http://thesaker.is/our-fundamental-disagreement-about-wwii-hitler-jews-and-race/

 

Unsere grundsätzliche Meinungsverschiedenheit

über den 2. Weltkrieg, Hitler, Juden und Rasse

 

vom Saker, 06.02.2020 geschrieben für die Unz Review (leicht gekürzte Übersetzung)

 

 

Das Thema Russland und Juden ist eindeutig ein „heißes“ Thema. In den vergangenen Jahren habe ich einige Artikel zu diesem Thema verfasst, darunter „Putin und Israel: Eine komplizierte und vielschichtige Beziehung“, „Warum erlaubt Putin die Bombardierung Syriens?“, „Russland, Israel und die Werte der 'westlichen Zivilisation' – wo liegt die Wahrheit?“ und „Das Entlarven der Gerüchte, Russland würde vor Israel einknicken“. Trotzdem habe ich seit längerem das Gefühl, dass man zu diesem Thema viel mehr sagen könnte und sollte.

 

Jüngste Ereignisse (darunter Putins und Selenkiis Reise nach Israel oder die neueste polnisch-ukrainische Theorie, die UdSSR wäre ein Komplize beim Holocaust) haben mir das starke Gefühl verleiht, dass die Art und Weise, wie Juden im Westen gesehen werden, wirklich sehr anders ist als wie Juden in Russland gesehen werden. Dennoch wird dieser Unterschied im Westen oft (und eigentlich fast immer!) übersehen und es werden über Russland und die Russen Mutmaßungen angestellt, die einfach nicht berechtigt und am Ende äußerst irreführend sind. Daher will ich heute versuchen, einige dieser Vermutungen zu entkräften.

 

Als Erstes ein sehr schneller und sehr kurzer Blick in unsere jüngste Geschichte

 

Das allerbeste Buch, um über die russisch-jüdischen Beziehungen zu lesen, ist Alexander Solschenizyns „200 Jahre zusammen“. Das Problem mit diesem Buch ist, dass es nie offiziell ins Englische übersetzt worden ist. Ja, richtig gehört. Ein BEDUTENDES Buch eines Nobelpreisträgers kann so kontrovers sein, dass niemand im Verlagswesen es wagt, es zu drucken. (Anm.d.Ü.: Es gibt bei amazon eine deutsche Version, kostet aber gebraucht an die €100, aber Propapanda hat es im Internet Archive aufgespürt:

Band 1: https://archive.org/details/SolschenizynAlexanderZweihundertJahreZusammenBand1/mode/2up

Band 2: https://archive.org/details/SolschenizynAlexanderZweihundertJahreZusammenBand2/page/n1/mode/2up 

 

 

Glücklicherweise bietet eine Reihe von Webseiten inoffizielle „Samisdat“-Übersetzungen an. Die Qualität dieser Übersetzungen kann ich nicht einschätzen, da ich das Buch in Russisch lese, nicht in Englisch. Aber hey, im „Land der Freien“, der angeblich „Tapferen“ bekommt man ein Buch nicht zu lesen, wenn dieses Buch die westliche Sicht auf Russland und die Juden entkräftet. Übrigens, Solschenizyns Meisterwerk ist nicht das einzige Buch dieser Art, das nur auf Russisch existiert. Es gibt viele weitere, darunter Andrei Dikiis „Juden in Russland und der UdSSR“, das man auch nur im Internet-Archiv findet: https://archive.org/details/Andrey.DikyJews.in.Russia.and.in.the.USSR/mode/2up

 

Ich will gar nicht den Versuch machen, diese überaus interessante und kontroverse Historie zusammenzufassen. Alles was ich jetzt sagen möchte ist, dass, wenn wir von „Russen“ und „Juden“ reden, wir diese Kategorien in 4 Unterkategorien unterteilen müssen:

 

- Russen von dort, was wie als das heutige Russland betrachten, mit anderen Worten „Groß-Russen“ („Groß“ soll hier nicht auf eine Überlegenheit verweisen, sondern auf den Wohnort, soll heißen, Russen, die nicht in Zentralrussland leben) Für unsere Zwecke werde ich sie ab jetzt nur die „Russen“ bezeichnen.

 

- Russen von dort, was wir als die heutige Ukraine betrachten, mit anderen Worten „Klein-Russen“ (soll heißen, Russen, die nahe der Wiege der russischen Zivilisation, Kiew, leben.) Für unsere Zwecke werde ich sie ab jetzt als „Ukrainer“ bezeichnen, aber nur im geographischen Sinn, nicht im kulturellen.

 

- Russische Juden (im Gegensatz zu ukrainischen Juden)

 

- Ukrainische Juden (im Gegensatz zu russischen Juden)

 

Diese vier Unterkategorien hatten sehr unterschiedliche historische Erfahrungen und man muss sie getrennt betrachten, denn wenn man diese Kategorien vermischt, bekommt man keine ordentliche Analyse.

 

Nebenbei bemerkt, und ich habe das auch in der Vergangenheit angemerkt,enthält die nationalistische ukrainische Propaganda tatsächlich „etwas“ Wahres. Ja, es ist eine sehr verzerrte Wahrheit und sie ist mit einer Lawine aus Lügen vermischt, trotzdem kann man nicht alles abtun. Zum Beispiel, während es in der Geschichte nie eine „Ukraine“ gab, und während das, was heute als die „ukrainische Sprache“ bezeichnet wird, gar nicht ukrainisch ist („Surschyk“ wäre die richtige Bezeichnung), so bleibt es doch eine unbestreitbare Tatsache, dass die polnische Besetzung des südlichen und westlichen Russlands (das, was „die Ukraine“ ist – Russlands südwestliches „Grenzland“, was die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Ukraine“ ist) einen extrem tiefen Eindruck auf jene Russen hatte, die unter der polnisch-lateinischen Besatzung lebten. Ich will hier nicht in die historischen Details gehen, das habe ich bereits getan ( https://thesaker.is/ukrainian-nationalism-its-roots-and-nature/https://thesaker.is/follow-up-to-my-post-about-the-roots-and-nature-of-ukrainian-nationalism/ ), ich möchte nur sagen, dass diese tragische Geschichte schließlich einen der beliebtesten Sprüche der ukrainischen Nationalisten inspiriert hat: „alle Polacken und Moskals im Blut der 'Kikes“ zu ertränken“ (oder jede andere Variation dieser drei Nationalitäten).

