https://www.zerohedge.com/news/2018-02-11/mind-games-people-play

 

Die (Gedanken) Spiele der Menschen

 

von Cognitve Dissonance, 11.02.2018

 

 

Vorsicht! Dies ist ein langer und intensiver Artikel und nichts für schwache Nerven

 

 

 

Die meisten von uns würden akzeptieren, dass es zwei Befindlichkeiten gibt, wenn es um die Wahrnehmung von Realität geht: Glaube und Nichtglaube. Ich behaupte, dass es eine dritte gibt. Und dieser dritte Bewusstseinszustand, das Suspendieren von Zweifel, wird von der Mehrheit von uns nahezu dauernd angewendet, wenn wir uns mit unserer eigenen wahrgenommenen Realität auseinandersetzen.

 

Wenn wir den vorherrschenden globalen, kulturellen Irrsinn als ein Ereignis von langer Dauer erkennen, das vor vielen Jahrhunderten begann und noch viele Jahrhunderte andauern wird, dann kann man Logik und Rationalität, obwohl sie lebenswichtige Komponenten fürs Überleben sind, nur als eine beträchtliche Behinderung bei dem Versuch ansehen, einer verrückten Welt einen Sinn zu geben.

 

Dies trifft besonders zu, wenn wir die Gruppen- und Individualpsychologie genauer betrachten und wie sie alles beeinflusst, von der Kultur zum Geld und zur Politik und all den üblichen Gedanken dazwischen. Jede nüchterne Einschätzung der conditio humana führt zu einer einzigen Schlussfolgerung: Alle sind verrückt, einschließlich dir und mir. Es ist nur eine Frage des Ausmaßes und nicht des ob.

 

Nachdem das gesagt ist, lasst uns für diesen Artikel annehmen, dass jemand geistig gesund genug ist um seinen oder ihren Irrsinn zu erkennen. Während nahezu alle auf das tatsächliche Verhalten des Verrückten als Beweis seiner Krankheit hinweisen würden, tendiere ich dazu, mich auf die Triebkräfte hinter dem Verhalten zu konzentrieren. Meine Erfahrung zeigt, dass es die schrecklich verzerrten Glaubenssätze sind, die uns immer tiefer in unsere Verrücktheit treiben.

 

Aber Glaube ist ein unzutreffendes Wort für das, was tatsächlich in der wirklichen Welt geschieht. Das Wort Glaube unterstellt Handeln, Absicht und Einsatz, wie in einem Verb oder Adjektiv. Man sollte es vom passiven Glauben unterscheiden, der eine unterbewusste und bewusste Umarmung von Gedanken oder Ideen ist, die wir gänzlich und absolut verkörpern.

 

(Anm.d.Ü.: keine Angst, dieser Artikel dreht sich nicht um Religion!)

 

Die meisten unserer fundamentalen Überzeugungen sind grundlegend und so fest, dass Zweifel gar nicht erst auftauchen. Wenn ich auf festem Boden stehe oder in einem stabilen und robusten Stuhl sitze, dann erwarte ich -- und glaube ich – dass er mein Gewicht aushält. Ich glaube so fest daran dass ich darauf keinen Gedanken verschwende, mich darum kümmere oder Sorgen habe. Zumindest so lange nicht bis der Boden wackelt oder der Stuhl ächzt.

 

Daher ist der Boden oder der Stuhl unter uns real, weil wir (so wie alle anderen) glauben dass er real ist. Diese Auffassung ist das Fundament, das unsere Wahrnehmung der Realität unterstützt, denn man hat uns von Geburt an beigebracht, dass alle Dinge, die uns umgeben, real sind.

 

Wir sind darauf konditioniert zu akzeptieren, dass der Glaube der Realität folgt und nicht darauf, dass der Glaube vor der Realität kommt. Oder noch direkter: Man bringt uns bei zu akzeptieren, dass die Realität den Glauben erzeugt anstatt dass Glaube Realität erzeugt und dass unsere beständige Realität unseren Glauben zementiert. Und nicht, dass unser zementierter Glaube eine beständige Realität aufrechterhält. Das sind die fundamentalen und unerschütterlichen Vorstellungen, die unter all dem liegen was wir als real annehmen, einschließlich uns selbst.

 

Oder wie Albert Einstein angeblich sagte: „Realität ist lediglich eine Illusion, wenn auch eine sehr hartnäckige.“

 

Weil wir von Geburt an darauf konditioniert wurden, an Unwahrheiten zu glauben, dass wir Realität nicht erschaffen, sondern die Realität uns erschafft, die ultimative Kognitive Dissonanz und Ursprung unserer Verrücktheit, deshalb haben wir Bewältigungsmechanismen entwickelt, die uns ermöglichen, durch eine reale Welt zu navigieren, die wir selbst erschaffen haben, aber von der wir glauben, dass wir sie nicht erschaffen haben.

 

Der bedeutendste Bewältigungsmechanismus von Geburt an ist die Verankerung und die Anwendung der Suspendierung von Zweifeln.

 

Nicht passiver, d.h. aktiver Glaube, äußert sich fast immer im Zusammenhang mit Religion, Überzeugung, Vertrauen, Gewissheit und Zuversicht. Man kann kognitiv, emotional oder intellektuell nicht passiv sein, wenn man einen Glauben äußert. Im Gegensatz zum meist passiven Glauben in/über die allgemeine Realität. Mit anderen Worten: einen Glauben zu äußern bedeutet eine bewusste oder unbewusste Entscheidung, etwas oder jemanden zu akzeptieren und/oder zu unterstützen, oft (aber nicht immer) kritiklos.

