https://journal-neo.org/2018/07/26/11-million-reasons-for-wall-street-london-to-hate-russia/

 

Die Wall Street und London haben 11 Millionen Gründe, Russland zu hassen

 

von Caleb Maupin, 26.07.2018

 

 

Warum haben die US-Medien so eine antirussische Fixierung? Das ist nicht das, was das amerikanische Volk hören will. 71% der Ronald Reagan-liebenden, militärisch besessenen Republikanischen Partei befürworten das Treffen Trumps mit Putin. Auf der anderen Seite hat der liberale Top CNN-Kommentator und ehemalige Berater von Präsident Obama, Van Jones, in einer Videoaufnahme zugegeben, dass die „Russiagate“-Story ein „großer Nothing-Burger“ ist, an dem auch die Demokraten nicht interessiert sind. Das auf Russland fixierte liberale Establishment um Hillary Clinton und das DNC hat es jetzt mit einem Aufstand einer Opposition aus demokratischen Sozialisten zu tun, wie etwa Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders, die die Notwendigkeit populistischer Wirtschaftsreformen betonen.

 

Die Konservativen wollen das nicht hören. Die Liberalen wollen es nicht hören. Russland zu hassen ist einfach kein Zugpferd, auf das das US-Publikum aufspringen will. Wenn man aber nach dem Helsinki-Gipfel das amerikanische Fernsehen einschaltet, dann sind die Rhetorik und die Anschuldigungen gegen die Russische Föderation fast endlos.

 

Wie Trump konnte auch Obama die Spannungen, die jetzt als „Neuer Kalter Krieg“ bezeichnet werden, nicht lösen. Vergessen wir nicht, dass Obama gewählt wurde, weil er sagte, er würde „mit Putin reden“. In den ersten Jahren seiner ersten Amtszeit sagte Obama, er wolle einen „Neustart“ der Beziehungen zu der eurasischen Supermacht und dafür wurde er von der Teaparty angegriffen. Das amerikanische Volk befürwortet bessere Beziehungen zu Russland, und die Politiker gewinnen Stimmen für dieses Versprechen, doch der gefährliche Weg geht weiter. Warum?

 

 

Eine neue Zeit auf den Energiemärkten

 

 

Eine Antwort findet man im Bereich der Wirtschaft. Am 18. Juli erreichte die Erdölförderung in den Vereinigten Staaten 11 Millionen Barrel pro Tag. Das ist so viel wie noch nie zuvor. Die Bohr- und Frackinganlagen pumpen mehr Öl aus dem Boden und dem Schiefer als je zuvor in der Geschichte der USA.

 

Das langjährige Streben nach „Energieunabhängigkeit“ ist erfüllt. Die USA sind nicht mehr auf Öl aus Übersee angewiesen. Ein neuer OPEC-Boykott wäre keine Katastrophe mehr wie noch 1973. Das langjährige Exportverbot für Erdöl wurde aufgehoben, und Rohöl aus dem amerikanischen Schiefer und Boden wird nun nach China und in andere Länder exportiert.

 

Inzwischen ist die Zeit der niedrigen Ölpreise, die 2014 begann, längst vorbei. Der Ölpreis klettert nach oben, im Mai hatte er über $80 pro Barrel erreicht und liegt jetzt bei rund $70. Bei hohen Preisen erzielen die Ölgesellschaften Gewinne.

 

Aber mit dem Energieboom wird auch ein anderes Wesen stärker. Die weltweit größte börsennotierte Ölgesellschaft ist nicht Chevron, BP, Exxon-Mobil oder Shell. Der größte börsennotierte Mineralölkonzern heißt Rosneft. Das ist ein staatlicher Superkonzern in Russland.

 

Rosneft ist neben Gazprom einer der beiden „nationalen Champions“, über die Wladimir Putin als Student schrieb. 1997 veröffentlichte Wladimir Putin als Doktorand seine Dissertation „Strategische Planung der Reproduktion der Ressourcenbasis“. Darin legt er dar, wie Russland, das nach dem Fall der Sowjetunion in Armut und massiven inneren Unruhen steckte, seine Stärke wieder herstellen können. Putin argumentiert, dass zwei gigantische Regierungskonzerne die natürlichen Ressourcen Russlands nutzen und das Land wirtschaftlich wieder stark machen könnten.

