http://charleshughsmith.blogspot.com/2020/06/global-crisis-convergence-of-marx-kafka.html

 

Die globale Krise:

Die Verschmelzung von Marx, Kafka, Orwell und Huxley

 

von Charles Hugh Smith, 08.06.2020

 

 

Die globale Krise ist nicht bloß ökonomisch. Sie ist das Resultat grundlegender finanzieller, soziologischer und politischer Trends, wie sie von Marx, Kafka, Orwell und Huxley beschrieben wurden.

 

Die sich entfaltende globale Krise lässt sich am besten als die Konvergenz der von Marx, Kafka, Orwell und Huxley beschriebenen Dynamiken verstehen.

 

Beginnen wir mit Franz Kafka, dem Schriftsteller (1883-1924), der am eloquentesten die systemischen Ungerechtigkeiten allmächtiger bürokratischer Institutionen erfasst hat – die Entfremdung, die der unglückselige, in das bürokratische Geflecht verstrickte Bürger erfährt, die hirnlose Verfolgung Unschuldiger durch kleinliche Beamte und die dem zentralisierten Staat innewohnende Absurdität, die am besten in diesem Satz zum Ausdruck kommt: "Wir erwarten Fehler, nicht Gerechtigkeit"


Wenn dies nicht die aufschlussreichste Zusammenfassung des gegenwärtigen Augenblicks in der Geschichte ist, was dann? Als ausgebildeter und praktizierender Jurist verstand Kafka, dass der Kollateralschaden für Unschuldige umso größer und die Pervertierung der Justiz umso extremer ist, je mächtiger und stärker die Institution und ihre Bürokratie verwurzelt sind.


Wir leben in einem kafkaesken Alptraum, in dem allein der Verdacht rechtfertigt, dass die Regierung ihre Bürger bestiehlt, und ein nicht damit zusammenhängendes Verbrechen (Besitz von Drogenutensilien) zur Rechtfertigung von Diebstahl durch den Staat benutzt wird.

 
Wie in einem kafkaesken Alptraum steht der Staat über dem Gesetz, wenn er einen Vorwand braucht, um euer Auto oder Bargeld zu stehlen. Es gibt kein Verbrechen, keine Verhaftung, kein ordentliches Verfahren – der Staat droht nur damit, dass ihr den Mund halten und froh sein sollt, dass er euch nicht alles nimmt, was ihr besitzt.

 
All diese Formen der zivilen Beschlagnahmung sind gut dokumentiert. Einige würden zwar behaupten, die schlimmsten Missbräuche seien beseitigt worden, aber das ist alles andere als offensichtlich. Was offensichtlich ist, ist, wie lange diese Art von legalisierter Plünderung schon vor sich geht.
https://www.newyorker.com/magazine/2013/08/12/taken

 

Wenn der Staat unser Bargeld oder unser Auto auf bloßen Verdacht hin stiehlt, hat man keine andere Wahl, als entsetzlich kostspielige und zeitraubende rechtliche Schritte einzuleiten. Man hat also nicht mehr genug Geld, um seine Unschuld zu beweisen, nachdem wir dein Auto und dein Bargeld für schuldig erklärt haben?

 
Pech gehabt, Bursche... sei froh, dass du in einer falschen Demokratie lebst, mit einem falschen Rechtsstaat, einer falschen Justiz und einer Regierung mit dem offiziell sanktionierten Recht, dein Geld und deinen Besitz ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren zu stehlen – legalisierte Plünderung.

 
Sie müssen nicht ein Geständnis aus dir herausfoltern, wie es der NKWD/KGB in der ehemaligen Sowjetunion getan hat, weil dein Geld und dein Auto bereits schuldig sind.

 
Hier tritt Orwell in die Konvergenz ein, denn der Staat maskiert seine Ausbeutung und Machtergreifung mit köstlichen orwellschen Irreführungen wie "die Volkspartei", "demokratischer Sozialismus" und so weiter.

 
Orwell verstand, dass der ontologische Imperativ des Staates die Expansion ist, bis zu dem Punkt, an dem er jede Ebene der Gemeinschaft, der Märkte und der Gesellschaft kontrolliert. Sobald sich der Staat der Kontrolle der Bürger entzieht, steht es ihm frei, sie in einer parasitären Vorherrschaft auszubeuten, die das Spiegelbild des Monopolkapitals ist. Denn was ist der Staat anderes als ein Gewaltmonopol, Zwang, Datenmanipulation und die Regulierung privater Monopole?

