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Die Dinge gehen vor die Hunde

 

von Michael Krieger, 05. 08.2019

 

 

Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten

es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit

es war die Epoche des Glaubens es war die Epoche des Unglaubens

es war die Jahreszeit des Lichts, es war die Jahreszeit der Dunkelheit

es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung

alles lag vor uns, nichts lag vor uns

wir gingen alle direkt in den Himmel, wir gingen alle direkt in die andere Richtung –

kurzum, diese Periode war bisher wie die gegenwärtige Periode, so dass einige ihrer lautesten Autoritäten darauf bestanden, dass sie nur in den höchsten Vergleichstönen aufgenommen werden sollte – im Guten wie im Schlechten.

Charles Dickens, Eine Geschichte aus zwei Städten

 

 

Du verlierst nicht den Verstand, nur die Anderen. Die Dinge sind verrückt und werden immer verrückter. Etwas muss getan werden. Bitte, jemand muss etwas tun.

 

Wenn dich die Aufmerksamkeit für globale Ereignisse überwältigt und insgesamt zu einem Gefühl von Furcht, Besorgnis und Fassungslosigkeit führt, dann bist du nicht allein. Es liegt nicht einfach daran, weil die Menschen mehr Zugang zu Informationen haben als je zuvor, dass du dich so fühlst. Es scheint da einen Beschleunigung bei der Entfaltung des letzten Kapitels der Menschheit zu geben. Die Dinge fallen wirklich auseinander, aber die Dinge fallen immer auseinander. Ebenso werden stets Dinge aufgebaut, und immer werden Dinge erschaffen. Regierungen kommen und gehen, so wie globale Imperien und Geldsysteme. Alles stirbt und wird gleichzeitig geboren, ständig und für immer. Das wird sich nicht ändern.

 

Dabei gibt es in der Geschichte Perioden, in denen sich die gesamte Weltanschauung, an die man sich gewöhnt hatte zu leben, abrupt und zum Guten ändert. Eine solche Veränderung verschiebt im globalen Maßstab das gesamte Spiel und geschieht wahrscheinlich nur einmal im Leben. Die letzte Veränderung geschah während des Zweiten Weltkriegs und wir leben im nächsten (Weltkrieg). Wie groß dieser Wandel im Zusammenhang der Menschheitsgeschichte sein wird, das bleibt unbekannt, aber wir wissen, dass er groß sein wird. Wirklich sehr groß.

 

Die größte Herausforderung, vor der die meisten von uns stehen, wenn wir mit so einem Moment konfrontiert werden, ist es, während eines solchen Wandels fokussiert und emotional stabil zu bleiben. Das soll nicht Apathie bedeuten, sondern mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben und nicht dem konstanten Nachrichten- und Expertenzirkus aus erboster Empörung und Zorn zu verfallen, der sich bei jedem einzelnen Ereignis entfaltet. Es ist schließlich wichtig zu erkennen, dass nahezu alles, was man in den Nachrichten sieht, hauptsächlich nur ein Symptom von etwas viel Größerem ist, das sich im Hintergrund abspielt. Nämlich, dass die globale Ordnung, die der größte Teil des Planeten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren hat, nun aus den Fugen gerät. Wenn du dich nicht auf das große Bild konzentrierst, dann wirst du – ohne es zu wissen – leicht und hoffnungslos manipuliert.

 

Der grundlegende Wandel, der sich abspielt, ist, dass das US-Imperium seine Fähigkeit verloren hat, allen Ländern gleichzeitig alle Bedingungen zu diktieren. Diese Fähigkeit zum Diktieren wurde jahrzehntelang mit einem zweigleisigen Ansatz erzwungen. Diese beiden Säulen heißen globale militärische Dominanz und Kontrolle des Finanzsystems.