 

(Anm.d.Ü.: zur Entstehung des Begriffs „Kike“ siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Kike )

 

Putzig, nicht wahr?

 

Die unbestreitbare historische Wahrheit ist, dass die Jahrhunderte lange Okkupation des östlichen Grenzlandes Russlands durch die Polen und ihre Lateinischen Herren so viel Hass zwischen all den beteiligten Nationalitäten erzeugt hat, dass sie anscheinend jede Gelegenheit wahrgenommen haben, sich gegenseitig zu verfolgen und zu töten. Hier ein paar Beispiele für diese Art von Gewalt:

 

- Die berühmt/berüchtigten „Pogrome“: das waren spontane und gewalttätige Aufstände und darauf folgende brutale Unruhen gegen Juden durch deren gehässige Nachbarn. Übrigens waren während des Bürgerkriegs die Roten oft die schlimmsten Täter dieser Pogrome, denn sie sahen in den vergleichsweise wohlhabenden Juden die Klassenfeinde, im marxistischen Sinn des Wortes.

 

- Die sehr hohe Prozentzahl von Juden unter der ersten Generation der Bolschewiken (80%-85%, so sagte Wladimir Putin; nun, ich stimme dieser Zahl zu). Diese bolschewistischen Juden waren typischerweise in den Organen der Geheimpolizei konzentriert und sie haben typischerweise die Massaker an Millionen orthodoxer Christen angeführt (die wurden danach von der russisch-orthodoxen Kirche im Exil glorifiziert und später, etwas zögerlich und nur teilweise, vom Moskauer Patriarchat als die „Neuen Märtyrer und Verfolgten von Russland“ geehrt).

 

- Ein sehr hoher Prozentsatz von Juden innerhalb der Parteiführung während der (wahrlich schrecklich brutalen) Zwangskollektivierung und der Entkulakisierung, die in der gesamten Sowjetunion stattfand, was die ukrainischen Nationalisten (und die westliche Propagandamaschine) aber als geplanten ukrainischen Völkermord charakterisiert haben, den sie „Holodomor“ nennen (ja ich weiß, die Wikipedia-Einträge zu all diesen Themen sind pure Propaganda, aber ich verlinke sie trotzdem, damit ihr sehen könnt, was die ukrainische Propaganda schreibt)

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangskollektivierung_in_der_Sowjetunion

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

 

- Ein sehr hoher Prozentsatz von Ukrainern in der sowjetischen Elite nach Stalin, viele von ihnen haben bei den blutigen Säuberungen im Politbüro der KPdSU unter Stalin teilgenommen; und da etwa 80% und mehr der hohen Parteikader Juden waren, beinhalteten diese Säuberungen notwendigerweise eine Menge unterdrückter Juden (ob Schuldige, die unschuldiges Blut an ihren Hände hatten, oder Unschuldige, die einfach mit dem Rest unterdrückt wurden).

 

Ich könnte noch mehr Beispiele anführen, aber ich denke dies reicht für unsere Zwecke. Was wir sofort erkennen können, ist, dass es signifikante Unterschiede gibt zwischen dem, was im modernen Russland und in der modernen Ukraine geschah, dazu gehören:

 

Ein Beispiel für eine wichtige geografische Unterscheidung wären die „Pogrome“, die, im Gegensatz zur westlichen Propaganda, alle dort stattfanden, wo heute die moderne Ukraine ist, niemals in Russland.

 

Es gibt auch einen zeitlichen Unterschied: Russen in der Ukraine wurden Jahrhundertelang von Polen und Juden verfolgt, während Russen im heutigen modernen Russland vor allem von bolschewistischen Juden verfolgt wurden, und das „nur“ zwischen 1917 und Stalins Säuberungen in der Partei in den späten 1930ern.

 

Und dann ist da der wichtige, wahrlich immense Unterschied, den der Zweite Weltkrieg ausmachte.

 

Schauen wir uns nun an, was während des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Besatzung geschah

 

Als die Nazis ihren Angriff auf die Sowjetunion begannen, da gab es eine Menge Russen und Ukrainer, die die Nazis willkommen hießen, nicht unbedingt weil sie die Nazi-Ideologie mochten, sondern weil viele von ihnen die bolschewistischen Unterdrücker noch mehr hassten als die Deutschen. Schließlich waren der Bürgerkrieg und die Kollektivierung in den Köpfen von Millionen von Menschen sowohl in der ukrainischen SSR und der russischen SSR noch lebendig.

 

[Nebenbemerkung: Ich möchte all jene daran erinnern, die heute hart daran arbeiten, das zu vergessen: Die Nazi-Ideologie charakterisierte sowohl Russen als auch Ukrainer als Untermenschen, deren einziger Zweck es wäre, den Herren der arischen Meisterrasse (Herrenvolk) im neu eroberten Lebensraum zu dienen. Einfach gesagt: Hitler versprach seinen Anhängern, dass sie sehr glückliche Sklavenbesitzer werden würden! Kein Wunder, dass die vorgesehenen Sklaven das ganz anders sahen...]

 

Im Lauf des Krieges taten sich jedoch erhebliche Unterschied auf:

 

Erstens: In der Ukraine hat die Nazi-Ideologie tatsächlich viele Nationalisten inspiriert, aus den gleichen Gründen wie diese Nazi-Ideologie nationalistische Polen inspiriert hat (die Hitlers vorderste loyale Verbündete waren, nur um später von ihm verraten zu werden). Das Papsttum hat im Lauf der Jahrhunderte nicht nur die ukrainische Identität erschaffen, sie hat sie auch jedesmal aktiv gefördert, wenn Russland geschwächt war (wer sich dafür interessiert: https://thesaker.is/ukrainian-nationalism-its-roots-and-nature/ ). Die bittere Wahrheit, an die sich die Menschen im Westen nicht gerne erinnern lassen, ist, dass die Regime von Petain, Franco, Pavelic, Pilsudski etc. allesamt vom Papsttum geschaffen und unterstützt wurden, Das Papsttum hat natürlich auch Bandera und seine ukronazistischen Todesschwadronen unterstützt. Hitler selbst wurde ja anfangs stark von Großbritannien unterstützt (so wie Trotzki von den jüdischen Bankern in den USA unterstützt wurde). Ja, die Russophobie (Angst vor Russland) hat im Westen eine lange und „bedeutende“ Geschichte: Die westlichen Führer kommen und gehen, so wie ihre ideologischen Gründe, aber ihr Hass und die Furcht vor Russland bleiben immer.

