Der Fall Jeffrey Epstein – Die Epstein Saga

Erstveröffentlichung auf mintpressnews.com

 

Übersetzt von FritztheCat und Jokerin

 

https://www.mintpressnews.com/ari-ben-menashe-jeffrey-epstein-ghislaine-maxwell-israel-intelligence/262162/

 

Der Fall Jeffrey Epstein - Too Big to Fail – Teil 5

 

Israelischer Ex-Geheimdienstler behauptet, dass Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell für Israel gearbeitet haben

 

In einem Interview stellte kürzlich ein ehemaliger hochrangiger Beamter des israelischen Geheimdienstes die Behauptung auf, Jeffrey Epsteins sexuelles Erpressungsunternehmen sei eine Operation des israelischen Geheimdienstes gewesen, die den Zweck verfolgte, mächtige Personen und Politiker in den USA und im Ausland einzufangen.

 

Von Whitney Webb, 02.10.2019 (Zahlreiche Links im Original!)

 

 

Seit dem scheinbaren Selbstmord Jeffrey Epsteins in einem Gefängnis in Manhattan ist viel über die abartigen Aktivitäten und Methoden ans Licht gekommen, mit denen er minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und die Reichen und Mächtigen zu Erpressungszwecken eingefangen hat. Von Epsteins Beziehungen zu Geheimdiensten, die vor kurzem ausführlich in einer Investigativ-Serie von MintPress beschrieben wurden, ist in den Mainstream-Medien nach wie vor kaum die Rede. Man ist nach dem Epstein-Skandal einfach zur Tagesordnung übergegangen, obwohl seine vielen Mitverschwörer noch immer auf freiem Fuß sind.

 

Für diejenigen, die Epsteins Beziehungen zu Geheimdiensten untersucht haben, gibt es klare Verbindungen sowohl zu US- als auch zu israelischen Geheimdiensten. Dabei bleibt die Frage offen, welcher Geheimdienstapparat welchen Landes Epstein am nächsten stand und am meisten in seine Erpressungs- und Sexhandel-Aktivitäten verstrickt war. In einem Interview stellte kürzlich ein ehemaliger hochrangiger Beamter des israelischen Geheimdienstes die Behauptung auf, Jeffrey Epsteins sexuelles Erpressungsunternehmen sei eine Operation des israelischen Geheimdienstes gewesen, die den Zweck verfolgte, mächtige Personen und Politiker in den USA und im Ausland einzufangen.

 

In einem Interview mit Zev Shalev, einem ehemaligen Produzenten von CBS News und preisgekrönten Investigativjournalisten für Narativ, behauptet Ari Ben-Menashe, früher hochrangiger Mitarbeiter in Israels Abteilung für militärische Aufklärung, nicht nur, dass er Jeffrey Epstein und dessen angebliche Kupplerin Ghislaine Maxwell in den 1980er Jahren kennengelernt hat, sondern auch, dass sowohl Epstein als auch Maxwell bereits während des damaligen Zeitraums mit israelischen Geheimdiensten zusammenarbeiteten.

 

Sie haben eine Nische entdeckt“

 

In einem Interview letzte Woche mit dem unabhängigen Magazin Narativ erzählte Ben-Menashe (der selbst in die Waffengeschäfte im Iran-Contra-Skandal verwickelt gewesen war) seinem Interviewer Zev Shalev, Robert Maxwell habe ihn Mitte der 1980er Jahre Jeffrey Epstein vorgestellt, als Maxwell und Ben-Menashe noch an Iran-Contra beteiligt waren. Ben-Menashe sagte nicht, in welchem Jahr genau er Epstein kennenlernte.

 

Ben-Menashe teilte Shalev mit: „er [Maxwell] wollte, dass wir ihn [Epstein] als Teil unserer Gruppe akzeptierten... Ich streite nicht ab, dass wir zu jener Zeit eine Gruppe waren, da war Nick Davies [Auslandsredakteur der Maxwell gehörenden Zeitung Daily Mirror], da war Maxwell, da war ich und unser Team aus Israel, wir taten was zu tun war.“ Frühere Berichte von Seymour Hersh und anderen haben enthüllt, dass Maxwell, Davies und Ben-Menashe damals im Auftrag israelischer Geheimdienste bei der Lieferung und dem Verkauf militärischer Ausrüstung und Waffen aus Israel an den Iran beteiligt waren.

