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Die „Neue Normalität“ ist eine Denormalisierung

 

von Charles Hugh Smith, 13.08.2020

 

 

Hier die Bedeutung von Denormalisierung: es gab keine „Neue Normalität“ für die Dinosaurier.

 

Alle reden über die „Neue Normalität“, so als gäbe es eine Garantie, dass das Leben zu einer Normalität zurückkehrt. Aber die „Neue Normalität“ ist eine Denormalisierung. Ich definiere das so: Alles, was normal war, ist verschwunden ist und wird nicht durch irgendeine neue Normalität ersetzt werden. Mit anderen Worten: die Normalität ist weg, sie hat fertig, aus und vorbei: alte Normalität, neue Normalität – spielt keine Rolle: Normalität ist Geschichte.

 

Gegenwärtig benutzt man den Begriff Denormalisierung, um eine Verbesserung bei Datenbankanwendungen zu erreichen. Aber das ist ein zu wertvoller Begriff, um ihn auf einen eng gefassten Nerdausdruck zu reduzieren.

 

Was ich mit Denormalisierung meine, ist die völlige Auflösung dessen, was man als normal hingenommen hat und der Verlust einer jeden zukünftigen Version von Normalität. Nehmen wir den Sport als Beispiel. Wir kennen alle die Alte Normalität, von der Millionen hoffen, dass sie wundersamerweise zurückkommt: Spielerverträge über $100 Millionen, Millionen an Werbeeinnahmen übers Fernsehen, Franchise-Unternehmen im Wert von Milliarden Dollar, Playoffs usw. Ein beherrschendes Königreich in den Medien und Köpfen der Nation.

 

Das schmutzige kleine Geheimnis, das das Königreich lange vor Covid-19 beunruhigt hat, war die ständige Abnahme der Zuschauer, Live und im Fernsehen. Jüngere Generationen haben relativ wenig Interesse an dem ganzen Drumherum und den Ritualen der Boomer Sport-Manie. Sie schauen sich lieber ein drei Minuten Video der Highlights auf ihrem Handy an, als den halben Tag ein Spiel zu verfolgen, dem im allgemeinen das Drama fehlt und im Grunde mit irgendeinem anderen Spiel austauschbar ist.

 

Wenige scheinen zu erkennen, dass die Alte Normalität irrsinnig teuer, nervig und langweilig geworden ist, Aktivitäten, die eigentlich auf Impulsen beruhen. Wer in der Alten Normalität gefangen war, der hatte sich an die absurd überteuerten Sitze, Snacks, Bier und Parkgebühren usw. bei Live-Veranstaltungen gewöhnt, und die verrückt lange Anfahrt um zum Event zu gelangen und dann wieder nach Hause, da die glücklichen Erinnerungen an die $5 Sitze vor Jahrzehnten der Anker in ihrer lebenslangen Hingabe und ihren Gebräuchen sind.

 

Die alten Fans, die sich an die Rituale gewöhnt haben, während diejenigen, die sich das nie angewöhnt haben, mit Erstaunen auf den scheinbar endlosen, dumpfen Verlauf hunderter austauschbarer Sportveranstaltungen blicken.

Werbetreibende werden irgendwann feststellen, dass die jüngeren Generationen nie die Gewohnheit erworben haben, Sport zu verehren, und so gibt es nichts, was den Zusammenbruch der Alten Normalität aufhalten könnte, aber ältere Fans, von denen ein gewisser Prozentsatz feststellen wird, dass sie es nicht vermissen, sobald sie aus der Gewohnheit herausfallen.

Ein anderer Prozentsatz wird feststellen, dass er es sich nicht mehr leisten kann, Live-Spiele zu besuchen, oder er wird erkennen, dass es sich nicht mehr lohnt, sich durch den Verkehr oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu quälen, nur um zusätzliche Stunden zu sitzen und dann die ganze Schinderei auf dem Nachhauseweg zu wiederholen.

Ein weiterer Prozentsatz wird plötzlich die Künstlichkeit des Ganzen erkennen; sie werden einfach das Interesse verlieren. Andere werden schließlich erkennen, dass die Unternehmensmaschine (zu der auch der College-Sport gehört) längst den Bezug zu der Ära verloren hat, an die sie sich so gern erinnern.

