Der Fall Jeffrey Epstein – Die Epstein Saga

Erstveröffentlichung auf mintpressnews.com

 

Übersetzt von FritztheCat und Jokerin

 

https://www.mintpressnews.com/blackmail-jeffrey-epstein-trump-mentor-reagan-era/260760/

 

Der Fall Jeffrey Epstein: Too Big to Fail – Teil 2

Regieren mittels Erpressung: Jeffrey Epstein, Trumps Mentor und die finsteren Geheimnisse der Reagan-Ära

 

von Whitney Webb, 25.07.2019 (zahlreiche Links im Original!)

 

Der 1. Teil der Epstein-Saga ist hier zu finden:

https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/die-epstein-saga-teil-1/

 

 

Jeffrey Epstein, der Milliardär, der jetzt im Gefängnis sitzt und wegen Sexhandels mit Minderjährigen angeklagt ist, hat in den Wochen nach seiner Verhaftung am 6. Juli die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Mit ein Grund für das andauernde Medieninteresse sind Epsteins angebliche Verbindungen zu Geheimdiensten und die neuen Informationen über das wahre Ausmaß der sexuellen Erpressungsoperationen, die Epstein vermutlich seit Jahrzehnten am Laufen hielt.

 

Wie MintPress letzte Woche berichtete, konnte Epstein seine schmutzige Operation eben deswegen so lange durchführen, weil seine Aktivitäten nur die letzte Verkörperung einer viel älteren, viel umfangreicheren Operation sind, die in den 1950ern und vielleicht schon früher begann.

 

Es begann mit dem Spirituosen-König Lewis Rosenstiel, der Verbindungen zur Mafia hatte, und mit Roy Cohn, Rosenstiels Protegé und zukünftigem Mentor Donald Trumps. Und Epstein Netz ist nur eines von vielen sexuellen Erpressungsprogrammen mit Kindern, die alle demselben Netzwerk angehören, in welchem sich Elemente der organisierten Kriminalität finden, mächtige Politiker in Washington, Lobbyisten und „Mittelsmänner“ sowie eindeutigen Verbindungen zu Geheimdiensten und dem FBI.

 

Dieser Bericht, Teil 2 der Serie mit dem Titel „Der Fall Jeffrey Epstein: Too Big To Fail“, wird sich mit Cohns engen Verbindungen zur Reagan-Regierung beschäftigen, die ebenfalls mit demselben Netzwerk des organisierten Verbrechens verbunden war, das von der berüchtigten Mafia-Figur Meyer Lansky geleitet wurde. Das wurde in Teil 1 besprochen. Von besonderer Bedeutung ist das „Iran Contra“-Netzwerk, eine Gruppe von Reagan-Beamten und Beratern, die im Iran Contra-Skandal eine Schlüsselrolle spielten. Obwohl es jahrelang relativ unbekannt war, haben viele Schlüsselfiguren dieses Netzwerks sowie einige Mitarbeiter der CIA, die in das Verschieben von Geldern an die Contra-Paramilitärs in Mittelamerika verwickelt waren, auch mit Minderjährigen gehandelt und sie für sexuelle Erpressungsringe benutzt.

 

Einige dieser Ringe machten über die Jahre hier und da Schlagzeilen – etwa der „Callboy-Ring“ des Washingtoner Lobbyisten Craig Spence, oder der Franklin Kindersex- und Mörder-Ring von Larry King, einem Mitarbeiter der Republikaner, bis hin zu jenem Skandal, der sich Ende der 1980er in der katholischen Wohlfahrtsorganisation Covenant House ereignete.

 

 

 

Wie dieser Bericht zeigen wird, waren alle diese Ringe – und weitere – mit demselben Netzwerk verbunden, in das Schlüsselfiguren mit Verbindungen zum Weißen Haus unter Reagan und zu Roy Cohn verwickelt waren. Er enthüllt damit das wahre Ausmaß der schmutzigen Sex-Erpressungsoperationen und Sex-Ringe, die innerhalb der USA und sogar in Zentralamerika mit Kindern handelten, um sie durch gefährliche und mächtige Pädophile in den Vereinigten Staaten ausbeuten zu lassen.

 

Entsetzlich sowohl aufgrund des üblen Missbrauchs von Kindern selbst, als auch wegen der erschreckenden Auswirkungen der Erpressung auf die Regierung, wirft dieses Gewirr widerwärtiger Allianzen ein fahles Licht auf die politische Geschichte der Vereinigten Staaten von der Prohibitionszeit bis zur Gegenwart und dem Zeitalter Trumps, was immer deutlicher wird, da immer mehr Informationen im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein ans Licht kommen.

 

Roy konnte jeden in der Stadt herumkriegen“

 

Seitdem Donald Trump 2015 auf die politische Bühne geplatzt ist, haben das Vermächtnis seines Mentors Roy Cohn und dessen Einfluss auf seinen berühmtesten Protegé wieder die Aufmerksamkeit der Medien erregt. Viele der Kurzbiographien über Cohn nach Trumps Aufstieg haben sich ausschließlich auf bestimmte Schattenseiten von Cohns Geschichte konzentriert, insbesondere auf seine Verbindung zu bedeutenden Persönlichkeiten der organisierten Kriminalität in New York, seine korrupten Geschäfte und schließlich der Entzug seiner Anwaltslizenz. Einige dieser Darstellungen gingen sogar so weit, Cohn als politisch machtlos zu bezeichnen. Während Cohn bekanntermaßen in seiner Karriere mit einer beträchtlichen Menge Schmutz zu tun hatte, übersehen solche Darstellungen des Mannes, dass er eine Einflussmaschine von beispielloser Macht geschaffen hatte, die einige der prominentesten Persönlichkeiten in Medien und Politik sowie einen Kader von Berühmtheiten umfasste.

 

Cohn war eng mit zahlreichen Berühmtheiten, bekannten Politikern und politischen Funktionären verbunden. Viele seiner Geburtstagspartys haben über die Jahre so berühmte Personen angezogen wie etwa den Künstler Andy Warhol, den Modedesigner Calvin Klein und den Komödianten Joey Adams, und auch bekannte politische Figuren wie den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Abraham Beame und den damaligen Abgeordneten aus Brooklyn und späteren Senator Chuck Schumer. 1979 war Margaret Trudeau, die Mutter des derzeitigen kanadischen Premierministers Justin Trudeau, auf Cohns Geburtstagsparty, wo sie bekanntermaßen dessen Geburtstagskuchen ruiniert hat. Und natürlich war Donald Trump, der Mitte der 1970er Cohns Protegé wurde, ein häufiger Gast bei den Einladungen, die zu Cohns Ehren gegeben wurden.

             Roy Cohn präsentiert stolz ein Foto von sich mit Donald Trump

 

Jene Politiker, Journalisten und Berühmtheiten, die zu Cohns exklusiven Partys eingeladen wurden, hatten Gerüchten zufolge „offene Rechnungen bei Cohns 'Bank der Gefälligkeiten'“. „Favor Bank“ war der Spitzname für seine inoffizielle Bilanz aus politischen Gefälligkeiten und Schulden, die mit Sicherheit durch seine intensive Verwicklung in sexuelle Erpressungsprogramme von den 1950ern bis in die 1980er informiert und beeinflusst wurde.