 

Er fügte hinzu, Maxwell habe während der persönlichen Vorstellung gesagt: „deine israelischen Bosse haben [Epstein] bereits akzeptiert“. Shalev merkte später an, dass Maxwell „zu jener Zeit in Israel ein ausgedehntes Netzwerk hatte, das den damaligen Premierminister Ariel Sharon einschloss, so Ben-Menashe.“

 

Des weiteren sagte Ben-Menashe, er habe „ihn [Epstein] ein paar Mal im Büro von Maxwell getroffen, das war es.“ Er sagte auch, er wisse nicht, ob Epstein in Waffengeschäfte für irgend jemand anderen verwickelt war, den er damals kannte, aber dass Maxwell Epstein an der Waffenlieferung beteiligen wollte, die er, Davies und Ben-Menashe im Auftrag Israels durchführten.

Ariel Sharon (rechts) trifft sich mit Robert Maxwell am 20. Februar 1990 in Jerusalem Photo:AP

 

Wie MintPress in Teil 4 der Investigativ-Serie „Inside the Jeffey Epstein Scandal: Too Big to Fail“ berichtete, hatte Epstein damals jedoch mit mehreren Waffenhändlern zu tun, einige davon waren direkt in die Iran-Contra-Waffengeschäfte zwischen Israel und dem Iran verwickelt. So begann Epstein, nachdem er 1981 Bear Stearns verlassen hatte, beispielsweise im Schattenfinanzbereich als selbsternannter „finanzieller Kopfgeldjäger“ zu arbeiten, als er Geld für mächtige Menschen wiederbeschaffte und versteckte. Eine dieser mächtigen Personen war Adnan Kashoggi, ein saudischer Waffenhändler mit engen Beziehungen sowohl zu israelischen als auch zu amerikanischen Geheimdiensten und einer der Hauptmakler bei den Iran-Contra-Waffengeschäften zwischen Israel und dem Iran. Epstein sollte später, im Auftrag von Leslie Wexners Firma The Limited, eine Geschäftsbeziehung zu einer CIA-Scheinfirma schmieden, die in einen weiteren Aspekt von Iran-Contra verwickelt war, die Fluggesellschaft Southern Air Transport.

 

Bekanntlich hat sich Epstein damals auch mit dem britischen Waffenhändler Sir Douglas Leese angefreundet, der in den 1980er Jahren bei mindestens einem britisch-saudischen Waffendeal mit Kashoggi zusammenarbeitete. Leese stellte Epstein später Steven Hoffenberg vor, wobei er Epstein ein „Genie“ nannte und seinen Mangel an Moral hervorhob. Das lässt sich als Indiz dafür deuten, dass Epstein damals an Waffengeschäften im Nahen Osten beteiligt war, darunter einige im Zusammenhang mit Iran-Contra. Außerdem behauptete Epstein später, dass er zu jener Zeit für die CIA gearbeitet habe (was er in der Folge aber abstritt).

 

Ben-Menashe behauptete, nachdem er Epstein vorgestellt worden war, seien weder er noch Davies von Epstein beeindruckt gewesen; sie hätten ihn als „nicht sehr kompetent“ angesehen. Er fügte hinzu, Ghislaine Maxwell habe sich in Epstein „verknallt“ und er glaube, die romantische Beziehung zwischen seiner Tochter und Epstein habe Robert Maxwell dazu gebracht, Epstein in sein „Familiengeschäft“ einzubeziehen – d.h. in Maxwells Geschäfte mit dem israelischen Geheimdienst. Diese Information ist insofern aufschlussreich, als das Narrativ bisher lautete, Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein hätten sich erst nach dem Tod Robert Maxwells 1991 (nach welchem Ghislaine nach New York umgezogen war) kennengelernt und ihre Beziehung begonnen.

