https://www.strategic-culture.org/news/2018/06/09/when-where-and-how-will-empire-strike-back.html

 

Wann, wo und wie wird das Imperium zurückschlagen?

 

Von James George Jatras, 09.06.2018 (Zahlreiche links im Original!)

 

 

Es zahlt sich aus, bei jeder Analyse der gegenwärtigen internationalen Politik vorsichtig pessimistisch zu sein. Grundsätzlich kann man im allgemeinen erwarten, dass die Dinge, die den Frieden und die Sicherheit des Planten bedrohen, auch auf jede Art schiefgehen können. Die Erwartung auf eine Verbesserung ist die Wette eines Trottels.

 

Deshalb rebelliert das Bauchgefühl des Analytikers bei jedem Anzeichen dafür, dass sich die Dinge insgesamt in eine positive Richtung entwickeln könnten, wenn auch nur stockend oder indirekt. Aber bedenkt:

 

  • Ein Trump-Putin Gipfel: Präsident Donald Trump hat erneut sein Interesse angedeutet, endlich einen formellen Gipfel mit Präsident Putin abzuhalten. Österreich hat Wien als Austragungsort angeboten.

  • Ein Trump-Kim Gipfel: Obwohl es in Washington mit großer Wahrscheinlichkeit die absichtliche Bemühung gab, das Treffen in Singapur am 12. Juni zu torpedieren, so kommt es dennoch zustande. Zum Missfallen vieler in der US-Nomenklatur, die sich einer permanenten US-Präsenz auf dem ostasiatischen Festland verschrieben haben, besteht vielleicht sogar die Gefahr, dass auf der koreanischen Halbinsel Frieden ausbricht. Oh Gott! Wie sollen wir so eine weitere amerikanische Truppenstationierung rechtfertigen? Was passiert mit der schönen Aussicht auf US-Truppen, die am Yalu-Fluss China gegenüberstehen, wenn es in Nordkorea zu einem Regimewechsel kommt? Wird dann etwa eine transkoreanische Eisenbahn gebaut, die den Süden mit Russland und China verbindet? Die schrecklichen Möglichkeiten will man sich gar nicht ausmalen.

  • Tschüss Russiagate, hallo Spygate: Die Vorwürfe an Trump und sein Team wegen einer Verschwörung mit dem Kreml werden zunehmend als das aufgedeckt was sie sind: ein Deckmantel für eine verfassungsfeindliche Verschwörung innerhalb der Strukturen des Tiefen Staats (CIA,NSA, FBI, Justizministerium usw.) in Komplizenschaft mit – den Russen? – Nein, mit ihren britischen Tochteragenturen (MI6, GCHQ), zuerst um Trumps Präsidentschaft zu vereiteln, dann um ihn zu neutralisieren und aus dem Amt zu vertreiben. Und vor allem um jede Möglichkeit einer Annäherung zu Russland zu blockieren. Zwar haben Mueller und seine Rasselbande aus demokratischen Geldgebern ganz gewiss noch nicht aufgegeben, aber ihre Aussichten schwinden und die Russland-Manie verwandelt sich langsam in einen politischen Klotz am Bein der Demokratischen Partei für die Kongresswahlen im November.

  • Der europäische Populismus marschiert weiter: Viva l'Italia! Der Lieblings-Sizilianer der Europäischen Union, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, wollte die Koalition aus M5S und Lega zerschlagen. Der Schlag ging daneben. Jetzt tritt Italien, die drittgrößte Wirtschaft der Eurozone – die zu groß ist um sie wie Griechenland herumzukommandieren – dem populistischen Block der Visegrad-Gruppe bei, neben Österreich. Das ist für die katastrophale offene Einwanderungspolitik der EU (und Deutschlands) von besonderer Bedeutung.

  • Der Handel: Mit seinem kühnsten „America First!“-Schritt bisher hat Trump höhere Zölle auf Stahl und Aluminium gegen praktisch jeden beschlossen. Der Schritt selbst mag zwar etwas tollpatschig sein, aber er hat signalisiert, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die USA einseitigen freien Handel zulassen, während unsere Handelspartner Merkantilismus betreiben.

