https://caitlinjohnstone.com/2019/11/22/advancing-propaganda-for-evil-agendas-is-the-same-as-perpetrating-them-yourself/

 

Propaganda für das Böse zu verbreiten ist dasselbe

wie Böses tun

 

von Caitlin Johnstone, 22.11.2019 (zahlreiche Links im Original!)

 

 

Der Guardian hat einen Leitartikel mit diesem Titel veröffentlicht: „Die Meinung des Guardians zur Auslieferung von Assange: Tut es nicht“. Der Untertitel: „Die US-Anklage gegen den WikiLeaks-Gründer ist ein Anschlag auf die Pressefreiheit und das Informationsrecht der Öffentlichkeit“. Die Redaktionsleitung des Blattes argumentiert, dass mit der erneuten Einstellung der schwedischen Ermittlungen die Zeit gekommen sei, sich gegen das US-Auslieferungsverfahren gegen den WikiLeaks-Gründer zu stellen.

 

Schwedens Entscheidung, eine Ermittlung gegen Julian Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen fallenzulassen, hat die Situation des WikiLeaks-Gründers ins Rampenlicht gebracht und auch dringlicher gemacht“, schreibt die Redaktionsleitung.

 

Aha, jetzt ist das Thema plötzlich im Rampenlicht und dringlich? Nicht vor knapp zwei Monaten, als das lächerliche Kautionsurteil gegen Assange zu Ende war und er immer noch im Gefängnis sitzen musste, ausdrücklich und ausschließlich wegen des amerikanischen Auslieferungsgesuchs? Nicht vor sechs Monaten, als die US-Regierung Assange mit 17 Anklagepunkten nach dem Spionagegesetz angeklagt hat, weil er die Leaks von Chelsea Manning veröffentlicht hat? Nicht vor sieben Monaten, als Assange mit Gewalt aus der ecuadorianischen Botschaft verschleppt und mit dem US-Auslieferungsantrag konfrontiert wurde? Auch nicht irgendwann zwischen seiner Verhaftung im April und seinem politischen Asyl vor sieben Jahren, das ihm die ecuadorianische Regierung ausdrücklich gewährte, weil sie glaubte, dass es eine glaubwürdige Gefahr für eine US-Auslieferung gab. Und nicht vor neun Jahren, als WikiLeaks davor gewarnt hat, dass die US-Regierung eine Auslieferung plane und ihn nach dem Spionagegesetz anklagen will.

 

Nö, nein, das wäre viel zu früh gewesen, dass der Guardian anfängt, sich mit einem gewissen Grad an Klarheit gegen die Auslieferung von Assange an die USA zu stellen. Sie mussten damit warten, bis Assange bereits im Gefängnis von Belmarsh eingesperrt war und zur Auslieferungsanhörung schwankte, die von drohenden US-Regierungsbeamten überwacht wurde. Sie mussten warten, bis Jahre über Jahre virulenter Verleumdungskampagnen in den Massenmedien die öffentliche Unterstützung für Assange beendet hatten, damit er ohne oder mit wenig Gegenreaktion ausgeliefert werden konnte. Und sie mussten warten, bis sie selbst mit der Teilnahme an diesen Schmierkampagnen fertig waren.

 

Unnötig zu sagen, dass es im Mueller-Bericht nicht einen Hinweis oder eine Vermutung gibt, dass Paul Manafort jemals in seinem Leben Julian Assange besucht hat, geschweige denn drei Mal während der Wahl in der ecuadorianischen Botschaft. Das würde dort auftauchen, wenn es so gewesen wäre. Warum zieht der @guardian das nicht zurück?

 

Schließlich ist das der selbe Guardian, der einen durchsichtig lächerlichen und vollkommen entkräfteten Bericht veröffentlichte, dass der Trump-Lakai Paul Manafort sich heimlich mit Assange in der Botschaft getroffen hätte, nicht einmal, sondern mehrfach. Es wurde nie auch nur ein Beweis geliefert um diese Behauptung zu untermauern, obwohl die Botschaft zu jener Zeit eines der am besten bewachten Gebäude auf der Welt gewesen sein musste und die Ermittlung von Robert Mueller, deren ausufernde Reichweite sicher solche Treffen erwähnt hätte, hat absolut nichts davon erwähnt. Es war eine erfundene Geschichte, der alle beschuldigten Parteien vehement widersprochen haben.

