https://caitlinjohnstone.com/2019/09/08/universal-basic-income-automation-plutocracy-dystopia/

 

Bedingungsloses Grundeinkommen

+ Automatisierung

+ Plutokratie

= Dystopie

 

von Caitlin Johnstone, 08.09.2019

 

 

Die Amerikaner (Anm.d.Ü.: und nicht nur die) diskutieren die Möglichkeit eines universellen Grundeinkommens (UBI) ernster als je zuvor, vor allem aufgrund der überraschend populären Kampagne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Andrew Yang. Yang hat UBI zum zentralen Thema seines Wahlkampfs gemacht und eine "Freedom Dividend" versprochen, die von einer Mehrwertsteuer auf Unternehmen bezahlt werden soll, die jedem Amerikaner über 18 Jahren bedingungslose 1.000 Dollar pro Monat geben würde, um die drohende Krise der Automatisierung zu kompensieren, die die US-Jobs ersetzt.

 

"In den nächsten 12 Jahren läuft jeder dritte amerikanische Arbeiter Gefahr, seinen Arbeitsplatz durch neue Technologien zu verlieren – und im Gegensatz zu früheren Automatisierungswellen werden diesmal neue Arbeitsplätze nicht schnell genug und in ausreichender Zahl erscheinen, um das wieder auszugleichen", argumentiert Yangs Wahlkampfseite. "Um eine beispiellose Krise zu vermeiden, müssen wir eine neue Lösung finden, anders als alles, was wir bisher getan haben. Alles beginnt mit der Freiheitsdividende, einem universellen Grundeinkommen für alle amerikanischen Erwachsenen, ohne Auflagen – eine Grundlage, auf der eine stabile, wohlhabende und gerechte Gesellschaft aufgebaut werden kann."

 

Yang hat völlig Recht, dass die Automatisierung in naher Zukunft die Arbeitsplätze vieler Menschen ersetzen wird, und er hat völlig Recht, dass neue Lösungen, wie sie noch nie zuvor versucht wurden, notwendig sein werden, um dieses Problem anzugehen. Aber sein Plan, und in der Tat die allermeisten der veröffentlichten Pläne, die die Umsetzung eines universellen Grundeinkommens beinhalten, werden notwendigerweise zu einer repressiven oligarchischen Dystopie führen, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben.

 

Weißt du, wer neben Andrew Yang die Implementierung eines UBI unterstützt? Milliardäre. Viele Milliardäre, vor allem die neuen Tech-Milliardäre, die sich positionieren, um die Erde beim Übergang zu einem neuen Paradigma zu erben, das von Automatisierung und künstlicher Intelligenz dominiert wird. Milliardäre wie Jeff Bezos, Pierre Omidyar, Mark Zuckerberg, Jack Dorsey, Elon Musk, Richard Branson, Bill Gross, Tim Draper – und etwas gemäßigter Bill Gates – haben alle für eine Politik plädiert, die jetzt als eine Politik populär gemacht wird, die die wirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen einebnen und der Milliardärsklasse die Macht entziehen würde.

 

Warum sollte das so sein? Warum sollte eine Gruppe von Menschen, die sich zu Positionen immenser Vermögenskontrolle hochgekrallt haben, was ihnen ermöglicht, wie moderne Könige zu leben, so begierig darauf sein, diese Macht plötzlich abzugeben? Warum sollten sie mit dem Trend brechen und freiwillig und ohne zu kämpfen die Macht abgeben, um die sie gekämpft haben, ein Kampf, den wir seit Anbeginn der aufgezeichneten Geschichte bei den Herrschern immer wieder beobachten? Sind Milliardäre von Natur aus gute Menschen, die von Natur aus zu mitfühlendem Handeln und Umverteilung des Reichtums bereit sind? Haben wir uns die ganze Zeit geirrt, dass Jeff Bezos ein echter Superschurke sei?

 

Natürlich nicht. Diese immer mächtigere Klasse von neuen Geldtechnologieplutokraten drängt nicht darauf, Macht abzugeben, sie drängt darauf, sich noch mehr zu sichern. Wie Jimmy Stewarts Charakter in It's A Wonderful Life sagt: „Potter verkauft nicht, Potter kauft.

