Der Fall Jeffrey Epstein – Die Epstein Saga

Erstveröffentlichung auf mintpressnews.com

 

Übersetzt von FritztheCat und Jokerin

 

https://www.mintpressnews.com/mega-group-maxwells-mossad-spy-story-jeffrey-epstein-scandal/261172/

 

Der Fall Jeffrey Epstein: Too Big to Fail – Teil 3

Die Mega Group, Maxwell und der Mossad: Die Spionage-Geschichte im Zentrum des Jeffrey Epstein-Skandals

 

(Die Belege zeichnen nicht das Bild einer direkten Verbindung Epsteins zu einem einzelnen Geheimdienst, sondern ein Netz, das Schlüsselmitglieder der Mega Group, der Politik und der Beamtenschaft der USA und Israels verbindet, und ein Netzwerk des organisierten Verbrechens mit engen Geschäfts- und Geheimdienstverbindungen in diese beiden Länder.)

 

von Whitney Webb, 07.08.2019

 

Die ersten beiden Teile der Epstein-Saga sind hier zu finden:

Teil 1: https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/die-epstein-saga-teil-1/

Teil 2: https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/die-epstein-saga-teil-2/

 

 

Während der Milliardär, Pädophile und angebliche Sexhändler Jeffrey Epstein im Gefängnis sitzt, tauchen weitere Berichte über seine Verbindungen zum Geheimdienst und über seine finanziellen Verbindungen zu mehreren Unternehmen und "gemeinnützigen" Stiftungen auf, sowie seine Freundschaft mit Reichen, Mächtigen und Spitzenpolitikern.

 

Während Teil 1 und 2 dieser Serie "Der Jeffrey Epstein-Skandal: Too Big to Fail" sich auf die weite Verbreitung der sexuellen Erpressung in der jüngeren amerikanischen Geschichte und ihre Verbindungen zu den Höhen der amerikanischen politischen Macht und der US-Geheimdienstgemeinde konzentriert haben, muss ein wichtiger Aspekt von Epsteins eigenen Sexhandels- und Erpressungsaktivitäten untersucht werden. Es sind Epsteins Verbindungen zum israelischen Geheimdienst und seine Verbindungen zur "informellen" proisraelischen Philanthropengruppe, bekannt als die „Mega Group".

 

(Anm.d.Ü.: siehe auch diesen Aufsatz: Jeffrey Epsteins Bosse: die Mega Group

https://www.reddit.com/r/conspiracy/comments/5hkleo/jeffrey_epsteins_bosses_mega_group/ )

 

Die Rolle der Mega Group im Fall Epstein hat einige Aufmerksamkeit erregt, da Epsteins wichtigster Finanzpate seit Jahrzehnten Leslie Wexner war, der Milliardär und Mitbegründer dieser Gruppe, die mehrere bekannte Geschäftsleute mit einem Faible für Pro-Israel- und Ethno-Philanthropie (d.h. Philanthropie zugunsten einer einzelnen ethnischen oder ethnisch-religiösen Gruppe) vereint. Wie dieser Bericht zeigen wird, ist ein weiterer einigender Faktor unter den Mitgliedern der Mega Group jedoch ihre tiefe Verbundenheit mit der organisierten Kriminalität, insbesondere mit dem in Teil 1 dieser Serie behandelten Netzwerk der organisierten Kriminalität, das weitgehend vom berüchtigten amerikanischen Gangster Meyer Lansky geleitet wurde.

 

Aufgrund der Rolle vieler Mitglieder der Mega Group als wichtige politische Geldgeber sowohl in den USA als auch in Israel haben einige ihrer angesehensten Mitglieder enge Beziehungen zu den Regierungen beider Länder und ihren Geheimdiensten. Wie dieser Bericht und ein nachfolgender Bericht zeigen werden, unterhielt die Mega Group auch enge Beziehungen zu zwei Geschäftsleuten, die für den israelische Mossad tätig waren – Robert Maxwell und Marc Rich – sowie zu führenden israelischen Politikern, darunter ehemalige und der gegenwärtige Premierminister, mit engen Verbindungen zur israelischen Geheimdienstgemeinde.

Einer dieser Geschäftsleute, die für den Mossad arbeiten, Robert Maxwell, wird in diesem Bericht ausführlich behandelt werden. Maxwell war ein Geschäftspartner des Mitbegründers der Mega Group Charles Bronfman und unterstützte den erfolgreichen Plan des Mossad, eine Falltür in einer US-Software zu platzieren, die dann an Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt verkauft wurde. Der Erfolg dieser Aktion war vor allem auf die Rolle eines engen Mitarbeiters des damaligen Präsidenten Ronald Reagan und eines Maxwell nahestehenden amerikanischen Politikers zurückzuführen, der später Reagan bei der Vertuschung des Iran Contra-Skandals unterstützte.

 

Jahre später schloss sich Maxwells Tochter – Ghislaine Maxwell – Jeffrey Epsteins "innerem Kreis" an, als Epstein ein ähnliches Softwareprogramm finanzierte, das für kritische elektronische Infrastrukturen in den USA und im Ausland vermarktet wurde. Diese Firma hat tiefe und Besorgnis erregende Verbindungen zum israelischen Militärgeheimdienst, zu Mitarbeitern der Trump-Regierung und zur Mega Group.

 

Epstein scheint Verbindungen zum israelischen Geheimdienst zu haben und hat gut dokumentierte Verbindungen zu einflussreichen israelischen Politikern und der Mega Group. Doch diese Entitäten sind nicht in sich selbst isoliert, viele stehen auch mit dem Netzwerk der organisierten Kriminalität und mächtigen mutmaßlichen Pädophilen in Verbindung, die in den ersten beiden Teilen dieser Serie besprochen wurden.

 

Wie oft sich die Verbindungen zwischen vielen dieser Akteure vermischen, zeigt sich anhand von Ronald Lauder: ein Mitglied der Mega Group, ehemaliges Mitglied der Reagan-Regierung, langjähriger Geldgeber des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu und der Likud-Partei Israels sowie ein langjähriger Freund von Donald Trump und Roy Cohn.

 

Vom Kosmetikerbe zum politischen Akteur

 

Ein oft übersehener, aber berühmter Kunde und Freund von Roy Cohn ist Ronald Lauder, der milliardenschwere Erbe der Kosmetikfirma Estée Lauder. Lauder wird in der Presse oft als "führender jüdischer Philanthrop" beschrieben und ist Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), doch viele seiner Medienbiographien verschweigen seine hochpolitische Vergangenheit.

 

In einer Erklärung Lauders an die New York Times-Reporterin Maggie Haberman im Jahr 2018 bemerkte der Kosmetikerbe, er kenne Trump seit über 50 Jahren, mindestens seit den frühen 1970er Jahren. Gemäß Lauder begann seine Beziehung zu Trump, als Trump ein Student an der Wharton School an der University of Pennsylvania war, die auch Lauder besucht hat.

        Der gewählte Präsident Trump mit Ronald Lauder nach einem Treffen

                      in Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, 28. Dez 2016

 

Obwohl die genaue Natur ihrer frühen Freundschaft unklar ist, ist es offensichtlich, dass sie viele der gleichen Verbindungen teilten, auch zu jenem Mann, der sie später beide zu seinen Kunden zählen sollte, Roy Cohn. Während viel über die Beziehungen zwischen Cohn und Trump gesagt worden ist, stand Cohn Lauders Mutter, Estee Lauder (geb. Josephine Mentzer), besonders nahe. Estee wurde sogar im Nachruf auf Cohn in der New York Times zu seinen prominentesten Freunden gezählt.

https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/library/national/science/aids/080386sci-aids.html

 

Einen kurzen Blick auf die Beziehung zwischen Lauder und Cohn konnte man in einem Artikel erhaschen, der 2016 in Politico über eine Dinnerparty 1981 in Cohns Wochenendhaus in Greenwich, Connecticut, erschien. Die Party wurde von Ronald Lauders Eltern, Estee und Joe, sowie von Trump und seiner damaligen Frau Ivana besucht, die ein Wochenendhaus nur zwei Meilen entfernt besaßen. Die Party wurde veranstaltet, kurz nachdem Cohn Reagan geholfen hatte, sich die Präsidentschaft zu sichern, und er den Höhepunkt seines politischen Einflusses erreicht hatte. Auf der Party hielt Cohn Tischreden auf Reagan und den damaligen New Yorker Senator Alfonse D'Amato, der Ronald Lauder später drängen sollte, für ein politisches Amt zu kandidieren.

 

Zwei Jahre später, 1983, wurde Ronald Lauder – dessen einzige Berufserfahrung zu jenem Zeitpunkt seine Arbeit für die Kosmetikfirma seiner Eltern war – zum stellvertretenden Abteilungsleiter für Europa- und NATO-Angelegenheiten im US-Verteidigungsministerium ernannt. Bald nach seiner Ernennung diente er dem Dinner Tribute Committee für ein Abendessen, das zu Ehren Roy Cohns von der jüdischen Bruderschaft und stark pro-israelischen Organisation B'nai B'rith, der Mutterorganisation der umstrittenen Anti-Defamation League (ADL), ausgerichtet wurde. Cohns einflussreicher Vater, Albert Cohn, war der langjährige Präsident von B'nai B'riths mächtigem Kapitel von New England/New York, und Roy Cohn selbst war Mitglied der Banking and Finance Loge von B'nai B'rith.

