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Ein Abschiedsgruß... vorläufig

 

von Michael Krieger, 09.07.2020

 

 

Denke, welch' ein winziges Stück des ganzen Weltwesens du bist,

 

wie klein und verschwindend der Punkt in der ganzen Ewigkeit, auf den du gestellt bist,

 

und Dein Schicksal – welch ein Bruchteil des gesamten!

 

--- Mark Aurel, Meditationen

 

 

 

Die letzten zehn Jahre habe ich die meiste Zeit meiner wachen Stunden damit verbracht, zu lernen, wie die Systeme, unter denen wir leben, funktionieren und wie Reichtum und Macht in den USA und auch global operieren und sich konsolidieren. Ich habe eine Menge gelernt und ich habe eine Menge weitergegeben. Könnte ich zurückgehen und es nochmal machen, ich würd's tun.

 

Diese ganze Zeit und Energie fürs Schreiben und mein Engagement zu den großen Themen unserer Zeit habe ich aus zwei Hauptgründen gewidmet. Erstens spürte ich, dass es eine Gelegenheit gäbe, das Schiff herumzureißen und das System zu reformieren, um unnötiges, weit verbreitetes Leid und Aufruhr zu vermeiden. Denn das erschien mir sicher, bedenkt man den zerstörerischen Kurs, den unsere herrschende Klasse stur weiterfahren wollte. Zweitens hat mir mein Jahrzehnt an der Wall Street einige wertvolle Innenansichten über das innere Treiben des Finanz-Feudalismus beschert https://libertyblitzkrieg.com/2020/02/18/financial-feudalism/ und wie der bestimmte Segmente der Bevölkerung systematisch und absichtlich bereichert, während die Massen mittels permanenter Ausgabe von gigantischen Schulden versklavt werden, gepaart mit wiederkehrenden Rettungsschirmen der Zentralbank für die Klasse der Gläubiger und der Finanzspekulanten. Als ich zu Schreiben begann, wurde das im Allgemeinen nicht erkannt, daher wurde es für mich ein persönliches Anliegen, so viele Menschen wie möglich zu informieren.

 

Ein ganzes Jahrzehnt lang schrieb ich unablässig über die Oligarchie, das Imperium, die endlosen Kriege, das Abschleifen der bürgerlichen Freiheiten, die Kriminalität der Wall Street, die ungebändigte Macht der Zentralbank und vieles mehr. Ich stellte mir vor, wenn genug Menschen verstünden wie echte Macht funktioniert, dann könnten wir ihre Schädlichkeit eingrenzen. Manchmal lag ich richtig, manchmal lag ich falsch, aber ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe, und die Mission allgemein. Aber die traurige Wahrheit ist, dass es nicht die Wirkung hatte, die ich erhofft hatte. Obwohl ich dabei sicher Menschen geholfen und inspiriert habe, so ist die Situation im Ganzen, in der wir uns heute befinden, sogar noch instabiler und gefährlicher als vor einem Jahrzehnt.

 

Trotz flüchtiger Momente der Erkenntnis, als eine große Anzahl begriff, wie die herrschende Klasse in Wahrheit herrscht, wurden solche Wellen aus inspirierter Energie von den Massenmedien, unehrlichen Experten und anderen zumeist schnell umdefiniert und in eine andere Richtung gelenkt, hin zum üblichen rot/schwarzen, künstlich fabrizierten politischen Geplänkel, das sich generell rund um den „Kulturkrieg“ dreht. Die imperiale Oligarchie will, dass wir uns gegenseitig wegen Rasse, Herkunft, Abtreibung, Gender-Toiletten, den Namen von Sportvereinen und 200 Jahre alten Denkmälern bekriegen, oder anderen ähnlichen Fragen, über die sich die Oligarchie nicht wirklich kümmert.