 

Cohn kultivierte viele seiner Freundschaften mit Berühmtheiten durch seine Beziehungen mit und häufigen Besuche im berühmten und berühmt ausschweifenden New Yorker Nachtclub Studio 54. Der Club wurde von Vanity Fair als „das schwindelerregende Epizentrum des Hedonismus der 70er“ beschrieben, „eine heiße Disko mit hübschen Menschen, endlosem Kokain und jeder Art Sex“. Cohn war lange Zeit der Anwalt der Klubbesitzer Steve Rubell und Ian Schrager.

Studio 54-Besitzer Steve Rubell und Roy Cohn sprechen vor dem US-Bezirksgericht Manhattan zu Reportern, 2. Nov 1979

 

Zu Cohns engsten Freunden gehörte Barbara Walters, die er in der Öffentlichkeit oft als seine "Verlobte" bezeichnete und die er später dem Leiter der U.S. Information Agency, Chad Wick, und anderen wichtigen Leuten im Weißen Haus unter Reagan vorstellte. Walters war jedoch nur eine von Cohns mächtigen Freunden in den Medien. Zu ihnen gehörten auch Abe Rosenthal, Chefredakteur der New York Times, William Safire, langjähriger Kolumnist der New York Times und Mitarbeiter des New York Magazine, sowie George Sokolsky von The New York Herald Tribune, NBC und ABC. Sokolsky war ein besonders enger Freund von Cohn und dem ehemaligen FBI-Direktor J. Edgar Hoover, dessen Beteiligung an Cohns sexuellem Erpressungssystem in Teil 1 dieser Untersuchungsreihe beschrieben wird. Sokolsky leitete mehrere Jahre lang mit Cohn die American Jewish League Against Communism und die Organisation benannte später ihre Ehrenmedaille nach Sokolsky.

Cohn war auch der Anwalt und Freund des Medienmoguls Rupert Murdoch und, laut New York Magazine, "Wann immer Roy wollte, dass eine Geschichte gestoppt, eine Meldung hinzugefügt oder eine Geschichte ausgebeutet wird, dann rief Roy Murdoch an"; und, nachdem Murdoch die New York Post gekauft hatte, machte Cohn "das Blatt zu seiner persönlichen Klinge". Laut dem verstorbenen Journalisten Robert Parry begann die Freundschaft zwischen Murdoch und Cohn dank ihrer gegenseitigen Unterstützung für Israel.

 

Cohn stützte sich auch auf seinen lebenslangen Freund aus High School-Zeiten, Si Newhouse Jr., um die Medien zu beeinflussen. Newhouse beaufsichtigte das Medienimperium, zu dem nun Vanity Fair, Vogue, GQ, The New Yorker und zahlreiche lokale Zeitungen in den USA gehören, sowie große Anteile an Kabelsendern. Das New York Magazine bemerkte auch, "Cohn habe seinen Einfluss Anfang der 80er Jahre dazu benutzt, für sich und seine Mob-Kunden in Newhouse-Publikationen Begünstigungen sicherzustellen". Neben Newhouse wurden Cohns andere High Schoolfreunde, Generoso Pope Jr. und Richard Berlin, später Besitzer des National Enquirer bzw. der Hearst Corporation. Cohn war auch ein enger Freund eines anderen Medienmoguls, Mort Zuckerman, der sich – zusammen mit Rupert Murdoch – mit Jeffrey Epstein anfreundete.

 

Cohns Medienvertraute, wie der Journalist William Buckley von The National Review und Firing Line, griffen häufig Cohns politische Feinde – insbesondere den langjährigen Staatsanwalt von Manhattan Robert Morgenthau – in ihren Kolumnen an und benutzten Cohn als anonyme Quelle. Buckley, den der Historiker George Nash einst als "die überragende Stimme des amerikanischen Konservatismus und seine erste große ökumenische Figur" bezeichnete, erhielt 1966 die George-Sokolsky-Medaille, neben Cohns Mandant mit Mafia-Verbindungen und "Supreme Commander" Lewis Rosenstiel von Cohns American Jewish League Against Communism. Buckley erhielt später einen stark diskontierten 65.000 $ Kredit, um ein Luxusboot von einer Bank zu kaufen, in der Cohn Einfluss hatte und deren Präsident von Cohn selbst ausgewählt worden war, so ein Artikel aus dem Jahr 1969 im LIFE-Magazin.

 

Buckley diente 1986 als Zeuge beim Gerichtsverfahren gegen Cohn für den Entzug der Anwaltslizenz – neben Barbara Walters, Alan Dershowitz und Donald Trump. Alle außer Buckley erregten später wegen ihrer Beziehungen zu Jeffrey Epstein Aufsehen.

 

Bei solchen Beziehungen ist es kein Wunder, dass Stanley Friedman – ein Anwalts-Partner von Cohn, der später wegen eines Bestechungs- und Schmiergeld-Skandals in seiner Zeit als Stellvertretender Bürgermeister von New York ins Gefängnis wanderte – 1980 der Journalistin Marie Brenner erzählte: „Roy konnte jeden in der Stadt herumkriegen“.

 

Politisch allgegenwärtig und polygam

 

Roy Cohns „Bank der Gefälligkeiten“ und seine einzigartige Position als Bindeglied zwischen der kriminellen Unterwelt und den Reichen und Berühmten und Top-Medienbeeinflussern machten ihn zu einer Kraft, mit der man rechnen musste. Doch es waren seine politischen Verbindungen zu Führungspersönlichkeiten sowohl in der Republikanischen als auch in der Demokratischen Partei sowie seine enge Beziehung zum langjährigen FBI-Direktor J. Edgar Hoover, unter anderen, die ihn und sein dunkles Geheimnis für einen Großteil seines Lebens "unantastbar" machten. Obwohl er den größten Teil seines politischen Einflusses in den 1950er Jahren geschmiedet hatte, wurde Cohn mit dem Aufstieg von Ronald Reagan noch mächtiger.

 

Obwohl er seine Zugehörigkeit zur Demokratischen Partei sein Leben lang nominell aufrechterhielt, war Cohn ein bekannter "Fixer" für republikanische Kandidaten; das zeigt sich deutlich in seiner übergroßen Rolle während der Präsidentschaftskampagnen Ronald Reagans von 1976 und 1980. Während der letzteren traf Cohn auf einen anderen seiner Schützlinge, Roger Stone, den er beim Wahlkampf 1980 schändlicherweise anwies, ein dickes Bestechungsgeld in einem Koffer vor der Haustür des Hauptquartiers der Liberalen Partei zu hinterlassen. Während dieser Kampagne lernte Cohn auch Paul Manafort kennen – ein Mitarbeiter Stones und später Trumps Wahlkampfmanager 2016 – und stellte beide Donald Trump vor.

