http://thesaker.is/capitalism-in-america-how-a-dismal-decimal-is-robbing-americans-blind/

 

Kapitalismus in Amerika: Wie ein miserables Zehntel Amerika komplett ausraubt

 

31 Tatsachen, die zeigen, wie die Reichen reicher und alle Anderen ärmer werden

 

 

von Jon Hellevig für den Saker Blog, 16.01.2020

 

 

Es ist nicht mehr zu verbergen, die Vereinigten Staaten sind zu einer oligarchischen Bananenrepublik mit Nuklearwaffen geworden, mit einer Monopol-Währung, die es ihr erlaubt, seit einem halben Jahrhundert die Märkte zu manipulieren. Aber jetzt sind wir nur noch ein paar Stunden vom Finale entfernt – Mitternacht in Amerika.

 

Mit dem Aktienmarkt auf Allzeithochs, praktisch keiner Arbeitslosigkeit (so sagt man) und einem (angeblich) robusten BIP-Wachstum im letzten Jahrzehnt, erklären uns Wirtschaftsanalysten, dass die US-Wirtschaft in ausgezeichneter Verfassung sei. Aber das ist sie nicht. Der Aktienmarkt ist eine von der Zentralbank aufgeblasene Vermögensblase, und das BIP-Wachstum ist eine Illusion, die durch genau diese Finanzblase und durch das Aufpumpen der Wirtschaft mit Rekordkrediten des Bundes zur Finanzierung der Defizite, die sich Amerika nicht leisten kann, hervorgerufen wurde. Gefälschte Statistiken, die eine künstlich niedrige Inflation zeigen, dienen dazu, das erfundene amerikanische Wirtschafts-Narrativ zusammenzuhalten. (Zu den gefälschten Inflationsstatistiken siehe diesen Bericht https://www.awaragroup.com/blog/the-inflation-measurement-scam/?fbclid=IwAR0qmpe4i0sp5Uce9UlyEDt0_NkIv-aiDTSgvzHh5EMfZn5WQboZz_mB-XU ). Und die niedrige Arbeitslosenzahl ist nichts als eine Chimäre, die auf irreführenden Statistiken beruht.

In Wirklichkeit versagt die US-Wirtschaft – und das Land mit ihr. Mindestens zwei Drittel der Bevölkerung hat dramatische Einbrüche im Lebensstandard erlebt und die Hälfte ist wieder auf dem Niveau von Entwicklungsländern – ohne die Entwicklung.

Die große Story, die von all den glücklichen makroökonomischen Zahlen verhüllt wird, die das US-Establishment einstudiert wiederkäut – vom Präsidenten bis zu den Kabelfernseh-Experten und Trump-Fanboys, ist die allmähliche Verarmung des amerikanischen Arbeiters. Das ist eine unbequeme Wahrheit, die immer schwieriger zu verbergen ist, da der amerikanische Traum für große Teile der Bevölkerung zu einem Albtraum geworden ist. Wie die Zahlen, die wir unten präsentieren, zeigen, werden die Reichen wirklich reicher, die Mittelschicht ist dezimiert worden, und die Hälfte der Amerikaner ist arm und mittellos, ohne jeglichen finanziellen Reichtum. Die Superreichen verschlingen ein immer größeres Stück des amerikanischen Kuchens auf Kosten aller anderen, die nur noch Tischabfälle auf der einen Seite und übrig gebliebene Krümel auf der anderen Seite bekommen, wenn überhaupt. Die daraus resultierende Schichtung der Gesellschaft hat eine mittelalterliche Dienstboten-Wirtschaft zurückgebracht, in der die Habenichtse Gelegenheitsjobs verrichten, Häuser putzen, Lebensmittel holen, Botengänge und Lieferungen für die feudalen Reichen und die verbliebene schrumpfende Mittelschicht erledigen.

 

Dank der Fed (der amerikanischen oligarchischen Zentralbank), die leichtes Geld in die Hände der privilegierten Elite drückt, hat das superreiche miserable Zehntel – das oberste 0,1% – inzwischen so viel Reichtum angehäuft wie kurz vor der Großen Depression, die mit dem Börsencrash 1929 begann. Eine Lektion, die nicht gelernt wurde. Es geht wieder von vorne los. Wie wird es diesmal enden?

