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Ihr werdet getrollt

 

von Dmitri Orlov, 25.06.2019

 

 

Die Welt steht wieder am Rande eines Krieges. Schon wieder. Und, ja, noch einmal. Und dann stehen wir nicht mehr am Rande eines Krieges.... aber halt, da ist noch mehr! Natürlich gibt es noch mehr, das gibt es immer. US-Flugzeugträger-Kampfgruppen schippern auf Nordkorea zu.... oder auch nicht. Sie dampfen ziellos herum, irgendwo nicht in der Nähe von Nordkorea, aber das auf sehr bedrohliche Weise. Dann treffen sich Trump und Kim Jong Un, kommen gut miteinander klar, unterschreiben ein Stück Papier, das nichts bedeutet und trennen sich freundschaftlich. Jetzt dampfen die Flugzeugträger weit weniger bedrohlich herum. Dann treffen sich Trump und Kim wieder, um ein anderes bedeutungsloses Stück Papier zu unterschreiben, aber dann poltert John Bolton drauf los und futsch ist der Deal. Aber Trump und Kim tauschen weiterhin Liebesbriefe aus, so dass die Romanze nicht tot ist. Auf jeden Fall ist ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea nicht nur ungewinnbar, sondern auch undenkbar: Die Hauptstadt Südkoreas befindet sich in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie und alle US-Militärbasen in der Region befinden sich in Reichweite der nordkoreanischen Raketen. Der Krieg mit Nordkorea ist definitiv abgesagt. Zusammenfassung: Es passiert nichts. Also, was sollte das Ganze?

Jetzt geht es um Venezuela. Sein demokratisch gewählter Führer wird zum Usurpator erklärt, und ein geeigneter Ersatz wird unter dem Namen Random Guy-doh gefunden. Amerikanische Vasallenstaaten auf der ganzen Welt werden tyrannisiert, um ihm diplomatische Anerkennung als Präsident Venezuelas zu gewähren, obwohl er nur ein zufälliger Typ aus einer Wohnung in Caracas ist. Einige Lastwagen werden auf einer Brücke zwischen Kolumbien und Venezuela angezündet. Sie transportierten humanitäre Güter, etwa Drahtrollen. Es wird von militärischer Intervention gesprochen, aber es ist nur Gerede. Die Bank of England beschlagnahmt Venezuelas Gold, die USA frieren die Bankkonten der venezolanischen Ölgesellschaft in den USA ein und geben sie an einen Haufen zwielichtiger Venezolaner weiter, die das Geld stehlen. Dieser Teil macht Sinn, der Rest davon? Na ja! Auf jeden Fall ist ein militärischer Überfall der USA auf Venezuela nicht möglich: Venezuela verfügt über russische Luftverteidigungssysteme, die es zu einer Flugverbotszone für die US-Luftwaffe machen; außerdem ist die Bekämpfung einer Guerilla-Aktion in venezolanischem Regenwald nichts, wozu das US-Militär fähig ist. Zusammenfassung: Es passiert nichts, schon wieder.

 

