https://journal-neo.org/2019/06/06/europe-has-no-freedom-but-to-choose-freedom-gas/

 

Europa hat nur eine Freiheit: Sich für das „Freedom Gas“ zu entscheiden

 

von Tony Cartalucci, 06.06.2019

 

 

Das US-Energieministerium (DOE) hat vor kurzem die Flüssigerdgas-Exporte (LNG) in „Freedom Gas“ umbenannt. Aber welche Freiheit für wen? Für Europa, das bereits eine billige und verlässliche Quelle für Erdgas hat? Aber das dazu gezwungen wird, das teurere US-Gas unter Sanktionszwang zu kaufen? Sicher nicht.

 

Oder Freiheit für Russland, das Europa mit einem großen Teil seines Erdgases in einem offen und fairen Konkurrenzkampf mit den Vereinigten Staaten beliefert? Wohl nicht.

 

Oder geht es um die Freiheit der USA vor Konkurrenz? Ja, das ist es.

 

Es ist oft die widersprüchliche Bezeichnung, die verschiedenen Kapitel der US-Unrechtssprechung im Inland (z.B. unter dem drakonischen „Patriot Act“) und im Ausland vorausgeht, wie etwa die illegale Invasion und Besetzung des Irak unter dem zweifelhaften Namen „Operation Iraqi Freedom“.

 

Nicht vom Postillon

 

Die US-Kampagnen mit den Wortschöpfungen „Freedom“ sind so in Verruf geraten, dass nur wenige geglaubt haben, dass die USA ihre Erdgas-Exporte ernsthaft als „Freedom Gas“ bezeichnen. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Schlagzeile des Satire-Blogs Postillon, sondern sie stammt vom DOE selbst.

 

In einem Artikel der offiziellen Webseite des DOE unter dem Titel „Department of Energy genehmigt zusätzliche LNG-Exporte vom Freeport LNG“ äußert das Energieministerium:

 

"Die Erhöhung der Exportkapazität aus dem Freeport LNG-Projekt ist entscheidend für die Verbreitung von Freedom Gas in der ganzen Welt, indem den amerikanischen Verbündeten eine vielfältige und erschwingliche Quelle für saubere Energie zur Verfügung steht. Darüber hinaus bedeuten mehr Exporte von US-LNG in die Welt mehr US-Arbeitsplätze und mehr inländisches Wirtschaftswachstum und sauberere Luft hier zu Hause und auf der ganzen Welt", sagte US-Energieminister Mark W. Menezes, der diese Genehmigung auf dem Clean Energy Ministertreffen in Vancouver, Kanada, hervorhob. "Es besteht kein Zweifel, dass die heutige Ankündigung das Engagement dieser Regierung zur Förderung von Energiesicherheit und -vielfalt weltweit fördert."
https://www.energy.gov/articles/department-energy-authorizes-additional-lng-exports-freeport-lng

 

Abgesehen von dem fast komischen Bezug auf "Freiheitsgas" besagt die Behauptungen der DOE, "den Verbündeten Amerikas eine vielfältige und erschwingliche Quelle sauberer Energie zu geben", noch etwas anderes.

Dies steht in direktem Zusammenhang mit Europa und den derzeitigen Importen russischen Gases nach Europa. Russisches Gas, das über Pipelines nach Europa geliefert wird, wird immer billiger sein als verflüssigtes Erdgas aus den USA, das auf dem Seeweg nach Europa transportiert wird. Das heißt, es sei denn, die USA können diese Kosten durch die Androhung von Sanktionen nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die eigenen Verbündeten Washingtons in Europa über den Preis der US-Exporte hinaus erhöhen.

Ein Artikel in Foreign Policy wie "Der U.S. Senat droht mit Sanktionen wegen der russischen Pipeline" machen deutlich, wie weit die USA auf diesem Weg sind.

https://foreignpolicy.com/2019/05/13/us-senate-threatens-sanctions-over-russian-pipeline-nord-stream-two-geopolitics-energy-germany-europe-gazprom/

Der Artikel behauptet:


„Im jüngsten Aufwärtstrend der transatlantischen Spannungen könnten europäische Schiffe, die am Bau einer umstrittenen Gaspipeline von Russland nach Deutschland beteiligt sind, im Rahmen eines neuen parteiübergreifenden Gesetzes, das bereits am Montag im US-Senat eingeführt wird, mit US-Sanktionen belegt werden.“

 

Foreign Policy behauptet auch:

 
„Die Trump-Administration hat Deutschland dafür getadelt, dass es mit dem Projekt weitermacht, eines der jüngsten Themen, die die transatlantischen Beziehungen neben dem Iran, dem Klimawandel und dem Handel belasten. Im vergangenen Juli beschuldigte US-Präsident Donald Trump Berlin, von Russland wegen seiner Energieabhängigkeit von Moskau "gefangen gehalten" zu werden, was von deutschen Beamten scharf zurückgewiesen wurde.“

 

So wird Deutschland nicht nur für seine eigenen Entscheidungen über die deutsche Wirtschafts- und Außenpolitik "getadelt", sondern es wird mit Sanktionen der USA gedroht, weil es sich nicht an die Vorgaben der USA hält. Das LNG, das die USA Nationen wie Deutschland gegen deren Willen zum Kauf aufzwingen wollen, als "Freiheitsgas" zu bezeichnen, das ist eine vorsätzliche Beleidigung, die zu den wirtschaftlichen Schäden hinzugefügt wird, die Washington bereits zu verursachen versucht.