Dieser Artikel basiert auf einer Studie von Awara Accounting https://www.awaragroup.com/ mit dem Titel "Widening Income and Wealth Gap and Stagnating Wages in America". https://www.awaragroup.com/blog/widening-income-and-wealth-gap-and-stagnating-wages-in-america/

 

Links und Quellenangaben zu allen hier vorgestellten Fakten finden Sie in dieser Studie.

Übrigens stammen alle Daten in diesem Bericht aus offiziellen Quellen der US-Regierung und amerikanischen Experten, die sie analysieren.

Während der letzten Jahrzehnte flossen die finanziellen Belohnungen aus den manipulierten Märkten zunächst ausschließlich in die Taschen der Top 10%, später wurden es zunehmend das obere 1%, die am meisten einsteckten, was durch die untenstehenden Grafiken perfekt veranschaulicht wird.

1. Das Einkommen der Top 1% ist seit 1970 fünfmal so schnell gewachsen wie das der unteren 90%. Das obere 1% verdient heute doppelt so viel wie 160 Millionen Arme der unteren 50%-Schicht.

 

Das Vermögen des Top 1% und der unteren 50% hat sich umgekehrt.

 

 

2. Das Top 1% besitzt jetzt mehr als die unteren 50% zusammen

 

Die Einkommensungleichheit führt natürlich zu einer Vermögensungleichheit, aber hier sind die Zahlen noch auffälliger, wenn man die Größenordnung der Aneignung an der Spitze zeigt. Seit 1989 haben die obersten 1% 21 Billionen Dollar an Reichtum erbeutet, während die unteren 50% 900 Milliarden Dollar verloren haben, was sie in Wirklichkeit in den negativen Bereich drückt, d.h. sie haben mehr Schulden als sie Vermögen haben. Nach einer Nettoanalyse besitzt die Hälfte der Amerikaner nichts von echtem Wert.

 

3. Bis zum schleichenden Putsch unter Reagan verbesserte sich die Einkommensgleichheit

 

Es war schon 1995 schlimm genug, als die oberen 1% so viel verdienten wie die unteren 50%, aber heute nehmen die reichsten 1% bereits 20% des Gesamteinkommens ein und lassen die untere Hälfte mit nur 12% zurück. Wie die Grafik zeigt, wurden 1978 – bevor der schleichende neoliberalen Coup wirklich anfing – die Trends umgekehrt. Die untenstehende Grafik vergleicht das Einkommenswachstum seit 1920 von den oberen 1% mit den unteren 90% (d.h. alle anderen außer den oberen 10%). Wir sehen, dass gleich nach dem Amtsantritt von Ronald Reagan mit seinen quacksalbernden Unterstützern von der Chicago School das Einkommenswachstum der 1% begann, sein schwindelerregendes Wachstum anzuhäufen, was bis heute anhält.

 

4. Im Jahr 1962 war der Anteil des Reichtums des Top 1% mit 33% gleich dem Anteil der unteren 90%. Aber in den frühen 1980ern begann der Anteil der unteren 90% einen steilen Abstieg und ihr Anteil ging auf 21% zurück. Vor allem seit die Federal Reserve Anfang der 2000er mit ihrer Markt-manipulierenden, Geld-druckenden Niedrigzins-Politik loslegte, haben die Superreichen einen massiven Anstieg ihres Vermögens erlebt, wie die untenstehende Grafik verdeutlicht.

 

Aber bis heute sind die Top 1% Verlierer gegenüber den Top 0,1% – dem Dismal Decimal (das „miserable Zehntel“) – die dort sind, wo die Musik spielt.

 

5. Die oberen 0,1% sind jetzt genauso reich wie die unteren 90% zusammen.

 

Eine kürzlich durchgeführte Studie hat gezeigt, dass die Konzentration im oberen Bereich noch viel bösartiger ist. Es ist nicht mehr eine Frage der Top 10%, und auch nicht der Top 1%, denn es sind die Top 0,1% – das Dismal Decimal – die nun den Reichtum der Nation (und der halben Welt) in ihren gierigen Händen konzentriert haben. Die obersten 0,1% haben jetzt so viel Reichtum wie die untersten 90% zusammen. Wie das untenstehende Diagramm zeigt, sind wir im Wesentlichen zurück in den "Roaring Twenties" ... eine Lektion, die nicht gelernt wurde. Tatsächlich trat Amerika nach der Großen Depression in eine beispiellose Ära von vier Jahrzehnten Wohlstand mit einer gleichmäßigeren Verteilung des Reichtums ein, da sich die unteren 90% bei der Verteilung des Reichtums auf Kosten der oberen 0,1% Parasiten stark erholten.