 

Und um fair zu sein, Glaube kommt als eine natürlich Erweiterung unserer Wahrnehmung der Realität, denn die Realität ist anscheinend offensichtlich. Daher gleicht der Zweifel an der Realität als Gesamtes einem Zweifel an unserer eigenen Existenz. Der Ausdruck „sehen heißt glauben“ spricht Bände über unsere kollektive Illusion, die Realität sei „real“, ganz einfach weil wir sie als real wahrnehmen. Daher würde keine zurechnungsfähige und vernünftige Person ernsthaft das anzweifeln was offensichtlich real ist, und das führt zu einer kollektiven und geteilten Illusion, die sich selbst trägt.

 

Letztendlich liegt die (Schönheit) Realität (im Auge) in der Wahrnehmung des Betrachters. Der größte Trick, den die Manipulatoren der Realität je abgezogen haben, war es, eine Welt bewusster Wesen davon zu überzeugen, dass wir keine Schöpfer von Realität sind, sondern nur Geschöpfe und somit Opfer der Realität.

 

Lassen sie mich also auf das Konzept der Bewältigung unseres Wahnsinns eingehen. Anstatt aktiv zwischen Glaube und Nichtglaube zu wählen – ersteres ermöglicht unseren Wahn und letzteres entflammt ihn – geschieht nahezu die ganze Zeit das Meiste in Wirklichkeit passiv und ohne Zwang oder Überzeugung. Aus einer Vielzahl von Gründen, aber zumeist in dem Bemühen, bewussten/unbewussten emotionalen Stress auszuschalten oder zu reduzieren (der durch unseren zugrundeliegenden Wahn verursacht wird), suchen wir eine neutrale Basis, von der aus wir unser tägliches Leben führen können.

 

 

Ich schneide dieses Thema an, weil ich kürzlich einen ausgezeichneten Artikel von Chris Martenson las, in seinem Blog PeakProsperity.com, mit dem Titel „An das Unmögliche glauben“.

https://www.peakprosperity.com/blog/113674/believing-impossible

 

Darin legt er dar, wie irre zur Zeit die Finanzmärkte sind und was es braucht um uns glauben zu machen, dass der finanzielle Irrsinn weitergehen kann.

 

Chris ist ein heller Kopf und ich habe großen Respekt vor seinem Verstand, seinem Urteilsvermögen und seiner Logik. Leider geht er davon aus, dass irre menschliche Investoren die Investitionen und die Märkte – und alles was damit zusammenhängt – von einem logischen und vernünftigen Standpunkt aus angehen, mit gelegentlichen Ausflügen ins Unglaubliche. Er glaubt das, weil es „finanzielle Standards“ gibt, basierend auf historischen und mathematischen Trends, die anscheinend seine Argumente untermauern.

 

Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Ich warte immer noch auf die Theorie oder die Hypothese, die ausreichend erklärt, warum jeder Anfall finanziellen Irrsinns – auch Blase genannt – anscheinend den vorhergehenden (Irrsinn) übertrifft, und das bei einer scheinbar exponentiellen Kurve. Das bedeutet nicht, dass die Märkte nicht extrem gedehnt sind; nur dass sie durch mehr als nur Mathematik und die Federal Reserve unterstützt werden.

 

Meiner Meinung nach passiert oft Folgendes: anstatt etwas zu glauben oder nicht zu glauben, setzt bei uns einfach der Zweifel aus. Das ist mit großer Sicherheit kein neues Phänomen, aber der Wunsch Zweifel auszuschalten ist exponentiell angestiegen, zusammen mit einem ständig wachsenden Eindringen der „Medien“ in unsere Köpfe.

 

Wenn wir uns auf die Couch werfen und einen Film anschauen, was geschieht da tatsächlich in unserem Bewusstsein? Angenommen die gesamte Prämisse des Films ist fiktiv, so wäre ein aktiver Glaube oder Zweifel, d.h. eine gewisse Energie und eine Anstrengung zu investieren, um es als wahre/unwahre und/oder akkurate/nicht akkurate Darstellung des Lebens oder einer Situation zu akzeptieren, ein Unsinn und würde der Definition von Fiktion widersprechen.

 

Unser vermeintliches Ziel ist es, unterhalten zu werden, in eine andere Zeit und einen anderen Raum transportiert zu werden. Dazu bedarf es der Ausschaltung von Zweifeln, damit wir etwas akzeptieren, das mehr als nur wahrscheinlich nicht in unsere Wahrnehmung und unseren Glauben von dem passt was tatsächlich Realität ist.

 

Schon um uns in eine andere Person hineinzuversetzen, um deren Sichtweise zu erfahren, das verlangt eine veränderte Wahrnehmung unserer eigenen Realität. Man muss einen Weg finden um sich ihrer Wahrnehmung der Realität anzupassen, damit man Empathie und Sympathie erfühlen kann. Das gilt für alles, von Liebesgeschichten bis zu Horrorstreifen und alles dazwischen.

 

Interessanterweise muss der Autor einer fiktiven Geschichte darauf achten, dass er es nicht übertreibt, denn sonst verliert der Autor seine Glaubwürdigkeit beim Leser. Man muss sich bemühen, das Unglaubliche etwas plausibel zu machen, um die Vorstellungskraft des Lesers nicht zu überlasten, die selbst oft dadurch eingeschränkt ist, was wir als Realität ansehen (glauben).

 

Echte Ereignisse im Leben können andererseits völlig „unglaublich“ sein (was sie oft sind), denn man geht davon aus dass sie existieren, einfach weil sie im realen Leben passiert sind. Es ist selbstverständlich real, denn es ist ja passiert.