 

Im Gegensatz dazu hatte General Andrei Vlasov, der die „Russische Befreiungsarmee“ (ROA) aufbaute, im Westen gar keine Unterstützung und in Russland selbst sehr wenig Unterstützung. Die Ideologie der ROA war eine Mischung aus moderatem Nationalismus mit etwas weniger moderatem Sozialismus. Im Nachhinein betrachtet hatte das keine Chance, in Russland populär zu werden, ganz einfach weil der Anblick eines russischen Generals in Nazi-Uniform etwas war, das Russen nicht ernst nahmen, wohingegen in der gegenwärtigen, von Nazis besetzten Ukraine Nazi-Uniformen und Symbole immer noch sehr beliebt sind. Und last but not least führte die irre und echt völkermordende Politik der Nazis im besetzten Russland zu einer solchen Gegenreaktion, dass der Krieg zur Befreiung Russlands von der Nazi-Herrschaft zu einem Krieg ums nationale Überleben wurde, den die riesige Mehrheit der Russen voll unterstützte.

 

[Nebenbemerkung: Es ist auch interessant, wie unterschiedlich die Ukronazis und die Russen in der ROA von den Anglo-Mächten behandelt wurden: Der Westen hat all die Ukronazis mit offenen Armen in den USA und in Kanada empfangen, die sie bekommen konnten, gleichzeitig hat der Westen Millionen von Russen zwangsweise ausgewiesen, auch Kriegsgefangene und Mitglieder der ROA, mit oft schrecklichen Folgen für die Heimkehrer (Die Opfer von Jalta). Was General Vlasov selbst angeht: er wurde zusammen mit anderen Offizieren wegen Verrats hingerichtet.]

 

Für die ukrainischen Nationalisten begann der 2. Weltkrieg als ein Gottesgeschenk, um endlich ihren Traum zu erfüllen: „alle Polacken und Moskals im Blut der Kikes zu ertränken“. Dann wurde dieser Traum durch den sowjetischen Gegenangriff und die folgende Vernichtung des Großteils (etwa 80%) der deutschen Militärmaschine zunichte gemacht. Und während viele Ukrainer (und Polen) die Sowjets als ihre Befreier vom Schrecken der Nazis sahen, so sahen die Ukronazis offenbar die Sowjetarmee nur als eine Besatzungsmacht, der sie so lange wie möglich Widerstand leisteten (nach dem Ende des Kriegs brauchten die Sowjets immer noch mehrere Jahre um den Ukronazi-Untergrund zu zerschlagen). Und während sich die meisten Russen als die wahren Sieger des 2. Weltkriegs sahen, da fühlten sich die ukronazistischen Nationalisten als Geschlagene. Wieder einmal. Das gleiche gilt übrigens für die Polen (dieses Trauma begründete etwas, das ich das „Pilban-Syndrom“ nenne). (Anm.d.Ü.: eine Mischung aus Pilsudski und Bandera) https://www.unz.com/tsaker/how-russia-should-deal-with-the-pilban-syndrome-pbs/

 

Nun zu den offensichtlichen Binsenwahrheiten über Juden: Zwar war vielen Russen die jüdische Rolle in der bolschewistischen Revolution und vor allem im darauf folgenden Klassenkampf-Terror vollkommen bewusst, aber sie sahen nicht ALLE Juden als Feinde Russlands, vor allem nicht, wenn

 

1. Es jede Menge patriotische Juden gab, die Russland und/oder die UdSSR liebten

 

2. Hitlers irrer Rassismus Juden und Russen unvermeidlich zusammenbrachte, wenn auch nur zeitweilig und vor allem unter der Überschrift „gemeinsamer Feind“.

 

3. Viele Russen (die meisten?) die Tatsache kennen, dass es Nazi-Konzentrations/Vernichtungslager tatsächlich gab, selbst wenn sie nicht 6M Juden getötet hätten, selbst wenn es keine Gaskammern und keine Krematorien gegeben hätte (außer um Krankheiten durch Insekten zu bekämpfen). Warum? Weil es das sowjetische Militär war, das die meisten dieser Lager befreit hat und weil es viele nicht-jüdische Russen/Sowjets in diesen Lagern gab. Und die meisten Russen wussten, neben den Lagern selbst, über die berüchtigten Einsatzgruppen Bescheid, die wahrscheinlich noch mehr Juden (und Nicht-Juden) ermordet haben als alle Konzentrations/Vernichtungslager zusammen. Es ist eine Tatsache, dass die Gräueltaten der Nazis von den meisten russischen Historikern nicht ernsthaft angezweifelt werden.

 

Fazit: Welche (zu jener Zeit sehr echte) Feindseligkeit die Geschichte zwischen Juden und Russen auch immer erzeugt hat, der Zweite Weltkrieg hatte einen enormen Einfluss auf diese Wahrnehmungen. Das soll nicht heißen, dass die Russen die völkermordende Politik von Lenin und Trotzki vergessen haben, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg fühlten sich die meisten Russen als Sieger, nicht als geschlagene Verlierer.

 

Die ukrainischen Nationalisten dagegen waren „mehrfach geschlagene“ Verlierer: Sie wurden von den Deutschen besiegt, von den Russen und sogar von den Polen (die selten jemanden angreifen, außer ihr angehendes Opfer liegt bereits am Boden oder sie werden von einem „großen Kerl“ geschützt – Churchill hatte mit seinem Kommentar „die gierige Hyäne Europas“ durchaus recht!) Und nun wurden sie erst kürzlich nicht nur einmal besiegt, sondern ZWEIMAL, durch die Novorussen. Diese Art von „Leistung“ führt oftmals zu einer nationalistischen Reaktion.

 

Und das gilt nicht nur für die Ukraine, sondern auch sehr für den Westen von 2020.

 

Leidet auch der Westen unter dem „mehrfach geschlagen“-Komplex?