 

6. Das Einkommen des Top 0,1% wuchs zwischen 1979 und 2017 um 343%, während das Top 1% „nur“ um 157% wuchs – der Rest bekam nichts.

 

7. Der nächste Chart bietet eine längere Perspektive – und erweitert das Beispiel auf die oberen 10% – und zeigt deren Anteil am Gesamteinkommen von 1910 bis 2010. Die Roaring Twenties – jene Zeit vor dem Bösrencrash von 1929 und der Großen Depression – haben das gleiche Ausmaß an schreiender Ungleichheit erlebt wie das heutige Amerika. Mit den Reformen von Franklin D. Roosevelt wurde die ungeheuerliche Ungleichheit der Durchschnittseinkommen gezähmt und blieb bis zur verhängnisvollen Präsidentschaft Reagans relativ niedrig. Und seitdem geht es bergab – oder bergauf, wenn wir es aus der Perspektive der Reichen betrachten.

 

8. Die einzige wirtschaftliche Zahl, die es geschafft hat, gut auszusehen, ist das BIP, aber das gilt nur so lange bis man sich die Mühe macht, herauszufinden woher es kommt – aus der von der Federal Reserve angeheizten Vermögensblase und den massiven Haushaltsdefiziten des Bundes, die durch Rekord-Staatsschulden finanziert werden. Für ein hervorragendes Exposé, wie manipuliert und verschuldet die US-Wirtschaft ist, verweise ich auf meinen früheren Bericht, der im Saker-Blog veröffentlicht wurde: Neue Weltordnung in der Kernschmelze, aber Russland stärker denn je https://thesaker.is/new-world-order-in-meltdown-but-russia-stronger-than-ever/

 

In Kürze: Die US-Wirtschaft muss als ein gigantisches Schneeballsystem gesehen werden, das früher oder später implodieren wird. Und wir kommen jetzt zu diesem „früher“.

 

Trump prahlt gewohnt und regelmäßig damit, dass der Aktienmarkt ein neues Allzeithoch erreicht hat. Aber das betrifft wirklich nicht die Wählerschaft. Die Gewinne an der Börse fließen ausschließlich den Reichen zu, die zunehmende Ungleichheit und die Lebenshaltungskosten für den Rest. Die Sache ist die, dass über die reichsten 10% hinaus nur sehr wenige Amerikaner an der Börse beteiligt sind. Im Jahr 2016 besaßen das reichste Eine Prozent mehr als die Hälfte aller offenen Aktien, Finanztitel und alle anderen Arten von Anlagen. Der Rest dieser Vermögenskategorien wurde von den restlichen Top 10% gehalten, die über 93% aller Aktien und Investmentfonds besaßen. Das Vermögen, das die verbleibenden 90% besitzen können, sind größtenteils Wohnimmobilien, also die Häuser, in denen sie leben. Laut Jonathan Tepper besitzen die wohlhabendsten 1% fast 50% der Aktien und die Top 10% mehr als 81%. Die sogenannte Mittelschicht besitzt nur 8% aller Aktien.

 

Dies tötet auch den Mythos, dass Rekordhochs an der Börse gut für die amerikanische Altersvorsorge wären – da die wenigen Reichen alle Aktien besitzen, ist für die überwältigende Mehrheit nichts drin.

 

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht zeigte auch, dass nur 10% der Amerikaner in Pensionspläne investiert sind. Das ist ein Rückgang gegenüber den 60% im Jahr 1980. Und wer noch investiert ist, ist traditionell stärker auf Anleihen und Geldmarktinstrumente ausgerichtet, die unter den manipulierten Märkten mit den künstlich niedrigen Zinssätzen leiden. Die Rentensparer zahlen also buchstäblich für die Supergewinne, die in die Taschen der Top 1% fließen. Auf der anderen Seite sind die supertiefen Zinssätze für alle außer den Top 1%, die den Reichtum der Nation mit der von der US-Notenbank gelieferten Großzügigkeit verschlingen, nicht zu erreichen. Gleichzeitig zahlt der Normalbürger zweistellige Raten für seine Kreditkartenschuldenfalle.