Jetzt geht es um den Iran. Trump zieht sich aus dem sorgfältig ausgehandelten internationalen Abkommen mit dem Iran zurück und sagt, er wolle eine anderes Abkommen aushandeln. Falls ihr es bemerkt habt, das ist ein wirklich idiotischer Zug, nach dem Motto: "Ich werde es dir nie zurückzahlen, also leih mir mehr Geld." Wenn ein Land die Vereinbarungen, die es bereits unterzeichnet hat, nicht einhält, warum sollte es sich dann die Mühe machen, weitere Vereinbarungen mit ihm auszuhandeln? (Das ist eine rhetorische Frage.) Der Iran verkündet, dass der Iran den Deal nicht einhalten wird, da die USA den Deal auch nicht einhalten. Ein Haufen Öltanker wird beschädigt und die USA versuchen, den Iran dafür verantwortlich zu machen, aber niemand glaubt den USA. Und so werden ein paar weitere Öltanker beschädigt und die USA versuchen, den Iran wieder dafür verantwortlich zu machen, aber schon wieder glaubt niemand den USA . Und so fliegen die USA eine Drohne in den iranischen Luftraum, beschattet von einem Aufklärungsflugzeug mit einer internationalen Besatzung an Bord, in der Hoffnung, dass der Iran einen Fehler macht und das Aufklärungsflugzeug abschießt. Aber der Iran schießt die Drohne ab und die fällt ins seichte Wasser, in die Hoheitsgewässer des Iran, und nicht in die 100 Fuß tiefen internationalen Gewässer, so wie die USA behaupten, aber niemand glaubt es. Der Iran fischt sie schnell heraus und zeigt stolz das Wrack der nicht mehr streng geheimen Drohne. Die Amerikaner erzählen eine Geschichte über den Wunsch, den Iran anzugreifen, aber in letzter Minute brechen sie den Angriff ab. Der Ölpreis steigt ein wenig. Der US-Ölfleck produziert am Anschlag, aber auch blutend rote Zahlen wie verrückt. Sie braucht höhere Ölpreise, um eine große Welle von Insolvenzen zu vermeiden. Dieser Teil macht Sinn, der Rest davon? Egal! Ein militärischer Angriff auf den Iran ist jedenfalls undenkbar: Der Iran hat die Fähigkeit, die Straße von Hormuz für alle Schiffe zu schließen, ein Drittel aller Ölexporte der Welt abzuschneiden und die Weltwirtschaft, einschließlich der USA, zu sprengen. Zusammenfassung: Nichts passiert, schon wieder mal.

 

Es gibt verschiedene andere Nicht-Ereignisse in anderen Teilen der Welt. NATO-Schiffe tuckern über das Schwarze Meer und die Ostsee, wo sie ziemlich leichte Beute sind, falls die Feindseligkeiten mit Russland kinetisch werden. Das sagt uns also, dass die Feindseligkeiten nicht kinetisch werden, weil diese Schiffe teuer sind und es kein Geld gibt, sie zu ersetzen. Es gibt auch NATO-Übungen im Baltikum, das sich direkt an der russischen Grenze befindet. Sie üben das Eindringen und Abschlachten von Zivilisten in malerischen mittelalterlichen Dörfern, die mit russischsprachigen Statisten besetzt sind, die vorgeben, Bauern zu sein, die sich ergeben wollen. (Technisch gesehen sollte das als Fantasy-Spiel und nicht als Trainingsübung kategorisiert werden.) Die Russen bleiben unbeeindruckt. Sie wollen nichts mit den baltischen Staaten zu tun haben, die früher Transitstaaten für russische Exporte waren, aber jetzt werden sie für nichts mehr gebraucht (außer als NATO-Tummelplatz). Wie auch immer – über einen Krieg mit Russland zu sprechen, ohne die Miene zu verziehen, dazu sind nur extrem dumme Menschen fähig. Zusammenfassung: Es passiert nichts.

Kennt ihr den Refrain? (Ich bin sicher, dass ihr das tut.) Folgendes spielt sich ab: Ein abgehalftertes Land, das nicht aufhören kann, die wenigen Ressourcen, die es für einen nutzlosen, aber lächerlich aufgeblähten militärisch-industriellen Komplex übrig gelassen hat, zu verschwenden, versucht, Aktivität zu erzeugen, um weitere verschwenderische Verteidigungsausgaben zu rechtfertigen. Alle möglichen Experten spielen mit und behaupten, dass die Bedrohung durch diesen oder jenen Krieg sehr real ist und dass wir daher alle darauf achten sollten, was passiert. Aber was passiert, ist, dass ihr getrollt werdet.

Da sie nichts Besseres zu tun haben, versuchen die USA mit allen Mitteln, die ganze Welt zu trollen, aber immer mehr weigert sich die Welt, sich trollen zu lassen oder trollt gleich gegen die USA zurück.