 

Das erzeugt eine Situation, in der sich ein Geistesprodukt in einem 3D-Raum, auch Realität genannt, materialisiert, es wird als real betrachtet. Ein Geistesprodukt, das im 2D-Raum geschaffen wurde, d.h. niedergeschrieben auf Papier oder auf einem Bildschirm, ist das nicht. Wie kann das sein, wenn die Genese die gleiche ist und sich nur das Konstrukt unterscheidet?

 

Wenn wir (fiktive) Medien betrachten, dann schalten wir unsere Glaube/Zweifel-Funktion ab, indem wir absichtlich den Zweifel abstellen, damit wir den Film genießen können. Versteht bitte, dass der Zweifel an etwas NICHT dasselbe ist wie das Ausschalten von Zweifeln. Und um an eine Sache zu glauben, müssen wir per Definition nahezu alle anderen Dinge bezweifeln, die diesem Glauben widersprechen.

 

Das hilft bei der Erklärung, warum wir selten den Glauben abschalten, dafür aber den Nichtglauben/Zweifel abschalten. Unsere individuellen, kollektiven und fundamentalen Vorstellungen (z.B. der Stuhl, der Boden und das Bett sind real und solide, und tragen daher mein Gewicht) sind so gründlich und vollständig in unsere Wahrnehmung der Realität eingeimpft, dass es praktisch unmöglich ist, an viele Vorstellungen nicht mehr zu glauben, sprich sie anzuzweifeln.

 

Unsere Voreinstellung ist zu glauben, denn alles, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, die ebenfalls in ein allgemein akzeptiertes Spektrum fallen (ein Stuhl ist akzeptabel, Geister eher nicht), wird selbstverständlich als real betrachtet. Da unsere Voreinstellung ist, ohne Nachzudenken und Anstrengung passiv zu glauben, ist der explizite Ausdruck von Glauben an eine Person, einen Ort oder ein Ding lediglich eine kognitive Bestätigung dessen, was bereits als real angenommen wird. Das ist zwar eine Anstrengung, aber dafür wird nicht viel Schweiß vergossen.

 

Einen Zweifel auszudrücken ist jedoch gegen das, was sich natürlich und normal anfühlt, und es muss mehr Energie und Wille aufgebracht werden, um die Standardeinstellung zu überwinden. Es liegt nahe, dass die Suspendierung von Zweifeln schlicht bedeutet, nicht die Energie aufzubringen, um etwas anzuzweifeln das als natürlich daherkommt. Was bedeutet, dass als real akzeptiert wird, was für unsere Wahrnehmung selbstverständlich ist, auch wenn andere Indikatoren Zweifel und Fragen aufwerfen.

 

Es ist bei weitem leichter etwas NICHT zu tun als etwas zu tun. Bewusst ausgedrückter Glaube erschafft absichtlich eine persönliche Realität, während Nichtglaube eine persönliche Realität dekonstruiert, deformiert oder verändert. Beide Geisteszustände verlangen eine Anstrengung, aber die eine verlangt mehr Aufwand als die andere und ist eher destruktiv als konstruktiv.

 

Wenn ich die Realität eines Films nicht dadurch zerstören will, indem ich seine anscheinende Realität anzweifle (soll heißen ich will den Film genießen ohne an ihm zu zweifeln), dann muss ich den Nichtglauben ausschalten und einfach zulassen dass er existiert. Das ist nicht sehr schwierig, denn er erscheint bereits als real. Er ist selbstverständlich real, außer ich zerlege ihn mit Unglaube und Zweifel. Daher halte ich die Realität durch das Unterdrücken von Zweifeln aufrecht.

 

Um ihn als real zu bestätigen, darf ich ihn einfach nicht bewusst und absichtlich durch Zweifel zerstören. Oft liegt der Unterschied zwischen Glaube und Nichtglaube an einen Film oder eine TV-Show darin, wie gut oder wie schlecht die Illusion konstruiert wurde und wie gut oder schlecht das mit unserer Wahrnehmung mit dem übereinstimmt was Realität tatsächlich ist.

 

Aus diesem Grund wird Science Fiction, wo das Ganze eindeutig als eine Fiktion jenseits unserer persönlichen Erfahrung gekennzeichnet ist, viel leichter als real akzeptiert (Zweifel kommen erst gar nicht auf) als in einem fiktionalen Film, der unsere persönliche Erfahrung mit der Realität enger abbildet und der dann in eine „unglaubliche“ oder unglaubwürdige Richtung abdriftet.

 

Letztere Erfahrung machen wir als „den Bogen überspannt“ lächerlich, soll heißen, er ist plötzlich von einer Nähe unserer Wahrnehmung der Realität ins Unglaubwürdige abgedriftet. Trotzdem wird der Science Fiction Film bereitwillig akzeptiert, weil wir uns bereits erlaubt haben, die Zweifel zu unterdrücken, da er nicht mit unserem persönlichen Erfahrungsspektrum übereinstimmt. (Anm.d.Ü.: da fällt mir dieser Spruch von Elon Musk ein: „Du kannst sagen dass es real ist, weil es so gefälscht aussieht.“)

 

 

Unkritisch akzeptiere ich, dass jemand in vollem Tempo eine Straße entlang läuft und dabei gleichzeitig zielt, schießt und verschiedene Menschen tötet, die selbst in Bewegung sind. Denn das wird in dem Film als real gezeigt. Ich nehme ohne Glauben oder Zweifel hin, dass alle Bomben bei ihrer Explosion riesige Feuerbälle produzieren, denn das wird als normal und natürlich dargestellt. Ich akzeptiere als selbstverständlich, dass sich Menschen und Dinge entmaterialisieren und Meilen entfernt wieder auftauchen, denn ich habe gerade gesehen wie es passiert ist.