 

Mir scheint, dass die meisten Menschen, die diese Zeilen lesen, wissen, dass der „kollektive Westen“, auch das „AngloZionistische Imperium“ genannt, in einer miserablen Verfassung ist. Schaut euch nur das politische Chaos in den USA, Frankreich, Deutschland und dem Rest der NATO/EU-Länder an. Der Westen verliert nicht nur militärisch und wirtschaftlich, er liegt auch kulturell, sozial, moralisch und geistig am Boden. Dazu kommt, dass das, was wir als „westliche Werte“ ansehen, jetzt durch einen geschmacklosen „Multikulturalismus“ ersetzt wird, was wie ein frommer Euphemismus für den offensichtlichen Plan aussieht, so gut wie alles aus der westlichen Geschichte und dem kulturellen Erbe auszulöschen. Wie alle Formen der Verfolgung resultiert auch das in einem zunehmend machtvollen Fall von ideologischem Rückschlag: eine sehr gefährliche und giftige Wiederauferstehung von sowohl Faschismus als auch Nationalsozialismus

 

Wie kann eine Person (Hitler) und eine Ideologie (der Nationalsozialismus) in ein und der selben Gesellschaft sowohl als einzigartig böse benannt UND gleichzeitig einer zumindest teilweisen Rehabilitation unterzogen werden? Ganz einfach! Die einzige Voraussetzung, damit diese geschieht, ist es, das Volk so zu konditionieren, dass es diese kognitive Dissonanz akzeptiert und sich nicht sorgt, wenn dies geschieht. Der Durchschnittsbürger des Imperiums wurde von Geburt an darauf konditioniert, eine solche kognitive Dissonanz zu akzeptieren und sogar zu wollen, und er ist darin sehr sehr gut geworden. Aber hier gibt es einen geschichtlichen Rückschlag:

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach den 1970ern haben die Zionisten einen meiner Meinung nach verheerenden Fehler begangen: sie haben sich dazu entschlossen, Hitler und seine Ideologie als eine spezielle und einzigartige Form des Bösen darzustellen, die alle anderen vorstellbaren Formen des Bösen übertrifft, in der Vergangenheit und sogar zukünftig. Und um sicherzustellen, dass diese Behauptung haften bleibt, haben sie sich dazu entschieden, einige hoch spezifische Behauptungen hinzuzufügen, darunter die „offizielle“ Zahl von 6 Millionen ermordeten Juden, die Gaskammern und Krematorien sind die berühmtesten, aber es gab noch viele andere (darunter die Strom-Hinrichtungs-Pools, Lampenschirme aus menschlicher Haut und die Seifen aus menschlichem Fett – die mussten fallengelassen werden, nachdem sie sich als falsch herausstellten). All diese Behauptungen wurden schließlich von sogenannten „revisionistischen Historikern“ wirksam angegriffen, die inzwischen zweifelsfrei bewiesen haben, dass diese spezifischen Behauptungen falsch waren. Das machte diese Historiker nicht sehr beliebt bei den Herrschern des Imperiums die, anstatt eine gesunde historische Debatte zuzulassen, beschlossen haben, "Revisionismus" zu einem strafbaren Gedankenverbrechen zu machen, für das Historiker ins Gefängnis kommen können, manchmal für Jahre! Die Reaktion auf diese Art von Machtmissbrauch war unvermeidlich.

 

Eines der verhängnisvollsten Ergebnisse dieser Politik der Kriminalisierung historischer Untersuchungen über den Zweiten Weltkrieges war die Tatsache, dass viele Menschen im Westen zu dem Schluss kamen, dass seit diesen spezifischen Behauptungen auch alle anderen Behauptungen über die Gräueltaten der Nazis falsch seien. Ein großer logischer Fehler! Die Tatsache, dass diese spezifischen Behauptungen bereits entkräftet wurden, bedeutet in keiner Weise, dass es andere, weit verbreitete Gräueltaten auch nicht gegeben habe.

…..

Die schlichte Wahrheit ist, dass jeder moderne Staat die Mittel hat, Menschen im industriellen Maßstab zu ermorden, auch ohne den Einsatz so exotischer (und, offen gesagt, ungeeigneter) Techniken wie Gaskammern oder Krematorien (in Ruanda benutzten sie meist grobe Macheten). Aber westlichen Historikern ist es verboten, diese Themen überhaupt zu erforschen!

Diese Situation führte zu einem Umfeld im Westen, in dem man Juden oder Dinge, die jüdisch sind, nicht kritisieren (oder auch nur bezweifeln!) kann, ohne sofort als "Antisemit" bezeichnet zu werden. Das gleiche gilt für jeden, der es wagt, eine andere Version des Zweiten Weltkriegs zu präsentieren. Dass diese Art von kollektiver Gehirnwäsche unweigerlich zu einem massiven Rückschlag führen würde, war leicht vorauszusehen, aber leider hatten die Zionisten nie die Weitsicht, dies kommen zu sehen. Entweder das, oder sie waren ziemlich glücklich, von einem "Anstieg des Antisemitismus" im Westen zu berichten, um noch mehr politische Macht (und Geld!) zu erpressen. Was auch immer der Fall sein mag, es ist im heutigen Westen nahezu unmöglich, diese Themen frei und offen zu diskutieren.

 

Nun ein kurzer Vergleich mit dem modernen Russland

 

Das politische Umfeld in Russland ist radikal anders. Zum einen ist es in Russland nicht illegal (oder gar unangemessen), Juden zu kritisieren, oder das moderne "Judentum" (eigentlich eine moderne Form des rabbinischen Pharisäertums) oder Israel oder die zionistische Ideologie (die die UdSSR übrigens als eine Form des Rassismus angeprangert und bekämpft hat). Ja, es gibt immer noch (ziemlich schlechte) Gesetze, die die Förderung von nationalem Hass und "extremistischer Rede" verbieten, aber die Wahrheit ist, dass, solange man nur historische Themen untersucht (wie die tatsächliche Anzahl der von den Nazis ermordeten Juden) und keine Gewalt befürwortet (oder sich an Gewalt beteiligt), es einem gut geht. Nicht nur das, sondern man kann so ziemlich alle antijüdischen/antizionistischen Bücher im russischen Internet zum einfachen und kostenlosen Herunterladen finden. Schließlich haben zwar viele Juden die UdSSR verlassen, aber diejenigen, die geblieben sind (oder inzwischen zurückgekehrt sind), taten dies aus freiem Willen, und das deutet stark darauf hin, dass viele (die meisten?) russische Juden im Gegensatz zu ihren Brüdern in Israel keine Hassgefühle gegen Russland, das russische Volk oder sogar die orthodoxe Kirche haben (einige tun es natürlich, aber dies ist eine Minderheit).