 

- Wenn die USA drohen, den Zugang zum US-Finanzsystem zu unterbrechen, arbeitet die Welt daran, das zu umgehen.

 

- Wenn die USA Zölle und Sanktionen verhängen, reagiert die Welt mit einer Überarbeitung ihrer Handelsbeziehungen, um die USA auszuschließen.

 

- Wenn die USA Länder mit einer militärischen Intervention bedrohen, reagiert die Welt, indem sie neue Allianzen aufbaut und Sicherheitsmaßnahmen trifft, die die USA isolieren.

 

Aber am wichtigsten ist, dass die Welt einfach abwartet. Die USA weisen nun ein Haushaltsdefizit von über einer Billion Dollar pro Jahr auf und häufen Schulden etwa in gleicher Höhe wie während des Höhepunkts des vorangegangenen Finanzkollapses auf. Was glaubt ihr was passieren wird, wenn der nächste Finanzkollaps eintritt? (Nach vielen maßgeblichen Stimmen sollte das entweder in diesem oder im nächsten Jahr passieren.) In der Zwischenzeit hoffe ich, dass es euch Spaß macht, getrollt werden, denn ich bin mir sicher, dass es mehr Trolling aus den USA geben wird, ihr wisst schon, nur um beschäftigt zu bleiben, schätze ich.

   Der amerikanische Troll in seinem natürlichen Habitat

 

Kommentare: 6
  • #6

    Elisa (Freitag, 28 Juni 2019 12:23)

    @ Klaus-Peter Kostag

    Wie recht Sie haben!
    Jetzt hat sich die "JewSA" (treffender Name), also die US-Regierung - die Bevölkerung ist damit sicher nicht gemeint - in eine politisch-wirtschaftliche Situation hineinmanövriert, dass sie machen kann, was sie will, ihre Drohungen und Erpressungen führen nur noch in eine Richtung, nämlich Richtung Abgrund. Dazu gesellt sich die im Inland geschwindigkeitszunehmende Verschuldung, die mehr und mehr sichtbare Orientierungslosigkeit der Polit- und Wirtschaftskräfte und eine seit Jahrzehnten deutlich werdende Plünderungsmentalität, die sich stärker werdende Staaten nicht mehr gefallen lassen.
    Das alles hat schon lange nichts mehr mit Kapitalismus zu tun. Ein Kapitalismus mit klaren und unterlegten Gesetzesstrukturen mit Vollzugskraft kann ein Chaos, wie es derzeit die USA täglich vorführen, überhaupt nicht schaffen. Raffgierige Selbstüberschätzer kennen keine Gesetze, sondern vor allem nur deren Umgehungswege mit allem drum und dran, nämlich Schmieren, Bestechen, Drohen, Zerstören, Morden, Töten, Lügen, Verdrehen und Verzerren - kurz das falsch-spielende Polit-Hollywood ist auf seinem Zenit angekommen und am Fallen, Fallen, Fallen und nochmals am Fallen. Dies während andere Staaten stärker und stärker werden und auch einbringende globale Projekte zu vieler Menschen Vorteil in Umsetzung bringen.

    Die USreal-Oberclique lebte im Rausch eines mindestens 100-jährigen Machtwahns, der wie eine Blase zwangsläufig zerplatzen und viele Bevölkerungen in diese Zerstörung hineinziehen wird. Wieder leiden - wie in den zwei Weltkriegen - Millionen Menschen dafür. Zuerst hetzte wurden sie aufeinander aufgehetzt, die nächste Katastrophe läuft über das zusammenbrechende Finanz-Betrugssystem, in das die Bevölkerungen mit eingebunden sind. Wir kennen aufgrund sehr komplexer makro-ökonomischer Vorgänge einfach nicht den Zeitpunkt dieses vorhersehbaren Ereignisses. Kommen wird es, dazu muss man weder Gott noch Prophet sein, sondern einfach bezogen denken.