 

Es gibt zwar kognitive Grenzen für das wozu wir bereit sind, unsere Zweifel abzuschalten, aber diese Grenzen liegen ganz in unserer eigenen Hand und sind völlig variabel, abhängig von den Anreizen auf die wir reagieren. Während unsere gemeinsame Realität zumeist ein Konsens-Geschöpf ist (und daher nur durch Konsens verändert oder zerstört werden kann), so gibt es exklusive Teile in unseren eigenen persönlichen Realitäten, die unendlich variabler sind und nur durch uns alleine kontrolliert werden.

 

Aus diesem Grund kann ich alleine nichts tun, um eine Konsens-Finanzblase aufzublasen oder platzen zu lassen. Und die Konsens-Finanzblase beginnt erst zu platzen wenn der Konsens nicht mehr an ihre Existenz glaubt (oder die Zweifel nicht mehr blockiert).

 

(Anm.d.Ü.: und ich allein kann nichts dagegen tun, den Breitscheid-Hoax platzen zu lassen)

 

 

Ein Finanzcrash (wenn die Finanzblase plötzlich und heftig platzt) geschieht, wenn der Konsens bewusst an dieser Realität zweifelt. Denkt daran, Zweifel zerstören das, was der Glaube aufbaut und was ein Suspendieren der Zweifel aufrechterhält.

 

Das Abschalten von Zweifeln ist (zumeist) eine passive Handlung, mit der willentlich in unserem Kopf alle möglichen Wege zu alternativen Realitäten geöffnet werden. Am Ende sagen die meisten, was kann dadurch schon für ein Schaden entstehen, wenn das was wir sehen nicht real ist?

 

Das ist ein tragisch Irrglaube, denn unsere persönliche Interpretation der Realität findet ausschließlich in unseren Köpfen statt und nicht in jener 3D-Welt, die wir als real beschreiben. Der Vorgang des Sehens, Hörens, Fühlens, Riechens und Begreifens ist eigentlich eine Interpretation von elektrischen Impulsen unseres (nicht örtlichen) Verstands, von denen wir annehmen, dass sie von unseren (vermutlich) fünf physikalischen elektrischen Impulsgeneratoren stammen, auch Augen, Ohren usw. genannt.

 

Unsere Realität ist eine geteilte Illusion, die kollektiv interpretiert wird, hauptsächlich weil der kollektive Verstand gemeinsame interpretierende Marker und Beschreibungen teilt. Je komplexer die Illusion, desto mehr Zeit ist nötig, um dich und mich zu trainieren und zu konditionieren, damit wir diese elektrischen Impulse auf die selbe Art als Realität erkennen und interpretieren wie alle anderen.

 

Wir unterrichten uns gegenseitig und wir bringen uns gegenseitig bei, was Realität ist.

 

Verwundert es da, dass von allen Tieren in dieser Realität die Menschen die längste (Kindheits) Konditionierungsphase brauchen, bevor wir zu voll funktionsfähigen, synchron die Realität interpretierenden zweibeinigen Tieren werden?

 

Der Vorgang des Aussetzen von Zweifeln ist eigentlich ein Akt der kognitiven Entwaffnung, der die inneren Bereiche unseres Verstandes für Manipulation, Suggestion und Beeinflussung öffnet. Was über die Medien Eintritt erhält, ist oft absichtlich erzeugte und gesteuerte Ideologie und Propaganda.

 

Jene die protestieren und sagen, dass eine Episode von Gilligans Insel doch kaum etwas mit Propaganda zu tun habe, sie haben irgendwie recht. Aber eingestreut in eine alberne Komödie (was selbst schon gewisse gemeinsame Ansichten verstärkt) liegen gezielte Commercials und kognitive Konditionierung. Wenn wir uns erst einmal dabei wohlfühlen, unseren Verstand für äußere Einflüsse zu öffnen, dann haben jene, die über uns Einfluss und Kontrolle ausüben wollen, schon gewonnen.

 

Entweder erschaffen wir unsere eigene Realität oder wir leben in der Realität von jemand anderem.

 

Im Gegensatz zu dem was wir glauben wollen, beginnt der Prozess der Suspendierung von Zweifeln nicht mit jedem Segment des Fernsehprogramms oder anderer Medien. Und macht euch nichts vor: Wir glauben alle verzweifelt daran, dass wir unsere eigenen kognitiven Wächter sind, damit wir die Illusion der persönlichen Freiheit aufrechterhalten können.

 

Wir müssen daran glauben, dass wir nicht (leicht) zu manipulieren oder zu kontrollieren sind, wenn wir unsere persönliche Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung erhalten wollen und dadurch wird das eigene Bewusstsein und die Anerkennung unseres eigenen Wahnsinns in Schach gehalten. Aus diesem Grund erzeugen wir endlose Mengen an Glauben, Zweifeln und Aussetzung von Zweifeln, in jeder erdenklichen Art, was immer es braucht, um die bevorzugte persönliche Realität in unseren Köpfen aufrechtzuerhalten (oder zu reparieren).

 

Werbeleute verstehen das menschliche Verhalten ziemlich gut und wissen, dass wir in einer schwebenden Ungläubigkeit verharren, wenn auch nur unterschwellig, für eine gewisse Zeit nach dem Ende des Medienkonsums, entweder in Pausen oder am Ende der Sendung. Ohne eine lange Dissertation über die Funktionsweise der Werbung zu schreiben: es reicht wenn man sagt, dass ein großer Teil der gesteuerten Werbung ziemlich effektiv ist und brillant mit unserem gesamten intellektuellen, psychologischen und emotionalen Spektrum spielt.