 

Cohns Anwaltspartner Tom Bolan war ebenfalls eine einflussreiche Kraft bei Reagans Wahlkampf und leitete später dessen Übergangsteam 1980. Reagan ernannte dann Bolan, den er als Freund betrachtete, zum Direktor der Overseas Private Investment Corporation, der Entwicklungsfinanzierungsinstitution der Regierung, und Bolan war auch der New Yorker Finanz-Mitvorsitzende in Reagans Wahlkämpfen 1980 und 1984. Bolan stand auch anderen in Cohns Umfeld nahe, etwa William F. Buckley Jr., Donald Trump und Rupert Murdoch.

 

Darüberhinaus war Bolan maßgeblich an der Verschaffung von Bundesrichterämtern für mehrere Personen beteiligt, die später einflussreich werden sollten, darunter der zukünftige FBI-Direktor Louis Freeh. Cohn erreichte auch, dass Freunde von Kunden zu Bundesrichtern ernannt wurden, darunter Donald Trumps Schwester Maryanne Trump Barry. Nachdem Barry zur Bundesrichterin ernannt worden war, rief Trump Cohn an, um ihm dafür zu danken, dass er für seine Schwester die Fäden gezogen hatte.

 

Obwohl Cohn keinen öffentlichen Posten in der Reagan-Administration erhielt, war er nicht nur ein "schmutziger Trickser", der während der Reagan-Wahlkämpfe im Schatten arbeitete. Tatsächlich arbeitete er eng mit einigen der sichtbareren Gesichter der Kampagne zusammen, darunter der damalige Kommunikationsdirektor für Reagans Wahlkampf 1980 und spätere CIA-Direktor William Casey. Laut Christine Seymour – Cohns langjährige Telefonistin seit den späten 1960er Jahren bis zu seinem Tod 1986, die seine Telefongespräche mithörte – waren Casey und Cohn enge Freunde, und während des Wahlkampfs1980 rief Casey "Roy fast täglich an".

 

Seymour bemerkte auch, dass eine von Cohns häufigsten Telefon- und anderen engsten Freunden Nancy Reagan war, und dass sie auch eine seiner Kundinnen war. Nancy Reagan, deren Einfluss auf ihren Mann wohlbekannt war, stand Cohn so nahe, dass es vor allem sein Tod an AIDS war, der sie dazu brachte, "ihren Mann zu ermutigen, mehr Geld für die AIDS-Forschung aufzutreiben".

 

Vor Cohns Tod sicherten ihm Nancy und ihr Mann Ronald einen Platz in einem exklusiven experimentellen AIDS-Behandlungsprogramm, trotz der gut dokumentierten "Nicht-Reaktion" der Reagan-Administration auf die AIDS-Krise jener Zeit. Ronald Reagan war ebenfalls ein Freund Cohns und, so der verstorbene Journalist Robert Parry, "überhäufte Cohn im Laufe seiner Präsidentschaft mit Gefälligkeiten, darunter Einladungen zu Veranstaltungen im Weißen Haus, persönliche Dankesbriefe und freundliche Geburtstagswünsche".

 

Angesichts dessen, dass Reagan heftig die evangelische Rechte umwarb und als Präsident die "Familienwerte" förderte, mag die enge Verbindung nicht nur von ihm selbst, sondern auch seinem inneren Kreis, mit Cohn seltsam erscheinen. Reagan hatte jedoch, wie Cohn, enge Beziehungen zu den gleichen Fraktionen der organisierten Kriminalität, die zu Cohns Kunden und Partnern derselben Mafia-Figuren gehörten, die Cohns eigenem Mentor Lewis Rosenstiel nahestanden (siehe Teil 1).

 

Nicht anders als Cohn hatte Reagans eigener Mentor Lew Wasserman enge Verbindungen zur Mafia. Wasserman, der langjährige Präsident von MCA und bekannte Hollywood-Mogul, ist dafür bekannt, dass er nicht nur Reagans Film- und Fernsehkarriere gemacht, sondern auch seinen erfolgreichen Weg zum Präsidenten der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild geebnet hat, die später Reagans politische Karriere lancierte. Außerdem war MCA ein Hauptfinanzier von Reagans erfolgreicher Gouverneurskandidatur 1966, und nicht lange nach Reagans Amtsantritt als Präsident unterdrückte seine Regierung umstrittenerweise eine gründliche Untersuchung des Justizministeriums (DOJ) von MCA-Verbindungen zum organisierten Verbrechen.

            Ronald Reagan mit A.C.Lyles und Lew Wasserman (rechts)

 

So bemerkt Shawn Swords, ein Dokumentarfilmer, der Reagans Verbindung zu MCA in seinem Film Wages of Spin II: Bring Down That Wall untersucht hat:

 

Ronald Reagan war ein Opportunist. Seine gesamte Karriere wurde von MCA geleitet – von Wasserman und [MCA-Gründer] Jules Stein, der damit prahlte, dass Reagan formbar sei, dass sie mit ihm machen könnten, was sie wollten... Diese Sache, dass Reagan hart gegenüber dem [organisierten] Verbrechen gewesen sei – das ist ein Irrtum“.

 

Swords' Charakterisierung dieser Beziehung wird durch eine ungenannte Hollywood-Quelle gestützt, die in einem deklassifizierten DOJ-Dokument zitiert wird und die Reagan "einen kompletten Sklaven von MCA“ nannte, „der nach ihrer Pfeife tanzt".

 

Welche Elemente der organisierten Kriminalität waren mit Wasserman verbunden? Als junger Mann schloss sich Lew Wasserman der Mayfield Road Gang an, die von Moe Dalitz geleitet wurde, einem engen Freund Meyer Lanskys. Er war laut FBI eine mächtige Figur in Lanskys kriminellem Unternehmen; in der Rangordnung des jüdischen Mobs war er die Nummer zwei nach Lansky.

 

Lew Wasserman sollte später Edith Beckerman heiraten, deren Vater Dalitz' Anwalt war. Wassermans engster Freund und Anwalt, Sidney Korshak, hatte ebenfalls enge Beziehungen zu Dalitz und arbeitete einst mit Lansky im Acapulco Towers Hotel zusammen. Bemerkenswerterweise erklärte die Zeitschrift New West 1976, Korshak sei der "logische Nachfolger Meyer Lanskys". Als Anwalt passte Korshak in eine Nische, ähnlich wie Roy Cohn, und erwarb sich einen Ruf als Brücke zwischen organisierter Kriminalität und respektabler Gesellschaft.

 

Und die Ermittlung des Justizministeriums zu MCA, die von der Reagan-Administration hintertrieben wurde, kam angeblich zustande, nachdem das Justizministerium erfahren hatte, dass ein einflussreiches Mitglied der Gambino Verbrecherfamilie, Salvatore Pisello, Geschäfte mit dem mächtigen Unterhaltungskonzern machte. Zu jener Zeit war der Boss der Gambino Verbrecherfamilie, Paul Castellano, ein Klient von Roy Cohn.