 
"Freedom Gas" ist ein nebulöser Begriff für Diktatur

 
Ende letzten Jahres verabschiedete das US-Repräsentantenhaus die Resolution 1035:

"Widerstand gegen die Fertigstellung von Nord Stream II".


Mit der Annahme dieser Resolution maßen sich die Vereinigten Staaten an, ganz Europa zu diktieren, mit wem sie Geschäfte machen können und mit wem nicht. Und obwohl die Entschließung nicht verbindlich war, bezog sie sich auf Sanktionen, die jetzt bereits in Kraft gesetzt wurden.
Es war klar, dass die Sprache der Resolution in Bezug auf "europäische Energiesicherheit durch Diversifizierung der Versorgung" einfach bedeutete, dass Washington versuchen wird, Europa zu zwingen, statt russischem Gas US-Gas zu kaufen.

Der Gedanke, dass Washington Entschließungen verabschiedet, die sich in erster Linie auf "europäische Energiesicherheit" konzentrieren, ist ein vollständiger Frontalangriff auf die europäische Souveränität und "Freiheit". Nun, da die Absichten der Entschließung in Politik umgesetzt werden – einschließlich Sanktionen gegen europäische Unternehmen – ist sie auch zu einem wirtschaftlichen Angriff auf Europa geworden.

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die USA mehr als nur Sanktionen anwenden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Gasexporte zu gewährleisten. Sie muss sich auch zu mehreren Konflikten verpflichten, die die Lieferung russischen Gases behindern – wie etwa in der Ukraine, wo seit fünf Jahren ein bewaffneter Konflikt tobt und Pipelines bedroht, die russisches Gas nach Europa liefern.

 

Die USA stellen Russland als Bedrohung für die europäische Sicherheit und Stabilität dar – trotz der Tatsache, dass Europa selbst freiwillig und gemeinsam die Infrastruktur entwickelt hat, um russisches Gas nach Europa zu bringen und gemeinsam von diesen Importen zu profitieren. So verbreiten die USA kindische Spielereien wie "Freedom Gas" als Nebelkerze dafür, dass Washington – und nicht Moskau – die größte Bedrohung für die europäische Sicherheit, Stabilität und sogar den Wohlstand darstellt.

 

Washingtons Methoden zur Bekämpfung russischer Energie oder der chinesischen Telekommunikationstechnologie haben die USA als unzuverlässigen Verbündeten, als unzuverlässigen Geschäftspartner offenbart, der nicht die Mittel hat, um auf einem freien und fairen globalen Markt zu konkurrieren. Ihre Taktik des „Zwang vor Wettbewerb“ – wenn sie erfolgreich ist – wird die Welt mit minderwertigen Alternativen zurücklassen, die den Nationen zu erpressten Preisen aufgezwungen werden. Die Welt steht vor der Wahl zwischen "Freiheitsgas" und der tatsächlichen Freiheit zu entscheiden, was sie kauft und von wem sie es kauft – eine der grundlegendsten Freiheiten überhaupt und eine Freiheit, die Washington versucht, der Welt vorzuenthalten.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Klaus-Peter Kostag (Sonntag, 09 Juni 2019 06:24)

    Derzeit finanziert China schier überreichlich Erdgas-Verflüssigungsanlagen in Russland . . .
    Mehr soll ich nicht sagen meinte der GRU-Chef, mein Chef.

  • #2

    BL (Samstag, 08 Juni 2019 12:38)

    Wir leben in einer Zeit, in der ganz offen und unter Androhung von Repressalien, gerufen wird,
    KAUFT NICHT BEIM RUSSEN!!!
    Ich möchte mich übergeben...

  • #1

    Skylla (Samstag, 08 Juni 2019 09:29)

    Mehr als 50 Prozent der deutschen Wirtschaft gehören ohnehin US- Konzernen. Aber hier geht es um viel mehr.

    Wir wir heute wissen, erschöpft sich die Förderleistung von Frackinggas nach 2 Jahren um mehr als die Hälfte. Das Geld, welches in den USA per Fracking verdient wird, stammt daher vielmehr aus den Spekulationsgewinnen, die sich rund um diese Ressource anhäufen. Aber eben nicht für mehr als vielleicht 10-15 Jahre, dann ist der Spuk so schnell vorbei, wie er begonnen hat.

    Wir brauchen in Europa aber auch in 20, 30 Jahren noch Erdgas. Bis dahin wird Russland sich komplett dem Osten zugewandt haben, da die Europäer, allen voran Deutschland, dann nicht länger als vertrauenswürdige Geschäftspartner in Energiefragen gelten. Und dann stehen wir da.