 

Ich spreche mich hier nicht gegen das generelle Prinzip eines universellen Grundeinkommens aus. Wenn die Menschheit lernen soll, auf eine gesunde Weise mit dem Ökosystem, in dem wir uns entwickelt haben, zusammenzuarbeiten, werden viel mehr von uns anfangen müssen, viel weniger zu tun. Wir werden aufhören müssen, Energie zu verbrauchen, was zu Jobs führt, die die Welt nicht braucht, um Mist zu produzieren, für den man werben müssen, um Menschen glauben zu machen, dass sie ihn brauchen,und dann Geld dafür ausgeben und den Mist dann auf die Müllhalde werfen. Das ist offensichtlich ein wahnsinniger Weg für eine immer technologisch fortschrittlichere Spezies, um weiterhin zu funktionieren, und auf die eine oder andere Weise werden wir bald anfangen müssen, wesentlich weniger zu tun.

 

Aber stellt euch sich vor, was mit einem System geschehen wird, wie es Yang und die Tech-Milliardäre vorschlagen. Stellt euch vor, was in einer Gesellschaft passieren wird, in der die Menschen nicht mehr notwendig sind und nichts mehr besitzen, was die Mächtigen brauchen. Stellt euch vor, was passieren wird, wenn Menschen von einem existentiellen Grundeinkommen abhängig werden, die von einer bereits von Plutokraten kontrollierten Regierung eingerichtet würde, um sie zu unterstützen, wenn Technologien, die sich im Besitz von Plutokraten befinden, ihre Arbeit völlig überflüssig machen. Stellt euch eine Welt vor, in der einige wenige, zunehmend konsolidierte Automatisierungsfirmen mehr und mehr von den Waren und Dienstleistungen produzieren, die einst von menschlicher Arbeit bereitgestellt wurden, und alle Steuern, die sie in die UBI einzahlen müssen, von einer Öffentlichkeit zurückfordern, die durch ihre Existenzminimumslöhne gezwungen ist, automatisierte Produkte und Dienstleistungen zu kaufen.

 

Das wäre eine totale oligarchische Kontrolle. Nicht das, was wir jetzt sehen; was wir jetzt sehen, ist keine totale oligarchische Kontrolle. Unsere aktuelle Situation verblasst im Vergleich dazu, wie schlimm es werden könnte.

 

Denkt darüber nach, was in dieser Situation passieren würde, wenn die Menschen entscheiden würden, dass sie vom bestehenden System nicht fair behandelt werden. Welche Möglichkeiten hätten sie? Sie können keinen Arbeitskampf organisieren, wenn sie keine Arbeit haben. Sie können nicht boykottieren, wenn alles vom gleichen korrupten System hergestellt wird. Massendemonstrationen und ziviler Ungehorsam würden von einer Machtstruktur unbemerkt bleiben, die von ihrer Bevölkerung nichts braucht. Gewalttätige Revolutionen wären ein nicht zu gewinnendes Spiel, da Sicherheitssysteme, die die Infrastruktur der Mächtigen schützen, ebenfalls automatisiert würden. Die Menschen würden aufhören, aktive Teilnehmer an ihrer Gesellschaft zu sein, und wären stattdessen nur den Launen der Oligarchen ausgeliefert, solange die Oligarchen sie für nicht zu unangenehm hielten, um sie in der Nähe zu halten.

 

Denn dann wären uns unsere letzten Verhandlungschips genommen worden.

 

Julian Assange über Künstliche Intelligenz und die Sozialen Medien, mit Zizek, MIA & Horvat:

 

Denkt daran, wie ein solches Paradigma mit den aktuellen populistischen Bewegungen, die wir heute in der Welt sehen, tanzen würde, wenn die Menschen über ihre ohnehin schon repressiven Lebensbedingungen verärgert sind. Die Linke wird weitaus endgültiger kastriert werden als durch das, was sich Regierungsbehörden jemals ausdenken konnten; die Arbeiter können sich nicht vereinen, wenn es keine Arbeiter gibt. Demonstrationen vom Typ Gelbwesten hätten keinen Einfluss auf eine Machtstruktur, die außerhalb ihrer Automatisierungskomplexe keine öffentliche Ordnung erfordert. Versuche, das Problem abzuwählen, werden von einem politischen System ausgelacht, das noch stärker von Oligarchen kontrolliert wird, als es eh schon ist.