 

Ben-Menashe sagt – allerdings wieder ohne Angabe des Jahres – dass erst nachdem er ihm vorgestellt worden war, Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein ihre Aktivitäten mit sexueller Erpressung anfingen, die dem Zweck dienten, politische und öffentliche Figuren in den USA im Auftrag des israelischen Militärgeheimdienstes zu erpressen. Er sagte:

 

Ich glaube, was in diesem Fall wirklich geschah, bei der späteren Sache, ist, dass diese Typen als Agenten angesehen wurden. Sie waren nicht wirklich kompetent und konnten deshalb nicht viel machen. Also haben sie für sich eine Nische entdeckt – die Erpressung amerikanischer und anderer politischer Figuren.“

 

Dann bestätigte er auf Nachfragen hin, dass sie Amerikaner im Auftrag des israelischen Geheimdienstes erpressten.

 

Zev Shalev antwortete auf diese Feststellung: „Aber, wissen Sie, für die meisten Leute ist es schwer vorstellbar, dass Israel … ihre Führer in den Vereinigten Staaten erpressen sollte, das ist sehr…“ An diesem Punkt unterbrach ihn Ben-Menashe und es entspann sich folgender Dialog:

 

Ari Ben-Menashe: Machen Sie Witze? [lacht] … Das war genau ihre Vorgehensweise. Herumzuhuren ist kein Verbrechen, es ist vielleicht peinlich, aber kein Verbrechen, aber mit minderjährigen Mädchen zu schlafen, das ist ein Verbrechen.

 

Shalev: Das war schon 2000 ein Verbrechen, aber sie haben ihn davonkommen lassen...

 

Ben-Menashe: Und das ist es immer, und darum hat er [Epstein] dafür gesorgt, dass diese Mädchen minderjährig waren.

 

Und als Shalev dann Ben-Menashe nach der Beziehung zwischen Jeffrey Epstein und dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak fragte, antwortete Ben-Menashe: „Nach einiger Zeit, wissen Sie, da sammelte Mr. Epstein Informationen über Leute in den Vereinigten Staaten. Also, wenn Sie in die USA gehen wollen und sind ein hochrangiger Politiker, dann wollen Sie Informationen über Leute haben.“ Ben-Menashe erklärte im folgenden, dass Barak kompromittierende Informationen (d.h. Erpressungsmaterial) erhielt, die Epstein über mächtige Personen in den Vereinigten Staaten erworben hatte.

 

PROMIS, Sex und Erpressung

 

Sollte Robert Maxwell, wie Ben-Menashe behauptet, Epstein angeworben und in sein „Familiengeschäft“ und in die Welt der israelischen Geheimdienste eingeführt haben, so wäre das ein stützender Beweis für Informationen, die Mintpress von einem ehemaligen US-Geheimdienstler erhalten hat, der wegen der Vertraulichkeit der Mitteilungen anonym bleiben möchte.

 

Diese Quelle, die direkte Kenntnis über den nicht autorisierten Einsatz von PROMIS hat, mit dem insgeheim US- und israelische Geheimdienstprojekte unterstützt wurden, teilte MintPress mit, „die Erlöse aus den widerrechtlichen Verkäufen von PROMIS seien teilweise an Jeffrey Epstein geflossen, der sie benutzen sollte, um Zielpersonen politischer Erpressung zu kompromittieren.“ Wie wir in der MintPress-Serie über den Epstein-Skandal ausgeführt haben, kam ein großer Teil von Epsteins Geldern auch von dem Milliardär aus Ohio, Leslie Wexner, dessen Beziehungen sowohl zum organisierten Verbrechen als auch zu amerikanischen und israelischen Geheimdiensten dokumentiert sind.

