https://off-guardian.org/2019/10/01/brexit-isnt-david-camerons-legacy-libya-is/

 

Nicht der Brexit ist David Camerons Vermächtnis –

sondern Libyen

 

Die völlige Nichtbeachtung der apokalyptischen Zerstörung des meist entwickelten Landes in Afrika ist ein Verbrechen der Massenmedien

 

von Kit Knightly, 01.10.2019 (zahlreiche weitere Links im Original!)

 

Nach dem starken Mann mit dem Dolch folgt der schwachen Mann mit dem Schwamm.“ – Lord Acton

 

 

David Cameron hat ein Buch geschrieben. Vielleicht habt ihr davon gehört. Es wird viel darüber berichtet. Die BBC brachte gleichzeitig eine rückblickende Dokumentation über Cameron, der Guardian veröffentlichte eine Buchbesprechung, eine Kritik der Dokumentation und es gab ein Interview mit Cameron persönlich.

 

Ach ja, und dann noch einen Artikel darüber, dass sich das Buch schlechter verkauft als die Biografie von Blair.

 

Natürlich geht es nur darum, dass Journalisten Nachrichten verkünden, schon klar.

 

Es hat überhaupt nichts damit zu tun, dass eine Verkaufsstrategie als „laufende Ereignisse“ getarnt wird.

 

Wenn ihr etwas anderes gedacht habt, dann schämt euch.

 

Natürlich wird immer viel über das „Vermächtnis“ geredet, wenn ein Ex-Premier auftritt oder eine Autobiografie herausbringt.

 

Nun...was ist David Camerons Vermächtnis?

 

Die Medien sind sich ziemlich einig: der Brexit.

 

Die Doku der BBC trägt den Titel „Die Cameron-Jahre“. Es ist ein Zweiteiler, irgendwie auf eine Gesamtlänge von zwei Stunden aufgeblasen, und es geht nur um das Brexit-Referendum. Teil 1 dreht sich nur darum, da ist nichts anderes, die zweite Hälfte ist mehr allgemein, aber immer noch sehr auf den Brexit fokussiert.

 

Bei den Buchbesprechungen ist es nicht anders. Eigentlich noch schlimmer.

 

Dem Telegraph gefiel es, auch der Times. Dem Guardian und dem Independent nicht so sehr, aber immerhin lobten sie die „Ehrlichkeit“. Sie reden fast alle nur über den Brexit. Bloomberg kam mit der Schlagzeile: „David Cameron will, dass man sich nicht nur wegen des Brexit an ihn erinnert“ und weist darauf hin: „In den neuen Memoiren des früheren Premierministers, For The Record, geht es bei 50 von 700 Seiten um das desaströse Referendum“ … um sich dann genau mit diesen 50 Seiten zu beschäftigen.

 

Echt, ich habe über ein halbes Dutzend Kritiken dieses Buches gelesen, und nicht eine davon schreibt über etwas anderes als den Brexit.

 

Nicht einmal wird in einer davon das Wort „Libyen“ erwähnt. Nirgends. Nicht einmal nebenbei.

 

Nicht. Ein. Einziges. Mal.

 

Für jene unter euch, deren Details schwammig sind: Libyen war ein Land, das einst so aussah:

 

...und jetzt so aussieht:

 

Man möchte meinen, dass die totale und völlige Zerstörung des am meisten entwickelten Landes auf dem afrikanischen Kontinent zumindest kurze Diskussionen über das „Vermächtnis“ des verantwortlichen Premierministers auslösen würde, aber da habt ihr euch offensichtlich getäuscht.

 

(Ich weiß schon, wir sind nur Britannien, und wir tun nur das, was uns Amerika sagt, aber „nur den Befehlen folgen“ hat schon für Göring nicht funktioniert und sollte auch für niemand anderen funktionieren. Einschließlich Cameron.)

 

Das Schweigen der Presse hat andere Dimensionen.

 

Zähneknirschend reden sie über Irak als „Fehler“ oder „Patzer“, dann machen sie mit ihrer irren Kriegspropaganda über Syrien weiter, alle paar Monate mit neuer Begeisterung (oder wenn sie gerade eine Ablenkung brauchen), aber Libyen … Libyen ist das Land, das nicht erwähnt werden darf.

 

Nehmt Jonathan Freedland. Damals, 2011, schrieb er NUR über Libyen. Er betrieb Werbung für die NATO, sie solle doch etwas unternehmen, und predigte über die „Schutzverantwortung“ des Westens. Erwähnt er in seiner Buchbesprechung Libyen auch nur einmal? Nö.

 

Er besitzt sogar die Frechheit, seinen Artikel so zu beginnen:

So wie die 700 Seiten von Blairs Autobiografie nicht dem Schatten des Irak entrinnen konnten, so wird man David Camerons Memoiren nur unter einem Gesichtspunkt lesen: Brexit.

 

Als ob seine Entscheidung, ein Kriegsverbrechen völlig zu ignorieren, für das er sich nicht nur nicht entschuldigt, sondern begeistert ermutigt hat, irgendwie nur schicksalhaft war und außerhalb seiner Kontrolle.

 

Vielleicht hat es etwas mit Organhandel-Schwarzmarkt und den offenen Sklavenmärkten zu tun.

https://www.ibtimes.co.uk/enslaved-immigrants-sold-their-kidneys-liver-libyas-burgeoning-organ-trafficking-market-1650024

https://www.theguardian.com/world/2017/apr/10/libya-public-slave-auctions-un-migration

 

Das war kein Betriebsunfall, wisst ihr, Libyen ist genau das was die NATO vorhatte – einen gescheiterten Staat, wo absolut alles zum Verkauf steht. Ein wahrlich kapitalistisches Paradies. Aber wenn man darüber reden würde, dann wäre es in Zukunft schwieriger, dieR2P“ ( Responsibility to Protect - Schutzverantwortung) zu verkaufen.

 

Da maulen wir stattdessen lieber endlos über den Brexit.

 

Nun ja, der Brexit ist (möglicherweise) eine wichtige Entscheidung für das Schicksal des Landes. Das lässt sich nicht abstreiten.

 

ABER – seine wird doch mal ehrlich – selbst WENN wir die EU verlassen (und das ist derzeit gar nicht so sicher), und selbst WENN unser Austritt so schlecht ist wie die schlimmsten Apokalyptiker voraussagen, dann wird London hernach nicht so aussehen...

 

...oder so:

 

...oder so

 

Und im Endeffekt ist DAS Camerons Vermächtnis.

 

So wie es das Vermächtnis all jener schleimigen Fürsprecher ist, die ihm dabei zugejubelt haben. Und all jener geistig beschränkten, egoistischen Fremdenhasser, die hinter ihm aufräumen.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Lutz (Freitag, 04 Oktober 2019 05:49)

    Das ist alles zutiefst beschämend.... Was können wir tun um diese Perversion unserer Regierungen und Presse zu stoppen