https://journal-neo.org/2019/05/10/al-baghdadi-the-us-couldnt-wish-for-a-greater-ally/

 

Al Baghdadi: Die USA könnten sich keinen besseren Alliierten wünschen

 

von Tony Cartalucci, 10.05.2019

 

 

Da die von den USA unterstützten Militanten bereits den Höhepunkt ihrer Geländegewinne auf dem Schlachtfeld erreicht hatten und jetzt mit einer schrittweisen, aber unvermeidlichen Niederlage konfrontiert sind, scheinen den USA die Zeit und die Möglichkeiten auszugehen.

 

Dann wurde plötzlich – wie auf ein Stichwort – Abu Bakr al-Baghdadi wiederbelebt, der angebliche Führer des so genannten "Islamischen Staates im Irak und Syrien" (ISIS), nachdem die USA behauptet hatten, dass er Jahre zuvor gestorben war. Das bietet den USA den perfekten Vorwand, trotzdem militärisch in Syrien einzugreifen.

Ein BBC-Artikel vom Juli 2014 mit dem Titel "ISIS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi erscheint im ersten Video" behauptete:

 
Abu Bakr al-Baghdadi, der Führer der islamistischen militanten Gruppe Isis, hat in seiner ersten Video-Predigt die Muslime aufgefordert, ihm zu gehorchen.

Baghdadi wurde von der dschihadistischen Gruppe, die große Teile des Irak und Syriens erobert hat, zum Kalifen ernannt.

 
Die plötzliche Welle der Gewalt, die ISIS im gesamten Irak und in Syrien entfesselte, war so groß, dass nur staatliche Unterstützung dafür verantwortlich gewesen sein konnte.


Den perfekten Feind erschaffen

 
Tatsächlich hatte die US Defense Intelligence Agency (DIA) bereits 2012 sogar eine Verschwörung unter westlicher und Golfstaaten-Führung festgestellt (PDF), um das zu schaffen, was sie damals als "salafistisches" [islamisches] [Fürstentum] [Staat] bezeichnete, genau in jenem Teil Ostsyriens, wo ISIS schließlich seinen Sitz haben würde.

Das DIA-Dokument erklärte (Hervorhebung hinzugefügt):

 


Wenn sich die Situation entwirrt, besteht die Möglichkeit, ein deklariertes oder nicht deklariertes salafistisches Fürstentum in Ostsyrien (Hasaka und Der Zor) zu errichten, und genau das wollen die unterstützenden Kräfte der Opposition, um das syrische Regime zu isolieren, das als strategisches Zentrum der schiitischen Expansion (Irak und Iran) gilt.

 

Zur Klärung der Frage, wer diese unterstützenden Kräfte sind, wird im DIA-Memo erklärt:

 
Der Westen, die Golfstaaten und die Türkei unterstützen die Opposition, während Russland, China und der Iran das Regime unterstützen.

 

 Das Ziel war es, die syrische Regierung weiter zu isolieren, um das ultimative Ziel Washingtons zu erleichtern: Damaskus zu stürzen. Als immer mehr Extremisten dies nicht erreichten, nutzten die USA dann die Präsenz von ISIS als Vorwand für eine überarbeitete Version der direkten militärischen Intervention, die Russland nur ein Jahr zuvor vereitelt hatte.

Ein Jahr lang stellten sich die USA als Kämpfer gegen ISIS dar, während sie gleichzeitig die syrischen Ölfelder einnahmen und eine Armee von Militanten aufbauten, mit denen sie ISIS in das von der syrischen Regierung kontrollierte Gebiet schieben und mit denen sie auch die syrische Regierung selbst bekämpfen wollten.

 

2015 begann Russland mit einer eigenen militärischen Intervention. Russland zielte sofort auf die ISIS-Versorgungsleitungen, die aus der NATO-Mitglieds-Türkei herausführen – was die USA bis heute nicht getan haben. Russland isolierte die terroristische Gruppe innerhalb des syrischen Territoriums, bevor die russische Luftwaffe zusammen mit den syrischen, iranischen und Hisbollah-Bodentruppen sie umzingelte und ISIS zusammen mit Al Nusra und anderen extremistischen Gruppen überall westlich des Euphrat eliminierte.

Auf der von den USA besetzten Seite des Euphrat hielt sich ISIS bis zu diesem Jahr und wurde zeitweise sogar durch eine von den USA erklärte Sperrzone vor der Verfolgung syrischer und russischer Streitkräfte geschützt.