 

Das Abendessen zielte speziell darauf ab, Cohn für seine pro-israelische Lobbyarbeit und seine Bemühungen zu ehren, Israels Wirtschaft zu "stärken", und zu den Ehrenvorsitzenden gehörten der Medienmogul Rupert Murdoch, Donald Trump und der damalige Chef von Bear Stearns, Alan Greenberg, die alle mit Jeffrey Epstein verbunden sind.

 

Während seiner Zeit als stellvertretender Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium war Lauder auch in der israelischen Politik sehr aktiv und bereits ein Verbündeter von Benjamin Netanyahu, dem damaligen israelischen Vertreter bei den Vereinten Nationen und zukünftigen israelischen Premierminister. Lauder sollte weiterhin eine der wichtigsten Persönlichkeiten bei Netanyahus Machtergreifung sein, insbesondere während seines überraschenden Sieges 1996, und ein bedeutender Geldgeber der rechten Likud-Partei Israels.

 

Im Jahr 1986, in dem Roy Cohn starb, verließ Lauder seinen Posten im Pentagon und wurde US-Botschafter in Österreich, wo seine Amtszeit von seinen Auseinandersetzungen mit dem damaligen österreichischen Präsidenten und ehemaligem Nazi-Kollaborateur Kurt Waldheim geprägt war. Lauders Interesse an der österreichischen Politik hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt, was zu den Vorwürfen führte, er habe versucht, die österreichischen Wahlen im Jahr 2012 zu manipulieren.

 

Nach dem Verlassen seines Botschafterpostens gründete Lauder 1987 die Ronald S. Lauder Stiftung und kandidierte dann 1989 als Bürgermeister von New York gegen Rudy Giuliani. Ermutigt wurde Lauder zu seiner Kandidatur von dem damaligen Senator Alfonse D'Amato, der enge Verbindungen zu Roy Cohn und dessen langjährigem Rechtspartner Tom Bolan hatte, der wiederum D'Amato's Berater war. Beim bereits erwähnten 1983er B'nai B'rith Dinner zu Cohns Ehren war D'Amato der Hauptredner.

 

Der wahrscheinliche Grund für Lauders Kandidatur war, dass Giuliani, obwohl er einst ein Verbündeter der "Roy-Cohn-Maschine" gewesen war, damals von den Mitarbeitern des verstorbenen Cohn verabscheut wurde, weil er Cohns ehemaligen Anwaltspartner Stanley Friedman wegen organisierter Kriminalität, Verschwörung und anderer Anklagen strafrechtlich verfolgte. Giuliani hatte auch eine Reihe von bitteren Meinungsverschiedenheiten mit D'Amato gehabt. Lauders Vorwahlkampf blieb ohne Erfolg, wurde aber für seine Boshaftigkeit und seine Kosten bekannt, da mehr als 13 Millionen Dollar dafür verpulvert wurden.

 

Einige Jahre später, Anfang der 90er Jahre, schloss sich Lauder einer neu gegründeten Gruppe an, die lange Zeit der Aufmerksamkeit der Medien entgangen ist, aber vor kurzem im Zusammenhang mit dem Jeffrey-Epstein-Skandal Interesse geweckt hat: die Mega Group.

 

Lauder, Epstein und der mysteriöse österreichische Pass

 

Bevor wir zur Mega Group kommen, sollten wir einen besonderen Vorgang erwähnen, der anscheinend von Lauder während seiner US-Botschafterzeit in Österreich getätigt wurde und der kürzlich im Zusammenhang mit der Verhaftung Jeffrey Epsteins Anfang Juli ans Licht kam. Als erster berichtete der Journalist Edward Szall darüber. Als die Polizei kürzlich bei einer Razzia von Epsteins Residenz in Manhattan einen österreichischen Pass mit Epsteins Bild und einem gefälschten Namen entdeckte, wurden Quelle und Zweck des Passes von den Medien untersucht.

 

Laut Associated Press argumentierten Epsteins Verteidiger ausdrücklich, dass "ein Freund ihm [Epstein] in den 1980er Jahren den Pass gab, nachdem einigen jüdisch-amerikanischen Bürgern informell empfohlen worden war, bei internationalen Reisen in einer Zeit, in der Entführungen häufiger stattfanden, einen Ausweis mit einem nicht-jüdischen Namen zu tragen." Diese Behauptung scheint mit den Bedenken zusammenzuhängen, die nach der Entführung des Air France Flugs 139 im Jahr 1976 entstanden, als israelische und jüdische Geiseln von anderen Geiseln getrennt wurden, weitgehend aufgrund der in ihrem Besitz befindlichen Pässe.

 

Da Epstein nicht in der Lage war, die üblichen Voraussetzungen für einen österreichischen Pass zu erfüllen – einschließlich eines dauerhaften Wohnsitzes in Österreich (der Pass führt ihn als Einwohner Saudi-Arabiens auf) und der Beherrschung der deutschen Sprache – so scheint der einzige Weg, einen österreichischen Pass zu erwerben, der unkonventionelle gewesen zu sein, d.h. die Hilfe eines gut vernetzten österreichischen Amtsträgers oder einflussreichen ausländischen Diplomaten in Österreich.

    Ronald Lauder (rechts) und Österreichs Kanzler Viktor Klima posieren

       mit Schülern der Lauder Chabad Schule in Wien, Österreich 1999

 

Lauder, damals Botschafter der Reagan-Regierung in Österreich, wäre gut positioniert gewesen, einen solchen Pass zu besorgen, insbesondere aus dem von Epsteins Anwälten genannten Grund, dass jüdische Amerikaner während der Reise ins Visier genommen werden könnten, und angesichts von Lauders sehr öffentlichen Bedenken über die Bedrohung von Juden durch bestimmte Terrorgruppen. Außerdem war der Pass 1987 ausgestellt worden, als Lauder noch als Botschafter tätig war.

 

Darüber hinaus war Lauder gut mit Epsteins ehemaligem Gönner bekannt – dem ehemaligen Chef von Bear Stearns Alan Greenberg, der Epstein in den späten 1970er Jahren eingestellt hatte, nachdem letzterer aus der Dalton School geflogen war – und mit Donald Trump. Trump war ein weiterer Freund von Lauder und Greenberg, der 1987 seine Freundschaft mit Epstein begann. Im selben Jahr wurde der gefälschte österreichische Pass ausgestellt. 1987 begann Epstein auch seine Beziehung zu seinem Hauptfinanzier Leslie Wexner, der ebenfalls eng mit Lauder verbunden ist (obwohl einige Quellen behaupten, dass Epstein und Wexner sich 1985 kennenlernten, wurde ihre enge Geschäftsbeziehung erst 1987 aufgebaut).

 

Obwohl Epsteins Verteidiger es ablehnte, die Identität des "Freundes" preiszugeben, der ihm den gefälschten österreichischen Pass zur Verfügung stellte, war Lauder sowohl für dessen Erwerb in Österreich gut positioniert als auch tief mit der Mega Group verbunden, die von Epsteins Gönner Leslie Wexner mitbegründet wurde und zu der Epstein viele Verbindungen hat. Diese Verbindungen sowohl zur österreichischen Regierung als auch zu Epsteins Mentor machen Lauder zur wahrscheinlichsten Person, die das Dokument für Epstein erworben hat.

 

Darüber hinaus deuten die Verbindungen Epsteins und der Mega Group zum israelischen Geheimdienst Mossad darauf hin, dass Lauder an der Beschaffung des Passes beteiligt war, angesichts seiner engen Verbindungen zur israelischen Regierung und der Tatsache, dass der Mossad bekannt dafür ist, dass er Botschafter im Ausland benutzt, um falsche, ausländische Pässe für seine Mitarbeiter zu beschaffen.

 

Lauder selbst soll Verbindungen zum Mossad haben, da er ein langjähriger Förderer von IDC Herzliya ist, einer israelischen Universität, die eng mit dem Mossad und seinen Anwerbern sowie dem israelischen Militärgeheimdienst verbunden ist. Lauder hat sogar die Lauder School of Government, Diplomacy and Strategy des IDC Herzliya gegründet.

 

Darüber hinaus gründete Lauder zusammen mit Mark Palmer, einem ehemaligen US-Diplomaten, Kissinger-Assistenten und Redenschreiber für Reagan, den osteuropäischen Sender CETV. Palmer ist bekannter für die Mitgründung des National Endowment for Democracy (NED), einer Organisation, die oft als Zubehör für den US-Geheimdienst beschrieben wird und deren erster Präsident der Washington Post gestand, dass "vieles, was wir heute tun, vor 25 Jahren heimlich von der CIA getan wurde". Laut einem Bericht von 2001 im Evening Standard hatte Epstein einmal behauptet, dass er in den 1980ern für die CIA gearbeitet habe, aber Epstein distanzierte sich später von dieser Behauptung.