 

Das ist der selbe Guardian, der letztes Jahr einen Artikel mit dieser Überschrift hatte: „Der einzige Grund, warum Julian Assange die Botschaft Ecuadors nicht verlässt, ist Stolz“. Darin wird behauptet, dass Assange mit seinem Verbleib in der Botschaft lächerlich aussieht, weil „es unwahrscheinlich ist, dass der WikiLeaks-Gründer von den USA angeklagt wird.“ Der Artikel stammt von dem widerlichen James Ball, der vor nicht langer Zeit einen Tweet löschte, in welchem er sich über die Existenz von UN-Sonderberichterstattern beschwerte, von denen einer zu dem Schluss kam, dass Assange das Opfer psychologischer Folter ist. Balls Artikel beginnt so: „Laut Debrett's, dem Leitfaden für Etikette seit 1769: 'Wie die Fische, so stinken Besucher nach drei Tagen'. Vor diesem Hintergrund ist es schwer vorstellbar, wie es in der Londoner Botschaft Ecuadors riecht, mehr als fünfeinhalb Jahre nachdem Julian Assange sich in die kleine Wohnung in Knightsbridge, gleich gegenüber von Harrods, begeben hat."

Dies ist derselbe Guardian, der einen Artikel mit dem Titel "Definition von Paranoia: Die Unterstützer von Julian Assange" veröffentlichte, in dem argumentiert wird, dass Assange-Verteidiger verrückte Verschwörungstheoretiker sind, weil sie glauben, dass die USA versuchen würden, Assange auszuliefern, weil "Großbritannien einen notorisch laxen Auslieferungsvertrag mit den Vereinigten Staaten hat", weil "warum sollten sie sich die Mühe machen, ihn zu inhaftieren, wenn er sich so gut diskreditiert?", und "weil es keinen Auslieferungsantrag gibt".

Dies ist derselbe Guardian, der einen lächerlichen Bericht veröffentlicht hat, wonach Assange womöglich Dokumente als Teil einer seltsamen Nigel Farage/Donald Trump/Russland-Verschwörung erhielt, eine Behauptung, die hauptsächlich auf einer vagen Analyse durch eine einzige anonyme Quelle basiert, die als "hochrangiger Kontakt mit Verbindungen zu US-Geheimdiensten" beschrieben wird. Derselbe Guardian, der gerade das journalistische Standardprotokoll die Toilette hinunterspülte, indem er über Assanges "Verbindungen zum Kreml" (keine Sache) berichtete, ohne sich die Mühe zu machen, das Wort "angeblich" zu verwenden, nicht einmal, sondern zweimal. Derselbe Guardian, der viele weitere Verleumdungen vorgebracht hat, wie es in diesem Artikel von The Canary mit dem Titel "Schuld durch Andeutungen: Die Kampagne des Guardian gegen Julian Assange bricht alle Regeln" dokumentiert wurde.

 

Ein Blick darauf, wie schmierige Journalisten vom Guardian Assange ein 'Rassia-Gate' anhängen wollen https://www.thecanary.co/global/world-analysis/2018/12/20/guilty-by-innuendo-the-guardian-campaign-against-julian-assange-that-breaks-all-the-rules/

 

Man kann also erkennen, wie lächerlich es für ein Blatt wie den Guardian ist, jetzt zu versuchen, seine Hände von Assanges Notlage mit einer selbstgerechten Verurteilung durch die Redaktionsleitung wegen des Auslieferungsantrags der Trump-Administration reinzuwaschen. Dieses Blatt hat aktiv und energisch den Weg in jene Situation geebnet, in der Assange sich nun durch die Herstellung einer Zustimmung für eine Agenda befindet, die die Öffentlichkeit sonst für entsetzlich und heftig anstößig gehalten hätte. Die Redakteure des Guardian können nicht so tun, als wären sie in irgendeiner Weise von dem getrennt, was mit Assange geschieht. Sie haben das erzeugt, was mit Assange gemacht wird.

Diese Entwicklung kann man oft bei Blättern, Organisationen und Einzelpersonen sehen, die sich als liberal und fortschrittlich geben oder in irgendeiner Weise gegen den Autoritarismus. Sie propagieren gerne Propagandadarstellungen gegen Regierungen und Einzelpersonen, die von etablierten Machtstrukturen angegriffen werden, sei es Saddam Hussein, Gaddafi, Assad, Maduro, Morales, Assange oder wen auch immer. Aber wenn es an der Zeit ist, dass dieses Establishment die bösen Pläne, auf die man gedrängt hat, tatsächlich umsetzt, dann waschen sie sich die Hände rein und bejammern das Geschehen, so als ob sie es immer abgelehnt hätten.