 

Cohn, Murdoch und die Contras

 

Obwohl Cohns Einfluss in der Reagan-Administration und seine Freundschaft mit der Reagan-Familie und ihrem inneren Kreis bestätigt ist, so ist doch weniger bekannt, wie Cohn die verdeckten Propaganda-Bemühungen der CIA unterstützte, die Teil jenes größeren Skandals sind, der als Iran-Contra bekannt ist.

 

Cohn, dessen Einfluss auf die Presse bereits ausführlich beschrieben worden ist, knüpfte enge Beziehungen zum Direktor der U.S. Information Agency, Chad Wick, und gab sogar ein Mittagessen zu Wicks Ehren, an dem einflussreiche Figuren der konservativen Presse sowie Senatoren und Abgeordnete teilnahmen. Bald darauf leitete der damalige CIA-Direktor und Cohn-Freund William Casey eine umfangreiche PR-Kampagne zur öffentlichen Unterstützung von Reagans lateinamerikanischer Politik, einschließlich der Contra-Paramilitärs.

 

Diese inländische Propaganda war technisch gesehen illegal und machte es erforderlich, dass die CIA den Job an den Privatsektor auslagerte, um das Risiko von Nebenwirkungen möglichst klein zu halten. Wie Robert Parry 2015 berichtete, übernahm Wick die Führung bei der Beschaffung privater Mittel für diesen Zweck, und nur wenige Tage nachdem Wick versprochen hatte, private Unterstützung zu finden, brachte Cohn seinen engen Freund, den Medienmogul Rupert Murdoch, ins Weiße Haus.

Reagan trifft sich 1983 im Oval Office mit US Information Agency Direktor Charles Wick,

Rupert Murdoch und Roy Cohn

 

Parry merkte später an, dass nach diesem Treffen "Dokumente, die während des Iran-Contra-Skandals 1987 und später aus der Reagan-Bibliothek freigegeben wurden, darauf hindeuten, dass Murdoch bald als Quelle für die private Finanzierung“ der Propagandakampagne angesehen wurde.

 

Nach jenem ersten Treffen wurde Murdoch zum wichtigsten Medienverbündeten dieser von Casey gelenkten Propagandaaktion und kam auch dem Weißen Haus unter Reagan immer näher. Murdoch profitierte infolgedessen stark von Reagans Politik und seiner Freundschaft mit der Regierung, was ihm erlaubte, seine US-Medien-Anteile zu erhöhen und 1987 die Fox Broadcasting Corporation zu gründen.

 

Der Mann im schwarzen Smoking“

 

Roy Cohn war nicht der einzige, der der Reagan-Administration nahestand und gleichzeitig sexuelle Erpressungsaktionen durchführte, die Kinder missbrauchten und ausbeuteten. Tatsächlich gab es da mehrere Personen, die alle direkte Verbindungen zu CIA-Direktor William Casey und anderen engen Freunden und Vertrauten Cohns hatten.

 

Eine dieser Personen war Robert Keith Gray, der ehemalige Vorsitzende und CEO (Hauptgeschäftsführer) der mächtigen in Washington ansässigen PR-Firma Hill and Knowlton, die wegen ihres Einflusses in der Hauptstadt von 60 Minutes "eine nicht gewählte Schattenregierung" genannt wurde. Laut der Washington Post war Gray "einer der begehrtesten Lobbyisten in Washington", und ein Post-Reporter nannte ihn einst "eine Art Legende in dieser Stadt, ...der Mann im schwarzen Smoking mit schneeweißem Haar und diamantem Lächeln".

 

Doch Gray war viel mehr als ein mächtiger PR-Manager.

 

Gray, vorher ein enger Berater sowohl Dwight D. Eisenhowers als auch Richard Nixons, war ein sehr erfolgreicher Geldbeschaffer für die Republikanische Partei, der "Geld in sechsstelligen Klumpen sammelt", so ein Bericht 1974 im Washingtonian. Er kam zuerst mit dem, was Ronald Reagans innerer Kreis werden sollte, während dessen erfolgloser Präsidentschaftskampagne 1976 in engen Kontakt und wurde später stellvertretender Kommunikationsdirektor während Reagans Wahlkampf 1980. In seiner letzten Position arbeitete er direkt unter William Casey, der später CIA-Direktor wurde.

 

Gray übernahm dann den Co-Vorsitz von Reagans Einweihungskomitee und kehrte danach zum PR-Geschäft zurück, wobei er mehrere Kunden gewann, darunter den saudischen Waffenhändler Adnan Khashoggi und den Hedgefondsmanager Marc Rich. Sowohl Khashoggi als auch Rich werden in Teil 3 dieses Berichts ausführlicher behandelt – insbesondere Rich, der ein Aktivposten des israelischen Geheimdienstes Mossad war und dessen spätere kriminelle Begnadigung durch Bill Clinton weitgehend von Mitgliedern der Mega Group [eine Gruppe der 20 reichsten und mächtigsten jüdischen Geschäftsleute, Anm. d. Übers.] wie Michael Steinhardt und israelischen Politikern wie Ehud Barak organisiert wurde.

 

Der Zusammenhang zwischen Gray und Casey ist besonders aufschlussreich, da - laut späteren Enthüllungen des ehemaligen Nebraska State Senators und späteren Ermittlers John DeCamp - Gray ein Spezialist für homosexuelle Erpressungsaktionen für die CIA war und dabei angeblich mit Roy Cohn zusammengearbeitet hat. Cohn und Gray kannten sich wahrscheinlich gut, denn während Reagans Präsidentschaftskampagne 1980 rief Casey – damals Grays Chef – Roy Cohn "jeden Tag" an, so Christine Seymour, Cohns ehemalige Telefonistin.

 

Gray war ein bekannter Partner des CIA-Agenten und Naval Intelligence Officer Edwin Wilson, der in den 1970er Jahren im Vorstand von Consultants International gedient hatte, einer Organisation, die von Wilson gegründet worden war und von der CIA als Deckfirma eingesetzt wurde. Obwohl Gray versuchte, sich von Wilson zu distanzieren, nachdem dieser 1983 beim illegalen Verkauf von Waffen an Libyen erwischt worden war, besagte ein vom Journalisten Peter Maas ausgegrabener Bericht der Marine über Wilsons Geheimdienstkarriere, dass Gray Wilson als einen Mann des "uneingeschränkten Vertrauens" bezeichnete und dass Gray und Wilson bereits 1963 "zwei- bis dreimal im Monat" in beruflichem Kontakt gestanden hätten.

 

Obwohl Wilsons Hauptspezialität Deckfirmen waren, die dazu dienten, insgeheim für den US-Geheimdienst Waren zu versenden und zu schmuggeln, führte er auch sexuelle Erpressungsoperationen für die CIA durch, insbesondere zur Zeit des Watergate-Skandals, so sein ehemaliger Partner und Mitagent bei der CIA, Frank Terpil.