 

Die Ursprünge der Mega Group-Mafia

 

Die Mega Group – eine verschwiegene Gruppe von Milliardären, zu der Lauder gehört – wurde 1991 von Charles Bronfman und Leslie Wexner gegründet, und Leslie Wexner wurde nach der Verhaftung seines ehemaligen Protegés Jeffrey Epstein im Juli von den Medien genau unter die Lupe genommen. Medienprofile zeichnen die Gruppe als "einen locker organisierten Klub von 20 der reichsten und einflussreichsten jüdischen Geschäftsleute des Landes", der sich auf "Philanthropie und Judentum" konzentriert, mit Mitgliedsbeiträgen von mehr als 30.000 Dollar pro Jahr. Jedoch haben einige seiner prominentesten Mitglieder Verbindungen zur organisierten Kriminalität.

 

Mitglieder der Mega Group haben einige der bekanntesten Pro-Israel-Organisationen gegründet und/oder sind eng mit ihnen verbunden. So gründeten die Mitglieder Charles Bronfman und Michael Steinhardt mit Unterstützung des damaligen und derzeitigen Premierministers Benjamin Netanyahu die Organisation Taglit Birthright.

https://de.wikipedia.org/wiki/Taglit_%E2%80%93_Birthright_Israel

 

Steinhardt, ein Atheist, gab als Motiv für seine Hilfe für die Gründung der Gruppe den Wunsch an, seine eigene Überzeugung zu stärken, dass Hingabe und Glaube an den Staat Israel als "Ersatz für [jüdische] Theologie" dienen sollten.

 

Weitere bekannte mit der Mega Group verbundene Gruppen sind der World Jewish Congress – dessen ehemaliger Präsident Edgar Bronfman und der derzeitige Präsident Ronald Lauder beide Mitglieder der Mega Group sind – und B'nai B'rith, insbesondere ihr Ableger, die Anti-Defamation League (ADL). Die Bronfman-Brüder waren Hauptsponsoren der ADL, wobei Edgar Bronfman mehrere Jahre lang der ehrenamtliche nationale Vizevorsitzender der ADL war.

Israels Ex-Präsident Shimon Peres (zweiter von links) mit Edgar Bronfman während eines Dinners zu Ehren von Peres. Von links: Laurence Tisch, Präsident und Vorsitzender von CBS, der israelische Botschafter in den USA, Itamar Rabinowitz, und Bronfman.

 

Als Edgar Bronfman 2013 starb, sagte der langjährige ADL-Direktor Abe Foxman: "Edgar war viele Jahre lang Vorsitzender unserer Liquor Industry Division, Vorsitzender unseres New York Appeals und einer unserer bedeutendsten Wohltäter". Weitere Mitglieder der Mega Group, dabei Geldgeber und wichtige Unterstützer der ADL, sind Ronald Lauder, Michael Steinhardt und der verstorbene Max Fisher. Wie bereits erwähnt, war Roy Cohns Vater ein langjähriger Führer von B'nai B'riths einflussreichem New England/New York Kapitel, und Cohn war später ein gefeiertes Mitglied von B'nai B'riths Bank- und Finanz-Loge.

 

Darüber hinaus waren Mitglieder der Mega Group auch Schlüsselakteure in der Pro-Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten. So gründete Max Fisher von der Mega Group die National Jewish Coalition, die heute als Republican Jewish Coalition bekannt ist – die wichtigste proisraelische neokonservative politische Lobbygruppe, die für ihre Unterstützung kriegerischer Politik bekannt ist und deren derzeitige Hauptgönner Sheldon Adelson und Bernard Marcus zu den wichtigsten Geldgebern Donald Trumps gehören.

 

Obwohl die Mega Group offiziell erst seit 1991 existiert, wurde dem Einsatz von "Philanthropie" zur Verhüllung skrupelloser Lobbyarbeit oder Geschäftsaktivitäten Jahrzehnte zuvor von Sam Bronfman, dem Vater der Mega Group-Mitglieder Edgar und Charles Bronfman, der Weg bereitet. Während andere nordamerikanische Eliten wie J.D. Rockefeller früher philanthropisches Spenden als Mittel zur Wäsche ihres Rufes benutzt hatten, war Bronfmans philanthropische Methode einzigartig, weil sie sich speziell auf Spenden an andere Mitglieder seiner eigenen ethnisch-religiösen Herkunft konzentrierte.

 

Wie in Teil 1 dieser Serie beschrieben, hatte Sam Bronfman langjährige tiefe Bindungen zur organisierten Kriminalität, insbesondere zum Syndikat der organisierten Kriminalität von Meyer Lanksy. Bronfmans privater Ehrgeiz war es jedoch, so die Ansicht von ihm nahestehenden Personen, ein angesehenes Mitglied der High Society zu werden. Infolgedessen arbeitete Bronfman hart daran, den Schandfleck zu entfernen, den seine Mafia-Verbindungen auf seinem öffentlichen Ruf in Kanada und im Ausland hinterlassen hatten. Er erreichte dies, indem er ein Führer in Kanadas zionistischer Bewegung wurde, und Ende der 1930er Jahre war er Leiter des Canadian Jewish Congress und hatte begonnen, sich als Philanthrop für jüdische Belange einen Namen zu machen.

 

Doch selbst einiges in Bronfmans Aktivismus und Philanthropie wies auf den mafiaähnlichen Ruf hin, den er so sehr abzuschütteln versuchte. So war Bronfman vor 1948 aktiv an der illegalen Lieferung von Waffen an zionistische Paramilitärs in Palästina beteiligt, insbesondere als Mitbegründer der National Conference for Israeli and Jewish Rehabilitation, die Waffen an die paramilitärische Gruppe Haganah schmuggelte.

 

Zur gleichen Zeit als Bronfman den illegalen Schmuggel von Waffen an die Haganah förderte, taten seine Mitarbeiter in der kriminellen Unterwelt das gleiche. Nach dem Zweiten Weltkrieg schmiedeten enge Gehilfen von David Ben-Gurion, der später der erste Premierminister Israels wurde und maßgeblich an der Gründung des Mossad beteiligt war, enge Beziehungen zu Meyer Lansky, Benjamin "Bugsy" Siegel, Mickey Cohen und anderen jüdischen Gangstern der Zeit. Sie nutzten ihre geheimen Netzwerke, um ein riesiges Waffenschmuggelnetzwerk zwischen den Vereinigten Staaten und zionistischen Siedlungen in Palästina aufzubauen, das die paramilitärischen Gruppen sowohl der Haganah als auch des Irgun bewaffnete. Wie in Teil 1 dieses Berichts erwähnt, halfen diese Gangster bei der illegalen Bewaffnung der paramilitärischen Einheiten der Zionisten, während sie gleichzeitig ihre Verbindungen zum US-Geheimdienst verstärkten, der erstmals offiziell (wenn auch heimlich) im Zweiten Weltkrieg gebildet worden war.

 

Nach der Gründung Israels arbeitete Sam Bronfman mit dem zukünftigen israelischen Premierminister Shimon Peres zusammen, um den Verkauf kanadischer Rüstungsgüter zum halben Preis an Israel auszuhandeln, und der günstige Waffenkauf wurde vollständig durch ein Spendendinner finanziert, das von Bronfman und seiner Frau veranstaltet wurde. Viele Jahre später stellte Peres Jeffrey Epstein einen weiteren zukünftigen Premierminister Israels vor: Ehud Barak.

 

Den Rest des Marsches der Familie Bronfman auf dem "Weg zur Ehrbarkeit" unternahmen Bronfmans Kinder, die in aristokratische Familien wie die europäischen Rothschilds und die Wall Street "Royalties" der Lehmans und Loebs einheirateten.

 

Die neu gefundene Ehrbarkeit der Bronfmans bedeutete nicht, dass ihre Verbindung mit dem von Lansky geführten Verbrecherimperium aufgelöst worden wäre. Tatsächlich gerieten prominente Mitglieder der Seagrams-Dynastie in den 1960er und 1970er Jahren wegen ihrer engen Verbindung mit Willie "Obie" Obront in die Kritik, einer wichtigen Figur der kanadischen organisierten Kriminalität, die der kanadische Professor Stephen Schneider als „Meyer Lansky von Kanada“ bezeichnet hat.

 

Edgar und Charles Bronfman waren jedoch nicht die einzigen Mitglieder der Mega Group mit tiefen und langjährigen Verbindungen zum Lansky-geführten National Crime Syndicate. Tatsächlich hat sich einer der prominenten Mitglieder der Gruppe, Hedge-Fonds-Manager Michael Steinhardt, in seiner Autobiographie Kein Bulle: Mein Leben in und außerhalb der Märkte über seine eigenen familiären Bindungen zu Lansky geäußert. Er merkte an, dass sein Vater Sol "Red McGee" Steinhardt der bevorzugte Juwelenhehler Lanskys und ein Hauptakteur in New Yorks krimineller Unterwelt war. Sol Steinhardt war auch der erste Kunde seines Sohnes an der Wall Street und half ihm, seine Karriere im Finanzsektor auf Touren zu bringen.

 

Die Beziehungen zwischen der Mega Group und dem National Crime Syndicate sind hier noch lange nicht zu Ende. Ein weiteres prominentes Mitglied der Mega Group mit Verbindungen zu diesem kriminellen Netzwerk ist Max Fisher, der als Wexners Mentor beschrieben worden ist und auch mit Detroits "Purple Gang" während der Prohibition und danach gearbeitet haben soll. Die Purple Gang war Teil des Netzwerks, das während der Prohibition Bronfman-Spirituosen aus Kanada in die Vereinigten Staaten schmuggelte, und einer ihrer Gründer, Abe Bernstein, war ein enger Partner von Meyer Lansky und Moe Dalitz. Fisher war ein wichtiger Berater mehrerer US-Präsidenten – der erste war Dwight D. Eisenhower - sowie Henry Kissingers.

