https://www.globalresearch.ca/us-downing-of-iranian-airliner-gone-from-history/5646167

 

Der amerikanische Abschuss eines iranischen Passagierflugzeugs ist aus der Geschichte verschwunden

 

Es ist der 30. Jahrestag des Abschusses von Iran Flight 655 durch ein amerikanisches Schiff

 

von Shane Quinn, 02.07.2018

 

 

Man hat zwar keine Beweise, aber westliche Mächte beschuldigen weiterhin Russland für den Abschuss des malaysischen Passagierjets MH17. Andere Zwischenfälle sind praktisch aus dem Gedächtnis verschwunden, etwa der offensichtliche Abschuss von Iran Air Flight 655 durch ein hochdekoriertes amerikanisches Kriegsschiff.

 

 

(Dieser Artikel erschien zum ersten Mal im August 2017 bei The Duran)

 

Am 3. Juli 1988 wurde Iran Air Flight 655 auf seinem Flug von Teheran nach Dubai von der USS Vincennes abgeschossen, einem großen Lenkwaffenzerstörer der USA. Alle 290 Menschen an Bord des iranischen Airliners wurden getötet, darunter 66 Kinder und 38 Nicht-Iraner. Die Vincennes wurde kurz nach diesem Massenmord belobigt und erhielt bei ihrer Rückkehr nach Amerika präsidiale Ehren.

 

Vor 30 Jahren wurde der große Passagierjet über iranischen Gewässern auf seiner normalen Flugroute abgeschossen. Dabei hat die Vincennes illegal iranisches Territorium verletzt und zwei Boden-Luft-Raketen auf den steigenden Passagierjet abgefeuert, beides Volltreffer. US-Präsident Ronald Reagan beschrieb die Tötung von fast 300 Zivilisten als „eine angemessene Verteidigungshandlung“. Das schwer bewaffnete Kriegsschiff war anscheinend durch den ahnungslosen Passagierjet in tödlicher Gefahr.

 

Der damalige Vizepräsident (und zukünftige Präsident) George H.W. Bush sagte einen Monat nach dem Zwischenfall:

 

Ich werde mich nie für die Vereinigten Staaten entschuldigen – egal wie die Faktenlage ist … ich bin nicht der 'ich entschuldige mich für Amerika'-Typ.“

 

 

Daddy Bush sagte auch, dass es „nur ein unglücklicher Zwischenfall“ war und dass „das Leben weitergeht“. Eher unwahrscheinlich, dass für die Familien der Opfer „das Leben weitergeht“, und schon gar nicht für die 290 Menschen, die ihr Leben verloren haben.

 

Während es unumstößliche Beweise gibt, dass das iranische Flugzeug von US-Streitkräften abgeschossen wurde, so wurde die Rakete, die den malaysischen Airliner MH17 zerstört hat, „nicht von russischen Soldaten abgefeuert“.

https://www.japantimes.co.jp/opinion/2017/07/18/commentary/world-commentary/trust-falling-western-democratic-institutions/#.Wzy1DyBCREZ

Somit kann der Abschuss des malaysischen Flugzeugs am 17. Juli 2014, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen, nicht direkt dem russischen Militär zugeordnet werden, nicht einmal durch das Weiße Haus.

 

Es ist so, dass über drei Jahre später „keine Verdächtigen genannt wurden“. Der Mangel an Beweisen hat die Europäische Union nicht daran gehindert, sich den USA bei den Sanktionen gegen Russland anzuschließen, nur Wochen nachdem der malaysische Airliner zerstört worden war. Blickt man zurück in die Vergangenheit, dann erkennt man die offensichtliche Doppelmoral und die Scheinheiligkeit des Westens. Die EU hat trotz der überwältigenden Beweise gegen die USA keine Sanktionen verhängt, nachdem ihr Marineschiff 1988 das iranische Flugzeug zerstört hatte. Das kommt nicht überraschend wenn man bedenkt, dass die EU für Jahrzehnte schamlos ihre Rolle als Vasallen-Union für die USA ausgefüllt hat.