 

Nachdem die PROMIS-Software ihrem rechtmäßigen Eigentümer und Entwickler Inslaw Inc. durch eine geheime Absprache amerikanischer und israelischer Beamter gestohlen worden war, wurde sie hauptsächlich von zwei Männern vermarktet: Earl Brian, ein enger Helfer von Ronald Reagan, später US-Gesandter im Iran und enger Freund des israelischen Meisterspions Rafi Eitan, sowie Robert Maxwell. Brian verkaufte die verwanzte Software über sein Firma Hadron Inc., während Maxwell sie über die von ihm erworbene israelische Firma Degem verkaufte. Vor und nach dem Erwerb von Degem durch Maxwell war diese Firma eine bekannte Scheinfirma für Mossad-Operationen und Mossad-Mitarbeiter in Lateinamerika, die sich als Degem- Angestellte ausgaben.

 

Wenn Maxwell – der angebliche Rekrutierer Epsteins und Vater von Epsteins angeblicher Kupplerin – einer der großen Verkäufer der PROMIS-Software im Auftrag der Geheimdienste war, so wäre er in einer Schlüsselposition gewesen, um Epsteins beginnende sexuelle Erpressungsoperation mit den Erlösen aus dem Verkauf der PROMIS-Software auszustatten.

 

Diese Verbindung zwischen Epsteins sexueller Erpressungsoperation und dem Skandal um die PROMIS-Software ist von Bedeutung, wenn man den widerrechtlichen Einsatz von PROMIS durch US- und israelische Geheimdienste zu Erpressungszwecken gegen öffentliche und politische Figuren in den USA bedenkt. MintPress hat darüber kürzlich berichtet.

https://www.mintpressnews.com/cia-israel-mossad-jeffrey-epstein-orwellian-nightmare/261692/

 

Kann man einem Ex-Spion vertrauen?

 

Wenn man sich mit der Welt von Täuschung und Intrigen befasst, aus denen Geheimdienstoperationen bestehen, so ist es oft schwierig festzustellen, ob eine mit einem Geheimdienst verbundene Person die Wahrheit sagt. Tatsächlich gibt es in den USA Beispiele ausgewählter Geheimdienst-Beamter, die Meineide geleistet und bei mehreren Gelegenheiten den Kongress belogen haben, ohne dass das Folgen gehabt hätte, sowie solcher Geheimdienst-Beamter, die politisch motivierte und unwahre Informationen an Maulwürfe in den Medien gestreut haben.

 

Sind also Ari Ben-Menashes Behauptungen über Epstein und die Maxwells vertrauenswürdig? Zusätzlich zu den bereits erwähnten, seine Behauptungen stützenden Informationen legt ein Rückblick auf Ben-Menashes nach-geheimdienstliche Karriere nahe, dass dies der Fall ist.

Ari Ben-Menashe am Harare International Airport in Zimbabwe, 22. Feb. 2002

 

Vor seiner Verhaftung im November 1989 war Ben-Menashe ein hochrangiger Offizier in einer Spezialeinheit des israelischen Militärgeheimdienstes. Später behauptete er, dass seine Festnahme wegen versuchten Verkaufs amerikanischer Waffen an den Iran politisch motiviert war, da er damit gedroht habe, aufzudecken, was die US-Regierung mit der gestohlenen PROMIS-Software gemacht hatte, sollten die USA nicht damit aufhören, Saddam Husseins Irak mit Chemiewaffen zu beliefern. Ben-Menashe wurde später freigesprochen, nachdem ein US-Gericht entschieden hatte, dass er in den Versuch, militärische Ausrüstung an den Iran zu verkaufen, im Auftrag des Staates Israel verwickelt worden war.