 

Ich akzeptiere unkritisch, dass dieser geile neue Wagen/Flachbildschirm mir Freude und Glück bereiten wird, denn so wurde es gerade im Fernsehen gezeigt, von anderen Leuten, die genau wie ich aussehen. Aufgrund der Realität, die ich gerade erlebt habe, ist es offensichtlich, dass ein Diamantring der einzig angemessene Ausdruck meiner Liebe zu meiner Frau ist, der ihr wahres Vergnügen und Glück bringen wird.

 

Jetzt werden sich viele beschweren und sagen, dass sie auf so offensichtliche Tricks nicht hereinfallen und mir erklären, warum seine Frau einen Diamantring trägt und er vielleicht einen vernünftigen neuen Wagen in seiner Garage hat, oder einen riesigen Flachbildschirm in seinem Wohnzimmer. Das Geheimnis einer Sauce zeigt sich nicht beim ersten Blick, sondern beim Hundertsten. Unsere kognitive Konditionierung geschieht nicht durch ein Erlebnis, sondern durch das ständige und andauernde Ausgesetztsein für eine unterschwellige Botschaft.

 

Beispielsweise unterstützt jede Automobilwerbung auch jede andere Autowerbung, egal welche Marke. Die Botschaft lautet nicht einfach, diesen Wagen zu kaufen, sondern einen Wagen zu kaufen. Mit der Zeit werden wir konditioniert zu glauben, es sei natürlich und normal, alle zwei oder drei Jahre einen neuen Wagen zu kaufen, und den ordentlichen guten Gebrauchten dran zugeben, der noch viele Jahre laufen würde.

 

Nahezu alle Werbungen beinhalten eine Art von impliziertem Konsens. Anstatt zu fragen ob man einen neuen Wagen kaufen will, und damit eine finanzielle Ja/Nein Entscheidung (Glaube/Nichtglaube) hervorzurufen, geht die Werbung von einer Zustimmung zum Kauf aus und fragt stattdessen, welches Modell, welche Farbe, Ausstattung und Felgen man bevorzugt. Alle erfolgreichen Verkäufer verstehen intuitiv, wie man diese Verkaufstechniken anwendet.

 

Wollen sie lieber dieses rassige rot oder den saphirblauen Ego-Trip, um ihn ihren Freunden und ihrer Familie vorzuführen?

 

Was nicht ganz verstanden und selten anerkannt wird, zumindest nicht von dir und von mir, ist der zersetzende Effekt einer lebenslangen Belastung durch Werbung (im Grunde eine veränderte Realität in 30 bis 60 Sekunden-Häppchen) auf unsere allgemeine Perspektive und Interpretation der Realität.

 

Der Herdentrieb, auch Konsens-Realität genannt, wir nicht nur eingeprägt wenn er direkt und/oder physisch in die zusammengeschlossene Herde eingetaucht wird. Die weit verbreiteten Medien, zusammen mit der angehängten Werbung, tendieren dazu, sich als die Stimme der Herde auszugeben. Und bald schon werden die Medien und die eingebettete Werbung zu der Herde, die direkt in unser Ohr flüstert.

 

Nochmal, ich will nicht ins Detail gehen, wie die Medienschaffenden und die Werbeleute die Linien zwischen Fiktion und Sachgeschichten verwischen; zum Beispiel im Reality TV und in persönlichen Erfahrungsberichten. Ein Tag Forschung und tiefgründiges Nachdenken über das Thema würde zumindest schwallartiges Erbrechen hervorrufen, wenn sich ein tieferes Verständnis über die invasiven und oft illegalen und unethischen Techniken offenbaren würde. 

 

Leider führt dieser Kaninchenbau noch tiefer als das hier. Wir leben in einer paternalen Kultur mit strikten hierarchischen Autoritätsebenen. Wir werden von Geburt an konditioniert, um zu akzeptieren (zu glauben), dass jede Weisheit und Kenntnis von oben herabströmt, oder zumindest von jemandem, der mehr Autorität hat als wir. Daher müssen alle Experten und Autoritäten, sei es selbsternannt oder festgelegt, mit Respekt und Ehrerbietigkeit behandelt werden.

 

Und man muss ihnen gehorchen!

 

Während „Wir sind das Volk!“ glauben mag, dass wir im Land der Freien und in der Heimat der Tapferen leben, so halten wir immer noch an, wenn wir im Rückspiegel Blaulicht sehen und bekommen einen Schweißausbruch, wenn uns das Finanzamt einen Liebesbrief schickt. Wenn wir mit Autorität konfrontiert werden, dann fügen wir uns meistens.

 

Das schafft einen tief sitzenden Konflikt in unserem täglichen Verstand, etwas das ich mir als unseren wandernden Verstand vorstelle, jenen Teil von uns, der nicht groß überlegt, wenn wir auf der Autobahn unterwegs sind oder einfach unseren Alltagsgeschäften nachgehen.

 

Wir leben zwar nicht in einem konstanten Zustand mit hohem Stress, darüber besorgt dass wir das Gesetz überschreiten könnten und jeden Moment eingesperrt werden. Aber da ist eine andauernde unterschwellige Spannung, weil unser Unterbewusstsein erkennt, wo wir in der Hackordnung stehen und welche Gefahren (und potentiellen Vorteile) in dieser Hackposition stecken könnten. Ich vermute, dass diese unterschwellige Unsicherheit gewisse Menschen dazu treibt, nach Macht und Einfluss zu streben, um die innere Dissonanz zu lindern.