 

Terpil erzählte später dem Autor und investigativen Journalisten Jim Hougan:

 

Historisch gesehen war es eine von Wilsons CIA-Aufgaben, Mitglieder beider Häuser [des Kongresses] mit allen notwendigen Mitteln zu vernichten... Bestimmte Menschen konnten leicht erpresst werden, wenn sie ihre sexuelle Fantasie im Fleisch auslebten... Eine Erinnerung an diese Gelegenheiten wurde mit ausgewählten Kameras dauerhaft aufgezeichnet... Die für die Aufzeichnungen verantwortlichen Techniker... waren TSD (Technical Services Division of the CIA). Die unwissenden Pornostars schritten in ihrer politischen Karriere voran, einige [von ihnen] sind vielleicht noch im Amt."

 

Laut Terpil führte Wilson seine Operation aus dem George Town Club heraus durch, der sich im Besitz des Lobbyisten und koreanischen Geheimdienstlers Tongsun Park befand. Laut der Washington Post hatte Park den Club für die koreanische Central Intelligence Agency "als primäres Mittel für den illegalen Versuch, US-Politiker und -Funktionäre zu beeinflussen" gegründet. Der Präsident des George Town Clubs zur Zeit von Wilsons angeblichen Aktivitäten dort war Robert Keith Gray.

 

DeCamp berichtete später, dass Wilsons Aktivitäten ein Ableger der gleichen sexuellen Erpressung waren, an der Cohn während der McCarthy-Ära mit Lewis Rosenstiel und J. Edgar Hoover beteiligt war.

 

Pater Ritter und seine Lieblingsjugendlichen

 

Die Operation, die angeblich von Gray und Wilson durchgeführt wurde, war nicht die einzige sexuelle Erpressung, die mit Cohns Netzwerk oder mit einflussreichen amerikanischen Politikern jener Zeit verbunden war. Ein weiteres pädophiles Netzwerk, das Anfang der 90er Jahre mit einem engen Mitarbeiter des ehemaligen Präsidenten George H.W. Bush verbunden war, wurde als Zweigorganisation des katholischen caritativen Covenant House geführt, das von Pater Bruce Ritter gegründet und geleitet wurde.

 

1968 bat Ritter seinen Superior – Kardinal Francis Spellman von der Erzdiözese New York – um die Erlaubnis, obdachlose Teenager, Jungen und Mädchen, in seinem Haus in Manhattan aufzunehmen. Wie in Teil 1 dieser Serie erwähnt, wurde Spellman der Pädophilie beschuldigt und ordinierte bekannte Pädophile, während er als ranghöchster katholischer Priester in den Vereinigten Staaten diente. Spellman war auch ein enger Mitarbeiter, Kunde und Freund Roy Cohns sowie dessen juristischen Partners Tom Bolan, und Spellman soll bei mindestens einer von Cohns "Erpressungspartys" anwesend gewesen sein. Darüberhinaus arbeitete Spellmans Neffe, Ned Spellman, laut LIFE Magazine für Roy Cohn.

 

Ritter, wie Spellman selbst und andere Priester, die unter Spellman dienten, wurde schließlich beschuldigt, sexuelle Beziehungen zu vielen der minderjährigen Jungen zu haben, die er aufgenommen hatte, und Gelder von Covenant House für üppige Geschenke und Zahlungen an die wehrlosen Teenager, die er ausnutzte, ausgegeben zu haben.

 

Ein Jahr nachdem der Missbrauch der Teenagerjungen durch den Priester von der Presse aufgedeckt worden war, schrieb Darryl Bassile, eines von Ritters Opfern, ihm einen offenen Brief: "Es war falsch von Ihnen, einem 14-Jährigen Ihre Wünsche aufzuzwingen... Ich weiß, dass Sie eines Tages vor dem stehen werden, der uns alle richtet, und dann wird es kein Leugnen mehr geben, nur noch die Wahrheit."

 

Nachdem Ritters Aktivitäten im Covenant House 1989 von der New York Post enthüllt worden waren, erklärte Charles M. Sennott, der Reporter der Post, der die Geschichte geschrieben hatte, dass "die weltlichen Mächte ihn [Ritter] mehr als die Erzdiözese oder die Franziskaner schützten". Sennotts Bericht wurde von Kolumnisten in anderen New Yorker Medien, mächtigen Politikern, darunter dem damaligen Gouverneur von New York, Mario Cuomo, sowie von Kardinal Spellmans Nachfolger, Kardinal John O'Connor, bösartig angegriffen.

 

Der wahrscheinliche Grund, warum diese "weltlichen Mächte" dem umkämpften Ritter zu Hilfe kamen, der nie wegen sexueller Beziehungen zu Minderjährigen angeklagt und lediglich gezwungen wurde, von seinem Posten zurückzutreten, ist, dass Covenant House und Ritter selbst eng mit Robert Macauley verbunden waren, dem Zimmergenossen von Bush Senior in Yale und langjährigen Freund der Bush-Familie. Macauley wurde von der New York Times als "förderlich" für die Spendensammlung für Covenant House beschrieben, nachdem er 1985 dem Vorstand beigetreten war und mehrere "andere wohlhabende oder gut vernetzte Menschen", darunter ehemalige Regierungsbeamte und Investmentbanker, mitgebracht hatte.

        George Bush und First Lady Barbara treffen am 22. Juni 1989 Bewohner

         in New Yorks Covenant House. Pater Bruce Ritter sitzt im Hintergrund.

 

Macauleys Organisation, die AmeriCares Foundation, die später beschuldigt wurde, Geld an die Contras in Mittelamerika weitergegeben zu haben, war eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für das Covenant House. Eines der Mitglieder des AmeriCares-Beirats war William E. Simon, ehemaliger US-Schatzmeister unter den Regierungen Nixon und Ford, der auch den Nicaragua Freedom Fund leitete, der den Contras Hilfe leistete.

 

AmeriCares war auch dafür bekannt, direkt mit dem US-Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Wie der Hartford Courant 1991 bemerkte: "Sachkundige ehemalige Bundesbeamte, viele von ihnen aus dem Milieu der Geheimdienstarbeit, helfen AmeriCares, in heiklen internationalen politischen Umgebungen zu manövrieren."

 

Ferner war bekannt, dass Ritter das Connecticut-Anwesen von Macauley besucht hatte und als Vizepräsident von AmeriCares tätig gewesen war, bis er gezwungen wurde, aus dem Covenant House auszusteigen. Insbesondere George H.W. Bushs Bruder Prescott gehörte auch dem AmeriCares-Beirat an. Nach dem Tod von George H.W. Bush im vergangenen Jahr erklärte AmeriCares, dass er "maßgeblich an der Gründung der gesundheitsorientierten Hilfs- und Entwicklungsorganisation beteiligt gewesen war".

 

Jahre bevor Ritter als Pädophiler geoutet wurde, der die benachteiligten und verletzlichen Teenager ausnutzte, die bei seiner Wohltätigkeitsorganisation Zuflucht suchten, wurde das Covenant House von Präsident Ronald Reagan heftig gelobt und sogar in seiner Rede zur Lage der Nation 1984 erwähnt, in der er Ritter als einen der "unbesungenen Helden" des Landes bezeichnete. Von 1985 bis 1989 wuchs das Betriebsbudget von Covenant House von 27 Millionen Dollar auf 90 Millionen Dollar, und sein Vorstand wurde um mächtige Persönlichkeiten erweitert, darunter Top-Manager von IBM, Chase Manhattan Bank und Bear Stearns.