  • #5

    Propapanda (Freitag, 28 Juni 2019 03:42)

    @P Pank, das(Der Feind heißt China) wirft Fragen, die sich mit reiner Profitgier nicht beantworten lassen, auf. Schließlich waren es westliche Konzerne unter Schirmherrschaft westlicher "demokratischer" Staaten, die den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas - sagen wir mal - begünstigten. Haben sich westliche Strategen etwa vertan? Hofften sie auf eine Öffnung Chinas? Oder ist es so, wie Brecht schrieb: "Die Kapitalisten wollen keinen Krieg. Sie müssen ihn wollen." - Anders ausgedrückt, sie Arbeiten auf ihn, den Krieg, gezielt zu?

  • #4

    P Pank (Donnerstag, 27 Juni 2019 19:24)

    Ein bedeutender Vers fehlt: China, seit 2009, wenn ich mich nicht irre, gibts "Pivot to asia".

  • #3

    Propapanda (Donnerstag, 27 Juni 2019 12:42)

    Auch wenn der Text unfreiwillig komisch ist, zeigt er doch, wie ernst die Situation ist. Mit jeder dieser Veranstaltungen geht ein, für die USA und ihrer Anschauung auf die Welt als die führende Nation, Gesichtsverlust einher. Die Gefahr eines neuen, neben all den Anderen, Krieges, die die USA führen, sinkt nicht, sie steigt.

    Der Krieg gegen den Iran ist nicht vom Tisch und Orlov liefert den Grund dafür gleich mit, „Sie braucht höhere Ölpreise, um eine große Welle von Insolvenzen zu vermeiden. Dieser Teil macht Sinn, der Rest davon?“. Die Saudis sind auf Platz drei der Rangliste für Militärausgaben aufgestiegen und die kaufen diese Waffen mit Sicherheit nicht, um sie in der Wüste auszustellen. Zumal sie ebenfalls ein veritables Interesse – bei all den Waffenkäufen – haben, dass der Ölpreis steigt und es da den religiösen Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten gibt. Auf der anderen Seite gibt es dann noch Israel, welches zwar vordergründig keinen Vorteil aus hohen Ölpreisen zieht aber den Iran, der Israel mehrmals mit der Auslöschung drohte, als seinen Erzfeind ansieht und den Iran gerne vom Erdball getilgt sehen würde.

    Alles im Allem, eine widerliche Situation und kein Grund zum Aufatmen.

  • #2

    Josch (Mittwoch, 26 Juni 2019 21:45)

    Wenn Lesen Spaß macht...ein herrlicher Beitrag, danke :)

  • #1

    Klaus-Peter Kostag (Mittwoch, 26 Juni 2019 15:47)

    Der Abstieg der JewSA ist selbstgemacht. Sie haben den Bilderbuch Feind, das schwächliche kommunistische Weltsystem totgerüstet. Ein Gegner, der unbedingt eine unaufhörliche never ending JewSA-Führungsrolle - Führerschaft erfordert und erhalten hätte. Die Idioten-Strategen rüsteten nach der Totrüstung des "Kommunismus" unfreiwillig dumm aus "Steuerspar-Gründen" sowohl Russland als auch China ökonomisch, politisch und militärisch zugleich auf. Um das strategische Versagen zu komplettieren, schmiedeten dieselben Oberidioten beide Kontrahenten per Strohdumm-Unwirksam-Sanktionen zu einem gegnerischen Verbund: Einem ökonomischen, einem politischen und zu einem Militärpakt. Wurde der idiotische polnische Müllschriftsteller, der mit dem "Schachbuch", nun in seiner wirren Poesie von Rache- oder intellektuellen Schwächeanfällen geplagt. Oder wurde er gar von China gesteuert, damit es den chinesischen Weltkommunismus schneller in die Tat umsetzen konnte? So wie es jetzt offensichtlich geworden ist? Die ehemaligen Profiteure in der NATO riskieren jetzt, mitabgeschossen zu werden. Im kommenden Europa - Atomschlag. Es scheint momentan, sie seien genauso klug, wie die amerikanischen Strategen.