 

Wenn wir die politischen, finanziellen und kulturellen Details, die im Hintergrund den ganzen Tag und tagtäglich an uns nagen, genau beobachten würden, dann wären wir bald erschöpft. Aber wir wollen auch nicht die Energie damit vergeuden, das alles zu studieren. Und dadurch entscheiden wir uns bewusst dafür, alles was wir hören, sehen und lesen, entweder zu glauben oder zu bezweifeln.

 

Vergesst nicht, einen Glauben oder Zweifel auszudrücken ist eine Aktivität, die Aufmerksamkeit, Mühen und Energie verlangt. Und so landen wir schließlich dabei, den Unglauben in einem weiten Spektrum der Realität zu blockieren und lassen alles um uns herum fließen wie Wasser, das sich an uns vorbei bewegt, während wir durch den Fluss waten.

 

Das Ausmaß in dem wir glauben, nicht glauben oder den Unglauben wegschieben (oder eher verschiedene Grade von all dem, je nach unserem inneren Glaubenssystem), hängt von unserer wahrgenommenen Nähe zu einer Gefahr oder zu einem Vorteil ab. In jedem Moment sortieren unsere kognitiven Filter das aus, von dem wir glauben, dass es für uns belanglos ist, und lassen jene Dinge durch, die weitere Aufmerksamkeit erfordern und von denen wir glauben, dass sie uns direkt betreffen.

 

Ich habe das Wort „glauben“ hervorgehoben, weil, anders als bei einem Auto, das direkt auf uns zusteuert oder ein Tornado am Horizont oder mit einem Sechser im Lotto in der Hand, sehr wenig von dem, was im Hintergrund passiert, von uns gut genug verstanden wird, um eine intelligente Einschätzung der Gefahr oder des Nutzens vorzunehmen, insbesondere wenn kritische Informationen manipuliert, verzerrt oder den Einfaltspinseln vorenthalten werden.

 

Das mag jetzt zwar das Ego verletzen, aber meistens sind wir die Einfaltspinsel. Jeder Nutzen für dich und mich wird soweit verwässert, dass er nebensächlich wird. Aber jede Gefahr wird sofort direkt und mit voller Wucht in unsere Richtung geschleudert. Bei Kopf gewinnen sie, bei Zahl verlieren wir – das ist die übereinstimmende Realität.

 

Unabhängig von dem was man uns gesagt und beigebracht hat (und daher glauben): der einzige Zweck einer paternalen Hierarchie ist, jenen an der Spitze zu ermöglichen, die Macht zu erhalten und zu halten. Was direkt zu Reichtum und Kontrolle führt. Während sich die strukturellen Komponenten, die Regeln und das Management im Verlauf der Jahrhunderte vielleicht dramatisch verändert haben, ist die Welt immer noch in Sklavenplantagen organisiert. Der einzige signifikante Unterschied zur Vergangenheit ist der, dass wir uns frei nennen, während wir für unsere eigene Aufsicht direkt löhnen.

 

Diejenigen, die sich selbst für frei halten, sind weitaus produktiver und profitabler als jene, die das nicht tun. Während wir einen Teil unserer Produktivität als Lohn erhalten, so erhalten unsere (geistigen) Eigentümer den Löwenanteil.

 

Bei dem Bemühen, die größten Schlaglöcher zu umschiffen und so viele Brotkrümel wie möglich aufzusammeln, verfeinern wir bestimmte Überlebensmechanismen, von denen wir glauben, dass sie uns absichern, während wir gleichzeitig die meisten Hinterrundgeräusche ignorieren. Nun, ignorieren ist hier zu spezifisch. Ähnlich dem Flusswasser, das um uns herum fließt, schalten wir einfach die Zweifel ab und gehen mit dem Fluss, anstatt zu ignorieren. Stellt es euch als geistigen Überlebensmechanismus vor, der speziell dafür entworfen wurde, um in der hoch spezialisierten und schrecklich verzerrten Welt zurechtzukommen.

 

Eine zugegeben extreme und nicht perfekte Analogie für die Dynamik des Abschaltens von Zweifeln ist Folgende: Als ich viel jünger war, da arbeitete ich in einer Maschinenwerkstatt mit allen möglichen gefährlichen und zumeist automatischen Maschinen, an denen gestanzt und geschliffen wurde.

 

Diese Gefahr zu ignorieren oder einfach nicht daran zu glauben, dass man verletzt wird, das wäre töricht gewesen, denn ein falscher Handgriff hätte katastrophal sein können. Aber um immer hoch wachsam zu sein, wäre der Glaube an eine jederzeit mögliche Verletzung geistig und emotionell erschöpfend gewesen und daher nicht auszuhalten.

 

Um das zu kompensieren habe ich weder daran geglaubt verletzt zu werden, noch nicht daran geglaubt. Stattdessen habe ich die Zweifel beiseite gelegt und es einfach als selbstverständlich akzeptiert, dass ich schon nicht verletzt werden würde, wenn ich nur meine Gliedmaßen von der Maschine fernhalte, denn andere haben bereits bewiesen, dass das wahr/real ist.

 

Diese Wahrnehmungsanpassung hat mir ermöglicht, den schnellen Informationsfluss zu akzeptieren, der auf meine Sinne einprasselte, sowohl über die Position meiner Hände und meines Körpers zu jedem Zeitpunkt, als auch die kreischenden Maschinenbewegungen und den Produktionsdurchfluss. Ein bewusst erzeugter alternativer Geisteszustand hat mir erlaubt, wenige Zentimeter vom Tod oder von Verstümmlung entfernt zu arbeiten, ohne erschrocken vor der Szenerie zu fliehen.

