https://www.strategic-culture.org/news/2019/05/17/the-dead-dont-die-they-march-to-war/

 

Die Toten sterben nicht – sie ziehen in den Krieg

 

von Pepe Escobar, 17.05.2019

 

 

Die Hysterie ist auf ihrem Höhepunkt. So wie im neuen Jim Jarmusch-Film „The Dead Don't Die“ organisieren die Rückkehrer der lebenden Neokon-Leichen in einer trashigen Wiederholung einen Zombie-Aufmarsch, wie in einer Neuauflage vor dem Shock and Awe von 2003.

 

 

Doch niemand in den kriegsbegeisterten US-Konzernmedien spricht über die billiardenschwere Derivate-Krise, die die Weltwirtschaft niederbrennen wird, falls es zu einem Angriff auf den Iran kommt (ich habe das hier angesprochen: https://consortiumnews.com/2019/04/24/pepe-escobar-war-on-iran-calling-americas-bluff/

 

Eine Blockade der Straße von Hormuz wird den globalen Derivate-Markt mit seinen 2,5 Billiarden (das sind 2.500.000 Millionen) zu Fall bringen und die Ökonomien aller westlichen Nationen weitgehend auslöschen.

 

Niemand spricht von dem massiven Arsenal iranischer Antischiffsraketen, sowie den ballistischen und Cruise Missile-Raketen, die sich teilweise in sichtbaren Positionen für US-Satelliten und Drohnen befinden und entlang der ganzen Nordküste des Persischen Golfs stationiert sind. Dazu gehört auch die russische SS-NX-26 Yakhont, die Mach 2.9 erreicht. Iranische – sowie russische und chinesische Anti-Schiffs-Raketen können die gesamte US Flugzeugträger Task Force ausschalten, bevor ihre Flugzeuge überhaupt in Reichweite sind.

 

Niemand spricht davon, dass die USA mindestens sechs Monate brauchen würden, um eine ordentliche Kampfarmee in Südwestasien zu stationieren; das Pentagon-Szenario eines möglichen 120.000 Mann starken Truppeneinsatzes kann das überhaupt nicht liefern.

Und niemand spricht davon, dass Teheran auch unter "maximalem Druck" nicht zusammenbrechen wird.

Saudische Tanker werden "sabotiert" – und der Iran wird sofort beschuldigt, ohne Beweise. Ein britischer Bürokrat sagt, dass der Krieg "zufällig" ausbrechen kann. Konsul Pompeus Minimus erschreckt europäische Pudel, um den Iran zu isolieren.

Und niemand spricht bei seinem Blitz-Besuch in Bagdad über Pompeos eigentliches Ziel: Gangstertaktiken anzuwenden. Verhandelt nicht um Teheran – oder sonst... Kauft "unsere" Make America Great Again (MAGA) Energie, nicht die des Iran. Entledigt euch der People Mobilization Units (PMU) (die Volksmobilmachungskräfte im Irak) – sonst...

https://www.reuters.com/article/us-usa-iran-iraq/u-s-pressures-baghdad-over-iran-backed-militias-idUSKCN1SL0F6

Bringt mich zum Himmel der Falschen Flagge

Der Deal zwischen der heiligen Triade – den US-Neokons, den Ziokons und Bibi Netanyahu – besteht darin, dass eine Falsche Flagge, jede Falsche Flagge, Teheran angelastet werden muss, was die Trump-Administration zwingt, die "regelbasierte Ordnung" zu schützen und zu verteidigen. Noch besser wäre, wenn eine noch ausgeklügeltere Falsche Flagge eine iranische Reaktion auslösen würde – und damit die Grundlage für einen Angriff bildet.

Trump hat zumindest damit Recht, dass es "verdammt viel mehr" Truppen als 120.000 braucht, um den Iran anzugreifen; eher eine Million Truppen. Man kann sie nirgendwo anlanden. Niemand – der Irak, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien, Türkei, Pakistan - würde die "Befreier" begrüßen.