Aber sie haben sich dem nicht widersetzt. Sie haben es aktiv unterstützt. Wenn man dabei mithilft, die Verleumdungen und die Propaganda gegen ein Opfer des Imperiums zu fördern, dann ist man genauso schuldig für das, was mit diesem Opfer passiert, wie das Imperium selbst. Weil man aktiv daran mitgewirkt hat, es zu verwirklichen.

Der Einsatz einer Bombe oder Rakete beginnt nicht, wenn ein Pilot einen Knopf drückt, sondern wenn Propagandadarstellungen, die zur Förderung dieser Operationen verwendet werden, in der Öffentlichkeit zirkulieren. Wenn man hilft, Kriegspropaganda zu verbreiten, ist man genauso mitschuldig wie derjenige, der den Knopf drückt. Die Inhaftierung eines Journalisten wegen der Aufdeckung von US-Kriegsverbrechen beginnt nicht erst, wenn die Trump-Administration ihn an Amerika ausliefert. Sie beginnt, wenn propagandistische Verleumdungskampagnen beginnen, die die öffentliche Opposition gegen seine Inhaftierung abwürgen. Wenn man mitgeholfen hat, diese Hetzkampagne zu fördern, ist man genauso verantwortlich für das, was mit ihm passiert, wie die Schlägertruppe im Justizministerium von Trump.

 

Großartige Rede von Daniel McAdams vom @RonPaulInstitute mit dem Titel: „Wie man kein CIA-Propagandist ist“, über die Wichtigkeit, niemals Propaganda-Narrative gegen Regierungen zu fördern, die für einen Regimewechsel auserkoren sind. Selbst wenn man mit deren Ideologie nicht übereinstimmt.

 

Bevor sie Raketen starten, starten sie Narrative. Bevor sie Bomben werfen, lassen sie Meinungen regnen. Bevor sie einmarschieren, propagieren sie. Vor dem Töten kommt die Manipulation. Die narrative Kontrolle ist die vorderste Front aller imperialistischen Agenden, und sie ist daher die vorderste Front aller antiimperialistischen Bemühungen. Wenn man sich diesen Tagesordnungen entschieden widersetzt, so ist das wichtig, denn man hält die Öffentlichkeit davon ab, so propagiert zu werden, dass man ihnen zustimmt. Wenn man diese Agenden aktiv unterstützt, so spielt das eine Rolle, denn man bereitet ihnen aktiv den Weg.

 

Zu behaupten, man sei gegen eine imperialistische Agenda und gleichzeitig dazu beizutragen, ihre Propaganda- und Schmierenkampagnen in irgendeiner Weise voranzutreiben, das ist eine unsinnige und widersprüchliche Position. Man kann den Imperialismus nicht fördern und gleichzeitig behaupten, sich ihm zu widersetzen.

 

Sie arbeiten so hart daran, unsere Zustimmung herzustellen, weil sie diese Zustimmung brauchen. Wenn sie ohne die Zustimmung der Regierten arbeiten, wird die Öffentlichkeit schnell das Vertrauen in ihre Institutionen verlieren, und an diesem Punkt beginnt die Revolution zu brodeln. Also gebt ihnen nicht eure Zustimmung. Und tut um Gottes willen nichts, was dabei hilft, es bei anderen herzustellen.

 

Worte sind wichtig. Geht verantwortungsbewusst mit ihnen um.

 

 

*

 

Danke fürs Lesen!

 

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Kommentare: 3
  • #3

    lex (Dienstag, 26 November 2019 23:05)

    @pseudofreie Gedanken: wer Netayahus Gelaber als Quelle nutzt ist vermutlich nicht sehr frei. Was der Mann gut kann ist Frauen und Kinder umzubringen und lügen.
    Und Assange ist bei der Bevölkerung Märtyrer? Merkt man nicht viel von.

  • #2

    FritztheCat (Dienstag, 26 November 2019 14:04)

    @ freie Gedanken:
    Könnten Sie bitte für so irre Behauptungen ("hatte Israel sehr geholfen") einen Beleg liefern? Wenn nicht, dann werde ich Ihren Käse löschen!

  • #1

    freie Gedanken (Dienstag, 26 November 2019 13:59)

    Tja so baut man eben einen Wistleblower auf, damit er richtig glaubwürdig erscheint. Wer weiß denn, ob er wirklich gefoltert wurde, oder in unbequemen Verhältnissen lebte? Mir war seit langem klar, dass die Medien umschwenken würden, wenn die Masse ihn als einen lebenden Märtyrer ansieht. Und nun ist es soweit. Der Mann hat nichts geliefert was dem System wirklich geschadet hätte. Im Gegenteil, er hatte Israel sehr geholfen, was Netanjahu sogar selbst bestätigt hatte.