 

Nach seiner Verhaftung wurde Ben-Menashe im Gefängnis von Robert Parry besucht, dem früheren Newsweek-Autor und Reporter von Associated Press, der danach Consortium News gründete und bis zu seinem Tod im letzten Jahr leitete. Parry erinnerte sich, dass Ben-Menashe ihm während des Interviews „erschreckende neue Informationen über den Iran-Contra-Skandal gab, und ich hatte gedacht, ich kenne den ziemlich gut.“

 

Die israelische Regierung begann sofort nach dem Interview mit Parry die Glaubwürdigkeit Ben-Menashes anzugreifen und behauptete, Ben-Menashe habe niemals für Israels Geheimdienst gearbeitet. Als Parry kurz darauf Beweise fand, dass Ben-Menashe tatsächlich beim israelischen Militärgeheimdienst gedient hatte, war Israels Regierung gezwungen zuzugeben, dass er für den Militärgeheimdienst gearbeitet hatte, aber nur als „untergeordneter Übersetzer“. Doch die von Parry aufgedeckte Dokumentation zeigt, dass Ben-Menashe in „Schlüsselpositionen“ diente und „komplexe und vertrauliche Aufträge“ ausführte.

 

Ein Jahr später wurde Ben-Menashe von einem weiteren Journalisten interviewt - Seymour Hersh. Ben-Menashe war der erste, der Hersh Geheimnisse über Israels Nuklearprogramm anvertraute und die Tatsache, dass der britische Medienmogul Robert Maxwell ein israelischer Spion war. Enthüllungen, die Hersh nicht nur unabhängig davon erhärtete, sondern auch in sein Buch The Samson Option: Israel's Nuclear Arsenal and American Foreign Policy aufnahm. Hersh wurde daraufhin von Robert Maxwell und dessen Mirror Group wegen Verleumdung verklagt. Der Fall wurde später zugunsten von Hersh beigelegt, da seine Vorwürfe wahr und nicht verleumderisch waren. In der Folge zahlte die Mirror Group Hersh Schadensersatz, beglich seine Justizkosten und gab eine formelle Entschuldigung heraus.

 

Nach Ben-Menashes Interviews mit Hersh und Parry war die Regierung Israels offenkundig so besorgt über das, was Ben-Menashe Kongress-Ermittlern erzählen könnte, dass sie versuchte, ihn zu kidnappen und zur Anklage nach Israel zu bringen, so wie es der israelische Geheimdienst mit dem Whistleblower von Israels Nuklearwaffen, Mordechai Vanunu, gemacht hatte. Dieser Plan wurde größtenteils dank Parry vereitelt.

 

Parry, der in den 1980er Jahren und später viele Schlüsselberichte zum Iran-Contra-Skandal veröffentlichte, wurde von einer US-Geheimdienstquelle vor einem gemeinsamen Plan der USA und Israels gewarnt, Ben-Menashe zunächst die Wiedereinreise in die USA für die geplante Anhörung vor dem Kongress zu verweigern. Gemäß dem Plan sollte Ben-Menashe die Einreise in die USA in Los Angeles verwehrt und er dann nach Israel abgeschoben werden, wo er sich wegen der „Enthüllung von Staatsgeheimnissen“ vor Gericht hätte verantworten sollen. Parry telefonierte mit Ben-Menashe und überredete ihn, seinen Flug aufzuschieben, bis er von der US-Regierung eine Garantie für eine sichere Passage erhielt.

 

Danach gab Ben-Menashe vor dem Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses eine eidesstattliche Erklärung ab, die sich vor allem um die US-israelische Absprache bei dem Diebstahl und der Schaffung einer „Hintertür“ in der PROMIS-Software drehte. Ben-Menashe bot an, Namen zu nennen und unterstützendes Beweismaterial für einige seiner Behauptungen vorzulegen, wenn er vom Komitee Immunität erhalten würde. Dieser Antrag wurde, aus welchen Gründen auch immer, abgelehnt.

 

Vor dem Ende von Hershs „Verleumdungs“-Prozess, in dem später Ben-Menashes Behauptungen über Robert Maxwells Mossad-Aktivitäten bestätigt wurden, gab es in der US-Presse abgestimmte Bemühungen, Ben-Menashes Glaubwürdigkeit herunterzuspielen. So behauptete zum Beispiel Newsweek – in einem Artikel mit der Überschrift „Ein Mann, viele Geschichten“ – dass „Widersprüche Ben-Menashes Aussage bei einem britischen Gerichtsverfahren untergraben könnten“, und zitierte Ungereimtheiten, die dem Blatt von Quellen in der israelischen Regierung und im israelischen Geheimdienst sowie von Ben-Menashes Ex-Frau und dem israelischen Journalisten Shmuel (oder Samuel) Segev, einem ehemaligen Obersten der Israelischen Streitkräfte, zugeleitet worden waren. Es versteht sich von selbst, dass solche Quellen sehr von jeder Bemühung profitieren konnten, Ben-Menashes Behauptungen zu diskreditieren.