 

9. Die Löhne und das gesamte Haushaltseinkommen unterhalb der Top 10% war bestenfalls stagnierend.

 

10. Das Durchschnittseinkommen der unteren 50% stagniert seit 1980 bei etwa $16.000, während das Einkommen des Top 1% bis zum Jahr 2014 um 300% auf ca. $1.340.000 hochschoss.

 

11. 45% der Amerikaner verdienen im Jahr nur $18.000 oder weniger. Eine kürzliche Studie fand heraus, dass 53 Millionen Amerikaner, oder 44% der Bevölkerung im Arbeitsalter einen durchschnittlichen Jahresverdienst von nur $18.000 verdienen. Im Grunde sind somit mindestens die Hälfte der Amerikaner erwerbstätige Arme.

 

12. Haushalte der Mittelschicht hatten 2015 im Grunde das selbe Einkommen wie im Jahr 1979.

 

13. In den zwei Jahrzehnten von 1997 bis 2017 sahen nur die oberen 5% der Haushalte ein steigendes Einkommen.

 

14. Für die meisten amerikanischen Arbeiter sind die Reallöhne seit Jahrzehnten nicht gestiegen. Ende 2018 hatten die Inflationsbereinigten Reallöhne etwa die gleiche Kaufkraft wie vor 40 Jahren.

 

15. Wie die untenstehende Grafik zeigt, stieg der reale Stundenlohn von $20,27 im Jahr 1964 auf lediglich $22,27. David Stockman hat ausgerechnet, dass der reale Stundenlohn für Arbeiter im Jahr 2019 immer noch auf dem Niveau von 1972 lag.

 

16. Für vollzeitbeschäftigte Männer sind die Reallöhne seit 1973 um 4,4% gesunken, so der Ökonom Paul Craig Roberts.

 

Das gesamte Durchschnittseinkommen der Männer war mit 51.212 Dollar im Jahr 2015 real niedriger als 1974.

 

17. Bis 2014 ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von rund 39 Stunden in den 1970er Jahren auf unter 34 Stunden gesunken. Der Ökonom Mike Shedlock errechnete, dass die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden und der durchschnittliche Stundenverdienst ein Wocheneinkommen von 690 $ liefern würden, was deutlich unter dem Höchststand von 825 $ Anfang der 1970er Jahre liegt. Wenn wir den hypothetischen Wochenverdienst mit 50 multiplizieren, erhalten wir einen Jahreswert von $35.497. Das würde im Jahr 2014 einen Rückgang von 16,4% gegenüber dem Höchststand vom Oktober 1972 bedeuten.

 

18. Das gesamte Wachstum der Arbeitsproduktivität seit den 1970er Jahren ging an die Raubkapitalisten. Von 1973 bis 2013 stieg der Stundenlohn eines typischen Arbeiters (Produktion/nicht Supervisor) nur um 9%, während die Produktivität um 74% zunahm.

 

19. Nirgendwo ist die Einkommensungleichheit und der sich ungeheuerlich verschlechternde Trend so offensichtlich wie bei der Vergütung von CEOs. In den 1970er Jahren verdienten die Vorstände 30 Mal mehr als die typischen Arbeitnehmer, aber bis 2017 verdienten die Vorstände das 361-fache des Gehalts der Arbeitnehmer. Nach Angaben des Economic Policy Institute sind die Gehälter der CEOs seit 1978 um 940% gestiegen, während die Gehälter der typischen Arbeitnehmer in dieser Zeit nur um 12% gestiegen sind.

 

Die von der Fed angeheizte Finanzmarktorgie ist die Hauptursache für den Reichtum der CEOs, da Aktienoptionen und die damit einhergehenden Aktienrückkäufe einen großen Teil der Vergütungspakete der Vorstände ausmachen. Diese steigende Vergütung der Führungskräfte war der Hauptfaktor für den Super-Raubzug der Top 0,1% beim Haushaltseinkommen.