 

So lange wir uns wegen diesem Zeug bekriegen, anstatt uns auf ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Kriminalität zu konzentrieren, so lange gewinnen sie. In den letzten zehn Jahren habe ich diese Dinge unzählige Male erlebt, und die allgemeine Öffentlichkeit fällt immer darauf herein. Wenn die Massenmedien ablenken wollen oder ein lächerliches Narrativ in das Zentrum der Aufmerksamkeit stellen wollen, so ist das eine leichte Übung, wenn es nur den Hysterie-Schalter des Kulturkriegs auslöst, der bei so Vielen quer über das ideologische Spektrum vorhanden ist

 

Jetzt wo ich erlebt habe, wie sich das erste Halbjahr 2020 entwickelt hat, habe ich endlich genug gesehen. Ich bin zu dem Schluss gekommen und habe eingesehen, dass die allgemeine Öffentlichkeit einfach nicht bereit oder unfähig ist, die unbedeutenden Differenzen beiseite zu legen, sich zu vereinen und die herrschende Klasse zu den echten großen Themen der Zeit wirksam herauszufordern. Wenn es in diesem Jahr nicht geschieht, wird es nie geschehen – oder genauer gesagt, die Zeit ist zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich abgelaufen, dass sich die Basisbewegungen zusammenschließen und diese dekadente und destruktive Weltanschauung zu einem grundlegenden Wandel zwingen. Vielmehr scheint es viel wahrscheinlicher zu sein, dass das soziale und wirtschaftliche Gefüge, in dem wir leben, einfach unter der Last seiner eigenen Korruption, Verderbtheit, Gewalt und soziopathischen Gier zusammenbricht, bevor "das Volk" auf nationaler Ebene etwas besonders Produktives tut.

Insofern hat es sich als sinnlos erwiesen, weiterhin Artikel darüber zu schreiben, was geschieht und wie Macht, Imperium und Oligarchie funktionieren. Ich habe das Gefühl, dass ich fast alles gesagt habe, was ich zu diesen Themen sagen wollte, und ich würde mich nur wiederholen, wenn ich weitermachen würde. Ich bin einfach nicht inspiriert, mich weiterhin auf die gleiche Art und Weise zu engagieren und Inhalte zu schaffen, also werde ich es nicht tun.

In den letzten zehn Jahren des öffentlichen Schreibens habe ich viele Veränderungen erlebt, sowohl in meiner Sicht auf die Welt als auch in meinen persönlichen Lebensumständen. Als meine per E-Mail verschickten Notizen Anfang 2010 zum ersten Mal auf Zerohedge erschienen, noch bevor ich überhaupt einen Blog hatte, war ich noch ledig und lebte in New York City. Jetzt bin ich verheiratet, habe drei Kinder und lebe in Colorado. Vor zehn Jahren hatte ich mich in meinem Leben vielleicht um eine Tomatenpflanze gekümmert, doch heutzutage verbringe ich mehrere Stunden pro Tag in unserem Garten und lerne, wie man Nahrungsmittel anbaut. Die Dinge, für die ich mich begeistere und die ich am meisten liebe, sind heute andere als früher, und meine Arbeit muss diesen Wandel widerspiegeln.

In Zukunft möchte ich mit den Lesern auf eine andere Art und Weise interagieren als bisher. Ich möchte mehr Philosophie in meinem Leben und weniger Empörung. Ich möchte, dass meine Worte und meine Botschaft inspirieren und nicht entmutigen. Ich möchte angesichts von Unsicherheit und Verrücktheit Widerstandskraft und Weisheit fördern. Ich möchte mich zunehmend auf die Dinge konzentrieren, die ich liebe und die ich kontrollieren kann, und nicht auf die Dinge, die ich verachte und nicht leicht beeinflussen kann.

 

Liberty Blitzkrieg war ein wichtiger Teil meines Lebens und ein nützliches Medium, aber jetzt ist es Zeit für eine andere Leinwand. Seit einigen Jahren habe ich die Idee, eine neue Website mit einer anderen Art von Mission und Perspektive zu starten, und es fühlt sich endlich wie der richtige Zeitpunkt an, um einzutauchen. Daher werde ich mir die nächsten Monate vom Schreiben freinehmen, während ich einige Projekte im Haus durchführe und darüber nachdenke, wie ich genau vorgehen möchte.

