https://steemit.com/propaganda/@caitlinjohnstone/how-humanity-could-become-impossible-to-propagandize

 

Wie es unmöglich werden würde, die Menschheit zu propagandisieren

 

von Caitlin Johnstone, 05.06.2018

 

 

Ich habe viel dazu geschrieben, dass die Fähigkeit zur Kontrolle des öffentlichen Narrativs die einzige echte Macht auf der Welt ist, und wie das Bedürfnis der herrschenden Eliten zur Ausübung dieser Macht alles erklärt. Von der geheuchelten Panik über „russische Propaganda“ und der bizarren Redaktionspolitik von Wikipedia bis zu der Frage, warum Joy Reid immer noch ihren Job hat.

 

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Meiner Meinung nach ist es unmöglich, die Auswirkungen zu überschätzen, die dieses Narrativ und die unzähligen Vorhaben zu dessen Kontrolle auf das menschliche Leben haben. Ja, wenn eine kritische Masse an Personen ein ausreichend tiefes Verständnis von der Natur dieses geistigen Narrativs besitzen würden, dann könnten alle Herausforderungen an unsere Spezies leicht gelöst werden.

 

Eine Suche nach dem Wort „Narrativ“ ergibt auf der Webseite von WikiLeaks zehntausende Treffer. Das liegt daran, dass den Manipulatoren, die für jene Institutionen arbeiten, aus denen Dokumente an diese Organisation geleakt wurden, sehr wohl bewusst ist, dass die tatsächlichen Rohinformationen über eine Regierung, über eine politische Kampagne, ein Ereignis usw. weit weniger Einfluss auf das Denken der Öffentlichkeit haben als die glitzernden, vereinfachten, getwitterten Geschichten (Narrative), die über diese Dinge in großem Umfang in Umlauf gebracht werden.

 

Fragt man zum Beispiel einen amerikanischen Polit-Experten zu den Verhandlungen des Präsidenten mit Nordkorea, dann bekommt man wahrscheinlich zu hören, dass der Präsident entweder ein brillanter Stratege ist, der nahezu eigenhändig Frieden auf die koreanische Halbinsel bringt, oder dass er ein inkompetenter Knallkopf ist, der sich von Pyongyang „ausspielen“ lässt. Je nachdem, auf welcher Seite der Parteilinie sich der Experte befindet. Beide Seiten haben Zugang zu den gleichen Informationen, aber sie verbreiten darüber total unterschiedliche Narrative, denn jede Seite hat ihre Agenda, von der sie wissen, dass sie sich durchsetzt, wenn ihr Narrativ dominant wird. In Wahrheit hat keines der Narrative viel damit zu tun, was tatsächlich bei den koreanischen Verhandlungen passiert. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

Das Narrativ beherrscht unsere heutige Welt, von den einfachsten Vorstellungen über uns selbst bis zum Verhalten von Ländern und Regierungen. Jetzt gerade ist deine direkte Erfahrung mit dem Leben wenig mehr als das Ein- und Ausatmen, deine Augenbewegungen von links nach rechts über diesen Text und vielleicht das Gefühl deines Hinterns auf einem Stuhl oder einem Sofa. Ohne ein weiteres Narrativ sind das im Moment deine einzigen Erlebnisse. Nimm ein weiteres geistiges Narrativ dazu, und plötzlich bist du eine bestimmte Person mit einem bestimmten Namen und einer bestimmten Story, die sich womöglich Gedanken macht über die Zukunft oder etwas in der Vergangenheit bereut, mit allen möglichen Wünschen, Zielen, Ängsten und Abneigungen. Soweit es deine aktuelle Erfahrung betrifft, ist all dieses Zeug rein mentales Geräusch. Nichts als ein Narrativ.

 

Dasselbe gilt für Dinge wie Macht, Geld und Regierung. Es gibt nichts, was in den Elektronen des Universums eingepflanzt ist, das besagt, dass die Welt hauptsächlich von ein paar Milliardären und ihren Lakaien regiert werden muss. Nur die erfundenen Regeln darüber, wie Macht, Geld und Regierung funktionieren, verursachen, dass das so ist. Und genauso, dass wir alle kollektiv übereinstimmen und so tun als müsse das so sein. Das sind alles geistige Konstrukte, die sich Menschen ausgedacht haben, und daher können wir das jederzeit ändern wenn wir nur wollen. Das ist der Grund, warum sich die Plutokraten so sehr bemühen um sicherzustellen, dass wir das nicht wollen.

