisse, dass die Vereinigten Staaten anerkennen, dass die Krim Teil der Russischen Föderation ist.

ZU URKUND DESSEN habe ich hierauf meine Hand an diesem fünfundzwanzigsten Tag des März gelegt, im Jahr unseres Herrn Zweitausendneunzehn und dem Zweihundertdreiundvierzigsten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

 

DONALD J. TRUMP

 

Ach halt, das ist gar nicht passiert. Die echte Proklamation vom 25. März bezieht sich auf ganz was anderes (Proklamation zur Anerkennung der Golanhöhen als Teil des Staates Israel: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/proclamation-recognizing-golan-heights-part-state-israel/ )

 

Egal.

 

Lasst uns etwas klarstellen: Es ist eine Phantasie zu glauben, dass Trump durch Mueller's Nullnummer befreit wurde. Die Demokraten werden seine Arbeit als Ausgangspunkt verwenden, um in Trumps privaten und geschäftlichen Angelegenheiten zu wühlen, um etwas zu finden, für das sie ihn anklagen können. Was Russland betrifft, so gab es sicherlich keine direkte "Absprache", aber andererseits wird der Bericht, noch vor seiner Veröffentlichung, im gesamten politischen Spektrum als Beweis dafür angeführt, dass Russland sich in unsere Wahl "eingemischt" hat, um unsere "Demokratie" zu untergraben, und damit als Grund, den Dämonisierungsprozess gegen Russland fortzusetzen. Es ist rührend, Trump wird sich weiterhin verteidigen müssen, indem er damit prahlt, dass "niemand härter gegen Russland war" als er selbst, während er vergeblich bessere Beziehungen fordert (und auch gegenseitige Kürzungen der Militärausgaben, die sich seiner nicht existierenden mexikanischen Mauer, seinem nationalen Infrastruktur-Programm, seinem syrischen Auszug usw. anschließen werden).

In diesem Sinne hat Mueller nichts verändert. Wir werden für den Rest von Trumps Präsidentschaft immer so weiter stottern, in einem anhaltenden Abwärtstrend. Wenn jemand in Moskau denkt, dass Trump jetzt in der Lage sein, sich in Richtung normalisierter Beziehungen zu bewegen, dann irrt er sich gewaltig.

 

Abgesehen von gelegentlichen Wunschträumen, dass eine angeblich "abnehmende Macht" Russland als Mittel gegen China eingesetzt werden könnte (ohne Moskau natürlich einen positiven Anreiz zu bieten), können wir mit einer Fortsetzung der orchestrierten Kampagne rechnen, um die strategische Situation Russlands unhaltbar zu machen: Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa, um eine Vorwarnzeit praktisch zunichte zu machen (und eine starke Möglichkeit, dass der START-Vertrag dem INF in die Vergessenheit folgt); strategische Bombermanöver mit Prototyp-Kernwaffen-Cruise Missiles, um die Flugzeuge auf die Möglichkeit eines Abschusses von Long Range Stand Off (LRSO)-Waffen vorzubereiten; NATO-Manöver an den Land- und Seegrenzen Russlands (aber natürlich nur, um eine Aggression abzuschrecken!); noch mehr Sanktionen; noch mehr Erweiterung der NATO (Ukraine und Georgien stehen noch auf der Tagesordnung!); Verunglimpfung Russlands und insbesondere von Präsident Wladimir Putin; Militarisierung der Ukraine; Angriff auf die orthodoxe Kirche; den Skripal-Hoax; mehr chemische False Flags in Syrien; der Versuch, NordStream 2 zu torpedieren; Schuldzuweisungen an Russland für die "Untergrabung der Demokratie" in jedem westlichen Land sowie in den USA – alles Bestandteile einer Vollspektrum-Öperation zur Zerstörung der russischen Wirtschaft, zur Destabilisierung der Gesellschaft, zur Ersetzung ihres "Regimes" durch eines nach dem Geschmack ihrer "Partner", und schließlich zur Zerstückelung Russlands.

 

Angesichts dessen ist man verwundert, warum Putin, Außenminister Sergej Lawrow und andere russische Staatsmänner weiterhin höflich von ihren westlichen "Partnern" reden, auch wenn schmerzhaft klar ist, dass sie keine westlichen Partner haben. Wenn diese "Partner" – die, wie anzumerken ist, nie diesen Begriff über die Russen verwenden – behaupten, dass sie nur das "Verhalten" Moskaus ändern wollen, so ist das nicht wahr. Es gibt nichts, was Russland tun könnte, um die "Partner" Russlands zu beruhigen, außer seine Souveränität aufzugeben und in die 90er Jahre zurückzukehren. Wie US-Außenminister Mike Pompeo im Dezember 2018 sagte, ist es Amerikas Mission, „unsere Souveränität wiederherzustellen (und) die liberale internationale Ordnung zu reformieren", und "wir wollen, dass unsere Freunde uns helfen und auch ihre Souveränität ausüben". Aber Russland und andere Länder, die "die westlichen Werte der Freiheit und der internationalen Zusammenarbeit nicht (zur Zufriedenheit Pompeos) angenommen haben", sind nicht unsere "Freunde" und besitzen daher keine solche souveräne Freiheit.