Es ist jetzt klar, dass die Bemühungen der USA, die syrische Regierung zu stürzen, gescheitert sind. Es ist auch klar, dass Washingtons Vorwand für die illegale Besetzung syrischen Territoriums politisch nicht mehr haltbar ist.

Gerade als die amerikanische Präsenz in Syrien immer unangenehmer und unhaltbarer wurde, ist al-Baghdadi wieder aufgetaucht – gerade rechtzeitig – um dem US-Sieg in Ostsyrien zu gewährleisten, aber auch um die Weltöffentlichkeit daran zu erinnern, dass ISIS nach wie vor eine anhaltende Bedrohung ist, die die weitere Präsenz Amerikas in der Region erfordert.

 

 

Die Reaktion der USA auf Al-Baghdadis Wiederauftreten war aufschlussreich, ja sogar lobend. Ein AFP/New York Times-Artikel mit dem Titel "ISIS veröffentlicht das erste Videoband von Baghdadi seit fünf Jahren. USA schwören, die überlebenden Führer militanter Gruppen aufzuspüren", berichtete:

 
Die Vereinigten Staaten gelobten am Montag (29. April), dass sie überlebende Führer des islamischen Staates im Irak und Syrien (ISIS) aufspüren und besiegen würden, nachdem ihr schwer fassbarer Supremo Abu Bakr al-Baghdadi in einem neu veröffentlichten Video aufgetreten ist.

Die von den USA geführte Koalition gegen diese Gruppe wird weltweit kämpfen, um "eine dauerhafte Niederlage dieser Terroristen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass alle verbleibenden Führer die gerechte Strafe erhalten, die sie verdienen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

 


Die Hegemonie der USA verlangt, dass das US-Militär eine weltweite Präsenz unterhält – was wiederum einen ständigen Vorwand erfordert. Da die USA ISIS bewusst als Vorwand für die illegale Besetzung syrischen Territoriums geschaffen haben, bleiben sie auf unbestimmte Zeit dort – sie haben und werden die günstige Expansion von ISIS weltweit nutzen, um auch eine weitere, globale US-Militärpräsenz weltweit zu rechtfertigen.

 
Washington könnte keinen bequemeren Schurken erschaffen

Geschichtsforscher könnten schwerlich ähnliche Beispiele eines militärischen oder politischen Führers wie al-Baghdadi finden, der offen und sogar freudig eine Niederlage eingestanden hat und einem vermeintlichen Gegner einen massiven politischen Sieg gewährt hat. So bequem und künstlich ist al-Baghdadis jüngstes Wiederauftauchen und all seine angeblichen Aktivitäten in der Vergangenheit, dass viele auf der ganzen Welt die Wahrhaftigkeit des Videos und von al-Baghdadi selbst in Frage stellen.

 

In Anbetracht der Tatsache, dass die amerikanische DIA so gut wie zugegeben hat, dass die USA ISIS bewusst geschaffen haben – da braucht es keine große Fantasie, um zu dem Schluss zu kommen, dass sie auch al-Baghdadi geschaffen haben.

 

Die Zusammenfassung der Kampfkraft von ISIS lässt sich von den anerkannten staatlichen Sponsoren – sowohl Saudi-Arabien als auch Katar – ableiten, wie von den US-Politikern selbst eingeräumt wurde. So berichtete der britische Independent.

 

Riyadh, Doha und somit jene in Washington, die sich den beiden Regime verpflichten – sie sind die wahren "Führer" von ISIS – sie bewaffnen, finanzieren und leiten die terroristische Organisation – mit al-Baghdadi als bloße Galionsfigur, die immer dann auftaucht, wenn die Bedürfnisse der westlichen Außenpolitik und Propaganda es erfordern.

 

Wenn die USA einen Bösewicht schaffen müssten, der den Interessen Washingtons sowohl in Syrien als auch weltweit so konsequent dient, dann hätten sie Schwierigkeiten, einen idealeren Bösewicht zu schaffen als Abu Bakr al-Baghdadi.

 

 

 

Anm.d.Ü.:

Über al Baghdadi und "Operation Hornet's Nest" gibt es hier Infos:

 

http://sayyidali.com/news-analysis/hornets-nest-or123456.html

 

https://disparatehypothesis.wordpress.com/2014/08/15/operation-hornets-nest-isis-al-baghdadi/

 

Kommentare: 0