In einem extrem heißen Szenario könnte Teheran sogar sofortigen Zugang zu Atomraketen auf dem Schwarzmarkt haben.

Das Fazit: Die neokonservative Drohung eines Krieges gegen den Iran ist ein Bluff.

 

Der iranische Konteradmiral Hossein Khanzad beschrieb es als einen "theatralischen" und "nutzlosen" Versuch, "den Schatten des Krieges zu vergrößern".

Der IRGC-Kommandant der Luftwaffe, Brigadegeneral Amir Ali Hajizade sagte den berühmten Satz: "Ein US-Schlachtschiff mit 6.000 Mann in der Nähe des Persischen Golfs mit 40-50 Jets an Bord war früher eine Bedrohung für uns. Heute ist es ein Ziel."

Teheran hat allen seinen Nachbarn, insbesondere dem Haus der Sauds und den Emiraten, eine unmissverständliche Botschaft übermittelt; Ihre gesamte Infrastruktur wird völlig zerstört werden, wenn die USA sie als Plattform für einen militärischen Feldzug nutzen.

Dann gibt es noch die sich entwickelnde Drohnen auf Pipelines-Saga. Die Houthis im Jemen zielten auf zwei Pumpstationen entlang der saudischen Ost-West-Pipeline, die Öl von der östlichen Provinz zum Roten Meer transportiert. Eine der Stationen fing Feuer. Die riesige strategische Pipeline – die es Riad ermöglicht, die Straße von Hormuz zu umgehen – hat eine enorme Kapazität und transportiert täglich 5 Millionen Barrel Öl. Der Betrieb musste eingestellt werden.

Ob dieser Drohnenangriff von der IRGC geleitet wurde, ob unabhängig oder gar als False Flag durchgeführt wurde, ist irrelevant; er gibt nur einen Vorgeschmack darauf, was im Falle eines heißen Krieges mit der gesamten regionalen Öl- und Gasinfrastruktur passieren könnte.

Gespräche mit alten Händlern am Persischen Golf sind recht aufschlussreich. Sie bescheinigen: "Wenn eine Pumpstation zerstört wird, dauert es zwei Jahre, bis ein Auftrag für eine neue Pumpe ausgeführt wird. Die Saudis behaupten, sie hätten Pumpen in Reserve. Wenn alle Pumpen in Saudi-Arabien zerstört würden, würde zwei Jahre lang kein Öl fließen. Das Hauptziel wäre Abqaiq. Wenn diese Verarbeitungsanlage zerstört wird, würden die Ölpreise in die Höhe schnellen."

 

Abqaiq, mit einer enormen Kapazität von 7 Millionen Barrel pro Tag, ist die primäre Ölaufbereitungsanlage für arabisches Extra-Light Crude und arabisches Light Crude.

 

Ausgehend davon, dass der Drohnenangriff keine False Flag war, waren die Händler am Persischen Golf von der Genauigkeit der Drohne aus diesen Entfernungen beeindruckt, um einen Präzisionsschlag zu erzielen. Dies würde bedeuten, dass Abqaiq selbst verwundbar ist. Und es gibt absolut nichts, was die Trump-Administration tun kann, um den Ölpreis davon abzuhalten, auf 200 Dollar pro Barrel zu steigen, nur weil Abqaiq ausgeschaltet wurde.

 

Außerdem spricht niemand über die Versicherungstarife. Wie die Händler am Persischen Golf versichern: Vito, Trafigura, Glencore und andere Betreiber keine zwei Millionen Barrel in einem Tanker für 70 $ pro Barrel kaufen, wenn es keine Versicherung gibt – die Preise werden in die Höhe steigen.

 

Im Grunde genommen reicht ein einziger Tanker, der mit seinen zwei Millionen Barrel im Persischen Golf versenkt wird, um die Straße von Hormuz dauerhaft zu schließen – und den gesamten Tankerverkehr für 22 Millionen Barrel pro Tag Rohöl zu unterbrechen, es sei denn, die Regierungen kommen, um die Tanker zu versichern, obwohl sie keine Möglichkeit haben, sie zu schützen.

