https://caitlinjohnstone.com/2018/09/08/trump-minus-narrative-equals-bushbama/

 

Trump minus Narrativ ist gleich Bushbama

 

von Caitlin Johnstone, 08.09.2018

 

 

Barack Obama machte heute Schlagzeilen. In einer Rede an der University of Illinois redete Obama über eine "Politik der Angst", die von seinem Nachfolger betrieben wird, und kritisierte eine unzureichende Verurteilung der "Nazi-Sympathisanten" durch die derzeitige Regierung.

"Wie schwer kann das sein?" fragte der ehemalige Präsident. "Zu sagen, dass Nazis schlecht sind?"

Auch in den Nachrichten – und das hat weit weniger Aufmerksamkeit erregt als das funkelnde Spektakel des fauxgressiven (falsch-progressiven) Jesus, der mit dem Finger vor dem Orangenen Hitler warnt, weil der zu nett zu den Nazis sei – war ein Bericht der Washington Post (öffnen Sie ihn in einem privaten Browser, um die Paywall zu umgehen), dass die Trump-Administration eine vollständige 180-Grad-Kehre zu ihrer früheren Position in Syrien vollzogen hat. Und bevor Ihr über mich herzieht, weil ich an anonyme Berichte einer Establishment-Klitsche glaube, die völlig im Besitz eines CIA-Vertragspartners ist: Das ist hier nicht der Fall: die Quellen sind ältere Beamte des Außenministeriums, die im Artikel genannt werden.

Nach Angaben von James Jeffrey und Joel Rayburn vom Außenministerium hat die Trump-Regierung nun ihr bisheriges Ziel aufgegeben, sich so schnell wie möglich aus Syrien zurückzuziehen. Die Bedingungen für die Beendigung der illegalen Besetzung einer souveränen Nation durch das US-Militär beinhalten nun den Berichten zufolge "den Abzug aller iranischen Militär- und Stellvertreterkräfte aus Syrien und die Bildung einer stabilen, für alle Syrer und die internationale Gemeinschaft akzeptablen, nicht bedrohlichen Regierung". Anders ausgedrückt: die Besetzung auf unbestimmte Zeit wird andauern wird und ein Regimewechsel liegt wieder auf dem Tisch.

 

 

Zwanzig Absätze weiter kommt in dem Bericht noch etwas Beunruhigendes. Während die Trump-Administration davor gewarnt hat, dass es harte Folgen für den Einsatz von Chemiewaffen geben wird, werden die Vereinigten Staaten jetzt offenbar keinerlei Angriffe der syrischen Regierung auf die terroristischen Milizen in der Provinz Idlib zulassen. Kein Angriff auf die Terroristen, Punkt.

"Wir haben begonnen, eine neue Sprache zu verwenden", sagte Jeffrey und bezog sich auf frühere Warnungen vor dem Einsatz von Chemiewaffen. Jetzt, sagte er, werden die Vereinigten Staaten "einen Angriff" nicht tolerieren. Punkt."

"Jede Offensive wird von uns als rücksichtslose Eskalation zurückgewiesen", sagte er. "Dazu kommt, wenn Sie chemische Waffen einsetzen, Flüchtlingsströme schaffen oder unschuldige Zivilisten angreifen", dann werden "die Folgen davon sein, dass wir unsere Position ändern und alle unsere Instrumente einsetzen werden, um deutlich zu machen, dass wir Wege finden müssen, unsere Ziele zu erreichen, die weniger vom guten Willen der Russen abhängig sind".


Somit haben wir Regierungsbeamte von Trump, die sagen, dass jene extremistischen Fraktionen, die von den USA und ihren Verbündeten während der Obama-Administration bewaffnet und unterstützt wurden, völlig tabu sind, und dass die militärische Besetzung Syriens so lange andauern wird, bis Syriens Verbündete aus dem Nahen Osten das Land verlassen haben und die syrische Regierung beginnt, auf die Kommandos Amerikas zu hören.

Vielleicht twittert Trump deshalb nicht den ganzen Tag „Nazis sind schlecht“, weil die Propagandisten des Establishments sonst das Narrativ verlieren würden, dass sein Unterdrücken von „Nazis sind schlecht“ das Schlimmste ist, was dieser Präsident tun kann. Wenn Trump damit anfangen würde, jedes Mal vor einer Kamera darüber zu reden, wie schlecht Nazis sind, dann könnten die Menschen damit aufhören, ihn den Orangenen Hitler zu nennen und langsam bemerken, dass er eigentlich ein Orangener Obama ist.

 

Jener George Bush, an den ihr euch nicht mehr erinnern könnt

 

Die Mainstream-Demokraten und -Republikaner (ich bin versucht, sie der Einfachheit halber "die John McCain Partei" zu nennen) haben unter einer zunehmend bizarren Form des Gedächtnisverlusts über George W. Bush gelitten und dabei den drakonischen, orwellisch blutigen Anstrich seiner Präsidentschaft völlig vergessen und ihn als einen knuffig tapsigen alten Mann präsentiert, der netten Damen Süßigkeiten gibt. Aber auch Menschen, die sich daran erinnern, was für ein blutrünstiges Monster dieser Mensch ist, neigen dazu, zu vergessen, dass er sich tatsächlich für eine "bescheidene Außenpolitik" eingesetzt hat, um (wenn auch auf schräge Art) gewählt zu werden.