 

Eine ähnliche Wahrnehmungssituation gibt es, wenn wir eine schmale zweispurige Straße entlang fahren und einem Autos mit oft mehr als 150 km/h entgegenkommen und mit kaum einem Meter Anstand sicher vorbeifahren. Versetze eine Person aus dem 18. Jahrhundert in dein Auto und sie würde sich über diese „normale“ Aktivität zu Tode erschrecken.

 

Wir behaupten zwar zu „wissen“, dass das entgegenkommende Fahrzeug uns nicht trifft, aber in Wahrheit können wir so etwas nicht „wissen“. Dauernd stoßen Autos zusammen und es kommt zu Todesopfern und Invaliden. Daher glauben wir nicht an einen unmittelbaren Autounfall und haben auch keinen Nichtglauben. Stattdessen suspendieren wir unsere Zweifel, um an dieser Aktivität teilzunehmen.

 

Wer sich nicht an einen ähnlichen Geisteszustand anpassen kann, der kann sich auch nicht Schulter an Schulter mit anderen in eine Metallröhre zwängen, die mit Tausenden Litern brennbarem Kerosin gefüllt ist, mit Feuer atmenden Jet-Triebwerken an der Unterseite von schlanken und biegsamen Extremitäten, nur um auf einer Startbahn auf 250 Sachen zu beschleunigen, in der Absicht, die sicheren Gefilde von Mutter Erde zu verlassen.

 

Auch wenn nicht annähernd so gefährlich wie die Maschinenwerkstatt, das Auto oder das Flugzeug, hauptsächlich weil die Nähe zur Gefahr (oder dem Nutzen) nicht annähernd als so groß wahrgenommen wird, so muss doch irgendwie mit der allgemeinen Spannung bei der Alltagsarbeit, der Reise, beim Einkaufen, der Schule und so weiter umgegangen werden, oder es wird am Ende doch zu viel.

 

Je komplizierter und variabler die Realität, desto anstrengender ist es sowohl für das Kollektiv als auch das Individuum, sich kognitiv mit passivem und aktivem Glauben über Wasser zu halten. Wir bezeichnen das als aktiven Lebensstil und wir sind in der Lage uns dem anzupassen, aber mit langfristigen Kosten für Körper, Geist und Seele.

 

Es gibt keinen Zweifel, dass manche Dinge hauptsächlich ignoriert werden, weil sie innerlich als unwichtig oder unbedeutend eingestuft werden, aber wie wir mit tagtäglichen Dissonanzen umgehen, das ist faszinierend und erhellend.

 

Das ist überhaupt kein neues Phänomen, es existiert seit der Aufzeichnung von Geschichte. Aber die Anzeichen einer sich vertiefenden kollektiven Psychose (eine Dissonanz in der Konsens-Realität) findet man in der gemeinsamen Realität, dem Leiden an sprunghaft steigender Fettleibigkeit in allen Altersgruppen, dem Suchtverhalten und Obsessionen jeder Art, Geschmack und Couleur, den Massenschießereien und steigenden Selbstmorden, vor allem unter Jugendlichen und Soldaten … ja, die Liste erweitert sich schneller als unser Bauchumfang.

 

 

Kommen wir nochmal auf den oben erwähnten Artikel zurück, betreffs der Notwendigkeit, unmögliche Dinge zu glauben, damit die Aktienmärkte ihren Aufstieg fortsetzen können. Chris Martenson untersucht die Finanzmärkte aus einer Expertensicht. Letztendlich glaubt er, er hätte das fundamentale Verständnis dafür, wie und warum Finanzmärkte funktionieren. Und er ist geistig klar und ehrlich genug, um den Zustand der Märkte und jene Köpfe anzuzweifeln, die letztendlich den Markt nach oben treiben.

 

Während mittlerweile Maschinen in Lichtgeschwindigkeit den Hauptteil des Marktes abwickeln, so werden diese Maschinen doch von Menschen programmiert, von Experten und auch Amateuren, die aktiv am Markt handeln und daher durch ihre Vorstellungen, Hoffnungen und Erwartungen beeinflusst sind. Und dann sind da jene, die zumeist passiv bleiben, aber immer noch (voll) investiert sind.

 

Denkt mal kurz über die Psychologie nach. Man ist in einer Aktivität investiert (ein Wort, das sowohl finanzielles als auch emotionelles Risiko umfasst), die einen bereichern kann, aber den Wert auch sehr schnell schrumpfen lassen kann. Die Geschichte zeigt, dass beide Zustände innerhalb sehr kurzer Zeit vorkommen können. (Schaut euch den Kursrutsch der letzten zwei Wochen an.) Du bist nicht einmal in der Nähe davon, ein Experte zu sein, daher musst du dich auf die Meinung anderer verlassen, wenn es um die Sicherheit und Lebensfähigkeit deines Investments geht.

 

Noch schlimmer: diese Experten sind sich untereinander nicht einig. Manche behaupten, alles sei gut und nach oben gäbe es keine Grenzen. Andere weisen auf deutliche historische Kennzeichen und fundamentale Fakten hin, die anzeigen, dass nicht alles gut ist. Aber die Märkte gehen trotzdem weiter nach oben. Wem soll man glauben? Warum sollte man dem Einen mehr glauben als dem Anderen?

 

Die Angst davor, etwas zu verpassen, kann genauso zwingend sein, wenn nicht sogar noch wichtiger als die Bestätigung, die man erhält, wenn man die Ernte für bereits Investiertes einstreicht. Warst du schon einmal in einer Menschenmenge, die sich plötzlich von dir fortbewegt? Der Drang zu folgen kann überwältigend sein, besonders wenn man nicht weiß warum sich die Herde bewegt.