 

Stellt euch nun vor, wie das ausgehen würde, wenn Sie die Art von narrativer Dominanz hinzufügen würden, die die fortgeschrittenen Programme der künstlichen Intelligenz zulassen würden, wie Julian Assange warnte, kurz bevor er zum Schweigen gebracht wurde. Wir sehen bereits, dass solche Programme von zwielichtigen Regierungsbehörden entwickelt werden, zusammen mit zunehmend orwellschen High-Tech-Überwachungssystemen.

 

Das ist es, was die Milliardäre anstreben. Das ist es, was Potter kauft.

 

Die Reichen und Mächtigen haben immer zwei Dinge gefürchtet: den Tod und die Öffentlichkeit. Weil diese beiden Dinge alles wegnehmen können, was sie gestohlen haben. Unsere derzeitigen Herrscher, die Milliardärklasse, arbeiten derzeit daran, das Geheimnis der Unsterblichkeit auf verschiedene unheimliche Weise zu erschließen, und sie arbeiten daran, das Problem der Öffentlichkeit in der von mir beschriebenen Weise anzugehen. Eines Tages hoffen Jeff Bezos und seine Art, die ersten Herrscher in der Geschichte zu werden, die ohne die Gefahr regieren können, alles an den Tod oder die Revolution zu verlieren.

 

Die Lösung besteht natürlich darin, dies aufzuhalten, bevor es passiert. Denn wenn man zulässt, dass dies geschieht wird, dann wird es viel zu spät sein, um etwas dagegen zu unternehmen. Die Menschen müssen aus der Propagandamatrix aufwachen und der Milliardärsklasse die Macht entziehen, und dazu gehört auch die Kontrolle über die Automatisierungstechnologien. Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind viel zu folgenreich, um von ein paar Milliardäre bestimmt zu werden, die nur Milliardäre sind, weil sie wie eine Maschine besser denken können als andere Menschen. Die Zukunft der Menschheit muss von der kollektiven Weisheit aller Menschen im Dienste der Menschheit geleitet werden, nicht von binär denkenden Tech-Zauberern im Dienste der Gewinnspannen der Konzerne.

 

Ein universelles Grundeinkommen könnte in einem ganz anderen System funktionieren, aber eines haben die beliebtesten UBI/Automatisierungsmodelle, die von der Milliardärklasse und von Andrew Yang gefördert werden, gemeinsam: Keiner von ihnen versucht, das System grundlegend zu verändern, welches es Plutokraten ermöglicht, immer mehr Macht und Kontrolle für sich selbst zu gewinnen. Sie alle versuchen, den Status quo zu erhalten und ihn weiter in die von Oligarchen dominierte Dystopie zu tauchen. Dies ist abzulehnen.

 

Dieser Artikel sagte ursprünglich, dass Yangs Plan ist, jedem Amerikaner zwischen 18 und 64 Jahren 1.000 Dollar zu geben, aber das ist ein älterer Plan von ihm. Yangs "Freiheitsdividende" gäbe es für jeden Amerikaner über 18 Jahre.

 

 

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Kommentare: 4
  • #4

    lex (Freitag, 13 September 2019 20:46)

    Eigentlich sagt einem das Gefühl, dass es eine tolle Sache ist einfach so Geld zu bekommen ohne irgendeine Arbeit machen zu müssen. Ich gehe schwer davon aus, dass die meisten Putzkrafte lieber zu Hause bleiben würden.
    Aber wozu sollten diejenigen, die sonst nur damit beschäftigt sind, den Menschen für noch mehr Arbeit noch weniger gekdczu geben, damit einverstanden sein. Da muss einfach ein Haken sein. Wieso bezahlen die nichtveinfach mehr Steuern und bitten die Staaten die Sozialsysteme wieder aufzubauen und die Arbeitslosen nicht weiter zu drangsalieren?

  • #3

    Jemand (Dienstag, 10 September 2019 20:28)

    Die Automatisierung kommt ohnehin. Daran ist nicht das bedingungslose Grundeinkommen schuld. Sondern es ist eine positive Antwort darauf welches Zahlreiche Schwächen unseres bestehenden Sozialsystems behebt, wie Bürokratie, Zwangstermiene, Sanktionen, Abhängigkeit, Freiheitseinschränkungen, Abzüge bei Zuverdienst, Gerichtsverfahren, Bedürftigkeitsprüfung, ............

    Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen können sich die Menschen selbst verwirklichen. So könnte es endlich wirklich ALLEN Menschen gut gehen.

