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G-7-Blues

 

von James Howard Kunstler, 26.08.2019

 

 

Bei all diesen internationalen Plaudereien wie der G-7 geht es um die unsicheren Versorgungslinien, die das globale Spiel in Gang halten. Die kritischen Wege liefern Öl in die ganze Welt. China importiert täglich etwa 10 Millionen Barrel, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Es produziert weniger als 4 Millionen Barrel pro Tag. Nur etwa 15 Prozent der Importe kommen aus dem Nachbarland Russland. Der Rest kommt aus dem Mittleren Osten, Afrika und Südamerika. Denkt daran: Lange Reihen von Tankschiffen, die große Entfernungen über die Meere zurücklegen und durch enge Meerengen navigieren. Die chinesische Formel ist einfach: Öl rein, Export raus. Es hat in den letzten Jahrzehnten gut für sie funktioniert. Die Dinge gehen weiter, bis sie es nicht mehr tun.

 

Dieses Spiel wird von einem fabelhaften Schuldenstrom geschmiert, der von chinesischen Banken erzeugt wird, die letztendlich der Kommunistischen Partei unterstehen. Die Partei ist der chinesische Puffer zwischen Bankwesen und Realität. Wenn die Partei diese Notsignale, die die Banken aussenden, nicht mag, dann tut sie einfach so, als würden die Signale nicht durchkommen, während sie den Hokus Pokus mit ihrer digitalen Buchhaltung macht, und die Dinge scheinen noch eine Weile länger in Ordnung zu sein.

 

Die USA produzieren täglich etwas mehr als 12 Millionen Barrel Öl. Etwa 6,5 Millionen unserer Produktion sind Schieferöl. Wir verbrauchen fast 20 Millionen pro Tag. (Wir sind nicht "energieunabhängig".) Die Schieferölindustrie wackelt unter der lästigen Schuldenlast, die sie seit 2005 auf sich genommen hat. Etwa 90 Prozent der am Schieferöl beteiligten Unternehmen verlieren Geld. Die Investitionskosten für das Bohren, das Transportieren von einer Fantastilliarde Lastwagenladungen Wasser und Fracking-Sand zu den Bohrtürmen und das Absaugen des Öls übersteigen den Gewinn aus all dem. Es ist einfach alles, was wir tun können, um das Spiel in unserer Ecke des Planeten am Laufen zu halten, aber es ist kein gutes Geschäftsmodell. Nachdem sie endgültig bewiesen haben, dass sie mit dem geborgtem Geld keinen Dollar verdienen können, werden die Kreditgeber aufhören, ihnen mehr Geld zu leihen. Das ist genau das, wo wir jetzt sind.

 

Europa steht kurz vor dem Ende seiner Goldgrube aus Nordseeöl, und es gibt im Umkreis nichts mehr für sie. Deutschland versucht zu beweisen, dass es das Land mit "erneuerbaren Energien" betreiben kann und dieses Experiment ist gescheitert. Sie haben keine Ahnung, was sie tun sollen, um das Spiel in ihrem Flickenteppich aus Ländern am Laufen zu halten. Sie müssen in ihren charmanten Hauptstädten ausflippen.

 

Die nächste wirtschaftliche Pleite wird dem Zusammenbruch des Ölzeitalters und der "globalen Wirtschaft" gleichkommen, die in ihrem späten Stadium entstanden ist. Es ging darum, fantastische Mengen von Dingen über den Planeten zu bewegen. Diese Bewegungen wurden exquisit abgestimmt, zusammen mit den Geldflüssen, die frei zirkulierten, wie Blut, das Sauerstoff zu jedem Organ transportiert. All das geht zu Ende. Die Nationen der Welt müssen sich verzweifelt fühlen, trotz dem Anschein guter Manieren bei Treffen wie der G-7. Was für alle vor dem finsteren Hintergrund auf dem Spiel steht, ist die Fähigkeit, den erst kürzlich erreichten hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Und die Angst dahinter ist, nicht zu wissen, wie weit diese hohen Lebensstandards absinken müssen.

 

Viele Menschen, die in China leben, müssen sich noch an ein tägliches Leben erinnern können, das dem des 12. Jahrhunderts entspricht. In den USA, wo die Demokratie meist durch niederwertiges Denken repräsentiert wird, ist die Erinnerung an das Leben vor Strom und fließendem Wasser längst verloren gegangen. Seit dem Ende des letzten Weltkriegs haben wir in einem Futurama gelebt. Dieser Krieg ist in Europa übrigens nicht ganz vergessen, trotz des ganzen Charmes, der derzeit zu sehen ist und all der Touristen, die dort mit ihren Selfie-Sticks rumlaufen. Der Ort war jahrhundertelang ein Leichenhaus, und die Euro-Leute werden alles tun, um Konflikte zu unterdrücken. In letzter Zeit sieht es so aus, als wären sie bereit, die westliche Zivilisation selbst aufzugeben, nur um den Frieden zu wahren.

 

Gott weiß, was die Strategie von Mr. Trump bei diesen so genannten "Handelsgesprächen" ist. Er hat ausdrücklich genug auf die Reindustrialisierung Amerikas gedrängt, und das bedeutet unter anderem, sich von den sintflutartigen Warenlieferungen Chinas zu entkoppeln und deren Einnahmen zu kürzen. Chinas Zugang zu den US-Märkten abzuschneiden, könnte schon ausreichen, um Chinas zutiefst betrügerisches Bankensystem endgültig zu zerstören. Vielleicht ist es das Ziel, China einfach zu deaktivieren, es von seinem scheinbaren Ziel abzubringen, der nächste Welthegemon zu werden. Glaubt Mr.Trump, dass er das tun kann, ohne den Rest der finanziellen Vereinbarungen auf der Welt zu sprengen? Die Aktienmärkte haben diese Geschichte in letzter Zeit nicht sehr gut verdaut. Könnte die US-Regierung kollektiv so dumm sein zu denken, dass Schieferöl es diesem Land ermöglichen wird, sich wieder zu industrialisieren, während der Rest der Welt in ein dunkles Zeitalter zurückfällt?