 

Das Narrativ bestimmt unsere Gesellschaft allumfassend. Das bedeutet, dass jemand nur das Narrativ kontrollieren muss, um die Gesellschaft zu kontrollieren. Wenn Menschen krank, hungrig oder arm sind, dann muss man ihnen keine Medizin, Nahrung oder Geld geben; man gibt ihnen stattdessen einfach ein Narrativ. Wenn man sie von der Vorstellung überzeugt, dass die Versuche zur Korrektur dieser Probleme mittels wirtschaftlicher Gerechtigkeit von allen hart arbeitenden Amerikanern abgelehnt und vermieden werden sollten, dann kann man sie auch dazu bringen, die Plutokratie zu verteidigen und ihre eigene Armut zu befürworten – ohne ihnen etwas zu geben. In einer Gesellschaft, in der Macht relativ ist und wo Geld gleich Macht ist, sind die Reichen notwendigerweise motiviert, alle anderen arm zu halten, um die Macht zu behalten. Daher ist der Einsatz narrativer Kontrolle zur Befriedung der Massen eine übliche und nützliche Taktik.

 

Ich betrachte die Menschheit und sehe eine Spezies, die sich in einer heiklen Übergangsphase befindet. Ähnlich den Vorfahren der Vögel, bevor sie diese ganze Sache mit dem Fliegen richtig hinbekommen haben. Wir haben diese riesigen Gehirne entwickelt, die uns das Vermögen zu abstraktem Denken beschert haben. Die uns ermöglicht haben, andere konkurrierende Organismen zu überleben und zu verdrängen. Aber wir sind noch nicht zu einer reifen Beziehung mit dieser neu erfundenen Fähigkeit gekommen. Das menschliche Gehirn kann jemanden so verrückt machen, dass er es sich mit einer Schusswaffe selbst aus dem Schädel pusten kann, mit einer Waffe, die wir unter Verwendung eben jener Fähigkeit zu abstraktem Denken erfunden haben.

 

Die Menschen haben – einfach gesagt – eine ungesunde Beziehung zum Narrativ. Wer je einen Moment geistiger Stille erfahren hat, der weiß, wie friedlich und angenehm diese Erfahrung ist. Das ist natürlich und harmonisch. Erst wenn man das geglaubte mentale Geplapper hinzufügt, dann leiden wir, hassen wir, bekämpfen uns gegenseitig und können durch die Narrative manipuliert werden, die von den plutokratischen Medien in unsere mentalen Prozesse eingeimpft werden.

 

Im menschlichen Organismus ist nichts angelegt, was das Leiden natürlich oder notwendig machen würde; es sind nur die geplapperten, geglaubten Narrative in unseren Köpfen, die Leiden erzeugen. Das Gleiche gilt für unsere Anfälligkeit für die Manipulation der Massenmedien.

 

Wir werden in ein paar Jahrzehnten als Spezies nicht mehr existieren, wenn wir keinen Weg finden, uns aus der Manipulation in den Krieg und die Umweltzerstörung zu lösen, die von plutokratischen Soziopathen betrieben wird, die über uns herrschen, indem sie den Einfluss der Geldes und die Propaganda der Massenmedien benutzen. Wenn auf der anderen Seite der massiven Veränderungen, auf die wir unvermeidlich auf die eine oder andere Weise zustreben, eine Menschheit existiert, dann wird es eine Menschheit sein, die sich auf eine gesunde Beziehung zum mentalen Narrativ zubewegt hat. Das aufgewühlte, jammernde und mentale Geräusch um das Ich und die Welt, um das was vor sich geht und wie jeder sein sollte, das wird seinen dominierenden Platz in der menschlichen Gesellschaft verloren haben. Wir werden einen Weg gefunden haben, uns so auf das Leben zu beziehen wie es ist, und nicht mehr durch die Filter des Narrativs.

 

Was ist Erkenntnis (Adyashanti)“ Video auf Englisch 2:49

 

Gedanken über den gegenwärtigen Wandel im menschlichen Bewusstsein, Jac O'Keeffe“

 

Adyashanti: Der bevorstehende Wendepunkt der Menschheit“

 

Dazu sind wir absolut in der Lage. Seit Tausenden von Jahren haben Mystiker und Philosophen auf der ganzen Welt auf eine andere Art des Funktionierens hingewiesen, in die ein Mensch schlüpfen kann, eine, die nicht in eine eingebildete „Ich“-Erzählung (auch das Ego genannt) eingewickelt ist oder von zwanghaften Geistesangewohnheiten dominiert wird. Diese andere Art des Funktionierens wurde unabhängig in isolierten und ohne Beziehung zueinander stehenden geistigen und philosophischen Traditionen entwickelt, denn es handelt sich um ein Potential, zu dem die ganze Menschheit Zugang hat.

