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Die unfreie Weltordnung

 

von Michael Krieger, 25.11.2019

 

 

Von weit oben gesehen besteht die größte Kluft in der amerikanischen Politik zwischen jenen, die sich die Realität eingestehen und jenen, die an der unehrlichen Wahrnehmung einer Vergangenheit festhalten, die eigentlich nie existiert hat. Witzigerweise gehören jene, die immerzu das Wort „post-faktisch“ benutzen um unsere Gegenwart zu beschreiben, zu denen mit der verzerrtesten Sicht auf das, was wirklich während der Herrschaft unter Clinton/Bush/Obama geschah.

 

Trotz einer riesigen Zahl an Beweisen für das Gegenteil waschen solche Menschen die Jahrzehnte vor Trump weiß, und verkehren sie in ein Musterbeispiel an menschlicher Freiheit, Gerechtigkeit und wirtschaftlichem Wunder. Man muss nicht weiter nachforschen um zu verstehen, dass die Resistance-Liberalen jetzt eigentlich Konservative sind, die in der Nostalgie jener Zeit schwelgen, bevor eine beträchtliche Anzahl von Menschen kapiert hat, was wirklich passiert ist.

 

Sie wollen die überparteiliche Vertuschung der Verwicklung Saudi Arabiens bei 9/11 vergessen, all die auf Lügen basierenden Kriege, und die unzweifelhaften Verbrechen des Imperiums, die WikiLeaks, Snowden und andere aufgedeckt haben. Sie wollen so tun als wären die Gauner von der Wall Street nicht gerettet und vom Doppelteam Bush/Obama nicht sogar mächtiger gemacht worden, trotz der offensichtlichen ideologischen Differenzen zwischen den beiden. Sie wollen auch vergessen, dass Epstein keinen Selbstmord begangen hat.

 

 

Sich selbst über die Vergangenheit zu belügen, ist eines der gefährlichsten Dinge die man tun kann. Wenn man nicht akzeptieren kann wo man war, und dass die Wahl Trumps ein Symptom für die Jahrzehnte aus Verkommenheit war und so tut als wäre das der Anfang einer gefährlichen neuen Welt, dann wird man nie zu einer sinnvollen Schlussfolgerung kommen. Und so besteht der bedeutungsvollste Bruch in der amerikanischen Gesellschaft heute zwischen denen, die akzeptiert haben, dass wir seit sehr langer Zeit belogen werden und jenen, die glauben, dass vor Trump alles Bestens war. Für eine produktive Diskussion zwischen solchen Gruppen gibt es keinen echten Platz, denn die eine Gruppe will einfach den Orangenen Mann loswerden, während die andere sich darauf konzentriert, was kommen wird. Die eine Seite glaubt tatsächlich, dass es in der jüngeren Vergangenheit eine liberale Weltordnung gab, während die andere im Grunde erkennt, dass dies zum Großteil Propaganda war, die auf Märchen beruht.

 

Was immer man auch von Bernie Sanders und seiner Politik hält, so kann man wenigstens die Tatsache anerkennen, dass seine Unterstützer sich auf Politik und echte Themen konzentrieren. Im Gegensatz dazu wollen die Widerstands-Liberalen nur irgendjemanden hervorzaubern, von dem sie glauben, er könnte uns zurück in die Scheinwelt der jüngeren Vergangenheit bringen. Das ist eigentlich der ganze Unterschied. Es ist der Unterschied zwischen Menschen, die wenigstens den Status quo ablehnen und denen, die die Geschichte zurückdrehen und eine Neuauflage der vergangenen 40 Jahre haben wollen.

 

Ein bedeutungsvolles Verständnis, das Populisten über das ideologische Spektrum hinweg vereint, ist die grundlegende Annahme, dass der Status quo schädlich und nicht wiederherstellbar ist, während sich die Status quo-fördernde Opposition auf den Menschen Trump konzentriert, während sie praktischerweise seine schlimmste Politik ignorieren, weil die im Wesentlichen nur eine Fortsetzung von Clinton/Bush/Obama ist. Es ist die kurzsichtigste und destruktivste Antwort auf Trump, die man sich vorstellen kann. Es ist auch der Grund, warum das Bündnis der Trump-Ära aus korporativen, imperialistischen Demokraten und rechtsgerichteten Neokonservativen der Bush-Ära vollkommen sinnvoll ist, so verdreht und geistesgestört es auch erscheinen mag. Mit einigen kleinen Unterschieden teilen diese Menschen die Sehnsucht nach dem Gleichen.

Ein solches politisches Umfeld ist extrem ungesund, weil es absichtlich und mit enormem Druck jeden dazu zwingt, sich mit allem was man hat zwischen einer Absetzung Trumps oder seiner Unterstützung zu entscheiden. Dieser Anti-Intellektualismus fördert auf allen Seiten ein „der Zweck heiligt die Mittel“. Mit anderen Worten: es verwandelt immer mehr Menschen in Nashörner.