 

Im Juni hat die EU weitere Sanktionen gegen Russland beschlossen, wegen des vom Westen initiierten Konflikts in der Ukraine. Auch hier gibt es keine Aufzeichnungen darüber, dass die EU wirtschaftliche Maßnahmen gegen die USA ergriffen hätte, als die Supermacht (mit ihren Verbündeten) illegal in den Irak, Afghanistan, Libyen usw. eingegriffen hat.

 

Nach Angaben der US-Regierung verwechselte die Vincennes den iranischen Airbus A-300 (177 Fuß Lang) mit einer F-14 Tomcat (62 Fuß) einem amerikanischen Kampfflugzeug in Diensten der iranischen Luftwaffe. Diese Ausrede zerfällt weiter, wenn man die unterschiedlichen Leistungsparameter der jeweiligen Flugzeuge betrachtet: das eine ein Passagierflugzeug, das andere ein auf Tarnung ausgelegtes Jagdflugzeug.

 

Der Kapitän der Vincennes, William C. Rogers III, erhielt zwei Jahre später für seine „hervorragende Leistung ohne einen Schandfleck“ und für „seine heldenhaften Leistungen als Luftkampfkoordinator der USS Vincennes am 3. Juli 1988“ den begehrten Orden Legion of Merit Award. Auch die gesamte Besatzung der Vincennes wurde mit dem „Combat Action Ribbon“ ausgezeichnet.

 

Man stelle sich die weltweite hysterische Reaktion vor, hätte die russische (oder sowjetische) Führung unter ähnlichen Umständen ebenso verhalten. Wenn die USA ein abscheuliches Verbrechen begehen und sich danach selbst loben, dann kann man schön die gedämpfte Reaktion im Westen sehen.

 

Der Hintergrund dieses vergessenen Kriegsverbrechen kann aufschlussreich sein. Das iranische Flugzeug wurde zum Ende des Iran-Irak-Kriegs (1980-9188), bei dem auf beiden Seiten Hunderttausende starben, vom Himmel geholt. Präsident Reagan hatte den irakischen Diktator Saddam Hussein nach der iranischen Revolution 1979, nach der die USA die Kontrolle über den Iran „verloren“ hatten, stark unterstützt.

 

Bis heute weigert sich die US-Regierung, sich für den Vorfall zu entschuldigen, obwohl sie gezwungen war, über $130 Millionen an Entschädigung zu zahlen (unter der Clinton-Regierung) . Die Massenmedien in den USA spielten wie üblich eine Schlüsselrolle bei der Verharmlosung der Aggression und sorgten dafür, dass es der amerikanischen Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieb.

 

Zwei Tage nach dem Abschuss des iranischen Flugzeugs forderte die New York Times („paper of record“) ihre Leser auf, sich „in die Lage von Kapitän Rogers zu versetzen“. Die Redakteure der NYT nannten es „einen Unfall“ und es sei „schwer zu erkennen, was die Navy hätte tun können, um das zu vermeiden“. Wenn wir der Times glauben, dann war es für das ausgebildete Marinepersonal (mit Radar) schwierig, zwischen einem fast 180 Fuß langen Passagierflugzeug und einem Kampfjet mit einem Drittel der Größe zu unterscheiden. Tatsächlich war die Vincennes damals mit dem „weltweit modernsten“ Aegis Radarsystem ausgestattet. Es wurde auch entwickelt, um „eine Vielzahl von ankommenden Raketen und Flugzeugen in einer großen Seeschlacht zu verfolgen“.

 

Am 25. Jahrestag der Tragödie im Jahr 2013 hielt Max Fisher von der Washington Post pflichtbewusst an der Linie fest, dass die Vincennes das große zivile Flugzeug mit einem F-14 Jäger verwechselt hat – da es „im Persischen Golf zu einem Feuerduell mit kleineren iranischen Schiffen kam.“ Fisher entschuldigte das Kriegsverbrechen der Vincennes als „in der Hitze der Schlacht“ und dass „der schreckliche Vorfall Teheran näher an das Ende des Krieges brachte“. Eines Krieges, den Saddams Irak mit lebenswichtiger amerikanischer Unterstützung begonnen hatte.

 

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