  • Europas Anti-Russland-Sanktionen: Amerikanischer Druck auf Europa bezüglich des Handels mit dem Iran erzeugt – neben Trumps neuen Zöllen – in Europa Feindseligkeit, besonders im mächtigen Deutschland, das sich vor allem gegen Washingtons Sanktionsdrohungen gegen Firmen wehrt, die an Nord Stream 2 teilnehmen. Es mag noch zu früh sein um zu spekulieren, wie bald die EU die anti-russischen Sanktionen aufgibt. Aber es liegt etwas in der Luft, wenn selbst der EU Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagt, dass „die Russland-Schelte aufhören muss“. Die Stimme Italiens wird hier eine Hauptrolle spielen.

  • G7? Oder G6+1? Oder wieder G8?: Trumps Handelspolitik hat beim diesjährigen G7-Gipfel in Kanada eine Fuchs in den Hühnerstall gebracht. Gastgeber des Gipfels ist der angebliche Grapscher Premierminister Justice Trudeau. (Fairerweise muss man sagen, dass der Image-bewusste Justin mit den Medien vielleicht nur enge und intime Kontakte haben wollte.) Die Handelsdifferenzen kommen zu den Klima-Differenzen, und das hat zu einem Twitterstreit zwischen Trudeau und seinem frankophonen Kumpel Emmanuel Macron gegen Trump geführt, der den Klimateil des Gipfels auslassen will, was wahrscheinlich zu einem Kommuniqué führen wird, das die anderen sechs unterzeichnen, aber nicht die USA, was praktisch zu einem G6+1 führen wird. Währenddessen hat Trump die Köpfe der Verschwörungshetzer einer Russland-Verschwörung mit seinem Vorschlag zum explodieren gebracht, Russland sollte wieder in den Klub aufgenommen werden und daraus wieder einen G8 zu machen. Italien hat den Vorschlag befürwortet. Russland hat seinen Mangel an Interesse bekundet.

 

Im Epizentrum all dieser erschütternden Entwicklungen steht ein Mann: Donald Trump.

 

Es wäre ungenau zu sagen, dass dies Schritte der US-Regierung sind, denn Trump hat über sie nur teilweise Kontrolle. Da ihn die permanente Regierung – ganz zu schweigen von seinen eigenen Ernennungen – bei jeder Gelegenheit sabotieren will, scheint sich Trump auf das einzige Werkzeug zu verlassen, das ihm zur persönlichen Verfügung steht: Zerrüttung.

 

https://www.strategic-culture.org/news/2018/05/18/is-wrecking-ball-trump-undermining-america-global-clout-let-hope-so.html

 

 

Vergessen wir nicht, dass jene, die für Trump gestimmt haben, insbesondere im Rostgürtel von Pennsylvania,Ohio, Michigan und Wisconsin, etwas radikal anderes wollten als das übliche Geschäft. Sie haben für ihn gestimmt, weil sie einen Elefanten im Porzellanladen wollten, eine Abrissbirne, eine menschliche Handgranate, ein großes „FU“ an das System.

 

Vielleicht haben sie das bekommen.

 

Allerdings ist keine der oben genannten einzelnen Entwicklungen entscheidend. Aber zusammengenommen deuten sie auf eine bemerkenswerte Ansammlung guter Vorzeichen hin, zumindest aus der Sicht jener, die die gemütlichen Arrangements der sogenannten „liberalen Weltordnung“aufrütteln, ja zerschmettern wollen.

 

Aber jene, deren Karrieren und Privilegien – und in manchen Fällen ihre Freiheit und sogar ihr Leben – davon abhängen, dass diese Ordnung fortbesteht, sie werden nicht so einfach aufgeben. Sie werden nervös. Das gilt speziell für die Elemente der amerikanisch-britischen Geheimdienste, ihre Mitreisenden aus Demokraten und Never-Trump-Republikanern, die Trump-hassenden Fake News Medien und die bürokratischen Ungeheuer in Brüssel (nicht nur in der Europäischen Kommission, sondern auch im NATO-Hauptquartier).

 

Wenn die Vergangenheit ein Prolog ist, dann wird das Imperium zurückschlagen – hart und schmutzig.

 

Man denke an die vergangenen sieben Jahre des Kriegs in Syrien zurück, wo es jedes mal, wenn die USA ihre Bereitschaft zu einem Rückzug angedeutet haben, oder wenn die syrischen Streitkräfte große militärische Fortschritte gemacht haben, dann gab es – RUMMS! – einen Chemiewaffenangriff gab, der sofort und ohne Beweise den Streitkräften der Regierung angelastet wurde, gefolgt von erneutem Geschrei über „Assad bringt sein eigenes Volk um! Assad muss weg!“ (das ist ein Trick, der mindestens bis zum Bosnienkrieg in den 1990ern zurückreicht. Jedes Mal, wenn sich ein Waffenstillstand abzeichnete, gab es einen weiteren „serbischen Granatenangriff“ auf Zivilisten, was zu Rufen nach einer Militäraktion der NATO führte.)

