https://consortiumnews.com/2018/09/25/the-battle-for-our-minds/

 

Es gibt Schlachtfelder in Syrien, in der Ukraine, im Jemen und anderswo. Aber wenn man den Zustand der Konzernmedien bedenkt, dann wird jetzt die vielleicht entscheidende Schlacht um unseren Verstand ausgefochten, sagt Patrick Lawrence.

 

Die Schlacht um unseren Verstand

 

von Patrick Lawrence, 25.09.2018

 

 

Nachdem ich den New York Times-Artikel "The Plot to Subvert an Election" („Der Plan zur Unterwanderung der Wahl“) gelesen hatte, legte ich die Zeitung mit einer einzigen Frage beiseite.

 

Warum sieht sich die NYT, dieses Leitmedium – nun ja, es war einmal ein Leitmedium – nach zwei Jahren Andeutungen, Anklagen und den Behauptungen, dies und jenes und sonstiges beweisen zu können, warum sieht sie sich genötigt, ein solches Stück zu veröffentlichen? Meine Antwort ist einfach: Die orthodoxe Darstellung eines Russiagate hat sich nicht durchgesetzt: Man hat es nicht geschafft, bei den Amerikanern eine übereinstimmende Gewissheit herzustellen. Meine Schlussfolgerung passt zu dieser Feststellung: Die orthodoxe Erzählung wird dieses Ziel nie erreichen. In dieser Geschichte sind zu viele Löcher.

 

Das Informationszeitalter ist eigentlich ein Medienzeitalter", sagte John Pilger, der renommierte britisch-australische Journalist, während eines Symposiums vor vier Jahren, als die Ukraine-Krise ihren Höhepunkt erreichte. "Wir haben Krieg durch die Medien, Zensur durch die Medien, Verteufelung durch die Medien, Vergeltung durch die Medien, Ablenkung durch die Medien - ein surreales Fließband mit gehorsamen Klischees und falschen Annahmen."

 

John Pilger – Der Krieg durch die Medien und der Triumph der Propaganda

 

Pilger erneuerte das Thema letzte Woche in einem Stück in Consortium News und argumentiert, dass die einst tolerierte, abweichende Meinung in den letzten Jahren "in einen metaphorischen Untergrund ausgewichen ist".

https://consortiumnews.com/2018/09/19/hold-the-front-page-the-reporters-are-missing/

 

Es gibt Schlachtfelder in Syrien, der Ukraine, im Jemen und anderswo, aber vielleicht ist der folgenreichste Kampf, der jetzt geführt wird, der um unseren Verstand.

 

Diejenigen, die auf ehrliche intellektuelle Forschung und auf eine gesunde Skepsis gegenüber allen Medien verzichten und nicht darauf beharren, dass Behauptungen fundierte Beweise erfordern, sie sollten diesen Krieg nicht gewinnen. Das NYT-Stück von Scott Shane und Mark Mazzetti - zwei der führenden Reporter der Zeitung - ist ein Beispiel dafür: Wenn die Russiagate-Erzählung so umfassend akzeptiert wäre, wie ihr Bericht behauptet, dann wäre es nicht nötig gewesen, ein solches Stück zu diesem späten Zeitpunkt zu veröffentlichen.

 

Viele orthodoxe Erzählungen werden jedoch in einer Öffentlichkeit, die nicht immer aufmerksam ist, allgemein akzeptiert. Die Öffentlichkeit nimmt zu oft an der hergestellten Zustimmung teil. Normalerweise dauert es Jahre, bis die Wahrheit allgemein verstanden wird. Manchmal kommt sie ans Licht, wenn die USA etwas Jahrzehnte später zugeben, wie zum Beispiel die Rolle der CIA bei den Staatsstreichen im Iran und in Chile. Andere Male kommt es durch das Eingeständnis von ehemaligen US-Beamten ans Licht, wie dem ehemaligen Verteidigungsminister Robert McNamara über den Vietnamkrieg.

 

Sogar die jüngsten Erzählungen fransen aus

 

Es gibt jüngere Beispiele für offizielle Erzählungen, die schnell ausfransen, wenn nicht sogar anfangen auseinanderzufallen, obwohl die etablierten Medien sie weiterhin vorantreiben.