 

Insbesondere für ältere Investoren, die über die letzten beiden Jahrzehnte böse Abstürze mitgemacht haben, ist ein Glaube ohne Zweifel extrem schwierig. Eine vernachlässigbare emotionale Erleichterung wird durch den Glauben erreicht, man könne den Zweifel nicht beseitigen. Es ist aber auch schwierig, nicht an den Anstieg des Marktes zu glauben, denn dazu müssen wir die Mehrheitsherde verlassen und ganz alleine grasen.

 

Den nonkonformistischen Weg zu gehen ist auf allen denkbaren Ebenen extrem schwierig. Von der Herde bekommen wir keinen emotionalen und geistigen Trost, denn wir haben die Herde zurückgewiesen. Daher wird unsere eigene persönliche Realität von außen nicht bestätigt. Wenn der Querdenker verliert, dann gewinnt oft die Herde. Kein Erfolgserlebnis für uns. Und wenn die Herde verliert, dann gewinnt in der Regel der Querdenker, aber er bekommt von der Herde immer noch keine Anerkennung, aus offensichtlichen Gründen.

 

Für eine Person, die mit Anerkennung und Bestätigung in einer paternalen und hierarchischen Kultur aufgewachsen ist und davon abhängig ist, kommt das verlassen der Herde nur für kurze Perioden in Frage. Meine Erfahrungen und Studien zeigen, dass sogar jene, die zu einem Weggehen entschlossen sind, sich ganz einfach nur eine eigene Herde suchen und finden, oder eine erschaffen. Nur Wenige können den nahezu verlassenen Weg einschlagen und sich emotional zurückhalten.

 

Oder um die Perspektive ein wenig zu verändern: Nur Wenige können den nahezu verlassenen Weg einschlagen und ihre persönliche Realität aufrecht erhalten. Selten kann jemand seine eigene Realität halten (über Glauben), ohne ständige Anerkennung und Bestätigung dafür, dass ihre Realität real ist. Wir halten an unserer eigenen Realität fest weil wir an unsere eigene Realität glauben. Das wiederum hilft anderen, ihre eigene Realität zu behalten, weil unsere Realität existiert und dadurch deren Realität bestätigt wird.

 

Daher ist der Glaube insbesondere an unwahrscheinliche oder ausbaufähige Dinge sehr schwierig, vor allem wenn Zweifel vorhanden sind. Schließlich muss unsere Realität ständig bestätigt werden, damit sie real bleibt. Aber nicht zu glauben ist genauso schwierig, wenn nicht schwieriger, denn für unseren Nichtglauben können wir auch keine Bestätigung finden. Daher suchen wir aktiv nach einer neutralen Position mit wenig wahrgenommenem emotionalen Risiko, indem wir die Zweifel beiseite schieben und das für selbstverständlich erklären was gerade geschieht.

 

Nennt es eine Form von Leugnung, falls das leichter zu akzeptieren ist. Aber es trifft auf weitaus mehr zu als nur das Investieren in den Aktienmarkt. Wir benutzen dieses geistige Jiu Jitsu in der Arbeit und beim Spielen, wenn wir uns mit der Regierung beschäftigen oder über sie nachdenken, zuhause mit der Frau und den Kindern, bei sozialen Treffen und überall dort, wo wir uns emotionalen Schutz vor Konsequenzen wünschen, von denen wir glauben, dass wir sie nicht kontrollieren können, uns das aber wünschen würden.

 

Während es wenig Zweifel daran gibt, dass man die Suspendierung von Zweifeln als eine rationale Herangehensweise beschreiben kann, um mit einer wahrgenommen Ungewissheit und einer gefährlichen Realität klarzukommen, so ist die exponentielle Ausbreitung ihres Gebrauchs in der globalen Bevölkerung das Ergebnis einer absichtlichen Intervention und Konditionierung über die Medien-Infiltration.

 

Unabhängig davon, ob ihr Ursprung in den finsteren Händen einer zwielichtigen Elite zum Zwecke einer Bevölkerungskontrolle liegt oder ob es das außer Rand und Band geratene Ergebnis von Anstrengungen der Werbeindustrie und Medienschaffenden ist, um ein vorhersagbares und wiederholbares Resultat zu erzeugen (wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem): Das Endresultat ist eine globale Bevölkerung, die geistig zunehmend von äußeren Kräften kontrolliert wird, zum Nachteil aller.

 

Andererseits ist es nicht real, außer wir glauben, dass es real ist.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    michel o.neland (Mittwoch, 14 Februar 2018 02:48)

    Zen and the Art of Motorcycle Maintenance von Robert M. Pirsig ist eine lesenswerte philosophische Abhandlung, die das Thema von verschiedenen Realitäten, Qualität und Perspektive schon 1974 behandelt hat. Offenbar weitsichtig.

    Die Utopien von Orwell, Huxley und Bradbury werden wohl auch mehr und mehr Realität, oder sind die Romane womöglich nur Entwürfe, die gerade umgesetzt werden?

    Wie Realität Gedanken generiert oder umgekehrt, ob wir glauben, was real ist oder nicht, dazu gibt es einen spannenden Film. ,,Inception" mit Leonardo DiCaprio.

  • #2

    cource (Samstag, 17 Februar 2018 09:36)

    zweifel suspendieren=verdrängen/ausblenden, die medien/gesellschaft geben vor was man denken/aussprechen darf alles andere bleibt ein tabu