Great, Britain!

 

Von Dmitry Orlov, 06.09.2018

 

 

Die Briten haben gerade meinen vorherigen Artikel, The Truthers and The Fakers, mit einer putzigen kleinen Fallstudie versehen: Schon am nächsten Tag, nachdem ich ihn veröffentlicht hatte, nahm Theresa Mays Regierung ihre Rolle als eine der weltweit führenden Faker ein und entfesselte die nächste Folge von gefälschten Nachrichten über die Skripal-Vergiftung. Wir können dies als Schulungsmaterial verwenden, um zu lernen, wie man Fälschungen erkennt und entsorgt.

 

Die gefälschte Geschichte, die May verbreitet, ist, dass es "sehr wahrscheinlich" ist, dass der Kreml einen Anschlag auf den ehemaligen britischen Spion Sergei Skripal (und seine Tochter) mit einer "russischen" Chemiewaffe namens "Novichok" angeordnet hat. Nach dem, was wir bereits wussten, ist es wiederum sehr wahrscheinlich, dass diese Geschichte eine vollständige und vollkommene Fälschung ist. Wie ich bereits im vorherigen Artikel erläutert habe, ist es nicht unsere Aufgabe, festzustellen, was wirklich passiert ist. Wir könnten dies nicht mit Sicherheit tun, ohne Zugang zu Staatsgeheimnissen zu haben. Aber das brauchen wir nicht; alles, was wir tun müssen, ist, mit einem angemessenen Maß an Sicherheit festzustellen, dass die Geschichte der britischen Regierung eine dumme, inkompetente und erfundene Fabrikation ist. Dies wird es uns dann ermöglichen, die britische Presse, die diesen Unsinn als Tatsache wiederholt, und die britische Öffentlichkeit, die es bedingungslos für bare Münze hält, richtig einzustufen. Dann können wir die falsche Bezeichnung "groß" fallen lassen - denn große Nationen handeln nicht so dumm.

 

Erstens, mit der Anwendung der üblichen Untersuchungstechnik der Identifizierung von Mitteln, Motiven und Gelegenheit stellen wir fest, dass die russische Regierung nichts davon besitzt, während die Regierung von Theresa May alles davon hat.

 

Die Mittel: Russland hat seine Chemiewaffen aufgegeben, internationalen Inspektionen unterzogen und verfügt nicht mehr über ein Chemiewaffenprogramm, während Großbritannien und die USA ihre vertraglichen Verpflichtungen ignoriert haben. Sie haben ihre chemischen Waffen nicht aufgegeben, sich keinen internationalen Inspektionen unterzogen und man unterhält ein Chemiewaffenprogramm in Porton Down, nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, an dem die Vergiftungen stattgefunden haben. Experten von Porton Down behaupten, den angeblich verwendeten chemischen Wirkstoff identifiziert zu haben, und das bedeutet, dass sie etwas davon zur Hand hatten.

 

Das Motiv: Russland hatte Skripal vor einigen Jahren in einem Spionagewechsel an Großbritannien übergeben und hatte keinen Grund, ihn zu verfolgen. Einen internationalen Skandal unmittelbar vor der Weltmeisterschaft in Russland zu verursachen, hätte für jeden russischen Beamten das Karriereende bedeutet. Andererseits brauchte die Regierung von Theresa May dringend eine Ablenkung von ihren katastrophalen Brexit-Verhandlungen, der nachlassenden Unterstützung und anderen Sorgen und wäre begierig gewesen, ihren Herren in Washington durch eine Provokation gegen Russland zu gefallen.

 

Die Gelegenheit: Die Vergiftung fand auf britischem Boden statt, die Straße runter von einer britischen Chemiewaffenfabrik, und die vergiftete Person lebte unter den wachsamen Augen der britischen Spezialdienste. Offensichtlich hatten die Briten reichlich Gelegenheit; ob die Russen überhaupt eine hatten, bleibt zu zeigen.

 

So scheint es bei der Anwendung des inzwischen traditionellen britischen Rechtsstandards "mit hoher Wahrscheinlichkeit" sehr wahrscheinlich, dass der Kreml nichts damit zu tun hatte. Aber das lässt immer noch die Frage offen, was genau es war, mit der Kreml nichts zu tun hatte, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass das, was die britische Regierung vorgibt, geschehen zu sein, nicht geschehen ist.