Max Fisher, Mitte, und Henry Kissinger, rechts, treffen sich mit Führern jüdischer Organisationen vor Kissingers Reise in den Nahen Osten 1975

 

Neben Fisher war das Mega Group-Mitglied Ronald Lauder mit Roy Cohn und Tom Bolan verbunden, die beide eng mit demselben von Lansky geführten kriminellen Netzwerk zusammenhingen (siehe Teil 1 und 2) und die regelmäßig Spitzenpersonen der Mafia vor Gericht verteidigten. Darüber hinaus ist ein weiteres Mitglied der Mega Group, der Regisseur Steven Spielberg, ein bekannter Protegé von Lew Wasserman, dem Medienmogul mit Mafia-Verbindungen und langjährigen Unterstützer von Ronald Reagans Film- und später politischer Karriere, was in Teil 2 dieser Serie besprochen wurde.

 

Eine überraschende Verbindung zu Cohn bildet Lester Crown, Mitglied der Mega Group und ehemaliger Präsident der US-Waffenfirma General Dynamics, dessen Schwager David Schine ist, Cohns Vertrauter und angeblicher Liebhaber während der McCarthy-Anhörungen, dessen Beziehung zu Cohn dazu beitrug, den Untergang des McCarthyismus herbeizuführen.

 

Ein weiteres bemerkenswertes Mitglied der Mega Group ist Laurence Tisch, der mehrere Jahre lang im Besitz von CBS News war und die Loews Corporation gründete. Tisch ist bekannt für seine Arbeit für das Office of Strategic Services (OSS), den Vorläufer der CIA, wo Donald Barr, der Epstein an der Dalton School einstellte, ebenfalls diente und das während des Zweiten Weltkriegs Verbindungen zu Lanskys kriminellem Imperium knüpfte.

 

Wexners Villen und der Shapiro-Mord

 

Auch Leslie "Les" Wexner, der andere Mitbegründer der Mega Group, ist mit der organisierten Kriminalität verbunden. Wexners Verbindungen zu Jeffrey Epstein wurden nach dessen kürzlicher Verhaftung unter die Lupe genommen, da Wexner sowohl der einzige öffentlich bekannte Kunde von Epsteins verdächtigem Hedgefonds, der Quelle eines Großteils seines Reichtums, als auch der frühere Eigentümer von Epsteins 56 Millionen Dollar-Stadthaus in Manhattan war, das Wexner kostenlos an ein von Epstein kontrolliertes Unternehmen übertragen hat.

 

Bevor Epstein das Stadthaus erhielt, scheint Wexner die Residenz für einige unkonventionelle Zwecke benutzt zu haben. Ein Artikel der New York Times von 1996 über die damals Wexner gehörende Residenz erwähnt "ein Badezimmer, das an James-Bond-Filme erinnert: versteckt unter einer Treppe, mit Blei ausgekleidet, um vor Angriffen zu schützen, und mit Fernsehbildschirmen zur Videoüberwachung und einem Telefon ausgestattet, die in einem Schrank unter dem Waschbecken versteckt sind". Der Times-Artikel spekuliert nicht über den Zweck dieser Ausrüstung, obwohl die Anspielung auf den berühmten literarischen Superspion James Bond darauf hindeutet, dass sie benutzt worden sein könnte, um Gäste auszuspionieren oder eine elektronische Überwachung durchzuführen.

 

Der Artikel der Times von 1996 stellte auch fest, dass Wexner, nachdem er die Residenz 1989 für 13,2 Millionen Dollar gekauft hatte, weitere Millionen für Dekoration und Einrichtung des Hauses ausgab, einschließlich der neuen elektronischen Geräte im "James Bond"-Badezimmer, nur um anscheinend nie darin zu wohnen. Die Times, die Epstein für den Artikel interviewte, zitierte diesen mit den Worten: "Les verbrachte dort nie mehr als zwei Monate". Epstein, den die Times als Wexners "Protegé und einen seiner Finanzberater" identifizierte, sagte, das Haus habe zu diesem Zeitpunkt bereits ihm gehört.

 

Im selben Jahr besorgte Epstein die künstlerische Gestaltung von Wexners Villa in Ohio. Ein kürzlich erschienener Artikel der Times stellte fest:

 

Im Sommer 1996 arbeitete Maria Farmer an einem Kunstprojekt für Mr. Epstein in Mr. Wexners Villa in Ohio. Laut einer eidesstattlichen Erklärung, die Ms. Farmer Anfang dieses Jahres beim Bundesgericht in Manhattan eingereicht hat, griff Mr. Epstein sie sexuell an, während sie dort war. Sie sagte, dass sie aus dem Raum floh und die Polizei rief, aber dass Mr. Wexners Sicherheitspersonal sich 12 Stunden lang weigerte, sie gehen zu lassen."

 

Farmers Bericht legt nahe, dass Wexner angesichts des Verhaltens seines persönlichen Sicherheitspersonals in seiner Villa nach Epsteins angeblichem Angriff auf Farmer sehr wohl über Epsteins übergriffiges Verhalten gegenüber jungen Frauen Bescheid wusste. Hinzu kommen Behauptungen von Alan Dershowitz – einem ehemaligen Anwalt und Freund von Epstein, der auch der Vergewaltigung minderjähriger Mädchen beschuldigt wurde – dass auch Wexner mindestens sieben Mal der Vergewaltigung minderjähriger Mädchen beschuldigt worden ist, die von Epstein ausgenutzt wurden.“

 

Die Anwesenheit der elektronischen Geräte im Badezimmer seines Hauses, andere Besonderheiten im Zusammenhang mit dem Stadthaus und Aspekte der Verbindungen zwischen Epstein und Wexner deuten darauf hin, dass hinter Wexner, der wie andere prominente Mitglieder der Mega Group ziemlich erfolgreich das öffentliche Bild eines ehrbaren Geschäftsmanns und Philanthropen entwickelt hat, noch mehr steckt.

            Leslie Wexner und seine Frau Abigail bei der Ausstellung

                  „Transfigurationen“ im Wexner Center for the Arts

 

Allerdings sind Teile von Wexners privaten Geheimnissen gelegentlich an die Luft gekommen, nur um dann aufgrund von Befürchtungen, man könne den mächtigen und gut vernetzten Milliardär und "Philanthropen" mit ihnen "verleumden", schnell vertuscht zu werden.

 

1985 wurde der Anwalt Arthur Shapiro aus Columbus (Ohio) am helllichten Tag aus nächster Nähe bei einem weithin so genannten "Mord im Mafia-Stil" ermordet. Der Mord ist nach wie vor ungeklärt, wahrscheinlich deshalb, weil der damalige Polizeichef von Columbus James Jackson die Vernichtung wichtiger Dokumente der Mord- Ermittlungen seiner Abteilung angeordnet hat.

 

Jacksons Anordnung der Vernichtung der Dokumente kam Jahre später, 1996, ans Licht, als gegen ihn wegen Korruption ermittelt wurde. Laut dem Columbus Dispatch rechtfertigte Jackson die Zerstörung eines "wichtigen und wertvollen" Berichts, weil er der Meinung war, dass er "so voll von wilden Spekulationen über prominente Wirtschaftsführer war, dass er möglicherweise verleumderisch war". Diese "wilde Spekulation" bestand darin, dass "millionenschwere Geschäftsleute in Columbus und Youngstown mit dem Mord im Mafia-Stil in Verbindung gebracht wurden."

 

Obwohl Jacksons Bemühungen darauf abzielten, diesen "verleumderischen" Bericht von den Augen der Öffentlichkeit fernzuhalten, wurde er schließlich von Bob Fitrakis – einem Rechtsanwalt, Journalisten und Exekutivdirektor des Columbus Institute for Contemporary Journalism – ausfindig gemacht, nachdem ihm 1998 "versehentlich" eine Kopie des Berichts, als Teil einer Anfrage nach Behördenakten, gesandt worden war.

 

Der Bericht mit dem Titel "Shapiro Morduntersuchung: Analyse und Hypothese", nennt Leslie Wexners Verbindung "zu Mitarbeitern, die als Personen der organisierten Kriminalität gelten," und listet auch die Namen des Geschäftsmannes Jack Kessler, des ehemaligen Columbus-Stadtratsvorsitzenden und Wexner-Partners Jerry Hammond und des ehemaligen Columbus-Stadtratsmitglieds Les Wright auf, die ebenfalls in die Ermordung Shapiros verwickelt seien.

 

Der Bericht stellte auch fest, dass Arthur Shapiros Anwaltskanzlei – Schwartz, Shapiro, Kelm & Warren – Wexners Firma The Limited vertrat und erklärte, dass "Arthur Shapiro vor seinem Tod dieses Konto [The Limited] für die Anwaltskanzlei verwaltete". Er stellte auch fest, dass Shapiro zum Zeitpunkt seines Todes "Gegenstand einer Untersuchung der Steuerbehörde war, weil er vor seinem Tod etwa sieben Jahre lang keine Einkommensteuererklärungen eingereicht und in einige fragwürdige Steueroasen investiert hatte". Es wurde auch festgestellt, dass Shapiros Tod seine geplante Aussage bei einer Anhörung vor dem Großen Geschworenengericht über diese "fragwürdigen Steueroasen" verhindert hat.