 

20. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass 40% der erwachsenen US-Amerikaner Schwierigkeiten haben, für grundlegende Notwendigkeiten wie Nahrung, Gesundheitsfürsorge, Wohnung und Versorgungseinrichtungen zu bezahlen.

 

21. Die meisten Amerikaner haben alle ihre freien Ressourcen erschöpft, da 78% der Vollzeitarbeitnehmer von einem Gehalt zum nächsten leben.

 

22. Fast 70% der Amerikaner haben praktisch keine Ersparnisse. Die unteren 55% haben null Ersparnisse, während die folgenden 24% – der Kern der ehemaligen Mittelklasse – nur 1.000 Dollar gebunkert haben.

 

23. Entsprechend besitzen die unteren 70% der Amerikaner keinen wirklichen Reichtum (über die schnell abwertenden Gebrauchsgüter hinaus).

 

24. Die Kehrseite der (nicht vorhandenen) Medaille ist, dass dieselben 50% der Amerikaner offensichtlich Schwierigkeiten haben würden, 400 Dollar für eine unerwartete Ausgabe aufzutreiben. Im weiteren Sinne hätte auch die ehemalige Mittelklasse – jene mit den mageren Ersparnissen von 1.000 Dollar – echte Schwierigkeiten, mit jeder Art von Rechnung für medizinische Behandlungen fertig zu werden, ohne sich noch mehr zu verschulden. In Anbetracht der oben berichteten Ergebnisse (siehe Grafik) wären nur die Top 10% im medizinischen Notfall finanziell abgesichert.

 

25. Nach den schockierenden Erkenntnissen der American Cancer Society litten im Jahr 2018 137,1 Millionen US-Bürger unter medizinischer finanzieller Notlage. Die Amerikaner mussten im Jahr 2018 insgesamt 88 Mrd. $ leihen, nur um die notwendige medizinische Behandlung zu decken.

 

26. Ein Drittel der jungen Erwachsenen oder 24 Millionen der 18- bis 34-Jährigen lebten bei ihren Eltern, weil sie sich kein eigenes Haus leisten konnten.

 

27. Das Bild der Einkommens- und Vermögensunterschiede wird noch schlimmer, wenn wir uns die Altersverteilung des Vermögens ansehen. Jüngere Generationen verdienen weniger und besitzen so gut wie nichts (wenn man nicht die goldene Jugend der 10% ist). Die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 1964 geborenen Babyboomer verfügen derzeit über ein Vermögen, das 11 Mal höher ist als das der Millenials.

 

 

28. Die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze mit lebenserhaltenden Löhnen – was der Ökonom David Stockman als Ernährerjobs bezeichnet – ist seit 2000 nicht mehr gewachsen, bis 2014 lag ihre Zahl noch immer 3,5 Millionen oder 5% unter dem Höchststand Anfang 2001. Im gleichen Zeitraum wurden 4 Millionen Teilzeit- und Gelegenheits-Jobs geschaffen.

 

Während die offizielle Arbeitslosenzahl derzeit nahe an historischen Tiefstständen liegt – und auf einem Niveau, das einige Ökonomen gerne als Vollbeschäftigung bezeichnen würden – gibt es einige große Probleme damit. 1. Probleme mit der offiziellen Arbeitslosenstatistik. Die offiziell angepriesene Arbeitslosenzahl (sogenannte U3-Arbeitslosigkeit) erfasst nur diejenigen, die in den letzten 4 Wochen nach einem Job gesucht haben, während entmutigte Langzeitarbeitslose aus der Statistik gesäubert und nicht erfasst werden, als ob sie gar nicht in der Arbeitswelt wären – das lässt die Statistiken für jene Mächte, die es nicht geben sollte, schön aussehen. 2. Die Erwerbsquote ist rückläufig. 3. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze hat nur ein Drittel der jährlichen Zunahme der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ausgemacht. 4. Teilzeit- und Gelegenheits-Jobs zählen zur Vollzeitbeschäftigung. Wer nur wenige Stunden im Monat einen Teilzeit- oder Gig-Job annimmt, wird zu den Erwerbstätigen gezählt, obwohl er zu Recht als arbeitslos gelten würde, wenn er sich nur an einen Strohhalm klammert. 5. Im Zusammenhang mit dem vorstehenden Punkt gibt es auch ein allgemeineres Problem mit der Qualität der geschaffenen Arbeitsplätze. Die meisten der in den letzten zwei Jahrzehnten geschaffenen Arbeitsplätze sind schlecht bezahlte Arbeitsplätze mit geringer Qualifikation, die in Anbetracht der Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten kein lebensnotwendiges Einkommen bieten.