 

Die Briten behaupten, dass zwei russische Regierungsvertreter, Alexander Petrov und Ruslan Boshirov (sic), von Moskau aus mit einem Aeroflot-Flug nach Großbritannien geflogen seien, nach Salisbury gefahren sind, etwas Novichok auf den Türknauf von Skripals Haustür gesprüht und dann zurückflogen seien. Sie transportierten das Novichok in einer Parfümflasche, die sie dann in einem Park entsorgten. Skripal und seine Tochter berührten den Türknauf, gingen dann zum Mittagessen und auf einen Spaziergang, und einige Stunden später erlagen sie synchron dem Gift und verseuchte auch einen Polizisten, der ihnen zu Hilfe kam. Alle drei erholten sich schließlich. Wochen später fand ein lokaler Drogenabhängiger die Parfümflasche in einem Park und gab sie seiner Freundin, die sich mit der Substanz besprühte und starb, während er krank wurde und sich erholte.

 

Novichok ist eine chemische Waffe, die entwickelt wurde, um bei Kontakt zu töten und ganze Städte sofort auszulöschen. Es ist bekannt, dass es von Labors in mehreren Ländern synthetisiert wurde, darunter eines in der ehemaligen Sowjetunion. Es ist nicht bekannt, dass es jemals in Russland synthetisiert wurde. Es ist bekannt, dass es viel zu tödlich ist, um in der beschriebenen Weise verwendet worden zu sein und eine so milde Wirkung ausgelöst zu haben.

 

Erstens, wenn Petrov und Boshirov tatsächlich versucht hätten, diese flüchtige Substanz in einer gewöhnlichen Parfümflasche und nicht in einem hermetisch verschlossenen Behälter in Militärqualität zu transportieren, hätten sie es nicht bis zu ihrem Bestimmungsort geschafft, sondern wären dabei gestorben. Zweitens, wenn sie versucht hätten, Novichok auf einen Türknauf zu sprühen, ohne Schutzkleidung zu tragen, wären sie tot vor Skripals Türschwelle gefunden worden. Drittens, wenn Skripal und seine Tochter einen mit Novichok verseuchten Türknauf berührten, wären sie ebenfalls tot vor derselben Türschwelle gefunden worden. Ausgehend von diesen Informationen können wir ganz sicher sein, dass es sich bei dem fraglichen Gift nicht um Novichok handelte und dass, was immer es war, nicht in der beschriebenen Weise verabreicht wurde.

 

Was bleibt von der britischen Geschichte übrig? Dass zwei Leute aus Moskau eingeflogen sind, um ein mangelhaftes Gift auf einen Türknauf zu sprühen und es dann zu entsorgen? Die Briten behaupteten, dass ihre Namen gefälscht seien, ebenso wie ihre Dokumente, und erwarten von uns, dass wir glauben sollen, dass jene nicht bekannt sind, aber dass bekannt sei, dass sie russische Agenten sind. Nun, einer ihrer Namen ist bei der Untersuchung sicherlich gefälscht: Es ist Bashirov (ein sehr gebräuchlicher Nachname in der russischen Republik Tatarstan) und nicht Boshirov. Warum sollte ein russischer Agent einen Tippfehler in seinem Decknamen machen? Es scheint "sehr wahrscheinlich", dass dieser Tippfehler britischen Ursprungs war.

 

Dann wird uns gesagt, dass diese beiden direkt aus Moskau mit russischen Pässen eingeflogen sind, was bedeutet, dass sie bei der britischen Botschaft in Moskau Visa erhalten haben mussten, in einem Prozess, der Fingerabdrücke und andere biometrische Daten beinhaltet. Dies sollte es ihnen leicht machen, ihre richtigen Namen zu identifizieren und herauszufinden, aber es sind fünf Monate vergangen und die britischen Behörden haben sich immer noch nicht die Mühe gemacht, dies zu tun. Das macht es "sehr wahrscheinlich", dass es sich hierbei nicht um echte russische Agenten, sondern um ein amateurhaftes britisches Machwerk handelt.

 

Und dann haben wir dieses wahre Juwel an Inkompetenz: Die Briten zeigten Standbilder eines Überwachungsvideos dieser beiden Charaktere, die getrennt durch den gleichen Ort am Flughafen gingen, genau zur gleichen Zeit: 02/03/2018 16:22:43.

 

 

Offensichtlich erwartet die britische Regierung, dass wir alle glauben sollen, dass die Russen das Zeitreisen perfektioniert haben. Wir sollten es aber für weitaus glaubwürdiger halten, dass die britische Regierung aus schwachsinnigen und inkompetenten degenerierten Menschen besteht. Somit stellt sich diese Frage: Was ist so Groß an Britannien? Vielleicht sollte man das „Groß“ durch ein passenderes, weniger schmeichelhaftes Adjektiv ersetzen? Ihr entscheidet das.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lex (Sonntag, 09 September 2018 02:30)

    echt selten doof die Großen .. aber noch ´dümmer sind wohl diejenigen, die sowas noch immer glauben ..