 

Was Wexners angebliche Verbindungen zur organisierten Kriminalität betrifft, so konzentriert sich der Bericht auf die engen Geschäftsbeziehungen zwischen Wexners The Limited und Francis Walsh, dessen Spedition "mehr als 90 Prozent des Speditionsgeschäfts der Limited zum Zeitpunkt von Shapiros Ermordung ausgemacht hat", so der Bericht. Walsh wurde 1988 in einer Anklage als "Mitverschwörer" des Chefs der Verbrecherfamilie Genovese genannt, Anthony "Fat Tony" Salerno, dessen langjähriger Anwalt Roy Cohn war. Und der Shapiro-Mordbericht erklärte, Walsh werde "immer noch als Mitarbeiter der Genovese/LaRocca-Verbrecherfamilie angesehen, und Walsh stellte immer noch LKW-Transporte für The Limited bereit".

 

Vor allem die Verbrecherfamilie Genevose ist seit langem ein wichtiger Bestandteil des National Crime Syndicate, da es ihr ehemaliger Boss, Charles "Lucky" Luciano, war, der die kriminelle Organisation zusammen mit seinem engen Freund Meyer Lansky schuf. Nach Lucianos Inhaftierung und anschließender Deportation aus den Vereinigten Staaten übernahm Lansky die US-Operationen des Syndikats, und seine Zusammenarbeit mit Lucianos Nachfolgern dauerte bis zu Lanskys Tod 1983.

 

Das "Mega"-Mysterium und der Mossad

 

Im Mai 1997 brachte die Washington Post eine explosive – inzwischen längst vergessene – Geschichte über ein abgelauschtes Telefonat zwischen einem Mossad-Beamten in den USA und seinem Vorgesetzten in Tel Aviv, bei dem es um die Bemühungen des Mossad ging, ein geheimes Dokument der US-Regierung zu ergattern. Laut WaPo erklärte der Mossad-Beamte während des Telefonats, "der israelische Botschafter Eliahu Ben Elissar habe ihn gefragt, ob er eine Kopie des Schreibens erhalten könne, das [dem Palästinenserführer] Arafat am 16. Januar, dem Tag nach der Unterzeichnung des Hebron-Abkommens durch Arafat und den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, von [dem damaligen Außenminister Warren] Christopher, überreicht worden sei".

 

Weiter heißt es in dem Artikel der WaPo:

 

Laut einer Quelle, die eine Kopie des NSA-Protokolls des Gesprächs eingesehen hat, sagte der Geheimdienstoffizier auf Hebräisch: "Der Botschafter möchte, dass ich zu Mega gehe, um eine Kopie dieses Briefes zu bekommen.“ Die Quelle sagte, der Vorgesetzte in Tel Aviv habe das Ansinnen abgelehnt und gesagt: 'Dies ist nichts, wofür wir Mega verwenden'."

 

Die durchgesickerte Kommunikation führte zu einer Untersuchung, die darauf abzielte, eine Person mit dem Codenamen "Mega" zu identifizieren, von der die WaPo sagte, es "könnte jemand in der US-Regierung sein, der den Israelis in der Vergangenheit Informationen zur Verfügung gestellt hat". Ein Verdacht, der später zu einer erfolglosen FBI-Untersuchung führte. Der Mossad behauptete später, "Mega" sei nur ein Codewort für die amerikanische CIA , aber das FBI und die NSA waren von dieser Behauptung nicht überzeugt und glaubten, dass es sich um einen hochrangigen US-Regierungsbeamten handelte, der möglicherweise einmal an der Arbeit von Jonathan Pollard beteiligt gewesen war, dem ehemaligen US-Navy-Geheimdienst-Analysten, der später wegen Spionage für den Mossad verurteilt wurde.

 

Fast ein Jahr nach Bekanntwerden des Spionageskandals "Mega" berichtete das Wall Street Journal erstmals über die Existenz einer wenig bekannten Milliardärsorganisation, die "informell" Mega Group genannt wurde und bereits 1991 gegründet worden war. Der Bericht erwähnte nicht den Spionageskandal, der erst ein Jahr zuvor Bedenken wegen israelischer Spionage in den USA erregt hatte. Der unverwechselbare "informelle" Name der Gruppe und die Verbindungen ihrer Mitglieder zum Mossad und zu hochrangigen israelischen Politikern, darunter Ministerpräsidenten, lassen jedoch vermuten, dass "Mega" kein Individuum war, wie das FBI und die NSA geglaubt hatten, sondern eine Gruppe.

 

Als 1997 der "Mega"-Spionageskandal ans Licht kam, war Netanyahu gerade nach einem umstrittenen Sieg Premierminister Israels geworden. Ein Sieg, der weitgehend einem gut vernetzten Netanyahu-Geldgeber, nämlich Ronald Lauder, zu verdanken war. Lauder war nicht nur ein bedeutender Geldgeber, sondern hatte auch Arthur Finklestein dazu gebracht, für Netanyahus Wahlkampf 1996 zu arbeiten, dessen Strategien für den Überraschungssieg von Netanyahu gelobt wurden. Netanyahu stand Lauder so nahe, dass er Lauder und George Nader persönlich als seine Friedensbotschafter nach Syrien verpflichtete.

              Benjamin Netanyahu und seine Frau Sara mit Ronald Lauder 1997

 

Nader, der mit dem Trump-Wahlkampf 2016 und dem Trump-Verbündeten und Blackwater-Gründer Erik Prince verbunden war, wurde im vergangenen Monat mit Bundesklagen wegen Kindersex-Handels belastet, kurz nachdem Jeffrey Epstein wegen ähnlicher Anschuldigungen verhaftet worden war. Als Nader ausgewählt wurde, um mit Lauder zugunsten von Netanyahu zusammenzuarbeiten, war er bereits zweimal im Besitz von großen Mengen an Kinderpornographie erwischt worden, zuerst 1984 und dann 1990.

 

Diese starke Verbindung zwischen Netanyahu und Lauder in der Zeit des "Mega"-Spionageskandals von 1997 ist wichtig, wenn man bedenkt, dass der Mossad direkt dem israelischen Premierminister untersteht.

 

Eine weitere mögliche Verbindung zwischen der Mega Group und dem Mossad ist den Verbindungen der Mega Group zum kriminellen Netzwerk von Meyer Lansky zu verdanken. Wie in Teil 1 beschrieben, hatte Lansky nach dem Zweiten Weltkrieg enge Verbindungen zum US-Geheimdienst aufgebaut und war auch über den Mossad-Beamten Tibor Rosenbaum mit dem Mossad verbunden, dessen Bank von Lansky häufig zur Geldwäsche benutzt wurde. Darüber hinaus arbeitete Lansky mindestens einmal mit dem berüchtigten Mossad "Superspion" Rafi Eitan zusammen, dem er half, sensible elektronische Geräte zu erwerben, die nur die CIA besaß, aber die vom israelischen Geheimdienst begehrt wurden. Eitan ist in den USA am bekanntesten als Mossad-Betreuer von Jonathan Pollard.

 

Bemerkenswerterweise war Eitan die Hauptquelle für Behauptungen, dass sich das von den Mossad-Beamten 1997 verwendete Codewort "Mega" auf die CIA bezog und nicht auf eine potenzielle Quelle in der US-Regierung, die einst mit Pollards Spionageaktivitäten in Verbindung gestanden hatte, was seine Behauptungen über die wahre Bedeutung des Begriffs etwas zweifelhaft machte.

 

Da das an die Mega Group gebundene Netzwerk der organisierten Kriminalität sowohl mit dem US-amerikanischen als auch mit dem israelischen Geheimdienst verbunden war, ist es plausibel, dass das Codewort "Mega" sich auf diese geheimnisvolle Gruppe von Milliardären bezog. Ein weiterer Beleg dafür ist die Tatsache, dass prominente Mitglieder der Mega Group Geschäftspartner von Mossad-Agenten waren, darunter der Medienmogul Robert Maxwell und der Rohstoffhändler Marc Rich.

 

Die rätselhaften Maxwells

 

Die Maxwell-Familie ist nach Jeffrey Epsteins Verhaftung zu einem Objekt erneuten Medieninteresses geworden, da Ghislaine Maxwell, in den Medien lange Zeit als britische "Salonlöwin" gehandelt, öffentlich als Epsteins langjährige "ab und zu"-Freundin bezeichnet wurde, und Epsteins Opfer sowie ehemalige Ehefrauen von Epsteins Freunden behauptet haben, sie sei Epsteins "Zuhälterin" gewesen und habe Mädchen für seine sexuelle Erpressungsaktionen vermittelt. Ghislaine Maxwell wird auch vorgeworfen, sich an der Vergewaltigung der von ihr für Epstein beschafften Mädchen beteiligt und sie für die Produktion von Kinderpornographie verwendet zu haben.