 
Was ist die EU-Bürokratie in Brüssel anderes als die Perfektion eines staatenlosen Staates?

 
Wie Kafka prophezeite, hat die zentralisierte Bürokratie sowohl die Fähigkeit zur Orwellschen Verschleierung (hat jemand die 1.300 Seiten starken Kongressgesetze gelesen, außer denen, die das System zu ihrem privaten Vorteil ausnutzen?) als auch zu systemischer Habgier und Ungerechtigkeit.

 
Die Konvergenz läuft darauf hinaus: Es wäre unmöglich, so viel Reichtum zu plündern, wenn es den Staat nicht gäbe, um die "Regeln" der parasitären Raubzüge durchzusetzen.

 
Aldous Huxley sagte einen Zentralstaat voraus, der seine Bevölkerung durch Propaganda, Drogen, Unterhaltung und Informationsüberfluss dazu gebracht hat, "ihre Knechtschaft zu lieben". Seiner Ansicht nach überstieg die Energie, die erforderlich war, um die Einhaltung der Regeln zu erzwingen, die "Kosten" der Überzeugungsarbeit, und daher würden sich die Mächte der Finsternis für die Macht der Suggestion entscheiden.

 
Er umriss dies in einem Brief an George Orwell:

 

"Meine eigene Überzeugung ist, dass die herrschende Oligarchie weniger beschwerliche und verschwenderische Wege des Regierens und der Befriedigung ihrer Gier nach Macht finden wird, und diese Wege werden denen ähneln, die ich in Schöne Neue Welt beschrieben habe.“

 
Ich glaube, dass die Herrscher der Welt in der nächsten Generation entdecken werden, dass eine Konditionierung der Kinder und eine Narko-Hypnose als Regierungsinstrumente effizienter sind als Prügel und Gefängnisse, und dass die Lust auf Macht ebenso vollständig befriedigt werden kann, indem man Menschen dazu bringt, ihre Knechtschaft zu lieben, anstatt sie auszupeitschen und zum Gehorsam zu zwingen.

So weitsichtig er auch war, so konnte Huxley doch nicht die Macht der Mobiltelefonie, des Glücksspiels und der Hypnose/Sucht in sozialen Medien als konditionierenden Mechanismus für Passivität und Selbstabsorption vorhersehen. Wir fangen erst an, die immensen Sucht-/Konditionierungskräfte der 24/7-Mobiltelefonie und der Sozialen Medien zu verstehen.

 

Was würden wir über eine Droge sagen, die Menschen dazu veranlasst hat, auf Sex zu verzichten, um ihre Facebook-Seite zu checken? Was würden wir über eine Droge sagen, die junge Männer dazu veranlasst, mehr als 40 Stunden am Stück an einem Computer kleben zu bleiben, eine Besessenheit, die so akut ist, dass einige sogar sterben? Wir würden erklären, dass diese Droge viel zu stark und zu gefährlich ist, um allgemein verfügbar zu sein, jedoch sind Mobiltelefonie, Spiele und soziale Medien heute allgegenwärtig.

 

Knechtschaft gibt es in vielen Abstufungen und Formen. Sich darauf zu verlassen, dass die US-Notenbank unsere Renten- und Investmentfonds ständig stützt, damit sie in Wirklichkeit nicht zusammenbrechen, ist eine Form der Knechtschaft; am Ende verehren wir die Fed als unseren allmächtigen Finanzretter.

 

Dass die Fed nicht gewählt und unempfindlich gegenüber der Demokratie oder dem Willen des Volkes ist, wird vergessen; alles was zählt ist, dass wir unsere Knechtschaft ihr gegenüber lieben.

 

Der Zentralstaat hat die Macht, mit Helikoptern Bargeld auf Einzelpersonen zu werfen und mit Unternehmensrettungsaktionen Komplizenschaft zu kaufen. Da der menschliche Verstand gegen Heuchelei und Unaufrichtigkeit rebelliert – wir alle können einen Schwindel erkennen – überzeugen wir uns unbewusst von der Richtigkeit und Unvermeidbarkeit von Knechtschaft und Selbstbefangenheit.

 

Und auf diese Weise lernen wir unsere Knechtschaft zu lieben; wir überzeugen uns selbst davon, dass sie akzeptabel und normal ist und nicht gestört und zerstörerisch.

 

Ich habe diese Themen in meinen Büchern eingehend behandelt: „Widerstand, Revolution, Befreiung: Ein Modell für positiven Wandel“ und „Überleben+: Den Wohlstand für sich und die Nation strukturieren“.