 

 

Russland: Ein Konkurrent für die Wall Street Monopolisten

 

 

Putins akademische Arbeit hat sich zu einer Realität entwickelt. Als Präsident nutzte Putin die Macht der Regierung und orientierte die Wirtschaft um diese zwei Superkonzerne. Als die Ölpreise während der Invasion des Irak und der Folgen durch die Decke schossen, hat die russische Regierung neue Einnahmen erzielt. Das Öl- und Gasgeld hat die industrielle Produktion wieder angekurbelt. Die Armut wurde drastisch reduziert und die Löhne vervielfacht. Die massive Krise der 90er Jahre wurde durch wirtschaftliche Planung gelöst. Russland ist heute ein Energieriese, der auf dem Weltmarkt im Wettbewerb mit der Wall Street und London verkauft.

 

Während Rekordmengen an Rohöl aus den Vereinigten Staaten gefördert werden, spricht das Weiße Trump-House von „Energie-Vorherrschaft“. Die USA sind auch der führende Erdgasproduzent, was auf die Erfindung und den weit verbreiteten Einsatz von hydraulischem Fracking zurückzuführen ist.

 

All dieses Öl und Gas ist für die westlichen Monopolisten wertlos, es sei denn, sie können es verkaufen. Jedes Fass Öl und jeder Kubikmeter Erdgas, das von Russland verkauft wird, ist ein Fass Erdöl und ein Kubikmeter Erdgas, das nicht von der Elite der Ölbanken an der Wall Street und in London verkauft wird. Russland ist ein Konkurrent auf den globalen Energiemärkten und verkauft zwei der wichtigsten Produkte der Weltwirtschaft.

 

Trump hat kürzlich wegen ihrer Erdgasgeschäfte mit Russland auf die Deutschen eingeprügelt. Die deutsche Öffentlichkeit findet die Idee absurd, Erdgas von der anderen Seite des Planeten zu importieren, verglichen mit dem Import aus dem nahen Russland. Die Energiegiganten von der Wall Street und die frackenden Cowboys sind damit natürlich nicht einverstanden und wütend, dass jemand anderes den deutschen Markt erobert hat.

 

Da Chinas Öl- und Gasverbrauch rapide zunimmt, liefert der Nachbar im Norden den benötigten Treibstoff. Amerikanische Ölkonzerne sind gerade erst auf dem chinesischen Markt angekommen, während Russland seit Jahrzehnten an die Regierung in Peking verkauft.

 

Die Beziehungen zwischen den USA und Russland waren sehr gut, als Boris Jelzin das Land leitete. Naomi Kleins Buch „The Shock Doctrine“ von 2007 beschreibt die Jelzin-Jahre im Detail.

https://www.amazon.de/Die-Schock-Strategie-Katastrophen-Kapitalismus-Naomi-Klein/dp/3596174074/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1532704704&sr=8-1&keywords=Naomi+Klein

 

Von 1991 bis 1998 gingen 80% der russischen Betriebe in Konkurs. Russland war gezwungen, Lebensmittel von US-Agrarkonzernen zu importieren. 70.000 Fabriken wurden geschlossen. Einer von vier Menschen lebte in extremer Armut und die Arbeitslosigkeit lag oft zwischen 20 und 30%.

 

In den 1990ern, als die Russen starben, in die sexuelle Sklaverei verkauft wurden, Selbstmord begingen und massiv an Heroin starben, da wurden die US-Regierung und die russische Regierung schnell zu Freunden. Die Clinton-Regierung sah ihre Beziehung zu Boris Jelzin und dessen Beziehung zum Internationalen Währungsfonds und zur Weltbank als großen Erfolg an.

 

In den 1990ern war Russland ein abhängiger und verarmter „Einflussbereich“ für amerikanische Konzerne. Die Russen waren arm und produzierten nicht sehr viel. Sie waren für die Monopole der Wall Street und Londons ein Gefangenenmarkt, der nach der Niederlage im Kalten Krieg wirtschaftlich zerstört worden war. Darüber hinaus plünderten britische Hedgefonds-Manager und Aktienhändler, darunter Bill Browder, die natürlichen Ressourcen des Landes.