 

Laut Parry war diese Medienkampagne, die amerikanische Journalisten mit engen Verbindungen zu Israels Regierung und Geheimdiensten einband, sehr erfolgreich darin, "Ben-Menashe bis 1993 zu marginalisieren, zumindest in den Augen des Washingtoner Establishments". Nach einer jahrelangen Medienkampagne zur Diskreditierung von Ben-Menashe „schienen die Israelis ihn als eine schwindende Bedrohung zu betrachten, die am besten in Ruhe gelassen wurde. Er konnte sein Leben wieder in den Griff bekommen und schuf sich ein zweites Leben als internationaler Politikberater und Geschäftsmann, der den Verkauf von Getreide organisierte." Die Bemühungen, Ben-Menashe an den Rand zu drängen, haben sich bis in die letzten Jahre fortgesetzt, wobei die Mainstream-Nachrichten ihn immer noch als "selbsternannten ehemaligen israelischen Spion" bezeichnen – trotz der gut dokumentierten Tatsache, dass Ben-Menashe für den israelischen Geheimdienst gearbeitet hat –, um seine Behauptungen über seine Zeit im israelischen Geheimdienst herunterzuspielen.

 

Nach Abschluss des Verleumdungsprozesses gegen Hersh wurde Ben-Menashe zu einem internationalen Politikberater, der "seine breit gestreuten Geschäftsaktivitäten weitgehend geheimhielt und für einige umstrittene internationale Figuren wie Simbabwes Führer Robert Mugabe arbeitete". Dabei betrieb er „sein internationales Beratungsgeschäft... in einer Vielzahl von globalen Krisenherden, einschließlich Konfliktzonen", so Parry. Außer wegen Mugabes steht Ben-Menashe seit kurzem auch für seine Beratertätigkeit zugunsten der sudanesischen Militärjunta und des venezolanischen Oppositionspolitikers Henri Falcón unter Beschuss.

 

Ben-Menashe hat auch Verbindungen zu verschiedenen Geheimdiensten aufrechterhalten und wurde schließlich zu einem umstrittenen Whistleblower, dessen Informationen zur Verhaftung des ehemaligen Leiters des kanadischen Security Intelligence Review Committee, Arthur Porter, führten.

 

Was seinen Charakter betrifft, so bemerkte Parry, dass Ben-Menashe oft "sein eigener schlimmster Feind" sein konnte und dass, obwohl Parry Ben-Menashes Informationen über Iran-Contra und PROMIS für zuverlässig hielt und bemerkte, dass vieles davon später bestätigt wurde, er „sein Medienproblem oft verschlimmert[e], indem er Journalisten hochfahrend behandelt[e], entweder aus Misstrauen oder aus Arroganz".

 

Bill Hamilton, der ursprüngliche Entwickler der PROMIS-Software und Leiter von Inslaw Inc., fand auch Ben-Menashes Behauptungen über die illegale Nutzung von PROMIS durch US-amerikanische und israelische Geheimdienste glaubwürdig, obwohl er Zweifel an Ben-Menashes Charakter äußerte.

 

Hamilton teilte MintPress Folgendes über Ben-Menashe mit:

 

Ari Ben Menashe war die erste Quelle, die uns zuverlässige Informationen über die Rolle Rafi Eitans und des israelischen Geheimdienstes in Bezug auf PROMIS gab, aber letztlich war er natürlich ein verdeckter Geheimdienst-Typ, zu dessen offiziellen Aufgaben die Fähigkeit und Bereitschaft gehören, zu lügen, zu betrügen und zu stehlen."