 

Erstere wird durch die Tatsache bedroht, dass wir bereits in eine Welt eingetreten sind, in der es leichter ist, das globale Imperium zu frustrieren als es aufrecht zu halten. Das hat sich im Laufe des 21. Jahrhunderts an verschiedenen Schauplätzen gezeigt. Der Krieg in Afghanistan ist ein fortlaufendes Versagen, obwohl er der längste Konflikt in der Geschichte der USA ist, und der Irakkrieg (der auf Fake News basierte) führte zu Hunderttausenden von Toten und hat nur die Position des Iran in der Region gestärkt. In der Zwischenzeit wurden US-Pläne für einen Regimewechsel in Syrien vereitelt, trotz größter Anstrengungen des Imperiums, und Trumps geisteskranke Mannschaft aus kriegerischen Neokons kann nicht einmal Maduro in Venezuela beseitigen. Du kannst es abstreiten so viel du willst, aber die geopolitische Landkarte hat sich fundamental verändert.

 

Michel Krieger @LibertyBlitz:

18 Jahre und $1 Billion. Hier stehen wir:

Die USA haben ihren Luftkrieg in Afghanistan verstärkt, während man nach einem Frieden mit den Taliban sucht, die jetzt mehr Teile des Landes kontrollieren als je zuvor, seit sie 2001 vertrieben wurden.“

 

In der Zwischenzeit ist selbst das Finanzsystem (eine gewaltige Quelle für die imperiale Macht der USA) fundamental Pleite. Der erste große Fehler in dieser Beziehung geschah am 15. August 1971, als Richard Nixon den Goldstandard aufgab. Ob einer glaubt, ob dies ein Hauptgrund für die vielen negativen Trends war, die sich danach auftaten, das hängt wahrscheinlich von seiner persönlichen Ideologie ab. Aber es ist nicht zu leugnen, dass wir kurz nach diesem Ereignis eine große Zunahme bei der Finanzialisierung (Anm.d.Ü.: auf künstliche Weise Reichtum zu schaffen) von allem erlebt haben, sowie eine Stagnation beim Wachstum der Durchschnittslöhne. Eine globale Zunahme bei der Finanzialisierung und bei betrügerischen Finanzprodukten spielte eine Hauptrolle dabei, uns in die derzeitige Lage zu bringen, und das hat 2008 auch zum zweiten großen Scheitern des globalen Finanzsystems geführt.

 

Das war der Moment, an dem eine ernsthafte Reform und ernste Konsequenzen für die kriminellen Verursacher des wirtschaftlichen Zusammenbruchs einen Neustart des Systems hätten bringen können, um die Welt auf einen zukunftsfähigen Weg zu führen, aber wir wissen alle, dass das nicht geschah. Stattdessen haben die für die Lösung des Problems zuständigen „Eliten“entschieden, ein kaputtes System vorübergehend aufzupäppeln und gleichzeitig sichergestellt, dass sie die Hauptprofiteure einer speziellen Politik waren, die angeblich „die Wirtschaft retten“ sollte. In Wahrheit wurde nichts gerettet. Ein totes System wurde an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, während unsere selbsternannte heldenhafte Elite sich alles unter den Nagel riss, was nicht Niet- und nagelfest war. Eine heimliche Verbrechenstour, die bis zum heutigen Tag andauert.

 

Ratet mal, wer enorme Mengen an Häusern besitzt, nach dem Bailout für die Banker? Private Equity Firmen. Alleine Blackstone besitzt jetzt in den USA 100.000 Häuser.

 

Die Folgen vergangener Handlungen und das anstehende Scheitern einer globalen Weltanschauung, die für Jahrzehnte die menschliche Existenz dominiert hatte, sie können nicht länger aufgeschoben werden. Sie treten in den Vordergrund, während ich das hier schreibe, und dennoch können sich die Medien und die meisten Menschen nur auf die Symptome des Scheiterns konzentrieren. Die verschiedenen Dinge, über die sich Menschen tagtäglich aufregen, sind typischerweise Symptome, die man auf das Scheitern eines Makro-Systems zurückverfolgen kann. Aber darüber will niemand sprechen. Es ist zu groß, zu beängstigend und anscheinend ohne einen Zusammenbruch nicht zu reparieren.