 

Es geht um maximalen Widerstand.

 

Was will also der Oberste Führer Ayatollah Khamenei? Hier ist er, mit seinen eigenen Worten: "Es wird keinen Krieg geben. Die iranische Nation hat den Weg des Widerstands gewählt... "Wir suchen keinen Krieg, und sie auch nicht."

 

Darüber hinaus wird Teheran nicht mit Washington sprechen – nach Trumps "ruf mich an"-Ding – oder irgendeine Art von modifiziertem oder post-JCPOA-Nuklearabkommen unterschreiben. Khamenei; "[Solche] Verhandlungen sind ein Gift."

 

Hätte Präsident Trump jemals Mackinder gelesen – und es gibt keine Hinweise dafür – könnte man annehmen, dass er auf eine neue Anti-Eurasien-Integration abzielt, die sich auf den Persischen Golf konzentriert. Und Energie wäre das Herzstück der Achse.

 

Wenn Washington in der Lage wäre, alles zu kontrollieren, einschließlich des "Big Prize" Iran, könnte es alle asiatischen Volkswirtschaften, insbesondere China, dominieren. Trump sagte sogar, dass "Entscheidungen über das BSP Chinas in Washington getroffen werden", sollte das geschehen.

 

Unnötig hinzuzufügen, dass dies das Sahnehäubchen auf dem geopolitischen Kuchen wäre, um die Neuen Seidenstraßen oder die Belt and Road Initiative (BRI) endgültig zu destabilisieren. Den Entwicklungsplan für die Integration Eurasiens, dessen entscheidender Knotenpunkt der Iran ist.

 

Nun zu Präsident Putin, der über die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland nachdenkt: "Ich habe in Gesprächen mit (unseren) iranischen Partnern wiederholt gesagt, dass es meiner Meinung nach vernünftiger wäre, wenn der Iran in diesem Vertrag bleiben würde, egal was passiert. Denn sobald der Iran die ersten Schritte als Reaktion (auf den Ausstieg der USA aus dem JCPOA) unternimmt und erklärt, dass man sich zurückzieht, wird morgen jeder vergessen, dass die Vereinigten Staaten der Initiator der Zerstörung waren, und alles wird dem Iran angelastet werden".

 

Der wohl wichtigste (und unsichtbare) Aspekt der Treffen, die diese Woche zwischen den Außenministern Sergej Lawrow und Wang Yi und dann zwischen Lawrow und Pompeo stattfanden, ist, dass Moskau deutlich gemacht hat, dass der Iran im Falle eines amerikanischen Showdown von Russland geschützt wird. Pompeos Körpersprache zeigte, wie verunsichert er war.

 

Es wird viel zu besprechen sein, falls Putin und Trump sich nächsten Monat bei den G20 in Osaka treffen sollten. In der Zwischenzeit könnten die Toten sogar sterben, ohne in den Krieg zu ziehen.

 

Kommentare: 2
  • #2

    Opa Jürgen (Dienstag, 21 Mai 2019 20:06)

    Lieber Pepe( ich hoffe Sie gestatten einem etwas älteren Herren diese Anrede), ich hoffe und wünsche, das Sie Recht behalten. Dies vor allem unter diesem einzigen Gesichtspunkt, das unsere Kinder und Enkelchen weiterhin in Frieden aufwachsen können. Natürlich gilt das auch Jenen, die heute noch vor Kriegen und Terrorismus ihr Leben in Bunkern verbringen müssen oder im Feuerhagel sterben.

  • #1

    Klaus-Peter Kostag (Montag, 20 Mai 2019 16:16)

    Wahnsinnsartikel eines Strategen-Denkers. Kann mein Kommentar nur der Titel des Saker-Artikels zuvor sein:
    "Das AngloZionistische Imperium: Eine Hypermacht mit Erbsenhirnen und ohne Kredit"