 

Ghislaine war die Lieblings- und jüngste Tochter des Medienmoguls Robert Maxwell. Maxwell, geb. Jan Ludvick Hoch, war im Zweiten Weltkrieg in die britische Armee eingetreten. Laut den Autoren John Loftus und Mark Aarons hat er später die Entscheidung der tschechoslowakischen Regierung stark beeinflusst, zionistische Paramilitärs während des Krieges von 1948 zu bewaffnen, der zur Gründung des Staates Israel führte, und Maxwell selbst war auch am Schmuggel von Flugzeugteilen nach Israel beteiligt.

 

Etwa zu dieser Zeit wurde Maxwell vom britischen Geheimdienst MI6 angesprochen; ihm wurde eine Position angeboten, die Maxwell schließlich ablehnte. MI6 klassifizierte ihn dann als "Zionist - loyal nur gegenüber Israel" und machte ihn zu einer „Person von Interesse“. Später wurde er ein Agent des Mossad, so heißt es in mehreren Büchern, darunter Robert Maxwell: Israels Superspion von Gordon Thomas und Martin Dillon. Außerdem behauptet Seymour Hersh in seinem Buch Die Samson-Option: Israels Atomwaffenarsenal und die amerikanische Außenpolitik, Maxwell sei mit dem israelischen Geheimdienst verbunden.

 

Victor Ostrovsky, ein ehemaliger Mossad-Führungsoffizier, führte aus:

 

Der Mossad finanzierte viele seiner Operationen in Europa mit Geld, das aus Maxwells Zeitungs-Pensionsfonds gestohlen wurde. Sie bekamen die Mittel fast sofort in die Hand, als Maxwell den Kauf der Mirror Newspaper Group mit Geld tätigte, das ihm vom Mossad geliehen wurde."

 

Im Austausch für seine Dienste half der Mossad Maxwell, während seiner Besuche in Israel seinen sexuellen Appetit zu befriedigen, indem er ihm Prostituierte zur Verfügung stellte, "ein Dienst, der zu Erpressungszwecken aufrecht erhalten wurde". Später wurde bekannt, dass das Hotel, in dem er in Israel wohnte, mit Kameras verwanzt war, so dass der Mossad sich "eine kleine Bibliothek mit Videomaterial von Maxwell in sexuell kompromittierenden Positionen" zulegen konnte. Wie bei der CIA ist die Erpressung von Freund und Feind durch den Mossad gut dokumentiert und als umfangreich bekannt.

 

Maxwell war auch ein enger Partner und Freund des israelischen "Superspions" Rafi Eitan, der, wie bereits erwähnt, Jonathan Pollards Kontaktperson war und der zuvor direkt mit Meyer Lansky zusammengearbeitet hatte. Eitan hatte von Earl Brian, einem langjährigen Mitarbeiter und Helfer Ronald Reagans, von einer revolutionären neuen Software namens „Promis“ erfahren, die von der US-Regierung benutzt wurde. Promis gilt oft als Vorläufer der heute von Spionageagenturen verwendeten "Prism"-Software und wurde von William Hamilton entwickelt, der die Software 1982 über seine Firma Inslaw an die US-Regierung vermietete.

     Ariel Sharon trifft sich am 20. Februar 1990 in Jerusalem mit Robert Maxwell

 

Laut dem Autor und ehemaligen BBC-Investigativjournalisten Gordon Thomas ärgerte sich Brian, dass das US-Justizministerium „Promis“ mit Erfolg auf der Suche nach organisierter Kriminalität und Geldwäsche einsetzte, und Eitan fühlte, dass das Programm Israel helfen könnte. Damals war Eitan Direktor des inzwischen nicht mehr existierenden israelischen Militär-Geheimdienstes Lekem, der wissenschaftliche und technische Erkenntnisse aus öffentlichen und verdeckten Quellen im Ausland sammelte, insbesondere im Zusammenhang mit Israels Atomwaffenprogramm.

 

Es wurde der Plan ausgeheckt, eine "Falltür" in der Software zu installieren und dann „Promis“ auf der ganzen Welt zu vermarkten, was dem Mossad unschätzbare Informationen über die Operationen seiner Feinde und Verbündeten liefern und gleichzeitig Eitan und Brian mit reichlich Bargeld versorgen sollte. Nach Aussage des ehemaligen Mossad-Beamten Ari Ben-Menashe stellte Brian eine Kopie von „Promis“ Israels militärischem Geheimdienst zur Verfügung, der sich an einen in Kalifornien lebenden israelisch-amerikanischen Programmierer wandte, der dann die "Falltür" in die Software einpflanzte. Die CIA soll später ihre eigene Falltür in der Software installiert haben, aber es ist unbekannt, ob sie das mit einer Version der bereits verwanzten Software getan hat und wie weit sie im Vergleich zu der vom israelischen Geheimdienst verwanzten Version übernommen wurde.

 

Nachdem die Falltür installiert war, erwies es sich als schwierig, die verwanzte Version der Software an Regierungen und private Unternehmen auf der ganzen Welt zu verkaufen, insbesondere in den Gebieten, die von Interesse waren. Brian versuchte zunächst, Inslaw und Promis aufzukaufen und dann dieselbe Firma zu benutzen, um die verwanzte Version zu verkaufen.

 

Als das nicht klappte, wandte sich Brian an seinen engen Freund, den damaligen Justizminister Ed Meese, dessen Justizministerium sich dann aber abrupt weigerte, die vertraglich festgelegten Zahlungen an Inslaw zu leisten, und im Wesentlichen die Software kostenlos verwendete, was Inslaw als Diebstahl bezeichnete. Es gab Spekulationen, dass Meeses Rolle bei jener Entscheidung nicht nur durch seine Freundschaft mit Brian beeinflusst wurde, sondern auch durch die Tatsache, dass seine Frau ein wichtiger Investor in Brians Geschäftsunternehmungen war. Meese wurde später Berater von Donald Trump, als der zum Präsidenten gewählt war.

 

Inslaw war gezwungen, als Folge von Meeses Handlungen Konkurs zu erklären, und verklagte das Justizministerium. Das Gericht stellte später fest, dass die von Meese geführte Abteilung die Software durch "Tricks, Betrug und Täuschung" "entwendet, umgewandelt und gestohlen" hatte.

 

Nachdem Inslaw aus dem Weg geräumt war, verkaufte Brian die Software an die ganze Welt. Als weiteren Promis-Verkäufer rekrutierte Eitan später Robert Maxwell, der seinen Job bemerkenswert gut machte. Es gelang ihm sogar, die Software an sowjetische Geheimdienste zu verkaufen und sich mit dem republikanischen Texas-Senator John Tower zusammenzutun, um die Software vom US-Regierungslabor in Los Alamos übernehmen zu lassen. Dutzende von Ländern benutzten die Software auf ihren bestgeschützten Computersystemen und wussten nicht, dass der Mossad nun Zugang zu allem hatte, was über „Promis“ lief.

 

Während sich der Mossad zuvor beim Sammeln von Informationen auf die gleiche Taktik gestützt hatte, die von seinen Äquivalenten in den USA und anderswo angewandt wurde, gab die weit verbreitete Einführung der Promis-Software, vor allem durch die Aktionen von Earl Brian und Robert Maxwell, dem Mossad die Möglichkeit, nicht nur wahre Fundgruben von Spionageabwehrdaten anzuhäufen, sondern auch von Erpressungmaterial gegen andere Geheimdienste und mächtige Persönlichkeiten.

 

Tatsächlich ermöglichten die Hintertür von Promis und seine Verwendung durch Geheimdienste auf der ganzen Welt dem Mossad im Wesentlichen den Zugang zu Unmengen von Erpressungsdaten, die die CIA und das FBI seit über einem halben Jahrhundert über ihre Freunde und Feinde gesammelt hatten. Seltsamerweise hat das FBI in den letzten Jahren versucht, Informationen über Robert Maxwells Zusammenhang mit dem Promis-Skandal zu verbergen.

 

Laut dem Journalisten Robert Fisk war Maxwell auch an der Entführung des israelischen Atomwaffen-Whistleblowers Vanunu Mordechai durch den Mossad beteiligt. Mordechai hatte versucht, den Medien Informationen über den Umfang des israelischen Atomwaffenprogramms zu geben, die schließlich von der Sunday Times of London veröffentlicht wurden. Jedoch hatte Mordechai auch den Daily Mirror mit den Informationen kontaktiert. Der Mirror war aber ein Organ, das sich im Besitz von Maxwell befand und dessen ausländischer Herausgeber ein enger Maxwell-Mitarbeiter und angeblicher Mossad-Agent war, Nicholas Davies. Der Journalist Seymour Hersh behauptete, Davies sei auch an israelischen Waffengeschäften beteiligt gewesen.

 

Laut Fisk war es Maxwell, der die Israelische Botschaft in London kontaktierte und ihnen von Mordechais Aktivitäten berichtete. Dies führte zu Mordechais Fang durch eine Mossad-Agentin mittels einer "Honigfalle" und damit zu seiner Entführung und späteren Inhaftierung in Israel. Mordechai verbüßte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren, davon 12 Jahre in Einzelhaft.