 

Die Frage ist nicht „ob“ es eine Provokation geben wird. Eher ist es eine Frage des wann, wo und wie. Es ist zwar schwierig, Vorhersagen zu treffen, besonders über die Zukunft. Dennoch ist es möglich, einige Möglichkeiten zu erahnen:

 

FIFA WM 2018 in Russland (14. Juni bis 15. Juli): Bedenkt man die riesigen Kosten und Mühen, die Russland für die WM als Schaufenster für die Welt investiert hat, so ist es ein verlockendes Ziel. Erinnert euch daran, dass die verfassungswidrige Absetzung der gewählten Regierung der Ukraine stattfand, als Putins Aufmerksamkeit bei der Winterolympiade 2014 in Sotschi vermutlich von seinem Stolz und seiner Freude abgelenkt wurde. Der Angriff 2008 auf Südossetien durch den damaligen georgischen Präsidenten Mikhail Saakaschwili erfolgte, während die Augen der Welt auf die Olympischen Spiele in Peking gerichtet waren. Beide Initiativen führten zu einer starken Gegenreaktion Moskaus, was wiederum zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen geführt hat – einschließlich Russlands Suspendierung aus der G8 im Jahr 2014. (Im Fieberwahn der westlichen Russland-Hasser war es Putin, der die Spiele als Deckmantel benutzte, nicht umgekehrt.) Es könnte eine Provokation gegen das FIFA-Ereignis selbst gerichtet werden – etwa ein Terroranschlag durch ISIS-Agenten, die Berichten zufolge aus dem Nahen Osten nach Russland geschleust werden sollen – oder an einem anderen Ort, der mit Spielpartien in ganz Russland zusammenfällt.

 

Ukraine: Wenn man die Taten von Präsident Petro Poroschenko betrachtet, dann muss man alles im Licht der bevorstehenden Präsidentenwahl 2019 betrachten. Poroschenko muss einen Weg finden, in die zweite Runde zu kommen, vermutlich gegen Yulia Tymoschenko. Das Beste was er tun könnte, wäre ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern und einen Friedensdeal mit dem Donbass zu erreichen. Aber die Chancen dafür sind gering, da es von Kiew Flexibilität erfordern würde, die sich Poroschenko nicht leisten kann. Außer er will als russische Marionette beschimpft werden. Umgekehrt kann er die Spannungen mit Russland verschärfen und darauf hoffen, dass sich der Westen hinter ihn stellt. Vielleicht war das kürzliche Fiasko mit dem Fake News Mord des sehr lebendigen Arkadi Babtschenko so ein Versuch, der aber in die Hose ging. Aber es gibt andere Optionen, etwa die Provokationen entlang der Kontrollzone im Donbass (die neu gelieferten Javelin der USA sind da praktisch, ebenso der neue holländische MH17-Bericht). Oder vielleicht ein Angriff auf die neue Kerch-Brücke oder viele andere weniger offensichtliche Möglichkeiten.

 

Syrien: Es wird höchste Zeit für einen weiteren bösartigen, militärisch sinnlosen und kontraproduktiven Chemiewaffenangriff „gegen sein eigenes Volk“, durch das „Monster“ Assad, der mit allen Mitteln eliminiert werden muss. Wer ist dafür verantwortlich? Russland natürlich!

 

Ein Zwischenfall zwischen der NATO und russischen Streitkräften: Die NATO verstärkt ihre provokativen Manöver an der Türschwelle Russlands im Baltikum und im Schwarzen Meer – allerdings nur um sich vor Moskaus Aggression zu schützen. Es könnte jederzeit zu einem Zwischenfall kommen, entweder zufällig oder absichtlich. In jedem Fall wird es die Schuld der feindseligen Russen gewesen sein, was müssen sie auch ihr Land so nahe an unsere Stützpunkte und die Orte unserer militärischen Übungen legen?

 

Der Balkan: Vergesst nie, dass man diesen Serben nicht trauen kann. Srbe na vrbe!