    Sollte sich dagegen das Ettikettenschwindel Modell des "solidarischen Grundeinkommen" durchsetzen, wären Menschen darauf angewiesen aus einer Begrenzten Anzahl an staatlichen erfundenen Unsinns Jobs auszuwählen welche weder zu einem passen noch erfüllend sind. Für wen da kein Job dabei ist, der ist dem Staat dann weitestgehend egal. Das wäre die wahre Horrorvision.

    Deshalb lasst und hoffen dass sich das echte bedingungslose Grundeinkommen durchsetzt.

  • #2

    michel o. neland (Dienstag, 10 September 2019 17:22)

    Dystopia haben Hellywood & Co. hinreichend thematisiert. Beginnend mit Mad Max, dann 19 84, Fahrenheit 415, Demolitian Man, Enemy of the State, Total Recall, Spygames, Equilibrum, The 6th day,
    Blade Runner, Idiocracy, Elysium, Matrix, Ex machina u.v.a. Dazu als Vorläufer die Bondserie, wo US und SU erst gegeneinander, dann jedes Mal vereint eine dritte die Weltherrschaft ergreifenwollende ,,Supermacht" niederringen. Bond damals im Vergleich zu heute natürlich Kinderfernsehen.

  • #1

    morbus ignorantia (Montag, 09 September 2019 10:49)

    Meinung!

    Mit Verlaub das sind einige (oberflächliche) Fehlinterpretationen!
    Erstens das GELD, welches aus sogernannter Arbeit stammt und die „Menschen“ heute in genau der abhängigen Situation hält die dem Einzelnem die „Reise nach Jerusalem“ (Es sind immer zu wenig Stühle da, also Ellbogen raus und wo es geht immer schön nach unten treten) am Leben hält wird wo erzeugt?
    Woher stammt das Geld denn? Von denjenigen die es herausgeben, denken wir!
    Das sind diejenigen, welche heute privat die BIZ, EZB, FED, Weltbank .... mithilfe ihrer Lakaien, besitzen und steuern!
    Privatleute Von -privare- (Latain Wortherkunft = berauben)
    Wer beraubte hier wen?

    Insofern ist es egal ob man für die wertlosen GELDscheine oder die Computernullen arbeiten geht oder lieber nicht.
    Heute ist es schwieriger nicht an dem System teilzunehmen, als irgendwo nur seinen „Job“ stupide abzuarbeiten um sich dann nach Dienstschluss so zu verhalten als ob man Jemand ganz anderes zu sein SCHEINt.
    Das Problem ist, daß die Masse nicht aufwachen kann da sie in der „sozialen Matrix“ genau das vorfindet was um sie herum geschieht: Wettbewerb, Betrug, Ausbeutung, Dumping....!

    Jemand mit normaler Indoktrination eventuell mit Verpflichtungen kommt da nicht heraus, wenn doch sitzt er wahrscheinlich irgendwo beim Psychiater auf der Couch.

    Also künstlich erzeugter Mangel, solange das Spiel so weitergeführt wird ist es völlig egal was in der Matrix unternommen wird um im System was zu ändern.
    Solange die Mensch(heit) nicht versteht wer sie ist, was sie überhaupt ist und/oder ob sie überhaupt ist, solange wird diese Matrix weitergeführt. Bei Versagen wird sie einfach neu gestartet.

    Was hat das mit einem „Bedingungslosem Grundeinkommen“ zu tun?
    Solange nicht verstanden wird das JEDER hier von seinem Schöpfer (Creator) alles was nötig ist vor der Ankunft genehmigt und für die Dauer des Aufenthaltes bereit gestellt wurde, solange muß die Menschheit weiter sich in Wettbewerb um die krankhaftesten NEUEN Ideen, welche noch ein bißchen verrückter erscheinen als der jetzige Zustand, messen.
    Bis zur Bereinigung der Bilanzen in Form von Krieg!

    „Es gibt nicht neues unter der Sonne“

    Und warum schreibe ich das jetzt?
    Während ich Das schreibe, analysiert die KI, das Netz, CNN, die sogenannte „soziale Matrix“ (soziale Medien) jedes einzelne Wort, den Zusammenhang, deren Bedeutung runter gebrochen bis auf das kleinste Elektron im System und zieht seine Schlüsse daraus um es in seine Planung und Steuerung einzuarbeiten.

    Was übrig bleibt werden wir sehen wenn die Simulation zusammenbricht, bis dahin ein frohes sinnvolles Schaffen.