Einige kurzsichtige Juden beklagen regelmäßig, dass der politische Diskurs in Russland nicht so streng kontrolliert wird wie der im Westen. Ich möchte sie nur daran erinnern, dass das viel freizügigere intellektuelle Umfeld Russlands NICHT zu einer automatischen Verschmelzung von Patriotismus und Judenfeindlichkeit geführt hat, wie es leider im Westen der Fall ist (es sei denn, wir haben es mit dem zu tun, was der französische Philosoph und Dissident Alain Soral "National-Zionismus" nennt, was ein separates Phänomen ist, das ich hier ausführlich besprochen habe: https://www.unz.com/tsaker/the-great-fraud-of-national-zionism/ ).

Es stimmt, wenn Patriotismus (die Liebe zum eigenen Land) in Nationalismus (Liebe zur eigenen Ethnie) umschlägt, dann geht es typischerweise bergab, aber das ist eine Gefahr, der sich der Kreml sehr bewusst ist, und deshalb sind russische Nationalisten nach den russischen Wahabis die nach den Anti-Extremismus-Gesetzen am häufigsten in Russland inhaftierten Personen (man darf nicht vergessen, dass sowohl russische Nationalisten als auch russische Wahabis typischerweise nicht nur "extremistische Literatur" verbreiten, sondern sie sind auch typischerweise in die eine oder andere Form von Gewalt involviert, so dass sie oft auch unter dem Vorwurf des Terrorismus inhaftiert werden).

Immer mehr Russen sind jedoch verwirrt über das, was sie als eine Rehabilitation von Hitler und dem Nazi-Regime in Zeitlupe ansehen. Während zum Beispiel im Westen das offizielle Diktum immer noch lautet, dass Hitler und die Nazis das schlimmste Übel der Geschichte waren, gibt es eine schnell wachsende "alternative" Sichtweise, die sich natürlich vor allem im Internet findet, in der Hitler als eine viel komplexere Person angesehen wird, die zu Unrecht dämonisiert wurde und deren Handlungen in einen "richtigen" historischen Kontext gestellt werden müssen. Und in der Tat ist daran etwas Wahres – Hitler war eine komplexe Persönlichkeit, und die Nazis wurden weit über alles Vernünftige hinaus verteufelt. Schließlich werden die Befürworter dieser "Rehabilitierung" immer darauf hinweisen, dass Hitlers Feinde mindestens ebenso rücksichtslos und böse waren wie er. Auch daran ist wieder viel Wahres. Wenn die EU jedoch in einer feierlichen Abstimmung erklärt, dass Nazi-Deutschland und die Sowjetunion gleichermaßen für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich waren, dann wird eine grundlegende rote Linie überschritten, die ein "Gleichheitszeichen" nicht nur zwischen dem Aggressor und den Angreifern, sondern auch zwischen den Besiegten und den Siegern setzt.

https://iadllaw.org/2019/11/iadl-statement-in-opposition-to-european-parliament-resolution-on-european-remembrance-day/


[Nebenbemerkung: Wie ich in der Vergangenheit oft geschrieben habe, ist nach internationalem Recht das ultimative, schlimmste Verbrechen nicht der "Völkermord" oder das "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Es ist das "Verbrechen der Aggression", weil, in den Worten des US-Richters, der dieses Prinzip erklärt hat, "das Verbrechen der Aggression alle anderen Verbrechen enthält", was nur logisch ist. Indem die EU die UdSSR also der Aggression beschuldigt, hebt sie im Grunde die Feststellungen des Nürnberger Tribunals auf, sie macht die UdSSR genauso schuldig an allen Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs wie die Nazis].


Haben die Russen Recht, wenn sie sagen, dass es im Westen eine Rehabilitation in Zeitlupe von Hitler und seiner Ideologie gibt?

Absolut richtig!

Die Tatsache, dass diese Rehabilitation in Zeitlupe noch immer und größtenteils am Rande des politischen Diskurses stattfindet, ändert nichts an dem russischen Bewusstsein, dass Russland und die Russen, egal wie sehr Hitler und seine Gefolgsleute im Westen unbeliebt oder gar gehasst sind, immer noch viel mehr gehasst werden. Dies gilt auch für das, was der Westen als "islamischen Extremismus" bezeichnet, der nur dann "schlecht" ist, wenn er nicht vollständig vom Westen kontrolliert wird (Terroristen!!), und der, axiomatisch gesehen, "gut" ist, wenn er (die Freiheitskämpfer!!) sich gegen Russland oder andere orthodoxe Nationen richtet.

Ist es unter diesen Umständen wirklich überraschend, dass viele (die meisten?) Russen das Gefühl haben, dass der Westen eine viel größere Gefahr für das russische Zivilisationsreich darstellt als alle antirussischen Pläne, die von Juden, Zionisten oder Israelis ausgeheckt wurden?

Auf keinen Fall!

Die meisten Russen hassen nicht nur Hitler und alles, wofür er stand, sie verstehen auch wirklich, dass die große Mehrheit der vom Dritten Reich ermordeten Juden einfache, unschuldige Menschen waren, deren einziges Verbrechen darin bestand, derselben Ethnie/Religion anzugehören wie einige andere Juden, die es in der Tat reichlich verdienten, für ihren rassistischen Messianismus (sei er religiös oder säkular) gehasst zu werden. Das ist eine grundlegende Ungerechtigkeit, die die Russen niemals akzeptieren werden. Denn das zu akzeptieren wäre ein Verrat an der Wahrheit (ein enorm wichtiger Begriff für die russische Zivilisation) und nicht weniger ein Verrat am Gedenken an all die Unschuldigen, die von den Nazis ermordet wurden.

 

Fazit eins: Die Geschichte ist wichtig, sehr wichtig!

 

Was auch immer wir alle über die jüdische Identitätspolitik denken mögen oder was auch immer unsere Meinung über die Sowjetunion ist, es ist unbestreitbar, dass Hitlers Politik sowohl den Russen als auch den Juden unsägliches Leid zugefügt hat. Die westliche Alternative Rechte, die sich immer noch vormacht, dass die Russen an ihren rassistischen Wahnvorstellungen teilhaben, kann dies leugnen und anprangern, aber Tatsache ist, dass die Geschichte für immer ein Band zwischen Juden und Russen geschaffen hat: ihre gemeinsame Erinnerung an die Massengräuel, die von den Nazis an ihnen verübt wurden. Kein noch so großes Ausmaß an politischen Gesten wird daran etwas ändern.