 

Wahrscheinlicher ist, dass alle fortgeschrittenen Nationen diesen Weg gemeinsam nach unten gehen werden. Die USA sind auf einem guten Weg, trotz all der MAGA-Tapferkeit. Das Land taumelt in Misstrauen, Wahnvorstellungen, offizieller Korruption, porno-pharmazeutischem Laster und ethnischem Groll. Die Menschen, die im FlyoverLand leben, kleiden sich wie Westgoten, sind tätowiert und bis an die Zähne bewaffnet und rackern sich wütend am Rande der römisch-dekadenten Küsten-Enklaven ab. Die Eliten wollen sich selbst in ihren Handys verstecken und dort leben. Ratet mal: Das wird kein "sicherer Ort" sein.

 

Kommentare: 4
  • #4

    willi uebelherr (Freitag, 30 August 2019 08:34)

    Danke, lieber Friedrich, fuer die uebersetzung dieses textes. Genial und klar.
    Und ich danke Klaus-Peter fuer die Grabrede von Friedrich Engels in London fuer seinen und unseren freund Karl Marx.

  • #3

    navy (Mittwoch, 28 August 2019 21:14)

    Was ist das denn für ein dummes Geschwafel: Chinas zutiefst betrügerisches Bankensystem " !!! Fakt ist und bei youtube abzurufen. Jens Greenspan: "das US Banken System ist voller Betrug" ! siehe EZB: man kauft für 2,5 Billiarden € faule Betrugs Kredite der Banken, der Staaten, von VW und Co. oder die Betrugs Serien, von Goldman & Sachs, anderen bekannten Gross Banken.

  • #2

    Klaus-Peter Kostag (Mittwoch, 28 August 2019 15:04)

    Ich las über einen Deutschen, der eine nachkapitalistische Gesellschaft für notwendig hielt. Und so schrieb ein Freund über ihn.
    "Am 14. März, nachmittags ein Viertel vor drei, hat der größte lebende Denker aufgehört zu denken. Kaum zwei Minuten allein gelassen, fanden wir ihn beim Eintreten in seinem Sessel ruhig entschlummert – aber für immer. Was das streitbare europäische und amerikanische Proletariat, was die historische Wissenschaft an diesem Mann verloren haben, das ist gar nicht zu ermessen. Bald genug wird sich die Lücke fühlbar machen, die der Tod dieses Gewaltigen gerissen hat. Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwick-lungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen ver-deckte einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt. Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalis-tischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entde-ckung des Mehrwerts war hier plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen, sowohl der bürgerlichen Ökonomen wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten. Zwei solche Entdeckungen sollten für ein Leben genügen. Glücklich schon der, dem es vergönnt ist, nur eine solche zu machen. Aber auf jedem einzelnen Gebiet, das Marx der Untersuchung unter-warf, und dieser Gebiete waren sehr viele und keines hat er bloß flüchtig berührt – auf jedem, selbst auf dem der Mathematik, hat er selbständige Entdeckungen gemacht. So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Die Wissenschaft war für Marx eine geschichtlich bewegende, eine revolutionäre Kraft. So reine Freude er ha-ben konnte an einer neuen Entdeckung in irgendeiner theoretischen Wissenschaft, deren praktische Anwendung vielleicht noch gar nicht abzusehen – eine ganz andere Freude empfand er, wenn es sich um eine Entdeckung handelte, die sofort revolutionär eingriff in die Industrie, in die geschichtliche Entwicklung überhaupt. So hat er die Entwicklung der Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität und zuletzt noch die von Marc Deprez genau verfolgt. Denn Marx war vor allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewusstsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisse, das Bewusstsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte – das war sein wirklicher Lebensberuf. Der Kampf war sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähigkeit, einem Erfolg wie wenige. Erste „Rheinische Zeitung“ 1842, Pariser „Vorwärts!“9 1844, „Brüsseler Deutsche Zeitung“ 1847, „Neue Rheinische Zeitung“ 1848/49, „New-York Tribune“ 1852–1861 – dazu Kampfbroschüren die Menge, Arbeit in Vereinen in Paris, Brüssel und London, bis endlich die große Internationale Arbeiterassoziation als Krönung des Ganzen entstand – wahrlich, das war wieder ein Resultat, worauf sein Urheber stolz sein konnte, hätte er sonst auch nichts geleistet. Und deswegen war Marx der bestgehasste und bestverleumdete Mann seiner Zeit. Regierungen, ab-solute wie republikanische, wiesen ihn aus, Bourgeois, konservative wie extrem-demokratische, lo-gen ihm um die Wette Verlästerungen nach. Er schob das alles beiseite wie Spinnweb, achtete dessen nicht, antwortete nur, wenn äußerster Zwang da war. Und er ist gestorben, verehrt, geliebt, betrauert von Millionen revolutionärer Mitarbeiter, die von den sibirischen Bergwerken an über ganz Europa und Amerika bis Kalifornien hin wohnen, und ich kann es kühn sagen: Er mochte noch manchen Gegner haben, aber kaum noch einen persönlichen Feind. Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk!"

  • #1

    Propapanda (Mittwoch, 28 August 2019 03:18)

    Ein hoch interessanter Text!