 

Eine erneute Drohung

 

Während Ben-Menashe nach den frühen 1990er Jahren vielleicht als "schwindende Bedrohung" angesehen wurde, schien Jahre später (2012) sein Plan, sich mit Robert Parry von Consortium News zu treffen, um über Iran-Contra und andere verdeckte Geschäfte der 1980er Jahre zu sprechen, dies zu ändern. Kurz bevor er von Kanada in die Vereinigten Staaten reisen wollte, um sich mit Parry zu treffen und die Wahrhaftigkeit seiner früheren Behauptungen "endlich zu beweisen", wurde eine Brandbombe in sein Haus in Montreal geworfen und zerstörte es.

Ari Ben-Menashe inspiziert den Schaden an seinem Haus nach dem mysteriösen Brandanschlag Photos:Robert Parry

 

Obwohl kanadische Medien einen "Molotow-Cocktail" als Mittel der Brandstiftung bezeichneten, berichtete Consortium News, "die erste Einschätzung des Brandstiftungsdezernats solle gelautet haben, dass der brennbare Wirkstoff jenseits der von gewöhnlichen Kriminellen verwendeten Art von Brandbeschleunigern lag", was zu Spekulationen führte, dass der Brandbeschleuniger militärischen Ursprungs sein könnte.

 

Ohne diese Brandbombe, deren Ursprung die kanadische Polizei nicht feststellen konnte, wäre Ben-Menashe zusammen mit einem "hochrangigen israelischen Geheimdienstler" in die USA gereist, um von Parry interviewt zu werden. Die andere mit dem Geheimdienst verbundene Person, so Parry, "kam zu dem Schluss, dass der Angriff als eine Botschaft der israelischen Behörden gedacht war, Ben-Menashe solle über die historischen Ereignisse, über die er voraussichtlich diskutieren sollte, Stillschweigen bewahren".

 

 

 

Obwohl weder Ben-Menashe noch Parry der israelischen Regierung direkt die Schuld für die Zerstörung von Ben-Menashes Haus gaben, stellte Parry fest, dass es mit Hilfe der Brandbombe gelang, "Ben-Menashe einzuschüchtern, mögliche neue Enthüllungen von israelischem Fehlverhalten durch den anderen Geheimdienstveteranen zu verhindern und Aufzeichnungen zu zerstören, die Ben-Menashe geholfen hätten, alle Aussagen zu beweisen, die er hätte machen können".

 

Nach seiner Geheimdienstzeit wurden Ben-Menashes Verbindungen mit umstrittenen Regierungen und Einzelpersonen ein gefundenes Fressen für die immer noch florierende Medienkampagne, die seine Behauptungen über verdeckte US-Israel-Operationen in den 1980er Jahren diskreditieren soll, während es nach wie vor beunruhigende Hinweise darauf gibt, dass die israelische Regierung seine Informationen über jahrzehntealte Ereignisse als Bedrohung erachtet.

 

Angesichts der großen Bemühungen mächtiger Amerikaner und Israelis, sich von Jeffrey Epstein und anderen Persönlichkeiten zu distanzieren, die mit seinem verkommenen Sexhandel in Verbindung gebracht werden, könnte Ben-Menashe jetzt bald wieder seinen Ruf – und vielleicht noch mehr – unter Beschuss finden.

 

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Feature-Foto | Grafik von Claudio Cabrera

 

Whitney Webb ist eine Journalistin von MintPress News mit Sitz in Chile. Sie hat für mehrere unabhängige Medien gearbeitet, darunter Global Research, EcoWatch, das Ron Paul Institute und 21st Century Wire. Sie hat mehrere Radio- und Fernsehauftritte absolviert und 2019 den Serena Shim Award for Uncompromised Integrity in Journalism gewonnen.

 

Kommentare: 2
  • #2

    coco deel (Donnerstag, 24 Oktober 2019 11:46)


    MiCon.ga

  • #1

    Epsteinle (Mittwoch, 23 Oktober 2019 15:04)

    Alles wahr, bald kommen weitere Datails ans Licht