 

Die Empörung, der Zorn und der Ruf danach, gegen die Symptome eines viel größeren Problems „etwas zu unternehmen“, wird jedoch nur dazu führen, dass in der Zukunft der Überwachungsstaat noch heftiger werden wird. Sich auf die Symptome zu konzentrieren, das ist nicht nur kurzsichtig und eine Energievergeudung, sondern es wird vermutlich mit der Zeit zu noch mehr autoritären Lösungen und Tendenzen führen. Die Fehldiagnose einer Krankheit kann für eine Zivilisation genauso tödlich sein wie für ein Individuum.

 

 

Leider stellen wir überall Fehldiagnosen, da wir unaufhörlich mit unzähligen Dingen bombardiert werden, damit wir uns aufregen und den richtigen Zusammenhang nicht erkennen. Dieser Zusammenhang ist, dass die globale Weltanschauung, unter der wir für Jahrzehnte lebten, gescheitert ist und jetzt seine Todeszuckungen durchlebt. Solche Veränderungen sind nie leicht, sicher oder rational. Ich erwarte nicht, dass es dieses Mal anders sein wird.

 

Und das bringt mich zum Hauptgrund diese Artikels. Es ist unabdingbar, das jene von uns, die das größere Ganze sehen können, so fokussiert und menschlich bleiben wie möglich, während die Dinge auseinanderfallen. Es ist möglich, für das Richtige zu kämpfen, ohne andere Menschen zu entmenschlichen. Wir müssen allen Anstrengungen der Medien und der Experten widerstehen, sogar jenen um uns herum, die uns in eine kollektive Spirale des Wahnsinns ziehen wollen, die die Menschen über das gesamte politische Spektrum hinweg erfasst. Wenn wir es nicht tun, wer denn sonst?

 

Wenn die Dinge vor die Hunde gehen, so ist das nie lustig oder sicher. Das war es nie. Wenn etwas verschwindet, wird es sicher durch etwas anderes ersetzt, und wir können nur versuchen sicherzustellen, dass die Welt der Zukunft auf dem Besten der vorhergehenden Welt basiert und das Destruktive und Unmoralische abgeschafft wird. Das bedeutet ehrlich zu sein über das, was am gegenwärtigen System gut ist und was bis auf auf den Kern verfault ist. Es war nicht alles schlecht, aber es war auch nicht das Ende der Geschichte. Ja, wir treten in eine Periode zunehmender Tumulte auf globaler Basis ein, aber wir können immer noch die Zukunft gestalten. Lasst sie uns zu einer guten Zukunft machen.

 

 

*

 

 

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Vielen Dank,

Michael Krieger

 

Kommentare: 1
  • #1

    Elisa (Donnerstag, 08 August 2019 15:54)

    Ein System, das seine Rechte und Gesetze missachtet und neue Arten der Verbrechen nicht in Gesetzesform und in den entsprechenden Strafvollzug bringen kann, so ein System befindet sich in Agonie und verliert sich in korrupter und mörderischer Anarchie. Zum Schluss gilt nur noch die Formel «der Stärkere hat Recht», auch wenn dieser der grösste und gierigste Verbrecher ist. Die Anständigen und Unschuldigen gehen in solch einer Welt zuerst zugrunde, hinterhältige Drecksäcke machen oft einen längeren Lebensweg, weil sie die Gemeinheiten besser aus eigenem Tun kennen und sich deshalb besser davor schützen können. Aber letztlich nehmen alle an solch fatalen Entwicklungen irreversiblen Schaden, der in Richtung Untergang zeigt.

    Irgendetwas und irgendwer auf dieser Welt wird überleben, und das Leben wird sich neu formieren, allerdings sehr wahrscheinlich ohne Menschen. Diese Sorte katapultiert sich aus der Bio-Diversität selber heraus und muss sich nicht mehr über die biologische Diversität, über das Klima, den Umweltschutz oder über die Energiegewinnung - aus gierigem Eigennutz - den Kopf zerbrechen.

    Auch gut! Wer meint denn, dass es den Menschen auf dieser Erde braucht!