 

So gibt es beispielsweise ernsthafte Zweifel daran, wer für angebliche Chemiewaffenangriffe in Syrien verantwortlich war. Der bedeutendste war im August 2013 in Ost-Ghouta, gefolgt von Angriffen in Khan Sheikhoun (April 2017) und Douma (April 2018).

 

Die Berichte der Konzernmedien über jeden dieser Angriffe, dass die Regierung von Bashar al-Assad schuld war, wurden mit überzeugenden Beweisen gegen die vorherrschende Ansicht konterkariert. Das wurde Journalisten (Seymour Hersh), einem Wissenschaftler (Theodore Postol) und Korrespondenten und lokalen Zeugen vor Ort zur Verfügung gestellt. Diese Berichte bedürfen einer weiteren Überprüfung. Aber die offiziellen Narrative sind keineswegs mehr unangefochten.

 

Es trifft auch für den Fall des malaysischen Fluges MH-17 zu, der im Juni 2014 über dem ukrainischen Gebiet abgeschossen wurde. Der offizielle Bericht, der ein Jahr später veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass das Flugzeug von ukrainischen Rebellen mit einer von Russland gelieferten Rakete zerstört wurde. Der Bericht war von Anfang an fehlerhaft: Die Ermittler haben nie den Tatort besichtigt, einige Beweise basierten auf einem Bericht von Bellingcat, einer Open-Source-Website, die dem energisch antirussischen Atlantic Council angeschlossen ist, und die Ukraine erhielt das Recht, den Bericht vor seiner Veröffentlichung zu genehmigen.

 

Letzte Woche hat das russische Militär Beweise dafür vorgelegt, dass die Seriennummern, die unter den Trümmern an der MH-17-Absturz-Stelle gefunden wurden, jene Rakete anzeigen, die das Flugzeug abgeschossen hat,und die wurde 1986 in einer sowjetischen Militärproduktionsstätte in der Ukraine produziert. Lassen Sie uns eine weitere Überprüfung dieser Beweise sehen (obwohl ich ernsthaft bezweifle, dass ein westlicher Korrespondent sie suchen wird). Der offizielle Bericht von 2015 notierte die Seriennummern, so dass wir wissen, dass sie authentisch sind, aber man hat sie nicht verwendet, um die Herkunft der Rakete zu verfolgen.

 

Dann ist da auch der schwer verwirrte Fall der Vergiftung der Skripals in Großbritannien. Warum haben sich die westlichen Medien nicht in diese Geschichte vertieft, anstatt die Äußerungen der britischen Regierung für bare Münze zu akzeptieren?

 

Vor einem Monat habe ich den Schaden beklagt, den Russiagate vielen unserer wichtigsten Institutionen zugefügt hat, nicht zuletzt der Presse. Was denken sich die Konzernmedien? Dass, sobald Präsident Trump abserviert ist, alles wieder normal wird und die professionellen Standards wiederhergestellt werden? Man kann auch das Gegenteil behaupten: Dass der feindliche Journalismus gegenüber dem Weißen Haus zurückgekehrt ist, und weitgehend aus persönlichen Animositäten gegenüber Trump heraus entstanden ist und dass er wieder verschwinden wird, sobald wieder ein "normaler" Präsident im Amt ist.

 

Wie Pilger es ausdrückte: "Das ist eine seismische Verschiebung, bei der Journalisten das neue "Gruppendenken" überwachen, wie (Robert) Parry es nannte, indem sie Mythen und Ablenkungen verbreiten und ihre Feinde verfolgen."

 

Mit anderen Worten, der Journalismus des Establishment hat sich von seinen traditionellen Idealen einer unparteiischen, objektiven Berichterstattung weit entfernt und wetteifert stattdessen um euren Verstand, um ihn in seine Agenda aufzunehmen, um amerikanische Interessen im Ausland oder die eine oder andere Partei im Inland zu fördern.

 

Wir dürfen sie nicht damit davonkommen lassen. Unser Verstand gehört uns.

 

 

 

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