 

In dieser Zeit entwickelte sich Covenant House zu einer internationalen Organisation und eröffnete Niederlassungen in mehreren Ländern, darunter Kanada, Mexiko und anderswo in Mittelamerika. Die erste Niederlassung in Mittelamerika wurde in Guatemala eröffnet und von Roberto Alejos Arzu geleitet, einem CIA-Assistenten, dessen Plantage zur Ausbildung jener Truppen diente, die bei der gescheiterten "Schweinebucht"-Invasion der CIA in Kuba eingesetzt wurden. Alejos Arzu war auch Mitarbeiter des ehemaligen, von den USA unterstützten Diktators von Nicaragua, Anastasio Somoza, und Malteserritter, also Mitglied eines katholischen Ordens, dem auch der ehemalige CIA-Direktor William Casey und Roy Cohns Anwaltspartner Tom Bolan angehörten. Alejos Arzu arbeitete auch für AmeriCares und war mit mehreren mittelamerikanischen paramilitärischen Gruppen verbunden.

 

Von DeCamp zitierte Nachrichtendienstquellen behaupten, die von Alejos Arzu geführte Filiale des Covenant House habe Kinder für einen pädophilen Ring in den Vereinigten Staaten beschafft. Jahre später wurde Mi Casa, eine weitere von den USA geführte Wohltätigkeitsorganisation in Guatemala, die George H.W. Bush 1994 persönlich mit seiner Frau Barbara besucht hatte, zügelloser Pädophilie und Kindesmissbrauchs beschuldigt.

 

Der Untergang von "Washingtons Jay Gatsby"

 

Nachdem Craig Spence in den 1980er Jahren seinen Job als Korrespondent der ABC News aufgegeben hatte, fand er Erfolg als prominenter konservativer Lobbyist in Washington. Sein Schicksal sollte sich bald dramatisch wenden, als im Juni 1989 bekannt wurde, dass er während der ganzen 1980er Jahre in Wohnungen, die mit Video- und Audioaufnahmegeräten verwanzt waren, der Machtelite der Hauptstadt Kinder vermittelt hatte. Ähnlich wie Jeffrey Epstein, der eine ähnliche Operation durchführte, wurde Spence oft mit Jay Gatsby verglichen, der mysteriösen, wohlhabenden Figur aus dem bekannten Fitzgerald-Roman The Great Gatsby.

 

Ein 1982 in der New York Times über Spence erschienener Artikel führte aus, dass sein "persönliches Telefonbuch und seine Gästelisten ein 'Who's Who' im Kongress, in der Regierung und im Journalismus darstellen" und erklärte, Spence sei "von seinen Kunden aus zwei Gründen gleichermaßen angestellt worden: wen er kennt und was er weiß". Spence war auch dafür bekannt, üppige Partys zu veranstalten, die die Times als "glitzernd mit Prominenten“ beschrieb, „von Botschaftern bis zu Fernsehstars, von Senatoren bis zu hochrangigen Beamten des Außenministeriums". Roy Cohn, William Casey und Roy Cohns Journalistenfreund William Safire waren nur einige der anderen Teilnehmer an Spences Festivitäten.

 

"Laut Mr. Spence", so der Times-Artikel weiter, "ist Richard Nixon ein Freund. Genauso wie [der ehemalige Generalstaatsanwalt unter Nixon] John Mitchell. [Der CBS-Journalist] Eric Sevareid wird als 'ein alter, lieber Freund' bezeichnet. Senator John Glenn ist 'ein guter Freund' und Peter Ustinov [britischer Schauspieler und Journalist] ist 'ein alter, alter Freund'." Ustinov schrieb für The European, kurz nachdem die Zeitung 1990 von Robert Maxwell, Vater von Epsteins angeblicher Kupplerin Ghislaine Maxwell und bekannter Mossad-Agent, gegründet worden war.

 

Nur sieben Jahre, nachdem die Times ihr verliebtes Kurzporträt von Spence veröffentlicht hatte, kam heraus, dass seine "glitzernden Partys für Schlüsselbeamte der Reagan- und Bush-Administration, Medienstars und Spitzenmilitärs" abgehört worden waren, um "Gäste zu kompromittieren". Laut dem explosiven Bericht der Washington Times war Spence mit einem "homosexuellen Prostitutionsring" verbunden, zu dessen Kunden "Regierungsbeamte, lokal ansässige US-Militäroffiziere, Geschäftsleute, Anwälte, Bankiers, Kongresshelfer, Medienvertreter und andere Fachleute" gehörten. Spence bot seinen Gästen auch Kokain als weiteres Mittel zur Erpressung an.

 

Dem Bericht zufolge war Spences Haus "verwanzt und hatte einen geheimen, halbdurchlässigen Spionspiegel, und... er versuchte, Besucher zu kompromittierenden sexuellen Begegnungen zu verführen, die er dann als Druckmittel nutzen konnte". Ein Mann, der mit der Washington Times sprach, sagte, Spence habe eine Limousine zu ihm nach Hause geschickt, die ihn zu einer Party brachte, wo "mehrere junge Männer versuchten, vertraulich mit ihm zu werden". Laut DeCamp war Spence dafür bekannt, den Teilnehmern seiner Erpressungspartys kleine Kinder zum Sex anzubieten, zusammen mit illegalen Drogen wie Kokain.

 

Mehrere andere Quellen, darunter ein Beamter des Weißen Hauses von Reagan und ein Sergeant der Luftwaffe, die an den von Spence veranstalteten Partys teilgenommen hatten, bestätigten, dass Spences Haus mit Aufnahmegeräten angefüllt war, mit denen er regelmäßig Gäste ausspionierte und aufzeichnete, und sein Haus enthielt auch einen Spionspiegel, den er zum Lauschen benutzte.

 

Der Bericht dokumentierte auch Spences Verbindungen zum US-Geheimdienst, insbesondere zur CIA. Laut dem Bericht der Washington Times „prahlte“ Spence "oft damit, dass er für die CIA arbeitete und sagte einmal, dass er für eine Weile verschwinden würde, 'weil er einen wichtigen CIA-Auftrag hatte'". Er war auch ziemlich paranoid in Bezug auf seine angebliche Arbeit für die Agentur, da er die Sorge äußerte, "dass die CIA doppeltes Spiel mit ihm treiben und stattdessen ihn töten und das dann wie Selbstmord aussehen lassen könnte". Nicht lange nach der Veröffentlichung des Berichts der Washington Times über seine Aktivitäten wurde Spence tot im Bostoner Ritz Carlton gefunden, und sein Tod wurde schnell als Selbstmord eingestuft.