 

Rhinoceros, das Meisterwerk von Eugène Ionesco, handelt von einer mitteleuropäischen Stadt, in der sich die Bürger einer nach dem anderen in Nashörner verwandeln. Einmal verändert, tun sie das, was Nashörner tun, das heißt, durch die Stadt ziehen und alles zu zerstören, was ihnen im Weg ist. Die Menschen sind anfangs etwas verwirrt, was es damit auf sich hat, dass ihre Mitbürger sich geradezu aus heiterem Himmel in wütende Nashörner verwandeln, aber selbst diese leichte Verwirrung verblasst schnell. Bald ist es nur noch das neue Normal. Bald ist es einfach so, wie die Dinge sind.... eine gute Sache, sogar. Nur ein Mann widersteht dem Sirenenruf des Nashorns, und diese Wahl bringt nichts als Schmerz und existentielle Zweifel, da er völlig.... zutiefst.... allein ist.
– Ben Hunt, The Long Now, Pt.2 – Make, Protect, Teach

 

Ein politisches Umfeld, in dem man gezwungen ist, zwischen den Polen „wir müssen unbedingt Trump entfernen“ und „hurra – MAGA!“ zu wählen, das ist eine Maschine, die Nashörner generiert. Das einzige was passiert, wenn man sein inneres Nashorn dazu einsetzt, Nashörner zu besiegen: man bekommt mehr Nashörner. Und genau das geschieht jetzt.

 

Die Wahrheit ist, dass die USA in der Praxis eine intolerante Demokratie sind, trotz verschiedener anderslautender Märchen.

 

Eine intolerante Demokratie, auch Teildemokratie, Demokratie niedriger Intensität, leere Demokratie, hybrides Regime oder gelenkte Demokratie genannt, ist ein Regierungssystem, in dem zwar Wahlen stattfinden, die Bürger aber aufgrund des Fehlens von Bürgerrechten vom Wissen über die Aktivitäten derjenigen abgeschnitten sind, die echte Macht ausüben; es handelt sich also nicht um eine "offene Gesellschaft". Es gibt viele Länder, "die weder als "frei" noch als "nicht frei", sondern als "wahrscheinlich frei" eingestuft werden und irgendwo zwischen demokratischen und nichtdemokratischen Regimen stehen". Dies kann daran liegen, dass es eine Verfassung gibt, die die Regierungsbefugnisse einschränkt, aber die Machthaber diese Freiheiten ignorieren, oder daran, dass es keinen angemessenen verfassungsrechtlichen Rahmen für Freiheiten gibt.


Das ist überhaupt nichts Neues, aber es wird von Tag zu Tag schlimmer. Auch wenn viele von uns es nicht wahrhaben wollen: Die amerikanische Antwort auf verschiedene Krisen des 21. Jahrhunderts war völlig unfrei. So verheerend sie auch waren, die Angriffe am 11. September 2001 haben begrenzten Schaden angerichtet, verglichen mit der Zerstörung, die durch unsere irren Antworten angerichtet worden sind. Ebenso verblasst jeder direkte Schaden, der durch die Wahl und die Politik Trumps angerichtet wurde, vor jenem Schaden, der durch den von den Geheimdiensten angeführtem „Widerstand“ verursacht wird.

@LibertyBlitz:

Der „liberale Widerstand“ seit 2016:

 - Pussy hats

 - Russiagate flop

  - Lasst uns die Tech-Giganten bitten, Meinungen zu zensieren, die uns nicht gefallen

Ein Hoch auf die permanente, nicht gewählte Regierung. Sie sind so klug!

 

Aussichtslos.

 

 

 

Sind wir also jetzt alle Nashörner?

 

Das müssen wir nicht sein. Die Verwandlung in ein Nashorn ist leicht, wenn man nicht weiß, was passiert, und man nicht auf Prinzipien ruht, aber letztendlich ist es eine Entscheidung. Die Entscheidung, die Ethik aufzugeben und Unehrlichkeit zu akzeptieren, um politische Ziele zu erreichen, ist immer eine Wahl. Daher besteht die größte Herausforderung, vor der wir jetzt und in den kommenden chaotischen Jahren stehen, darin, besser zu werden, wenn andere schlechter werden. Eine neue Welt ist zweifellos am Horizont, aber wir wissen noch nicht, welche Art von Welt es sein wird. Es wird entweder eine große Verbesserung sein, oder es wird in die andere Richtung gehen, aber eine Sache ist sicher – es kann nicht viel länger so bleiben wie es ist.

 

Wenn wir die Philosophie annehmen, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt, wird es für eine Generation lang das Ende sein. Der Moment, in dem du diese Taktik akzeptierst, ist der Moment, in dem du dich auf die Ebene deiner Gegner begibst und genau wie sie wirst. Dann werden Tyrannen leichtes Spiel haben, bei dem plötzlich alles möglich und keine Tat unvorstellbar wird. Es ist schon oft passiert und es kann wieder passieren. Das passiert, wenn alle zu Nashörnern werden.

 

 

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- Michael Krieger

 

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