 

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Zu guter Letzt kommen wir zu Marx. Wie Marx erklärte, führt die Dynamik des Staatsmonopol-Kapitalismus zur vollständigen Dominanz des Kapitals über die Arbeit, sowohl auf den finanziellen als auch auf den politischen "Märkten", da Reichtum politischen Einfluss erkauft, der dann die Dominanz des Kapitals schützt und durchsetzt.

 

Marx erkannte auch, dass das Finanzkapital unweigerlich Anreize für Überkapazitäten schaffen und dem Industriekapital die Macht über Preise und Gewinne entziehen würde. Sobald es mehr Waren und Dienstleistungen gibt, als sich die Arbeitskräfte mit ihren Gewinnen leisten können, entsteht eine Finanzialisierung, die den Arbeitskräften Kredite gewährt, um die überschüssige Produktion des Kapitals zu kaufen und finanzielle Gewinne mit fremdfinanzierter Spekulation und Vermögensblasen zu erzielen.

 

Aber da die Arbeitseinkommen stagnieren oder zurückgehen, gibt es ein Endspiel der Finanzialisierung. Das Kapital kann überhaupt keine Gewinne mehr erzielen, es sei denn, die Zentralbanken stimmen zu, die absurd überbewerteten Vermögenswerte des Kapitals zu kaufen. Obwohl die Spieler sich einreden, dass dieses Arrangement nur vorübergehend ist, ist die von Marx beschriebene Dynamik fundamental und unaufhaltsam: Der Wahnsinn der Zentralbanken, die aus dem Nichts Währungen schaffen, um wahnsinnig überteuerte Vermögenswerte aufzukaufen, ist die letzte Krise des Spätkapitalismus, weil es keinen anderen Ausweg aus dem Zusammenbruch gibt.

 

Nachdem der Arbeit die Einkünfte und die politische Macht entzogen und der Überkapazität (d.h. der Globalisierung) und der Finanzialisierung jeden noch so kleinen Teil des Profits entzogen wurde, ist das Kapital nun vollständig davon abhängig, dass die geldverschlingenden Zentralbanken ihr Phantomkapital mit neu gedruckter Währung kaufen, eine Dynamik, die schließlich einen Zusammenbruch der Kaufkraft des Phantomkapitals der Zentralbanken (d.h. der Fiat-Währungen) auslösen wird.

 

Wenn es keinen Anreiz gibt, in reale Produktionsmittel zu investieren und nur noch den Anreiz, Gewinne abzuschöpfen, indem man die Federal Reserve vorwegnimmt, ist der Kapitalismus tot. Um Wallerstein zu paraphrasieren: "Der Kapitalismus ist für Kapitalisten nicht mehr attraktiv".

 

Wir können dies in der realen Welt selbst sehen: Wenn "erneuerbare Energien" so profitabel wären, wie einige behaupten, hätte sich das Privatkapital beeilt, jedes Projekt zu finanzieren, um ihre Gewinne aus dieser neuen Quelle immenser Profite zu maximieren. Doch wie Art Berman in "Warum der Start der Rakete für erneuerbare Energien fehlgeschlagen ist" erklärte, ist dies nicht der Fall gewesen. Vielmehr bleibt die "grüne Energie" in der einen oder anderen Form von staatlichen Subventionen abhängig. Wenn die Wasserkraft aus den "erneuerbaren Energien" herausgenommen wird, machen alle anderen erneuerbaren Energien (Sonne, Wind usw.) nur 4% des gesamten globalen Energieverbrauchs aus.

 

Die Stagnation Japans ist ein Beispiel für die Analyse von Marx: Japans Zentralbank hat 30 Jahre lang Billionen von Yen aus dem Nichts geschaffen und dieses Phantomkapital genutzt, um die überbewerteten Vermögenswerte der politisch dominanten staatskapitalistischen Klasse Japans aufzukaufen. Eine Politik, die zu langanhaltender Stagnation und sozialem Niedergang geführt hat. Ohne Chinas einmalige Expansion wäre Japans Wirtschaft vor Jahrzehnten in die Vergessenheit des Phantomkapitals gerutscht.

 

Kafka, Orwell, Huxley und Marx haben es vorausgesehen, und wir leben in der letzten Phase des grausamen und unhaltbaren Systems, das sie beschrieben haben. Es tut mir sehr leid, aber die Investition eures Phantomkapitals in FANG-Aktien, Tik-Tok und Virtual-Reality-Spiele werden das Phantomkapital nicht vor der wohlverdienten Auslöschung bewahren.

 

 

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