 

Mehr als ein Drittel (36%) der US-Arbeiter sind in der Gelegenheits-Wirtschaft tätig und arbeiten in Teilzeit oder Nebenjobs für Firmen wie Uber, Lyft, Etsy, Amazon Mechanical Turk, Freelancer.com, Ebay oder erledigen einfach jeden Gelegenheitsjob, den sie von Zeit zu Zeit bekommen können.

 

29. Um die schrumpfenden Einkommen auszugleichen, treibt das Regime die amerikanische Bevölkerung in die Schulden-Sklaverei des 21. Jahrhunderts. In die Schuldenfalle getappt, hatten die US-Haushalte am Ende des dritten Quartals 2019 fast 14 Billionen Dollar an ausstehenden Schulden. Diese Schuldenlast entspricht nun 73% des BIP. Bis Ende 2019 waren allein die Konsumschulden (ohne Hypotheken für den Erwerb von Vermögenswerten) seit 2014 um 2 Billionen Dollar gestiegen.

 

Seit 2004 hat sich das Gewicht des Studentenkredit-Mühlsteins von nur 250 Milliarden Dollar auf heute 1,5 Billionen Dollar verfünffacht.

 

Das ist auf die enorme Preisinflation im Hochschulbereich zurückzuführen. Die Kosten sowohl für öffentliche als auch für private Hochschulen sind zwischen 2005 und 2015 um 40% mehr als die allgemeine Verbraucherpreisinflation gestiegen.

 

30. Wegen des enormen Anstiegs der Lebenshaltungskosten in den letzten Jahrzehnten in den USA, erhält man in Russland den gleichen Lebensstandard für einen Bruchteil der amerikanischen Kosten. Ein durchschnittliches Moskauer Monatsgehalt von 1.600 Dollar (19.200 Dollar pro Jahr) bietet die gleiche Kaufkraft wie ein Monatsgehalt von 6.000 Dollar in Chicago (72.000 Dollar pro Jahr). Das bedeutet, dass man in Moskau mindestens genauso gut für ein Monatsgehalt von 1.600 Dollar wie in Chicago für ein Gehalt von 6.000 Dollar lebt. Für Einzelheiten siehe diesen Bericht: https://www.awaragroup.com/blog/russia-vs-america-real-income-comparison/?fbclid=IwAR0pHruMMOgILt5w70ybE3oP9EmjKzVYfQF6sB_QepGixe1aIVqlvsyZGk4

 

31. Das gegenwärtige oligarchisch kontrollierte, manipulierte kapitalistische System hat den amerikanischen Traum getötet, den Glauben, dass jeder, unabhängig vom sozialen Status und Einkommen der Eltern, durch harte Arbeit und Einfallsreichtum Erfolg und Reichtum erlangen kann. Die Türen für die Aufstiegsmobilität sind für die überwältigende Mehrheit verschlossen worden. Die Monopolisierung praktisch aller Wirtschaftszweige, die immer stärker werdenden bürokratischen Restriktionen für die Geschäftstätigkeit, die extreme Konzentration von Eigentum und die manipulierten Finanzmärkte haben es für Menschen außerhalb der obersten Ebene immer schwieriger gemacht, die finanzielle Membran zu durchdringen, die die Eliten schützen. Eine Studie der Federal Reserve Bank of Cleveland aus dem Jahr 2017 ergab, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haushalt außerhalb der Top 10 % innerhalb von 10 Jahren in die höchste Stufe gelangt, in den Jahren 1984-1994 doppelt so hoch war wie in den Jahren 2003-2013.