Ich weiß, dass es eine neue Website geben wird und dass mein Schreiben in eine umfassendere Richtung gehen wird. In der Zwischenzeit werde ich weiterhin auf Twitter in der gewohnten Weise aktiv sein (@LibertyBlitz) und alle möglichen Themen kommentieren, und wenn ich aus irgendeinem Grund besonders inspiriert bin, in der Zwischenzeit einen Beitrag zu veröffentlichen, werde ich nicht zögern, aus dem Winterschlaf zurückzukehren. Ich werde weiterhin meinen wöchentlichen "Liberty Links"-Post zusammenstellen und an diejenigen verteilen, die meine Arbeit während des Übergangs unterstützen. Liberty Blitzkrieg und alle seine Beiträge werden online bleiben und als Ressource für diejenigen zur Verfügung stehen, die daran interessiert sind oder in Zukunft neugierig werden könnten.

Ich danke euch, dass Ihr bisher auf dieser Reise mitgekommen seid, und ich freue mich darauf, auf der anderen Seite wieder Kontakt aufzunehmen.

Michael Krieger

 

 

Kommentare: 1
  • #1

    Klaus-Peter Kostag (Sonntag, 12 Juli 2020 11:32)

    Danke, Mr. Krieger für Ihre Artikel. Dass eine Pause, Meditation, sich beim Danach sehr förderlich erweist, zeigen Kreative immer wieder erneut. Nur sollten Sie Ihren Gartenarbeitsplatz in Colorado besser gegen einen in der Nähe von Moskau tauschen. Dort wären Ihre Chancen auf ein langes, gesundes Leben sehr viel höher , größer.
    Ihr großes Land hatte 2001 einen Militärpolitiks-Vertrag (ABM) gekündigt und wird auch in Kürze den INF-Vertrag nicht mehr verlängern. Russlands Waffensysteme wurden, dem Rechnung tragend, entsprechend weiterentwickelt. Noch wichtiger aber, Russlands Raketen-Abwehr ist vom Konzept her weder durch einen einzelnen Angreifer, noch ein ganzes System überwindbar. Und deswegen wird in einem zwingend kommenden nuklearen Krieg ein kommender nuklearer Winter unwahrscheinlich. Alle gegnerischen Raketen werden nicht mal bis in die Nähe Russlands gelangen und bereits in den diversen Flugbahnen nach dorthin entweder bereits folgenlos zerstört werden oder tatsächlich in großer Höhe harmloser als auf Erden zerbersten. Russische präventive Zuvorkomm-Angriffe (Notwehr) werden laut der neuen russischen Militär-Nukleardoktrin bei erkennbarer Bedrohungslage voraussichtlich den Schlagabtausch einleiten. Ein zwingend notwendig logisches Verhalten nach den Vertrags-Kündigungen. In der Perspektive werden sowohl NATO-Nordamerika/Kanada und NATO-Europa unbewohnbar sein. Die russischen Waffensystems-Abkömmlinge, Ausführende des Notwehr Präventivschlages fliegen nicht, sie tauchen größtenteils. Und die die tatsächlich per unabwehrbarer, unaufhaltsamer Hyperschallgeschwindigkeit anrauschen, sind dann nur noch Auskehrer. Und Ihr großes Land wird feststellen, dass seine ABM-Vertrags-Aufkündigung von 2001, strategisch gesehen, ein richtig großer Wurf geworden sei: Allerdings für die kleine Regionalmacht Russland. Auf dass sie künftig geschützter gedeihe.

    Deswegen: In Russland nahe Moskau eine Datscha und viel beackerbares Land zu erwerben würde Ihrer und der Gesundheit Ihrer Familie sehr zuträglich sein. Strategisch gesehen wohl ungleich zuträglicher als im ungeschützten Colorado.