Im Jahr 2008 wurde Bush von Obama abgelöst, der gegen die Kriegstreiberei seines Vorgängers gekämpft und sich verpflichtet hatte, die Unordnung zu beseitigen, die Bush im Irak und in Afghanistan angerichtet hatte. Stattdessen setzte er Bushs neokonservative Kriegspläne fort und erweiterte sie drastisch, und er erweiterte dessen Orwellsches Überwachungsprogramm,. Gleichzeitig führte er eine beispiellose Verfolgung von Whistleblowern ein. Und jetzt setzt Trump, der jahrelang gegen Obamas interventionistische Außenpolitik gewettert und seinen syrischen Interventionismus hart angegriffen hat, die Außenpolitik Obamas fort und bereitet sich auf einen harten Angriff auf Syrien vor.

Hier gibt es ein Muster. Es ist nicht schwer zu sehen. Es stößt uns direkt mit der Nase darauf. Der einzige Grund, warum nicht mehr Menschen das erkennen, ist, dass es um US-Präsidenten so viel narrativen Wirbel gibt.

 

Wenn Sie sich die Massenmedien über Trump anhören, glauben Sie entweder, dass er ein Nazi-Agent des Kreml ist, der eine einzigartige und beispiellose Bedrohung für Amerika darstellt, oder ein populistischer Held, der für den einfachen Mann gegen den tiefen Staat kämpft, je nach deiner bevorzugten Echokammer. Aber wenn man die Erzählungen der Massenmedien stumm schaltet und sich nur a Basen nsieht, was ohne parteipolitische Filter passiert, sieht man Soldaten, Flugzeuge, und Kriegsschiffe, die weiter in andere Länder expandieren. Man sieht, dass immer mehr Geld, Ressourcen und Kreativität in die Kriegsmaschine gesteckt werden. Man sieht, dass eine plutokratische Klasse weiterhin das Verhalten der US-Regierung bestimmt. Du siehst, wie die gewöhnlichen Menschen weiter kämpfen, um über die Runden zu kommen. Man sieht eine zunehmend militarisierte Polizei, ein ständig wachsendes orwellsches Überwachungssystem, gefährliche und ständig wachsende Spannungen mit Russland, einen zunehmend hemmungslosen, Umwelt zerstörenden Kapitalismus, zunehmend unregulierte ausbeuterische Unternehmen und Banken.

Du siehst den gleichen Schwachsinn mit einer anderen Hautpigmentierung.

 

Caitlin Johnstone beim Ron Paul Institut

 

Ich weise darauf hin, nicht weil ich möchte, dass die Menschen die Hoffnung verlieren, sondern genau das Gegenteil. Es kann herzzerreißend sein, zuzusehen, wie wir trotz hoffnungsvoller Gewinne im politischen Bereich ständig in Richtung Katastrophe und Dystopie stürmen, aber das geschieht nicht, weil die Situation hoffnungslos ist, sondern weil wir in die falsche Richtung geschaut haben. Man kann ein Machtzentrum nicht überstimmen, das das gesamte politische und staatliche System mit Allianzen, Wahlkampffinanzierung, Unternehmens-Lobbying und Massenmedien-Propaganda blockiert. Aber das bedeutet nicht, dass man es nicht bekämpfen kann. Es bedeutet nur, dass man sie nicht unter ihren Bedingungen mit ihren Werkzeugen bekämpfen kann.

 

In Wirklichkeit wird die gesamte orwellsche Unterdrückungsmaschine, die uns auf dem gleichen Weg hält und gleichzeitig die Illusion von Wahl und Demokratie schafft, von den dünnsten Fäden zusammengehalten: Sie wird durch Narrative zusammengehalten. Was uns daran hindert, echte Veränderungen zu bewirken, ist der ständige narrative Spin, der um das Weltgeschehen herumgewickelt wird, der von den plutokratisch kontrollierten Medien, die die Art und Weise, wie die Gesellschaft denkt und stimmt, manipuliert wird. Das gesamte Imperium ist auf diesem einen dünnen Faden imaginärer Gedankenflocken aufgebaut.

 

Was wir tun können, was gegen die Propagandamatrix, in der wir gefangen sind, sehr, sehr effektiv wäre, ist eine bewusste, konzertierte Informationsrebellion an der Basis. Gegen die Propagandamaschine des Establishments, die das gesamte System an seinem Platz hält. Greift die Lügen und Manipulationen der etablierten Medien an allen Fronten mit so viel Kreativität wie möglich an, so dass Ihr das Vertrauen der Bevölkerung in die Unternehmenspropaganda, die sie tagtäglich einsaugen, schwächt. Sobald die Menschen erkennen, dass sie von unzuverlässigen Quellen manipuliert werden, werden sie viel schwieriger zu propagieren sein.

 

Ohne die Fähigkeit, die Art und Weise zu manipulieren, wie die Menschen denken und abstimmen und uns alle Tag für Tag die gleichen Hebel ziehen lassen, werden politische Lösungen möglich, und eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten eröffnet sich, die uns von der narrativen Matrix, die uns Scheuklappen angelegt hat, nie zugänglich gemacht worden wäre. Und dann hätten wir eine Chance, mit dem Tanzen des immer gleichen alten Tanzes aufzuhören, während die immer gleichen Drohnen des Imperiums mit verschiedenen Masken in und aus dem Büro latschen. Und da unser Verstand nicht mehr durch Täuschung gefangen gehalten wird, könnten wir endlich diesen kühnen, mutigen Sprung in das Unbekannte vollziehen.

 

Kommentare: 1
  • #1

    lex (Mittwoch, 12 September 2018 10:46)

    Toller Artikel. Danke.