https://www.zerohedge.com/markets/upside-stock-market-crash

 

Das Gute an einem Börsencrash

 

von Charles Hugh Smith, 23.08.2021

 

       Ein ausgetrockneter Wald voll mit trockenem Gestrüpp und totem Holz

      ist eine treffende Analogie.

 

 

Während ein Börsencrash, der sich über Monate oder Jahre hinzieht, in der Regel so willkommen ist wie ein Gang zur Guillotine im revolutionären Frankreich, so hat ein Crash auch seine guten Seiten. Zunächst einmal ist festzustellen, dass langwierige Börsencrashs das vorherrschende Ethos dieser Zeit verändert haben: von der wilden schuldenfinanzierten Spekulation auf langfristige Investitionen in produktive Vermögenswerte.

(Was auch immer das bedeutet...., niemand scheint zu wissen, was ein "produktiver Vermögenswert" überhaupt ist... vermutlich eine Call-Option auf eine Momentum Aktie, die in zwei Tagen abläuft....)

In einer Zeit, in der Zocker erwarten, dass sich 4.000 Dollar in ein paar Monaten durch wilde Spekulationen in 400.000 Dollar verwandeln, gibt es weder eine Rolle noch einen Anreiz für langfristige Investitionen. Eine Rendite von 10 % ist bei einem einzigen Handel an einem beliebigen Tag kaum akzeptabel. Die Vorstellung, dass man sein Geld in Aktien investiert, die (wenn alles gut geht) einen Gesamtgewinn von 10 % pro Jahr abwerfen könnten... das ist doch wohl ein Witz, oder? Zehn Prozent im Jahr?

Eine Anreizstruktur, die Spekulationen nicht mehr belohnt, wäre positiv für die Nation. Ein Markt, der nach unten driftet, jeden Käufer verarmt und jedem Spekulanten, ob groß oder klein, das Kapital entzieht, wäre äußerst vorteilhaft, da er die Erwartungen senkt und Wertmaßstäbe wiederherstellt, die jegliche Bedeutung verloren haben.

Im Großen und Ganzen schaffen Länder, die einen Teil ihrer Einnahmen sparen und diese Ersparnisse in Unternehmen investieren, die die Produktivität steigern, Wohlstand auf breiter Basis. Länder, die sich von Spekulationsblasen abhängig machen, um illusorische Gewinne aus Phantomkapital zu erzielen, stagnieren und brechen zusammen, sobald die Blasen platzen – was bei allen spekulativen, schuldenfinanzierten Blasen schließlich der Fall ist.

Ein Börsencrash, der nur für Monate oder Jahre nach unten rutscht, würde die Nation auch dazu zwingen, die zerbrochenen Sprossen auf der Leiter der Aufwärtsmobilität zu betrachten. So wie es jetzt aussieht, hat sich die Aufwärtsmobilität von „für fast alle“ auf „die Kinder der Wohlhabenden“ (d. h., eine Aristokratie) reduziert – oder auf einen darwinistischen Todesmarsch, bei dem ein Heer von Hoffnungsträgern die notwendige Grundqualifikation (ein College-BA oder B.S.-Diplom) erwirbt und dann die entsetzliche Zermürbung dieses darwinistischen Todesmarsches erfährt, während Hunderte von zahlungsunfähigen Promovierten eine Handvoll Stellen mit unbefristeten Verträgen anstreben und naive Absolventen von juristischen Fakultäten arbeiten bis zur Erschöpfung und werden dann als überqualifiziertes Abfallprodukt entsorgt.

 

Die einzige Leitersprosse, die bleibt, ist die vom Schuldensklaven zum Steueresel. Das bringt uns zu der verlockenden Aussicht, in erstaunlich kurzer Zeit durch Börsenspekulationen mit gehebelten Instrumenten wie Optionen und Terminkontrakten unglaublich reich zu werden.

Auf der einen Seite gibt es 40 oder sogar 50 Jahre, in denen man für den Boss schuften muss, um die monatlichen Raten für Studentendarlehen, einen Kredit für einen Pickup und, wenn man Glück hat, eine schwindelerregend hohe Hypothek zu bezahlen. Und auf der anderen Seite kann man 4.000 Dollar in 400.000 Dollar verwandeln und dem Boss sagen, dass er sich diesen Job sonst wo hinstecken kann.

Aus der Perspektive der Machtverhältnisse in einer kleptokratischen Wirtschaft, die sich als "Demokratie" (höhö) tarnt, ist die wahnsinnig riskante Spekulation mit Blasen

 

1) ein Ablassventil (hey, wenigstens gibt es noch einen Ausweg) für die sozialen Unruhen, wenn die Erkenntnis einsetzt, dass die gesamte Wirtschaft zugunsten der Milliardäre und der obersten 0,1 % manipuliert ist, und

 

2) ein Mittel, um die Menschen von der ausweglosen Realität eines wirtschaftlich-politischen Systems abzulenken, dass sich die Ungleichheit von Reichtum und Macht jedes Mal sprunghaft vergrößert, wenn die Federal Reserve mehr Geschwätz von sich gibt – was jeden Tag der Fall ist.

Nur wenige glauben, dass ein Absturz überhaupt möglich ist. Und ein Absturz, der nicht sofort auf neue Höchststände ansteigt, sobald die Fed noch mehr Kauderwelsch von sich gibt, ist unvorstellbar. Ein Absturz, der nicht nach oben prallt und stattdessen einfach weiter auf neue Tiefststände abrutscht, wird als weit weniger wahrscheinlich angesehen als die Landung von Marsmenschen.

Das ist natürlich ein Grund, warum es so wahrscheinlich ist. Wenn alle mitmachen, ist der Pool der größeren Narren nicht mehr groß genug, um eine Rallye zu unterstützen. Mit verschiedenen Tricks und Kniffen lässt sich die Blase zwar noch einige Wochen oder Monate aufblähen, doch irgendwann siegt die Schwerkraft und die Aktien beginnen zu sinken – oder anders ausgedrückt, sie steigen einfach nicht mehr.

Der andere Grund, warum Blasen unweigerlich platzen und Aktien jahrelang sinken, ist, dass Kleptokratien, extreme Ungleichheit und Spekulationswut allesamt systemisch instabil sind. Allen fehlt die grundlegende dynamische Stabilität, die für Nachhaltigkeit erforderlich ist.

Ein ausgetrockneter Wald mit trockenem Gestrüpp und totem Holz ist eine treffende Analogie. Wenn es keinen vom Menschen verursachten Funken gibt, werden zufällige Blitzeinschläge den Absturz auslösen, ohne dass der Mensch eingreifen muss. Die Zerstörung der spekulativen Schulden und des Glücksspiels wird die Wirtschaft von totem Holz befreien und ein erneutes Wachstum konstruktiver, langfristiger Investitionen zur Steigerung der Produktivität ermöglichen. Das ist ein Vorteil, den die US-Wirtschaft dringend braucht. Je eher die Spekulationsblase platzt, desto eher kann sich eine konstruktive Moral durchsetzen.