 

Die Vereinigten Staaten sind eine Oligarchie

 

Diese Konzentration des Einkommens und des Reichtums an der Spitze beweist, dass die Vereinigten Staaten eine Oligarchie sind. Eine Studie der Princeton Universität aus dem Jahr 2014 hat gezeigt, dass die USA eine politische Oligarchie sind: https://www.businessinsider.com/major-study-finds-that-the-us-is-an-oligarchy-2014-4

 

Mit diesem Bericht, der die wahnsinnig wachsende Einkommens- und Vermögensungleichheit aufzeigt, möchte ich zeigen, dass das Land auch eine Wirtschaftsoligarchie ist. Tatsächlich sind die wirtschaftlichen Superreichtümer die Voraussetzung für ihre politische Macht. In Amerika hat die Oligarchie ihre unbestrittene Macht wie immer in einer hermeneutischen Rückkopplungsschleife erreicht, wo der anfängliche Reichtum der Superreichen ihnen mehr politische Macht verschafft hat, was ihnen mehr Reichtum verschafft hat, was ihnen mehr politische Macht verschafft hat, und so weiter, bis heute, wo sie praktisch die gesamte Wirtschaft und die gesamte Regierung besitzen. Die Quelle der größeren Ungleichheit war eindeutig die Politik der Fed, die billiges Geld in die Taschen der bereits Reichen gepresst hat, die dann ausschließlich von den steigenden Aktien- und Immobilienpreisen profitieren.

 

Passend dazu haben wir Ende 2019 einen Bericht erhalten, der aufzeigt, dass die reichsten Menschen der Welt ihren Reichtum in diesem Jahr um 1,2 Billionen Dollar, also um erstaunliche 25%, erhöht haben, das meiste davon gehört den Oligarchen der Vereinigten Staaten.

 

Die Frage – die ich in meiner Serie über den Kapitalismus in Amerika untersucht habe – ist, ob es einen Spielplan, eine langfristige Strategie gegeben hat oder ob die Oligarchen im Zuge der Etablierung ihrer totalitären Herrschaft nur sporadische Erfolge zu neuen wirtschaftlichen und politischen Machtergreifungen angespornt haben. Ich neige dazu, zu denken, dass es seit der Gründung der Federal Reserve einen langfristigen Plan gibt. Die wirtschaftliche und politische Geschichte der Vereinigten Staaten liefert so viele Indizien, die die Ansicht stützen, dass es eine Verschwörung der Wall Street-Elite gegeben hat. Ich werde auf diese Hypothese in weiteren Abschnitten dieser Serie des Kapitalismus in Amerika zurückkommen. Es ist jedoch klar – ob durch einen langfristigen Plan oder durch eine Reihe von Ad-hoc-Interventionen – dass die US-Finanzelite inzwischen einen schleichenden Putsch vollzogen hat, der ihr die absolute wirtschaftliche und politische Macht verschafft hat.

 

In meiner Untersuchung der Oligarchisierung Amerikas – der schleichenden neoliberalen Oligarchen-Coup, der seit Reagan in vollem Umfang in Kraft getreten ist – habe ich bisher diese Teile der Serie abgeschlossen:

 

Der erste Teil der Serie war eine Studie, die zeigt, wie sich das gesamte Unternehmenseigentum in den Händen der Oligarchie konzentriert hat, mit dem Titel „Extreme Konzentration des Eigentums in den Vereinigten Staaten“ http://blogengine.hellevig.net/post/2019/05/13/Extreme-concentration-of-ownership-in-the-United-States-.aspx

 

Der zweite Teil war eine Studie, die aufzeigt, wie die Oligarchie die US-Medien vollständig übernommen hat, mit dem Titel „Die oligarchische Übernahme der US-Medien“ http://blogengine.hellevig.net/post/2019/05/13/The-oligarchy-wields-totalitarian-control-over-the-media-through-just-a-few-corporations.aspx

 

Der dritte Teil war ein Bericht, der auf dem Saker-Blog mit dem Titel "New World Order in Meltdown, But Russia Stronger Than Ever" veröffentlicht wurde: https://thesaker.is/new-world-order-in-meltdown-but-russia-stronger-than-ever/

 

Die vierte Folge, „The Oligarch Takeover of US Pharma and Healthcarehttps://thesaker.is/the-oligarch-takeover-of-us-pharma-and-healthcare-and-the-resulting-human-crisis/, war ebenfalls im Saker-Blog zu finden.