 

Dieser Wandel ist allgemein als spirituelle Erleuchtung bekannt. Und Menschen, die das seit vielen Jahren lehren, sagen, dass es immer bekannter wird. Lehrer wie Eckhart Tolle, Adyashanti und Jac O'Keeffe sagen alle, etwas habe sich in ihrem Studienumfeld verändert und es falle Individuen jetzt leichter, aus dem gewohnten egoistischen Bewusstsein aufzuwachen. Spontane Verschiebungen werden so alltäglich, dass Lehrer wie Tony Parsons jetzt ihren gesamten Lehrstoff auf die Möglichkeit ausrichten, wie man aus seinem alten Bezugsrahmen ausbrechen kann, ohne überhaupt an spirituellen Praktiken teilzunehmen.

 

Und warum geschieht das? Warum haben wir anscheinend einen eingebauten Ausschalter für eben jene Probleme, die uns als Spezies plagen, und warum scheint es für Menschen immer leichter zu werden, diesen auszuschalten? Es ist natürlich möglich, dass spirituelle Erleuchtung nur eine zufällige Marotte der menschlichen Neurologie ist, und es ist möglich, dass langjährige Trainer für Erleuchtung lügen oder sich irren, dass der Weg für Menschen in den letzten Jahren einfacher geworden ist und dass wir tatsächlich nur eine weitere Spezies sind, die den Weg der Dinosaurier ohne Ausweg nimmt. Aber ich halte es wirklich für faszinierend, dass unserer Versklavung durch das geistige Narrativ jene Sache ist, mit der man uns in eine Zustimmung für Krieg, Oligarchie und Umweltzerstörung manipuliert. Und jetzt da es eng wird, scheinen die Menschen auf einen Wandel zuzusteuern, der uns aus dieser Versklavung befreien würde.

 

Eine Menschheit, die spontan aus diesem alten geistigen Narrativ ausbrechen würde, wäre mit Propaganda nicht mehr effektiv zu manipulieren. Verdammt, wenn die Oligarchen auch daraus ausbrechen würden, dann würden sie es wahrscheinlich nicht einmal mehr versuchen und wären plötzlich mit dem zufrieden was sie haben, wenn endlich das Leben zu Wort kommt. Wie auch immer, ich denke, das ist eine Möglichkeit, die es wert ist, darüber nachzudenken. Und sogar zu erkunden, wenn ihr interessiert seid.

 

Kommentare: 2
  • #2

    lex (Samstag, 09 Juni 2018 08:40)

    An fritz: vielen dank für deine Übersetzungen. Kann man nicht oft genug sagen.
    Und an Propaganda: der Hintergrund Artikel ist sehr lesenswert.

  • #1

    Propapanda (Freitag, 08 Juni 2018 17:49)

    "Eine Menschheit, die spontan aus diesem alten geistigen Narrativ ausbrechen würde," - würde sich nur einem anderen neuen Narrativ ergeben. Das allerdings, muss nicht unbedingt Schlimmer als das vorrausgegangene Narrativ sein.

    "Das Denken der Antike kreiste um den metaphysischen Begriff des Kosmos. In der Antike wurde dementsprechend eine Aussage als wahr anerkannt, wenn gezeigt werden konnte, dass sie in einer feststehenden kosmologischen Ordnung verankert war. Mit dem Anbruch des Mittelalters verlor die Vorstellung einer kosmologischen Ordnung diese wahrheitsstiftende Funktion. Fortan wurde Wahrheit mit der Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift gleichgesetzt und auf sie zurückgeführt. Wahrheit war eng verknüpft mit der Idee Gottes, der zwar Schöpfer der Welt war, doch dieser zugleich auch gegenüber stand und somit einen Transzendenzbezug der Welt gegenüber verkörperte. Mit dem Anbruch der Neuzeit kommt es zu einer erneuten Umwälzung. Nicht mehr eine kosmologische Ordnung wie in der Antike noch die Idee einer Offenbarung Gottes, die das Mittelalter bestimmte, sondern die menschliche Subjektivität wird zum Anker und Bezugspunkt der Frage nach der Wahrheit."
    https://www.hintergrund.de/politik/welt/vom-sturm-auf-die-bastille-bis/ (Pkt. Ein Grundwiderspruch der neuzeitlichen Ideengeschichte)