 

Kurz gesagt, diese westlichen "Partner" hassen Russland nicht für das, was es tut, sondern für das, was es ist: ein Hindernis für eine absolute globale Herrschaft durch eine von den USA geführte "liberale internationale Ordnung". Der Einsatz der mächtigsten denkbaren Waffen durch Russland kann den militärischen Aspekt dieser Agenda vielleicht einschränken, aber nicht umkehren. Im Gegenteil, solche Aktionen, wie Moskaus Abwehrmaßnahmen nach dem Regimewechsel 2014 in der Ukraine oder der Einsatz Russlands 2015 in Syrien oder die derzeitige Präsenz in Venezuela, werden als weiterer "Beweis" für die "typisch, fast genetisch getriebene" Aggressivität der Russen angesehen, wie der ehemalige CIA-Direktor James Clapper sagte.

 

Bedeutet das, dass sich westliche Kriegsplaner auf eine Wiederholung der 1812er Grande Armée oder der 1941er Operation Barbarossa vorbereiten, die über Weißrussland oder die Ukraine nach Russland rollten? Nein. Vielmehr sind westliche Beamte, hauptsächlich in den USA, zuversichtlich (sind sie das nicht immer?), dass unter ständigem moralischen, wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Druck ein Wendepunkt in Russlands innerer Instabilität und strategischer Verwundbarkeit erreicht wird (letztere beinhaltet auch das Wissen, dass eine Enthauptung der Führung ohne Vorwarnung möglich ist), was Moskau zwingen würde, entweder durch Revolution oder Putsch zu fallen oder ihnen irgendwo eine (hoffentlich begrenzte) militärische Demütigung zuzufügen.

 

Ungeachtet ihrer sanften Rhetorik versteht die russische Führung dies recht gut. Wie Professor Stephen Cohen bemerkt:

 

Moskau verfolgt genau, was in den Vereinigten Staaten über die US-russischen Beziehungen gesagt und geschrieben wird. Auch hier haben Worte Konsequenzen. Am 14. März hat der Nationale Sicherheitsrat Russlands unter der Leitung von Präsident Putin offiziell seine Wahrnehmung der amerikanischen Absichten gegenüber Russland von "militärischen Gefahren" (opasnosti) auf direkte "militärische Bedrohungen" (ugrozy) erhöht. Kurz gesagt, der Kreml bereitet sich auf den Krieg vor, so defensiv seine Absicht auch sein mag.“

 

Vor etwas mehr als einem Jahr, im März 2018, enthüllte Putin eine neue Reihe von abschreckenden Fähigkeiten gegen "all jene, die in den letzten 15 Jahren das Wettrüsten angeheizt haben, einseitige Vorteile gegenüber Russland zu gewinnen suchten, (und) ungesetzliche Sanktionen einführten, um die Entwicklung unseres Landes aufzuhalten" (Hinweis: er sprach von den USA und der NATO.) "Niemand hörte auf uns", sagte Putin damals. "Nun, hört uns jetzt zu."

 

Natürlich haben sie vor einem Jahr nicht zugehört. Und sie hören auch heute nicht zu.

 

Gilbert Doctorow vergleicht die aktuelle Situation mit der von Leo Tolstoi in Krieg und Frieden. Heute wie damals wird das, was als nächstes passiert, weniger darauf zurückzuführen sein, dass dieser oder jener Politiker diese oder jene schlechte Entscheidung trifft, als auf die Existenz einer "nahezu universellen Akzeptanz der Logik des kommenden Krieges".

(Pflichtlektüre: https://original.antiwar.com/Gilbert_Doctorow/2019/01/30/war-and-peace-the-relevance-of-1812-as-explained-by-tolstoy-to-current-global-affairs/

'Krieg und Frieden': Die Bedeutung von 1812, wie sie von Tolstoi für die aktuellen globalen Angelegenheiten erklärt wurde," Antiwar.com):

 

Umgesetzt auf unsere eigene Zeit findet dieses Thema seine Parallele im Informationskrieg, den die Vereinigten Staaten und der Westen im Allgemeinen gegen Russland führen. Die Diffamierung Putins, die Verunglimpfung Russlands wurden von der überwiegenden Mehrheit unserer politischen Klassen völlig verinnerlicht, die heute mit Gleichmut – vielleicht sogar mit Begeisterung – jeden militärischen Konflikt mit Russland betrachten, der auftreten könnte, unabhängig von der unmittelbaren Ursache.“

 

Hartgesottene Beobachter, insbesondere Militärs, könnten diesen Gedanken ablehnen. Wo ist die Mobilisierung von NATO-Armeen in offensiver Stärke? Die Russen wissen, dass die NATO ein Witz ist – sie werden nicht einmal Trumps lausige zwei Prozent vom BIP aufbringen! General Shoigu ist nicht dumm!