 

Als nächstes ist ein Bericht fällig, der zeigt, wie die Oligarchie aus politikwissenschaftlicher Sicht das soziale Gefüge der US-Wirtschaft zerstört und bewusst Gesetze erlassen hat, die die wenigen gegenüber dem Volk begünstigen. Von besonderem Interesse ist hier, wie die Oligarchie das politische System manipuliert hat, indem sie das verlogene janusgesichtige Zwei-Parteien-System institutionell verfestigt hat, um jede mögliche Herausforderung an ihre Herrschaft zu beseitigen.

 

Kommentare: 3
  • #3

    mikado (Montag, 20 Januar 2020 19:31)

    Einer der aufschlussreichsten Artikel seit langem! Danke!
    Was ich da heraus lese, ist einfach nur "SCHEIß KRIMINELE ELITE"!!!
    In den USA wie auch bei uns. In den Gefängnissen sitzen die falschen, die Räuber-"Elite" sollte im Knast sitzen.
    Habe richtig die Schnauze voll, wie sich kriminele Individuen an Millionen bereichern und vom Staat gedeckt werden.

  • #2

    Propapanda (Samstag, 18 Januar 2020 05:55)

    "Von besonderem Interesse ist hier, wie die Oligarchie das politische System manipuliert hat, indem sie das verlogene janusgesichtige Zwei-Parteien-System institutionell verfestigt hat, um jede mögliche Herausforderung an ihre Herrschaft zu beseitigen."

    cDU/csU + sPD
    (Die sPD wird vermutlich demnächst ersetzt... keine Bange, ändern tut sich trotzdem nichts.)

  • #1

    Humml (Freitag, 17 Januar 2020 20:28)

    Na das ist doch mal etwas, mit dem man arbeiten kann.

    Wir dürfen in diesem Zusammenhang auf
    https://makroskop.eu/2020/01/lang-lebe-der-gute-koenig-boris/
    (Das Original hier: https://www.bluelabour.org/home/all-hail-good-king-boris)
    verweisen:
    "...
    Der Premierminister wird die EU-Vorschriften zum Ausschluss unerlaubter Staatsbeihilfen mit großer Freude verletzen, während Labour weiterhin diese Begrenzung ihrer politischen Handlungsmöglichkeiten und die entsprechenden Urteile des EuGH als zivilisatorischen Fortschritt loben werden.

    Während des Wahlkampfes haben die Konservativen staatliche Beihilfen für kleine regionale Unternehmen zugesagt, ohne darauf hinzuweisen, dass die Hälfte der Labour-Forderungen in ihrem Wahlprogramm nach EU-Recht als illegal zu gelten haben. Ein stiller Abschied vom Thatcherismus. Boris wird der Erbe von Keynes sein, während Labour versuchen wird, das im Lissabon Vertrag und anderen EU-Regularien institutionalisierte intellektuelle Erbe Hayeks weiterhin als Fortschritt zu verkaufen. ..."

    Um den Zusammenhang zum Artikel herzustellen: Von Zeit zu Zeit hört man ja immer mal wieder etwas über die Vision der "Vereinigten Staaten von Europa", und es ist unschwer zu erraten, welches "Vorbild" man da im Auge hat. Geflissentlich ausgeblendet bleibt dabei, daß diese EU heute schon Züge dieses "Vorbildes" trägt, wie vom Autor oben beschrieben, und die danach zu erwartende Zukunft gewollt ist.
    Wir werden das immerzu wiederholen: Man achte auf die "Sprache" - hier besonders, wenn von einer (stärkeren) "Integration" die Rede ist, sollte man genau hinschauen, und man wird staunen, was uns da alles mittels dieses Begriffes untergejubelt wird - kurz - "Integration" steht synonym für "Entkernung des Nationalstaates" und damit notwendigerweise der "Wandlung" des "Bürgers" zum "Verbraucher".
    Von dem Begriff des "EU-Bürgers" sollte man sich dabei nicht täuschen lassen. Den gibt es nicht und wird es auch nicht geben, denn zum "Bürger" wird der "Mensch" erst im Zuge seiner "Organisation" in einem Nationalstaat in seiner klassischen, historisch gewachsenen, Ausprägung, und ein solcher ist auch mit der Etablierung von "Vereinigten Staaten von Europa" gerade nicht gewollt.

    (Dazu passend:
    https://makroskop.eu/2020/01/das-lied-vom-viel-zu-grossen-staat/)