 

Dann ist da noch die Angelegenheit von Maxwells Tod, der sowohl von den Mainstream- als auch von den unabhängigen Medien weithin als verdächtig und als potenzieller Mord bezeichnet wird. Nach Ansicht der Autoren Gordon Thomas und Martin Dillon hatte Maxwell sein eigenes Schicksal besiegelt, als er versuchte, hochrangigen Beamten des Mossad mit der Enthüllung bestimmter Operationen zu drohen, wenn sie ihm nicht helfen würden, sein Medienimperium vor lähmenden Schulden und finanziellen Schwierigkeiten zu retten. Viele von Maxwells Gläubigern, die zunehmend unzufrieden mit dem Medienmogul geworden waren, waren Israelis, und einige von ihnen sollen selbst mit dem Mossad verbunden gewesen sein.

 

Thomas und Dillon argumentieren in ihrer Biographie über Maxwells Leben, der Mossad habe inzwischen Maxwell mehr als Belastung denn als Vermögenswert angesehen und ihn auf seiner Yacht, drei Monate nachdem er die Rettungsaktion gefordert hatte, getötet. Auf der Gegenseite stehen Vermutungen, denen zufolge Maxwell wegen der finanziellen Schwierigkeiten seines Imperiums Selbstmord begangen habe.

Ganz rechts Ghislaine Maxwell, Robert Maxwells Tochter, wie sie auf den Sarg schaut,

         der am 8. Novemberr 1991 in Jerusalem aus einem Flugzeug entladen wird

 

Einige haben Maxwells Beerdigung in Israel als "offizielle" Bestätigung des Landes für Maxwells Dienst für den Mossad angesehen, da sie einer staatlichen Bestattung gleichkam und von nicht weniger als sechs amtierenden und ehemaligen Leitern des israelischen Geheimdienstes besucht wurde. Bei der Trauerfeier in Jerusalem würdigte ihn der israelische Premierminister Yitzhak Shamir und sagte: "Er hat mehr für Israel getan, als man heute sagen kann." Weitere Trauerreden wurden von den zukünftigen Premierministern Ehud Olmert (damals Gesundheitsminister) und Shimon Peres gehalten, wobei letzterer ebenfalls Maxwells "Dienste" für Israel pries.

 

Schwimmen im selben Sumpf

 

Während er sein Geschäftsimperium aufbaute – und sogar Mitglied des britischen Parlaments wurde – arbeitete Maxwell auch für den israelischen Geheimdienst, da mehrere der israelischen Unternehmen, in die er investierte, Tarnungen für den Mossad wurden. Darüber hinaus entwickelte er, während er zum Medienmogul wurde, eine bittere Rivalität zu Rupert Murdoch, einem engen Freund von Roy Cohn und einflussreichen Mann in den amerikanischen und britischen Medien.

 

Maxwell arbeitete auch mit den Brüdern Bronfman, Edgar und Charles zusammen – Schlüsselpersonen der Mega Group. 1989 schlossen sich Maxwell und Charles Bronfman zusammen, um einen Kauf der Jerusalem Post einzufädeln, und die Post beschrieb die beiden Männer als "zwei der weltweit führenden jüdischen Finanziers" und ihr Interesse an dem Projekt als "Entwicklung der Jerusalem Post und Ausweitung ihres Einflusses auf das Judentum in der Welt". Ein Jahr zuvor waren Maxwell und Bronfman Hauptaktionäre des israelischen Pharmaunternehmens Teva geworden.

 

Maxwell arbeitete in den späten 1980er Jahren auch mit Charles Bronfmans Bruder Edgar zusammen, um die Sowjetunion zu überreden, sowjetischen Juden die Einwanderung nach Israel zu erlauben. Edgars Bemühungen in dieser Hinsicht haben größere Aufmerksamkeit erhalten, da sie ein entscheidendes Moment seiner jahrzehntelangen Präsidentschaft des Jüdischen Weltkongresses waren, dessen Präsident derzeit Ronald Lauder ist. Doch Maxwell hat bei diesem Bestreben ebenfalls in erheblichem Umfang seine Kontakte zur sowjetischen Regierung genutzt.

 

Maxwell bewegte sich auch in den Kreisen des Netzwerks, die in den Teilen 1 und 2 dieser Serie beschrieben wurden. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Party, die Maxwell im Mai 1989 auf seiner Yacht gab, der Lady Ghislaine – benannt nach seiner jüngsten Tochter und Epsteins zukünftiger "Freundin". Zu den Teilnehmern der Party gehörten Roy Cohns Protegé Donald Trump und sein langjähriger Rechtspartner Tom Bolan. Ein enger Freund von Nancy Reagan war ebenfalls anwesend, der Journalist Mike Wallace, ebenso wie der Literaturagent Mort Janklow, der Ronald Reagan und zwei von Cohns engsten Freunden vertrat: die Journalisten William Safire und Barbara Walters.

 

Auch der CEO von Time Warner, Steve Ross, war bei der exklusiven Veranstaltung zu Gast. Die Anwesenheit von Ross ist bemerkenswert, da er sein Geschäftsimperium weitgehend durch seine Verbindung zu den New Yorker Verbrecherlords Manny Kimmel und Abner "Longy" Zwillman aufgebaut hatte. Zwillman war ein enger Freund von Meyer Lansky, von Michael Steinhardts Vater und von Sam Bronfman, dem Vater von Edgar und Charles Bronfman.

 

Ein weiterer Teilnehmer der Party auf der Maxwell-Yacht war der ehemalige Marineminister und ehemalige Henry Kissinger-Mitarbeiter Jon Lehman, der sich anschließend mit der umstrittenen neokonservativen Denkfabrik Project for a New American Century (PNAC) zusammenschloss. Vor seiner Tätigkeit als Marineminister war Lehman Präsident der Abington Corporation gewesen, die den Erzneokon Richard Perle eingestellt hatte, um das Portfolio der israelischen Waffenhändler Shlomo Zabludowicz und seines Sohns Chaim zu verwalten, der Abington 10.000 Dollar im Monat zahlte. Ein Skandal entstand, als diese Zahlungen fortgesetzt wurden, nachdem sowohl Lehman als auch Perle in Reagans Verteidigungsministerium eingetreten waren und während Perle daran arbeitete, das Pentagon zu überreden, Waffen von Unternehmen zu kaufen, die mit Zabludowicz verbunden waren. Perle war zusammen mit Roy Cohns langjährigem Freund und Rechtspartner Tom Bolan (ebenfalls Gast auf der Maxwell-Yacht) Teil des Reagan-Übergangsteams gewesen.

 

Neben Lehman war ein weiterer ehemaliger Kissinger-Mitarbeiter, Thomas Pickering, bei Maxwells Yacht-Party anwesend. Pickering spielte eine untergeordnete Rolle in der Iran-Contra-Affäre und war zum Zeitpunkt der Maxwell-Yacht-Party US-Botschafter in Israel. Senator John Tower (R-TX), der sich angeblich mit Maxwell in der vom Mossad verwanzten Promis-Software in den Labors von Los Alamos verschworen hatte, war ebenfalls anwesend. Tower starb nur wenige Monate vor Maxwell bei einem verdächtigen Flugzeugabsturz.

 

Auch Ghislaine Maxwell war bei dieser bemerkenswerten Veranstaltung dabei. Nach dem mysteriösen Tod und der angeblichen Ermordung ihres Vaters auf der gleichen Yacht, die seit 1991 ihren Namen trägt, packte sie eilig ihre Taschen und zog nach New York City. Dort lernte sie bald Jeffrey Epstein kennen und entwickelte einige Jahre später enge Beziehungen zur Familie Clinton, die in der nächsten Folge dieser Serie besprochen werden.

 

Jeffrey Epstein und das neue "Promis"

 

Nachdem bekannt wurde, dass Epstein 2008 einer strengeren Verurteilung dank seiner Verbindungen zu "Geheimdiensten" entkommen war, führten die Mossad-Verbindungen von Ghislaine Maxwells Vater zu der Spekulation, Epsteins sexuelle Erpressung habe belastende Informationen mit dem Mossad geteilt. Der ehemalige CBS-Executive Producer und aktuelle Journalist für das Medienunternehmen Narativ, Zev Shalev, hat inzwischen behauptet, Narativ habe unabhängig bestätigt, dass Epstein direkt mit dem Mossad verbunden war.

          Donald und Melania Trump mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell

                           im Mar-a-Lago Club, Palm Beach, Florida, 2000

 

Epstein war ein langjähriger Freund des ehemaligen israelischen Premierministers Ehud Barak, der seit langem und eng mit der Geheimdienstgemeinde Israels verbunden ist. Ihre jahrzehntelange Freundschaft war die Ursache für die jüngsten politischen Angriffe gegen Barak, der bei den israelischen Wahlen gegen den derzeitigen Premierminister Netanyahu im Laufe dieses Jahres antritt.

 

Barak steht auch Epsteins Hauptgönner und Mitglied der Mega Group Leslie Wexner nahe, dessen Wexner Foundation 2004 Barak 2 Millionen Dollar für ein noch nicht spezifiziertes Forschungsprogramm zur Verfügung stellte. Laut Barak wurde er Epstein zum ersten Mal vom ehemaligen israelischen Premierminister Shimon Peres vorgestellt, der für Robert Maxwell bei dessen Beerdigung die Trauerrede gehalten und jahrzehntelange Verbindungen zur Familie Bronfman hatte, die bis in die Anfänge der 1950er Jahre zurückreichen. Peres nahm auch häufig an Programmen teil, die von Leslie Wexner in Israel finanziert wurden, und arbeitete jahrzehntelang eng mit dem Mossad zusammen.