 

Das bedeutet natürlich nicht, dass Putin, der Kreml oder irgendjemand anders ein "Verbündeter" Israels ist oder dass Putin und Bibi Netanjahu zusammen (oder füreinander) arbeiten. Dieser völlige Unsinn ist eine völlig falsche Schlussfolgerung, die aus einer grundlegenden und tiefgreifenden Fehlinterpretation der russischen Geschichte und Kultur resultiert. Aber er geht sogar noch weiter als das. Ich würde argumentieren, dass die Geschichte der russischen Kultur auch grundsätzlich unvereinbar mit jeglichem rassistischen/rassischen Gedankengut ist.

 

Die Ideologie des Russlands vor 1917 kann als "orthodoxer Monarchismus" bezeichnet werden. Das ist aus einer langen Liste von Gründen nicht wirklich richtig (die Realität ist immer komplexer als Schlagworte und Parolen), aber im Großen und Ganzen könnte man sagen, dass das, was als moralisch richtig oder moralisch falsch angesehen wurde, von der russisch-orthodoxen Kirche definiert wurde. Nun, zufällig war das ursprüngliche Christentum (d.h. die Orthodoxie) zwar sehr kritisch gegenüber dem rabbinischen "Judentum" (der Religion und der Weltanschauung), aber dasselbe ursprüngliche Christentum war den Juden (der Ethnie) weit weniger feindlich gesinnt als die westlichen christlichen Glaubensrichtungen. Tatsächlich war das wahre Christentum immer pro-patriotisch, aber anti-nationalistisch. Dies war auch die Praxis im Oströmischen Reich (dessen politische Struktur Russland geerbt hat). Dies gilt übrigens auch für die 2. Religion Russlands, den Islam.

 

Dann, nach der Revolution von 1917, war Russland zunächst zwei Jahrzehnten jüdischen Terrors ausgesetzt, insbesondere einer Art von Terror, der sich gegen das russische Volk und den orthodoxen Glauben richtete. Mit der Machtübernahme Stalins fanden jedoch große Veränderungen statt (und die meisten derer, die Russland in unschuldigem Blut ertränkt hatten, wurden während der berühmten "Säuberungen" selbst hingerichtet). Und obwohl Stalin nie ein "Antisemit" war (dies ist ein dummer Unsinn, dem sowohl Stalins Handlungen als auch seine Schriften direkt widersprechen), haben seine Säuberungen (und Reformen) das Wesen des Sowjetregimes grundlegend verändert, einschließlich der ethnischen Zusammensetzung der Führung der KPdSU, die sehr viel vielfältiger wurde.

 

Wenn wir von der Sowjetunion im Allgemeinen sprechen, ist es auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass die marxistisch-leninistische Ideologie auch rassische und ethnische Unterschiede ablehnt und stattdessen für eine Solidarität aller Menschen gegen ihre Klassenunterdrücker eintritt.

 

Daher sind weder die russische Ideologie/Weltanschauung aus der Zeit vor 1917 noch die russische Weltanschauung aus der Zeit nach 1917 ein brauchbarer Grund für den Versuch, rassistische Ideen zu fördern. Und glücklicherweise gilt das auch das moderne ("Putins") Russland nicht.

 

Die Wahrheit ist, dass Russland, wie ich oben erwähnt habe, das politische Erbe des oströmischen Reiches ist (im westlichen Sprachgebrauch als "Byzanz" bekannt), IMMER multireligiös, multikulturell, multiethnisch und so ziemlich jedes andere "Multi" war, das man sich vorstellen kann. Bei all den vielen Sünden des russischen Volkes im Laufe seiner Geschichte war Rassismus nie eine davon!

 

Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum die meisten Menschen im Westen den Islam (und die Muslime) zwar als "Ausländer" sehen, die meisten Russen aber völlig daran gewöhnt sind und sie als langjährige Nachbarn betrachten. Das bedeutet nicht, dass die Russen sich nicht an die etwa ein Dutzend Kriege erinnern, die Russland gegen die Osmanen geführt hat, und es bedeutet auch nicht, dass Russland die wahabitischen Gräueltaten in Tschetschenien vergeben hat. Es bedeutet schlicht und einfach, dass die Muslime und sogar die Türken von den Russen nicht als "nationale Feinde" angesehen werden.

 

Dasselbe gilt für Juden. Ja, die Russen erinnern sich daran, was Juden ihnen in den frühen Jahren des bolschewistischen Regimes angetan haben, aber diese Erinnerung, dieses Bewusstsein, führt normalerweise NICHT zu irgendeiner Art von Rassismus, auch nicht zu irgendeiner Art von antijüdischem Rassismus. Auch die von jüdischen Bolschewiken begangenen Gräuel verschleiern nicht alle sehr realen Beiträge verschiedener Juden zur russischen Kultur.

 

[Nebenbemerkung: Übrigens ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es zwar stimmt, dass die meisten der ersten Generation der Bolschewisten Juden waren, aber es stimmt nicht, dass die meisten Juden Bolschewisten waren. Eigentlich fand man Juden so gut wie überall, etwa unter den Menschewiki, den Anarchisten, dem Arbeiterbund etc.]

 

Also ja, Juden und Russen haben etwa 200 Jahre lang zusammengelebt, und ein Großteil unserer gemeinsamen Geschichte ist tragisch, schmerzhaft und sogar beschämend, aber letztendlich wäre es falsch zu glauben, dass die meisten Russen Juden entweder nicht mögen oder fürchten. Das tun sie nicht. Selbst wenn sie dieser oder jener Persönlichkeit, Ideologie oder Religion kritisch gegenüberstehen (das ursprüngliche Christentum wird immer der ultimative Feind des rabbinischen Judentums sein, so wie das rabbinische Judentum immer der ultimative Feind des ursprünglichen Christentums bleiben wird; wir können verstehen, warum das so ist, oder wir können es bedauern, aber wir sollten das niemals vergessen oder leugnen!)

 

[Nebenbemerkung: Wenn ein selbst beschriebener Antisemit diese Worte liest und über das, was ich gerade geschrieben habe, absolut empört ist, dann lest bitte auch "Die Erfindung des jüdischen Volkes" von Shlomo Sand", der euch zeigen wird, dass der Begriff der "Ethnizität" (ob jüdisch oder nicht) eine moderne Erfindung mit sehr wenig tatsächlicher Grundlage in der Geschichte ist, insbesondere in der Geschichte der multikulturellen Imperien.

https://www.amazon.com/Invention-Jewish-People-Shlomo-Sand/dp/1844676234

Einfach gesagt: In einer Kultur, die nicht wirklich an die Bedeutung der Ethnizität glaubt, kann sich keine wirklich rassistische Ideologie entwickeln. Es ist wirklich so einfach!]