 

Eine Ermordung: Eine von Putins Lieblingsbeschäftigungen ist das Töten, oder zumindest der Versuch, jemanden zu töten, der ihm missfällt. Vielleicht ist es auch wie bei Assad mit seinen Chemiewaffen, dass Putin nur aus reiner Lust und aus Spaß tötet. Die Liste der Opfer ist lang: Babtschenko (nun ja, der nicht), die beiden Skripals (also, die auch nicht), politische Gegner wie Boris Nemtsow und Segei Yushenkov, Sensationsreporterinnen wie Anna Politkovskaya und Natalia Estemirova, der ehemalige Tschekist Aleksandr Litvinenko, der Gründer des Netzwerks RT Mikhail Lesin, kämpfende Anwälte wie Stanislav Markelov und Sergei Magnitsky, der Oligarch Boris Beresowsky und so weiter. Eine zeitlich gut gesetzte Beseitigung einer gut sichtbaren Figur würde einen heilsamen Einfluss auf irgendwelche lästigen Annäherungsversuche zwischen dem Osten und dem Westen haben. Beweise braucht es nicht – allein die Identität des Opfers wäre der unwiderlegbare Beweis für die Schuld Putins.

 

Was den letzten Punkt betrifft, die Ermordung, so sollte man immer daran denken, dass der Mann, der das ganze Schiff zum Schwanken bringt, nicht Putin ist – sondern Trump. Das deutet auf eine ultimative Lösung hin, die verlockend werden könnte, wenn der Donald weiter höher als auf Zimmertemperatur funktioniert, was nicht mehr auszuhalten wäre.

 

Wie Josef Stalin gesagt haben soll: „Der Tod löst alle Probleme. Kein Mann, kein Problem.“ Trump, der für viele mächtige Menschen tatsächlich ein Problem ist, wurde rücksichtslos mit Jean-Marie Le Pen verglichen, mit Silvio Berlusconi, Wladimir Putin – sogar mit Hitler und Mussolini. Und im amerikanischen Zusammenhang mit Andrew Jackson, Huey Long und George Wallace. Man bedenke, dass alle diese drei Amerikaner das Ziel eines Attentats waren. Jackson (den Trump bewundert) überlebte, weil die Pistole seines Angreifers versagte. Das wurde von manchen damals als ein Wunder gepriesen. Der „Kingfish“ (Spitzname von Huey Long) wurde getötet. Wallace wurde für den Rest seines Lebens verkrüppelt.

 

Es gibt Grund zu der Annahme, dass sich Trump über das Schicksal des letzten amerikanischen Präsidenten sehr bewusst ist, der es gewagt hatte, den normalen Lauf der Dinge und das eingefahrene, rücksichtslose Establishment zu gefährden, das so mächtig davon profitiert. Er hat wiederholt sein Interesse daran bekundet, die komplette Akte über die Ermordung Jack Kennedys zu veröffentlichen, wovon er dann wieder aus unerfindlichen Gründen Abstand nahm. Die Erschießung von Robert Kennedy, dem Bruder des Präsidenten, der, wenn er 1968 zum Präsidenten gewählt worden wäre, die Gelegenheit gehabt hätte, die Untersuchung über die Ermordung seines Bruders wieder zu öffnen, ist mit Robert Kennedy Jr. wieder in den Nachrichten. Der drückt seine Zweifel über die offizielle Erklärung aus, dass sein Vater von Sirhan Sirhan getötet worden sein soll.

 

Wenn irgendjemand glaubt, dass die Feinde Trumps nicht zu jedem Mittel greifen würden, der sollte noch mal darüber nachdenken.

 

Kommentare: 2
  • #2

    lex (Donnerstag, 14 Juni 2018 06:55)

    Er glaubt, dass Trump was gutes will, der kann hier interessantes lesen. Ich persönlich hoffe es, aber bin nicht sicher.

    http://analitik.de/2018/05/11/goldjunge/

  • #1

    Opa Jürgen (Dienstag, 12 Juni 2018 21:32)

    Ich glaube nicht an Gott, aber bei Trump hoffe ich das dieser "Gott" in welcher Gestalt auch immer seine schützende Hand über ihn hält. Das er die richtigen Männer an seiner Seite hat die jedes Attentat erkennen und verhindern. Mein Dank an seine bisherige Politik, hoffe das seine Strategie auf geht.