 

Im Jahr 2015, einige Jahre nach Epsteins Entlassung aus dem Gefängnis, nachdem er 2008 wegen sexueller Nötigung einer Minderjährigen verurteilt worden war, gründete Barak mit Epstein eine Firma mit dem Hauptziel, in ein israelisches Start-Up-Unternehmen namens Reporty.zu investieren. Dieses Unternehmen, das heute Carbyne heißt, verkauft seine Signatur-Software an 911 Callcenter und Notfalldienstleister und steht den Verbrauchern auch über eine App zur Verfügung, die den Rettungsdiensten Zugriff auf die Kamera und den Standort eines Anrufers ermöglicht sowie die Identität jedes Anrufers über eine verknüpfte Regierungsdatenbank auswertet. Es wurde speziell von dem Unternehmen selbst und der israelischen Presse als Lösung für Massenerschießungen in den Vereinigten Staaten vermarktet und wird bereits von mindestens zwei US-Landkreisen genutzt.

 

Israelische Medien berichteten, dass Epstein und Barak zu den größten Investoren des Unternehmens gehörten. Barak steckte Millionen in das Unternehmen, und Haaretz enthüllte kürzlich, dass ein beträchtlicher Teil von Baraks gesamten Investitionen in Carbyne von Epstein finanziert wurde, was diesen zu einem "de facto-Partner" des Unternehmens machte. Barak ist jetzt Carbynes Vorsitzender.

 

Das gesamte Führungsteam des Unternehmens besteht aus ehemaligen Mitgliedern verschiedener Bereiche des israelischen Geheimdienstes, einschließlich der elitären militärischen Nachrichteneinheit Unit 8200, die oft als das Äquivalent Israels zur U.S. National Security Agency (NSA) bezeichnet wird. Der derzeitige CEO von Carbyne, Amir Elichai, war in der Einheit 8200 tätig und hat den ehemaligen Kommandanten der Einheit 8200, Pinchas Buchris, zum Direktor und Vorstandsmitglied der Firma gemacht. Neben Elichai war auch ein weiterer Carbyne-Mitbegründer, Lital Leshem, bei Unit 8200 tätig und arbeitete später für die private israelische Spionagefirma Black Cube. Leshem arbeitet nun für eine Tochtergesellschaft von Erik Princes Firma Frontier Services Group, so das unabhängige Medienunternehmen Narativ.

 

Das Unternehmen verfügt auch über mehrere Verbindungen zur Trump-Administration, darunter zum Palantir-Gründer und Trump-Verbündeter Peter Thiel – einem Investor in Carbyne. Darüber hinaus gehören dem Beirat von Carbyne die ehemalige Palantir-Mitarbeiterin Trae Stephens an, die Mitglied des Trump-Übergangsteams war, sowie der ehemalige Minister für Heimatschutz Michael Chertoff. Der Trump-Spender und New Yorker Immobilienentwickler Eliot Tawill ist neben Ehud Barak und Pinchas Buchris ebenfalls im Vorstand von Carbyne.

 

Narativ, das nach Epsteins Verhaftung die erste Enthüllung über Carbyne schrieb, bemerkte, dass die chinesische Regierung als Teil ihrer Massenüberwachungsapparatur eine Smartphone-App verwendet, die Carbyne sehr ähnlich ist, obwohl der ursprüngliche Zweck der App darin bestanden hatte, die Notfallberichterstattung zu verbessern. Laut Narativ überwacht das chinesische Carbyne-Äquivalent "jeden Aspekt des Lebens eines Benutzers, einschließlich seiner persönlichen Gespräche und seines Stromverbrauchs, und verfolgt die Bewegung eines Benutzers".

 

Angesichts der Rolle Robert Maxwells – Vater von Epsteins langjähriger "Freundin" und Beschafferin junger Mädchen, Ghislaine Maxwell – bei der Förderung des Verkaufs von Carbynes modifizierter Promis-Software, die auch als Instrument zur Verbesserung der Regierungseffektivität vermarktet wurde, aber eigentlich ein Werkzeug der Massenüberwachung zum Nutzen israelischer Geheimdienste war, ist die Überschneidung zwischen Carbyne und Promis beunruhigend und erfordert weitere Untersuchungen.

 

Es ist auch erwähnenswert, dass mit Unit 8200 verbundene Technologie-Start-Ups weitgehend in US-Unternehmen integriert werden und enge Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex der USA aufgebaut haben, wobei Carbyne nur ein Beispiel für diesen Trend ist.

 

Wie MintPress bereits berichtete, haben Unit 8200-gebundene Einrichtungen wie Team8 kürzlich den ehemaligen Direktor der National Security Agency (NSA) Mike Rogers als Senior Berater eingestellt und prominente Silicon Valley-Figuren, darunter den ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt, als Hauptinvestoren gewonnen. Viele amerikanische Technologieunternehmen, von Intel über Google bis Microsoft, haben sich in den letzten Jahren mit mehreren an Unit 8200 gebundenen Start-Ups zusammengeschlossen und viele Schlüsselpositionen und -aktivitäten nach Israel verlagert, wobei sie von republikanischen Hauptgeldgebern wie Paul Singer unterstützt wurden. Viele dieser Unternehmen, insbesondere Google und Microsoft, sind auch wichtige Auftragnehmer der US-Regierung.

 

Für wen arbeitete Epstein wirklich?

 

Obwohl Jeffrey Epstein anscheinend Verbindungen zum Mossad hatte, zeigt diese Serie, dass die Netzwerke, mit denen Epstein verbunden war, nicht ausschließlich zum Mossad gehörten, da viele der Personen, die Epstein nahestanden – Leslie Wexner zum Beispiel – Teil einer mobverbundenen Klasse von Oligarchen mit tiefen Bindungen sowohl zu den USA als auch zu Israel waren. Wie in Teil 1 dieser Serie besprochen, besteht der Austausch von "Nachrichten" (d.h. Erpressung) zwischen Nachrichtendiensten und demselben organisierten Kriminalitätsnetzwerk, das mit der Mega Group verbunden ist, seit Jahrzehnten. Mit Leslie Wexner von der Mega Group als Hauptpatron von Epstein ist - im Gegensatz zu einem Finanzier mit direkten Verbindungen zum Mossad - eine ähnliche Beziehung im Fall der sexuellen Erpressung, die Epstein durchführte, mehr als wahrscheinlich.

 

Da Geheimdienste in den USA und anderswo oft verdeckte Operationen zugunsten von Oligarchen und Großunternehmen anstatt von "nationalen Sicherheitsinteressen" durchführen, deuten Epsteins Beziehungen zur Mega Group darauf hin, dass diese Gruppe über einen einzigartigen Status und Einfluss in den Regierungen sowohl der USA als auch Israels verfügt, aber auch in anderen Ländern (z.B. Russland), die in diesem Bericht nicht untersucht wurden. Dies liegt an ihrer Rolle als wichtige politische Geldgeber in beiden Ländern sowie an der Tatsache, dass mehrere von ihnen mächtige Unternehmen oder Finanzinstitute in beiden Ländern besitzen. Tatsächlich haben viele Mitglieder der Mega Group enge Beziehungen sowohl zur politischen Klasse Israels, darunter zu Netanyahu und Ehud Barak sowie zu inzwischen verstorbenen Persönlichkeiten wie Shimon Peres, als auch zu Mitgliedern der amerikanischen politischen Klasse.

 

Letztendlich ist das Bild, das von den Zeugnissen gezeichnet wird, keine direkte Verbindung zu einem einzelnen Geheimdienst, sondern ein Netz, das wichtige Mitglieder der Mega Group, Politiker und Beamte sowohl in den USA als auch in Israel miteinander verbindet, und ein Netzwerk organisierter Kriminalität mit tiefen Geschäfts- und Geheimdienstbeziehungen in beiden Nationen.

 

Obwohl sich diese Serie bisher auf die Verbindungen dieses Netzwerks zu den wichtigsten Partnern der Republikanischen Partei konzentriert hat, wird die nächste und letzte Folge die Verbindungen zwischen diesem Netz und den Clintons enthüllen. Wie sich zeigen wird, hat trotz der Bereitschaft der Clintons, während der Dauer ihrer politischen Karrieren bei korrupten Geschäften mitzumachen, ihre meist freundschaftliche Beziehung zu diesem Netzwerk immer noch dazu geführt, dass sie die Macht der sexuellen Erpressung benutzten, um bestimmte politische Entscheidungen zu erreichen, die für ihre persönlichen und finanziellen Interessen, nicht aber für den politischen Ruf oder die politische Agenda der Clintons vorteilhaft waren.

 

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Feature-Foto | Grafik von Claudio Cabrera

 

Whitney Webb ist eine Journalistin von MintPress News mit Sitz in Chile. Sie hat für mehrere unabhängige Medien gearbeitet, darunter Global Research, EcoWatch, das Ron Paul Institute und 21st Century Wire. Sie hat mehrere Radio- und Fernsehauftritte absolviert und 2019 den Serena Shim Award for Uncompromised Integrity in Journalism gewonnen.