 

Der Bericht der Washington Times bietet auch einen Hinweis auf das, was Spence für die CIA getan haben könnte, da in ihm Quellen mit der Aussage zitiert werden, Spence habe über Kokainschmuggel aus El Salvador in die USA gesprochen. Eine Operation, von der er behauptet habe, dass sie US-Militärpersonal involviere. Angesichts des Zeitpunkts dieser Kommentare von Spence, seiner mächtigen Verbindungen und der Beteiligung der CIA am Austausch von Kokain gegen Waffen im Iran Contra Skandal, mögen seine Kommentare viel mehr gewesen sein als nur Prahlereien, die seine Partygäste beeindrucken sollten.

 

Einer der kritischsten Teile des Skandals um Spence war jedoch die Tatsache, dass er in der Lage gewesen war, zur Zeit der George H.W. Busch-Regierung das Weiße Haus spät nachts mit jungen Männern zu betreten, die die Washington Times als "Callboys" bezeichnete.

 

Spence erklärte später, seine Kontakte im Weißen Haus, die ihm und seinen "Callboys" Zugang erlaubten, seien "hochrangige" Beamte, und hob ausdrücklich George H.W. Bushs damaligen nationalen Sicherheitsberater Donald Gregg hervor. Gregg hatte seit 1951 bei der CIA gearbeitet, bevor er 1982 zurücktrat, um National Security Advisor für Bush zu werden, der damals Vizepräsident war. Vor seinem Rücktritt von seinem Posten bei der CIA hatte Gregg direkt unter William Casey und in den späten 1970er Jahren neben einem jungen William Barr gearbeitet, um das Pike Committee und das Church Committee des Kongresses, die ab 1975 die CIA untersuchten, abzublocken. Zu den Dingen, mit deren Untersuchung diese beauftragt waren, gehörten die "Liebesfallen" der CIA oder sexuelle Erpressungen, mit denen ausländische Diplomaten in verwanzte Wohnungen gelockt wurden, die komplett mit Aufnahmegeräten und Spionspiegeln ausgestattet waren.

 

Barr sollte später Bushs Justizminister werden und unter Trump noch einmal zu diesem Posten aufsteigen. Darüber hinaus arbeitete Barrs Vater für den Vorläufer der CIA, das Office of Strategic Services (OSS), und rekrutierte einen jungen Jeffrey Epstein, damals ein High School-Abbrecher, für den Unterricht an der Eliteschule Dalton, aus der Epstein später gefeuert wurde. Ein Jahr vor Epsteins Einstellung veröffentlichte Donald Barr einen Science-Fiction-Fantasy-Roman über Sexsklaverei. Bemerkenswert ist, dass im selben Jahr, als Donald Barr Epstein einstellte, sein Sohn für die CIA arbeitete. Bill Barr hat sich geweigert, sich aus dem Fall Epstein wegen Befangenheit zurückzuziehen, obwohl er bei derselben Anwaltskanzlei gearbeitet hat, die in der Vergangenheit Epstein vertreten hat.

 

Donald Gregg ist auch mit Roy Cohns "Einflussmaschine" verbunden, indem seine Tochter mit Christopher Buckley verheiratet ist, dem Sohn des konservativen Journalisten William Buckley, enger Vertrauter und Freund sowohl von Roy Cohn als auch von Cohns Anwaltspartner Tom Bolan.

 

Die Berichte der Washington Times über Spences Kindersexring offenbaren auch seine engen Verbindungen zu niemand anderem als dem allgegenwärtigen Roy Cohn. Eine der Quellen der Times für ihre erste Geschichte über den Skandal behauptete, an einer Geburtstagsfeier für Roy Cohn teilgenommen zu haben, die Spence in seinem Haus veranstaltete, auch CIA-Direktor William Casey sei anwesend gewesen. Im Bericht wird auch gesagt, Spence habe oft mit seinen gesellschaftlichen Beziehungen geprahlt und Cohn regelmäßig erwähnt und behauptet, Cohn auch bei anderen Gelegenheiten als der oben genannten Geburtstagsfeier in seinem Haus empfangen zu haben.

 

"Bodies by God"

 

Die Enthüllung von Craig Spences "Callboy-Ring" führte bald zur Entdeckung des berüchtigten Franklin-Kindersex-Missbrauchs und -Ritualmordskandals. Diese schmutzige Operation wurde von Larry King, einem prominenten republikanischen Aktivisten und Lobbyisten, der die Franklin Community Federal Credit Union leitete, von Omaha in Nebraska aus geführt, bis sie von den Bundesbehörden beendet wurde.

 

Begraben in einem Artikel des Omaha World Herald vom Mai 1989 zur Untersuchung von Kings Credit Union und dem Sexring steckt eine vielsagende Enthüllung: "In den 6 1/2 Monaten seit der Schließung von Franklin durch die Bundesbehörden halten die Gerüchte an, dass Geld aus der Kreditgenossenschaft irgendwie den Weg zu den nicaraguanischen Contra-Rebellen gefunden hat."

 

Die Möglichkeit, dass Kings betrügerische Kreditgenossenschaft die Contras heimlich finanzierte, wurde durch die anschließende Berichterstattung Pete Brewtons von der Houston Post unterstützt, der entdeckt hatte, dass die CIA in Verbindung mit der organisierten Kriminalität heimlich Geld von verschiedenen Spar- und Kreditanstalten (S&L) geliehen hatte, um geheime Operationen zu finanzieren. Einer dieser S&Ls hatte Neil Bush in seinem Vorstand, den Sohn von George H.W. Bush, und hatte Geschäfte mit Kings Organisation gemacht.

 

Ein weiteres Bindeglied zwischen King und dem Iran Contra Team ist die Tatsache, dass King die Organisation Citizens for America mitgegründet und ihr anschließend über 25.000 Dollar gespendet hat. Sie war mit der Reagan-Administration verbunden und sponserte Redeauftritte von Lt. Col. Oliver North und Contra Leadern. Der Direktor von Citizens for America war damals David Carmen, der gleichzeitig eine PR-Firma mit dem ehemaligen Leiter der verdeckten Operationen bei der von Casey geführten CIA leitete, nämlich seinem Vater Gerald Carmen, der von Reagan auch zum Leiter der General Services Administration ernannt worden war und der später Botschafter wurde.

 

Einer der investigativen Journalisten, die zum Craig Spence-Ring recherchierten, erzählte später DeCamp, dass Spences Ring mit King verbunden war:

 

Larry King und seinen in Nebraska ansässigen Callboy-Ring haben wir entdeckt, indem wir die Kreditkartenrechnungen von Spences Ring durchgingen, wo wir den Namen von King fanden."

 

Später wurde bekannt, dass King und Spence im Wesentlichen Geschäftspartner waren, da ihre Kinderhandelsringe unter einer größeren Gruppe betrieben wurden, die als "Bodies by God" bezeichnet wurde.

 

Wieviele Gruppen unter dieser Dachgruppe "Bodies by God" operierten, ist unbekannt. Doch man weiß, dass die Ringe von King und Spence nicht nur miteinander verbunden waren, sondern auch mit prominenten Beamten in der Reagan- und der nachfolgenden George H.W. Bush-Administration, einschließlich Beamter mit Verbindungen zur CIA und zu Roy Cohn und seinem Netzwerk.