 

Ja, ich weiß von der Abneigung Dostojewskijs und Rosanows gegen Juden (und übrigens auch gegen die Polen), und ja, ich weiß vom Ansiedlungsrayon (ich will hier nicht darauf eingehen, aber es war sicher nicht das, was westliche Historiker im Westen glauben – lest einfach Solschenizyn!) Ich weiß auch von der "Ritualmorden" (auch darauf werde ich hier nicht eingehen, aber ich empfehle euch, das Buch des israelischen Historikers Ariel Toaff aus dem Jahr 2007 "Blood Passover" zu lesen) und von all den anderen Mythen, die im Westen (von Juden und Nichtjuden) über den "russischen Antisemitismus" verbreitet werden. Aber die Wahrheit ist einfach: Während es in der Geschichte viele Fälle gab, in denen Juden und Russen zusammenstießen (einschließlich der Zerstörung des chasarischen Reiches im 10. Jahrhundert durch russische Streitkräfte oder des Kampfes gegen die "Häresie der Judaisten" im 15. Jahrhundert – was übrigens von Wikipedia sehr schlecht beschrieben wird: In Wirklichkeit war dies ein früher Versuch der Kabbalisten, die russisch-orthodoxe Kirche zu infiltrieren, so wie sie erfolgreich das Papsttum infiltriert hatten). Diese Konflikte führten jedoch nicht zu einer größeren Feindseligkeit der Russen gegenüber die Juden (das Gegenteil ist leider nicht annähernd so wahr).

 

Fazit zwei: Putin, Selenskii und die Israelis

 

Die jüngste Reise sowohl von Selenskii als auch von Putin nach Israel hat das Thema des jüdischen, russischen und ukrainischen "Dreiecks" wieder in die Schlagzeilen gebracht. Die Polen nutzten auch die Gelegenheit, die Dinge für sich selbst zu verschlimmern, als sie sich auf das Thema einließen. Ihr habt die Storys gelesen, also muss man hier nicht alles wiederholen. Das Beeindruckendste an diesem Ereignis war, dass Selenskii beschloss, nach Israel zu reisen, um dann zu erklären, dass er an den Gedenkveranstaltungen nicht teilnehmen würde. Warum? Offensichtlich hatte er Angst, dass die Ukronazis ihn anprangern würden, weil er dem zionistischen Druck nachgegeben hat.

 

Putin tat das genaue Gegenteil, er reiste nicht nur nach Israel und sprach bei der Veranstaltung, sondern er erinnerte die (meist jüdischen) Zuhörer auch an die Gräuel, die das russische Volk ebenfalls durch die Nazis erlitt. Offensichtlich fürchtete Putin nicht, dass einige russische Nationalisten ihn beschuldigen würden, dem zionistischen Druck nachzugeben. Warum nicht?

 

Warum konnte Putin so offen reden?

 

Aus zwei einfachen Gründen:

 

Erstens, und im Gegensatz zu den Ukrainern oder Polen, haben die Russen genau null Schuld an den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Trotz all der Lügen, die derzeit im Westen verbreitet werden, hat die Sowjetunion den Zweiten Weltkrieg nicht begonnen – die Sowjetunion hat Hitler so ziemlich im Alleingang besiegt und den Krieg beendet (der gesamte angelsächsische Einsatz war nicht mehr als 20% wert und kam erst, nachdem die Sowjets die Wehrmacht und die SS in Stalingrad und anderswo besiegt hatten).

 

Zweitens war die jüdische Vorherrschaft in der UdSSR sehr kurzlebig (etwa von 1917 bis 1937), und weder Putin noch irgendein anderer russischer politischer Führer wird Ansprüche auf exklusives "besonderes" jüdisches Leiden unangefochten lassen. Und obwohl die meisten russischen Politiker keine Notwendigkeit sehen, Zweifel an der "offiziellen" Zahl von 6 Millionen zu äußern, erinnern sie ihre jüdischen Freunde gerne daran, dass die russische Nation im Zweiten Weltkrieg zwischen 20 und 27 Millionen Tote zu beklagen hatte, wodurch den jüdischen Opfern ein höherer Opferstatus als den nichtjüdischen Opfern abgesprochen wird.

 

Unsere grundlegende Meinungsverschiedenheit über den Zweiten Weltkrieg, Hitler und Juden

 

Ebenso, weil die Russen keinerlei Schuldgefühle gegenüber den Juden haben, konnte Putin diese Zahl von 80-85% Juden im ersten bolschewistischen Regime vor einer Versammlung von haredischen Rabbinern erwähnen (seht euch das Video hier an:

 

 

Könnt ihr euch vorstellen, dass Merkel oder Trump es wagen würden, diese Dinge vor einem solchen Publikum zu sagen?

 

Undenkbar!

 

Schlussfolgerung drei:

 

Seit Wladimir Putin an die Macht kam, hat sich Russland allmählich und stetig vom kollektiven Westen abgetrennt. Bei diesem Prozess geht es nicht so sehr darum, "gegen" den Westen zu sein, sondern vielmehr darum, "anders" als der Westen zu sein, aber ohne sich zu entschuldigen! Dies ist besonders sichtbar in der Art und Qualität des politischen Diskurses in Russland, der sich wirklich dramatisch von der Art des übermäßig kontrollierten (und natürlich auch übermäßig manipulierten) politischen Diskurses im Westen unterscheidet. Einfach ausgedrückt: Die Russen leben in einer viel offeneren und vielfältigeren intellektuellen Landschaft als ihre westlichen Nachbarn. Daher wäre es ein großer Fehler anzunehmen, dass zum Beispiel russische Patrioten ähnliche Ansichten vertreten wie westliche Nationalisten. Daher gibt es das, was man als "unsere grundlegende Meinungsverschiedenheit über den Zweiten Weltkrieg, Hitler, Juden und Rasse" bezeichnen könnte.