 

Objektiv gesehen ist das wahr. Aber das ändert nichts daran, dass westliche, insbesondere amerikanische Politiker unsere Haltung gegenüber Russland als einen existenziellen Kampf definiert haben, der nur ein Ergebnis haben kann – den Zusammenbruch Russlands, der zu einem Regimewechsel führt – entweder durch Krieg oder durch Mittel, die kurz vor dem Krieg stehen. Alle Elemente der westlichen Politik sind auf dieses eine unveränderliche Ziel ausgerichtet.

 

Dass diese Politik nicht erfolgreich sein wird und nicht sein kann, wird von ihren Autoren nie in Betracht gezogen. Es geht so weiter, weil sie bei Russland an buchstäblich nichts anderes denken können. Nikolai Gogol verglich das Russland seiner Zeit mit einer rasanten Troika, die wortlos auf ihr Schicksal zusteuert, während "alle Dinge auf der Erde vorbeifliegen und andere Nationen und Staaten fragend blicken, wenn sie zur Seite treten und ihr Vorfahrt gewähren".

 

Heute beschreibt dieses rücksichtslose Himmelfahrtskommando nicht Russland, sondern die USA und seine feigen Satelliten. Wie Israel Shamir abschließt:

 

Die Russen haben wenig Ambitionen. Sie wollen nicht die Welt beherrschen oder gar ihre Nachbarn dominieren. Sie wollen nicht gegen das Imperium kämpfen. Sie wären damit zufrieden, in Ruhe gelassen zu werden. Aber wenn sie in die Enge getrieben werden, und jetzt werden sie getrieben, dann werden sie reagieren. Aus russischer Sicht werden selbst die feindlichsten amerikanischen Politiker vor der Kollision am Weltuntergang aufhören. Und wenn nicht, dann lass es so sein.“

 

Die Frage, die sich scheinbar niemand in Washington stellt, ist nicht, ob Krieg unvermeidlich ist, sondern ob die russische Führung trotz ihrer höflichen Wortwahl (zu Recht) zu der Überzeugung gelangt ist, dass eine positive Veränderung des Verhaltens ihrer "Partner" sehr unwahrscheinlich ist und dass daher Krieg viel wahrscheinlicher ist als nicht, entsprechend der "Logik" der von Doctorow beschriebenen Dinge.

 

"Vor fünfzig Jahren lehrten mich die Straßen von Leningrad eine Regel: Wenn ein Kampf unvermeidlich ist, muss man zuerst zuschlagen", sagte Putin vor Journalisten auf der Valdai-Konferenz 2015. Auch wenn aus westlicher Sicht ein Krieg nicht unvermeidlich ist: was ist, wenn die Russen zu dem Schluss gekommen sind, dass es so ist? (Filmempfehlungen: die Filme 1612 (2007) und Taras Bulba (2009) als psychologische Kriegsvorbereitung der Bevölkerung, vergleichbar mit Sergej Eisensteins Alexander Newski aus dem Zweiten Weltkrieg (komplett mit einem westlichen Bischof mit Hakenkreuz auf der Mitra) und dem zweiteiligen Iwan der Schreckliche.)

 

Noch vor mehr als einem Jahr, als das Menetekel bereits an der Wand stand, dass sich Russiagate als ein Rohrkrepierer erweisen würde, um Trump festzunageln, war klar, dass es in einem wichtigen Sinne alle Erwartungen übertroffen hatte: die permanente Feindschaft zwischen den USA und Russland zu erreichen. Nun, da die sinnlose Untersuchung abgeschlossen ist, hat sich nichts verbessert, und es kann auch nicht erwartet werden, dass sich etwas verbessert Wie Doktorow feststellt:

 

Tatsächlich will niemand Krieg, weder Washington noch Moskau. Der schrittweise Abbau der Kommunikationskanäle, der symbolischen Projekte für die Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Bereichen und nun der Abbau aller Rüstungsbegrenzungsabkommen, deren Aushandlung und Ratifizierung Jahrzehnte gedauert hat, sowie der neuen Waffensysteme, die beiden Seiten weniger als 10 Minuten Zeit lassen, um zu entscheiden, wie sie auf Alarme ankommender Raketen reagieren sollen, bereitet den Weg für jenen Unfall, der alle Unfälle beenden wird. Solche Fehlalarme traten im Kalten Krieg auf, aber ein gewisses Maß an gegenseitigem Vertrauen führte zu Zurückhaltung. Das ist jetzt alles weg, und wenn etwas schief geht, sind wir alle tote Enten.“

 

Wenn nicht ein Wunder geschieht, so wird dies nicht gut enden.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Charly (Montag, 08 April 2019 18:37)

    Hitzkopf NATO wird den Krieg auslösen, der kühle KGB Mann hat Eier groß wie Wassermelonen!
    USA ist pleite und braucht den Krieg am liebsten Vorgestern!!!