 

Tatsächlich hatte Spence, nur wenige Monate vor seinem angeblichen Selbstmord im Bostoner Ritz Carlton, gegenüber den Washington Times-Reportern Michael Hedges und Jerry Seper, die die Geschichte ursprünglich ans Licht gebracht hatten, angedeutet, dass sie lediglich an der Oberfläche von etwas viel Dunklerem gekratzt hätten:

 

Um ehrlich zu sein - all dieses Zeug, das Sie aufgedeckt haben [mit Callboys, Bestechung und den Touren durch das Weiße Haus], ist unbedeutend im Vergleich zu anderen Dingen, die ich getan habe. Aber ich werde euch diese Dinge nicht sagen, und irgendwie wird sich die Welt weiterdrehen."

 

Auch die Rolle des FBI bei all dem, insbesondere im Franklin-Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch, ist erwähnenswert. Tatsächlich wurde Larry Kings Ring für sexuellen Kindesmissbrauch schnell und aggressiv vom FBI zugedeckt, das eine Vielzahl hinterlistiger Taktiken anwandte, um die Wahrheit über Kings schmutzige Operation zu begraben. Hier sollte man sich an die Schlüsselrolle zu erinnern, die der ehemalige FBI-Direktor J. Edgar Hoover bei ähnlichen sexuellen Erpressungsoperationen durch Kindesmissbrauch gespielt hat (siehe Teil 1), und an die enge Beziehung zwischen Hoover, Roy Cohn und Lewis Rosenstiel, der später die ehemalige rechte Hand von Hoover beim FBI, Louis Nichols, beschäftigte.

 

Jahre später sollten vom FBI freigegebene Dokumente zeigen, dass Epstein 2008 ein FBI-Informant wurde, als Robert Mueller der Direktor des FBI war, und zwar gegen Immunität wegen damals anhängiger Bundesanklagen, ein Deal, der mit Epsteins jüngster Verhaftung wegen neuer Bundesanklagen geplatzt ist. Außerdem sollte der ehemalige FBI-Direktor Louis Freeh von Alan Dershowitz angeheuert werden, der beschuldigt wird, Mädchen in Epsteins Häusern vergewaltigt zu haben, und einst als Charakterzeuge für Roy Cohn tätig war, um Epsteins Opfer einzuschüchtern. Wie bereits erwähnt, wurde Freehs frühere Ernennung zum Richter am United States District Court for the Southern District of New York von Cohns Anwaltspartner Tom Bolan organisiert.

 

So ist die Vertuschung des Franklin-Falls durch das FBI nur ein Beispiel für die langjährige Praxis des FBI, diese pädophilen Ringe zu schützen, wenn sie Mitglieder der amerikanischen politischen Elite einbeziehen und das FBI mit einem stetigen Nachschub an Erpressung versorgen. Es lohnt sich auch, die Unparteilichkeit einer der Hauptstaatsanwältinnen im Fall Jeffrey Epstein, Maurene Comey, Tochter des ehemaligen FBI-Direktors James Comey, in Frage zu stellen.

 

Die Fäulnis an der Spitze

 

Während es mehrere Sexhandelsprogramme gab, die mit Roy Cohn und den Hallen der Macht in der Reagan-Administration verbunden waren, so scheint innerhalb weniger Monate nach Cohns Tod eine andere Person zu einer zentralen Figur in dem mächtigen Netzwerk geworden zu sein, das Cohn kultiviert hatte.

 

Dieses Individuum, Jeffrey Epstein, wurde nach seinem Rausschmiss aus der Dalton School von Alan "Ace" Greenberg, einem engen Freund Cohns, für die Arbeit bei Bear Stearns rekrutiert. Nachdem er Bear Stearns verlassen und als vermeintlicher finanzieller "Kopfgeldjäger" für Kunden gearbeitet hatte, zu denen angeblich der Iran-Contra- Waffenhändler Adnan Khashoggi gehörte, kam Epstein mit Leslie Wexner in Kontakt, einem Milliardär mit Nähe zur Meyer Lansky-verbundenen Familie Bronfman, der selbst mit Mitgliedern von Syndikaten des organisierten Verbrechens verbunden war, die einst von Cohn repräsentiert worden waren.

 

Im selben Jahr, in dem Wexner seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Epstein begann, sollte ein weiterer Cohn-Freund mit Verbindungen zum Weißen Haus unter Reagan und zur Familie Trump, Ronald Lauder, Epstein einen österreichischen Pass mit Epsteins Bild, aber einem falschen Namen besorgen.

 

Lauder, Wexner und die Bronfmans sind Mitglieder einer Elite-Organisation namens Mega Group, zu der auch andere mit Meyer Lansky verbundene "Philanthropen" wie Hedge-Fonds-Manager Michael Steinhardt gehören. Während Epstein erhebliche Gemeinsamkeiten mit dem in diesem Bericht und im Teil 1 dieser Serie beschriebenen Netzwerk teilt, ist er auch eng mit der Mega Group und ihren Partnern verbunden, darunter Robert Maxwell, der Vater von Ghislaine Maxwell.

 

Teil 3 dieser Serie konzentriert sich auf die Mega Gruppe und ihre Verbindungen zu dem in den Teilen 1 und 2 beschriebenen Netzwerk. Darüber hinaus wird auch die Rolle des Staates Israel, des Mossad und mehrerer globaler Pro-Israel-Lobbyorganisationen im Zusammenhang mit diesem Netzwerk sexueller Erpressungsaktionen und Jeffrey Epstein diskutiert.

 

Hier kommt die ganze Breite des Epstein-Skandals zum Vorschein. Es handelt sich um ein kriminelles und skrupelloses Erpressungssystem, das seit mehr als einem halben Jahrhundert von einflussreichen Persönlichkeiten geleitet und in aller Öffentlichkeit versteckt wird und dabei das Leben unzähliger Kinder ausbeutet und zerstört. Im Laufe der Jahre hat es sich verzweigt und weit über die Vereinigten Staaten hinaus verbreitet, wie die Aktivitäten des Covenant House in Lateinamerika und Epsteins eigene Bemühungen auf internationaler Ebene zeigen, noch mehr Mädchen für Missbrauchs- und Ausbeutungszwecke zu gewinnen.

 

All dies geschah mit dem vollen Wissen und Segen von Spitzenpersönlichkeiten in der Welt der "Philanthropie", der US-Regierung und der Geheimdienste, mit großem Einfluss auf den Verwaltungsapparat mehrerer Präsidenten, insbesondere seit dem Aufstieg von Ronald Reagan fortlaufend bis hin zu Donald Trump.

 

 

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Whitney Webb ist eine MintPress News-Journalistin, die in Chile lebt. Sie hat für mehrere unabhängige Medien gearbeitet,unter anderem für Global Research, EcoWatch, das Ron Paul Institute und 21st Century Wire. Sie hatte verschiedene Auftritte im Radio und Fernsehen und ist Preisträgerin des Serena Shim Awards for Uncompromised Integrity in Journalism von 2019.