 

Dieselbe Denormalisierung wird Fastfood, Restaurantbesuche, Flugreisen, Gesundheitswesen, Hochschulbildung und zahllose andere Prozesse des Normalen zerlegen, die unerschwinglich geworden sind, selbst wenn die Erträge aus den erforderlichen verschwenderischen Investitionen von Zeit und Geld stark zurückgehen.

Wie viele von euch vermissen wirklich die Flugreisen? Ihr macht Witze, oder? Nur Wahnsinnige würden den lästigen Ärger und die Unbequemlichkeit vermissen, die endlosen Verspätungen aufgrund mechanischer Probleme (haben die keine Ersatzteile, oder kommt alles gerade noch Just in Time, wie bei jedem anderen kaputten System in Amerika?), die Sitze, die immer kleiner werden, während die Passagiere immer dicker werden, die verstopften Terminals und so weiter.

Wie bei allen anderen Prozessen des Normalbetriebs ging es jahrzehntelang bergab, aber wir alle haben uns an den Niedergang gewöhnt, weil wir darin festsaßen.

Was wenige zu verstehen scheinen, ist, dass alle Systeme der Alten Normalität sich nicht auf einem bescheidenen niedrigeren Niveau abnehmender Erträge stabilisieren können; ihre einzig mögliche Zukunft ist der Zusammenbruch. Genauso wie Feinschmeckerrestaurants nicht mit einer Auslastung von 50% überleben können, weil ihre Kostenstruktur so astronomisch ist, gilt das Gleiche für Sport, Flughäfen, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtgesellschaften, Fastfood, Kinos, Gesundheitswesen, Hochschulbildung, Dienstleistungen der Kommunalverwaltungen und der ganze Rest der unglaublich zerbrechlichen und unbezahlbaren Alten Normalität.

Keines dieser Systeme kann mit weniger als etwa 80% der vollen Kapazität betrieben werden, und die Kunden zahlen 80% des ganzen Preises, d.h. des vollen Absatzes. Da ihre Fixkostenstrukturen so hoch und ihre Puffer so dünn sind, gibt es unterhalb der 80% nichts anderes als Luft, d.h. einen schnellen Absturz – bis zum Aussterben.

 

 

Und das ist die Bedeutung von Denormalisierung: Für die Dinosaurier gab es keine „Neue Normalität“. Ein paar geflügelte Arten haben überlebt und sich in die Vögel von heute verändert, aber das ist bei weitem nicht die Vorstellung einer Neuen Normalität, die auch alle anderen Dinosaurier-Arten beinhalten würde. Für sie bedeutete Denormalisierung ihr Aussterben.

 

De-Normalisierung: Alles, was normal war, ist verschwunden und wird nicht durch eine Neue Normalität ersetzt. Das Normale ist verschwunden, erledigt, vorbei : ein Tschüss dem Ganzen!

 

Kommentare: 2
  • #2

    Schöner Nick (Dienstag, 18 August 2020 15:08)

    Normalität? Wir leben aber nicht in einer Normalität. Wir leben im Zeitalter der fossilen Energien. Da brennt ein einmaliges Feuerwerk ab, und wenn das vorbei ist, dann gibt es wieder Normalität - aber bis dahin ist Party angesagt.
    60.000 Kilowattstunden Energie für jede Nase im Lande jedes Jahr. Diesen Zustand können wir bestenfalls noch 10 Jahre halten. Die Fossilen haben dann ein Menschenleben lang unseren Alltag bestimmt, und jede Menge Leute haben schlaue Bücher über diesen Alltag geschrieben, den sie wegen der verdammten shifting Baselines für normal hielten. Aber es war ein Feuerwerk. Normal gibt es übermorgen wieder.

  • #1

    M. Neland (Samstag, 15 August 2020 19:53)

    Sehr interessanter Artikel, der die ,, Denormalisierung" m.E. treffend skizziert.
    Ähnliches findet auch in der Psyche der Menschen statt. Der Arzt und Psychiater Dr. Hans-Joachim Maaz spricht da von einer ,,Normopathie".
    Schädigungen der Psyche der Menschen werden zur Normalität, mit weitreichenden Folgen für das Zusammenleben und die menschliche Gesellschaft insgesamt.
    Die Denormalisierung der Ökononie und Normopathie gehen ,,Hand in Hand", hängen zusammen und sind jeweils die eine oder andere Seite derselben Münze.