 

 

Der Saker

 

Kommentare: 9
  • #9

    Schliemanns (Dienstag, 18 Februar 2020 21:43)

    vielen Dank für diesen sehr wichtigen Artikel!
    Sie haben kurz, knapp und präzise einen gelungenen Überblick zum Thema geschaffen, man möchte sich wünschen, dass gewisse Personen des politischen Lebens (kann man das im Westen noch so nennen?...) auch nur die Grundzüge dieses Wissens in ihrem Geiste verinnerlicht halten. Allein, hier ist der Wunsch Vater des Gedankens...
    Auch sehr gut herausgearbeitet haben Sie die Problematik des Gedankenverbrechens in D und im Westen allgemein. Wie kann ein Volk, ein Land seine Geschichte aufarbeiten wenn nicht offen und in Wahrheit gesprochen (und gedacht) werden darf?...
    Wohin das führt?
    - der politische und intellektuelle Diskurs in D zeigt das doch recht "schön".
    - ich mach mir die Welt wiede wiede wie sie mir...
    - selbst der Kobold macht die Runde

  • #8

    Humml (Montag, 17 Februar 2020 15:37)

    Danke für die Blumen, aber zu viel der Ehre.
    Wir versuchen lediglich mittels einer halbwegs handhabbaren, mehr oder weniger präzisen Begrifflichkeit ein "Weltbild" zu schaffen, das der Realität zumindest so nahe kommt, als daß man damit "arbeiten" kann.
    Leider ist die Sprache ein recht dynamisches "Ding" und unterliegt als Herrschaftsinstrument vielfältigen Deformationen.
    So war mir z.B. der Begriff "Antisemitismus" schon immer suspekt, inzwischen ist er aber überhaupt nicht mehr verwendbar, weil dermaßen "deformiert", "zerfleddert", "diffus aufgebläht", daß von seinem eigentlichen Kern, nämlich der Beschreibung einer primär religiös motivierten, historisch gewachsenen, "strukturellen" Judenfeindlichkeit nicht viel übrig geblieben ist. Das hat natürlich den Charme, daß man sich auf "christliche Werte" in der Weise berufen kann, als daß man die Werte der europäischen Aufklärung als "christlich" vereinnahmt. ...)

  • #7

    FritztheCat (Sonntag, 16 Februar 2020 23:21)

    @ #6:
    Vielen Dank für den schönen Kommentar!
    Wir im Westen haben ja gar keine Vorstellung davon, was für ein "Vielvölkerstaat" die Russische Föderation ist, da ist die Staatsbildung (und das Verständnis der Nation) des Deutschen Reichs dazu ja ein Sandkasten.

  • #6

    Humml (Sonntag, 16 Februar 2020 22:47)

    Der Präsident der RF unter Bezugnahme auf den russischen Philologen und Slawisten Dmitri Sergejewitsch Lichatschow :

    "Der Patriotismus unterscheidet sich grundlegend vom Nationalismus.
    Nationalismus ist der Haß auf andere Völker. Patriotismus ist die Liebe zum eigenen Vaterland." (u.s.ä.)
    (https://www.youtube.com/watch?v=Xvy77dpRP2Q)

    Zum einen ist in diesem Zusammenhang völlig legitim, Patriotismus auch als "Liebe" zum "eigenen Volk" zu definieren, wenn man dieses "Volk" als "historisch in einem Nationalstaat organisierte Völker" (= Nation) versteht. (Es waren wohl immer mehrere.)

    Dem Begriff "Patriotismus" eigen ist vorrangig sein Staatsbezug in einem eher defensiven Staatsverständnis.

    (Die "Definition" des "Volkes" ist die entscheidende Frage, und daß das nicht völlig unproblematisch ist, wird deutlich, wenn man die doch zum Teil noch immer ab und zu aufglimmenden Aversionen oder gar Animositäten zwischen den ursprünglichen Völkern, die da im Deutschen Kaiserreich "organisiert wurden" und sich heute im Wesentlichen in den Ländern der Bundesrepublik wiederfinden, nicht völlig ausblendet. Die Bayern , mit ihrer 1000jährigen, zum Teil sogar territorialen, Identität, stehen dafür exemplarisch.)

    Das entscheidende Kennzeichen von "Nationalismus", ggf. in seiner aggressivsten, mehr staatsbezogenen Form, dem "Chauvinismus", ist das Postulat einer "Überlegenheit" und, damit einhergehend, einem latenter Anspruch
    auf "(Vor)-Herrschaft"!!

    (Und wenn man unter diesem Aspekt die Verlautbarungen unserer "Oberen" aus Politik und Wirtschaftswissenschaften des "Hauptstromes" etwas genauer betrachtet, könnte man doch tatsächlich - selbstverständlich völlig abwegige -
    Schlüsse ziehen.)



  • #5

    FritztheCat (Sonntag, 16 Februar 2020 12:28)

    @Propapanda: Vielen Dank!

  • #4

    Propapanda (Sonntag, 16 Februar 2020 06:09)

    Zweihundert Jahre zusammen

    Band 1: https://archive.org/details/SolschenizynAlexanderZweihundertJahreZusammenBand1/mode/2up
    Band 2: https://archive.org/details/SolschenizynAlexanderZweihundertJahreZusammenBand2/page/n1/mode/2up

    have phun

  • #3

    FritztheCat (Samstag, 15 Februar 2020 13:36)

    Hallo Jokerin,
    ich gebe dir Recht, hier ist die Wortwahl vom Saker zweifelhaft, insbesondere die Definition „Liebe zur eigenen Ethnie“ für den Begriff Nationalismus.
    Er hätte lieber die Definition von Romain Gary verwenden sollen, der den Nationalismus nicht in seinem üblichen Sinn verstand, sondern als „Chauvinismus“, als einen „Hass anderer“.

    Siehe diesen Artikel von Thierry Meyssan „Patriotismus zu Nationalismus“
    https://www.voltairenet.org/article203926.html

  • #2

    Jokerin (Samstag, 15 Februar 2020 11:54)

    P.S. Liebe zum eigenen Volk hindert mich genauso wenig an der Liebe zur Menschheit wie mich die Liebe zu meiner Familie an der Liebe zu anderen hindert.

  • #1

    Jokerin (Freitag, 14 Februar 2020 20:37)

    Hochinteressant.
    Doch: Zitat: "wenn Patriotismus (die Liebe zum eigenen Land) in Nationalismus (Liebe zur eigenen Ethnie) umschlägt", [also böse wird...]
    Warum sollte man nur sein Land, aber nicht sein Volk lieben dürfen? Wer sagt denn, daß die Liebe zum eigenen Volk notwendig mit Haß oder Verachtung anderer Völker einhergehen muß? Ich halte das für Unsinn.