 

Aber dieses Desaster ist längst vorbei. Wladimir Putin führt ein Russland, das „wieder im Geschäft“ ist. Das neue Russland verkauft Öl und Gas auf der ganzen Welt. Die russische Regierung hat nun eine massive Wiederbelebung der Landwirtschaft überwacht, wobei im ganzen Land, auch in den dünn besiedelten Regionen des Fernen Ostens, Farmen entstanden sind. Russland produziert einen großen Teil des weltweiten Titans und sitzt im Zentrum der Eurasischen Wirtschaftsunion, einem Wirtschaftsblock, der sich ähnlichen Entwicklungen in anderen Ländern verschrieben hat.

 

Jetzt, da täglich 11 Millionen Barrel Rohöl aus amerikanischem Boden und Schiefer gewonnen werden und die USA weiterhin der größte Erdgasproduzent sind, ist Russland ein Hindernis für die weltweite Vorherrschaft auf den Energiemärkten.

 

Jene Kräfte, die versuchen, ein globales Monopol aufrechtzuerhalten, sind nicht über „Wahleinmischung“, „Verschwörung“, „Menschenrechte“, „Nationalismus“ oder irgendwelche anderen Enten besorgt, die endlos über die amerikanischen Bildschirme flimmern. Es ist der solide Konkurrent, den sie nicht ausstehen können.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Josch (Montag, 06 August 2018 10:54)

    Geschäftsmodel Raubmord?

    Die sogenannte Wolfowitz Doktrin ist es, die hier eins zu eins umgesetzt wird. Sie lautet wie folgt:

    "Das oberste Ziel amerikanischer Außen- und Militärpolitik ist es, die Wiedererstehung eines neuen Rivalen, sei es auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo, der eine Gefahr darstellt in der Größenordnung derjenigen, die ehemals von der Sowjetunion gebildet wurde, zu verhindern."

    Übersetzung:
    Jedes Land, welches aufgrund seines Ressourcenreichtums an regionalen Bodenschätzen zu einer wirtschaftlichen Größe gelangen könnte, die den USA ernstzunehmende Konkurrenz bescheren könnte, ist bereits im Vorfeld daran zu hindern. Notfalls, indem man es vernichtet.

  • #2

    wolfgang fubel (Sonntag, 05 August 2018 13:45)

    Das Amerikanische Geschäftsprinzip war schon immer so ausgelegt das man
    Konkurrenten, die zu Mächtig wurden, mit Hochkriminellen Mitteln ausgeschaltet
    hat. Rücksichtslos und mit allen Erdenklichen Mitteln. Das hängt auch mit der "Gründung" dieses Staates und der Rüchsichtslosen Besiedlung zusammen.!! Das war der Grundstein für dieses Menschenverachtende Verhalten diese Heutigen Imperiums. Das ist in der Heutigen Zeit
    überall auf den Planeten zu beobachten, wo diese Abartige Maffiöse Finanzkrake
    wütet. Wer den "Interessen" im Wege steht wird,wenn nicht anders möglich,
    ausgeschaltet auch mit Krieg, der Der Welt Öffendlichkeit als Krieg gegen den
    "Terrorismuß" verkauft wird. Und genau dafür braucht es ein Millitär das in der
    Lage ist die "Interessen" in der Ganzen Welt, wenn es sein muß auch mit Gewalt
    durchzusetzen! Wohlgemerkt, den Interessen einiger Wenigen und nicht Denen
    der Allgemeinheit. Das ist das Eigendlich Perfide an diesem Verhalten!

  • #1

    Enkidu Gilgamesh (Samstag, 28 Juli 2018 15:31)

    Vorweg ein Angebot zur Kooperation zur Publikation von Informationen und Erkenntnissen!
    Bitte melden Sie sich bei mir unter enkidu.gilgamesh@yandex.com .

    Ein weiterer und sehr wichtiger Grund der imperialen Finanzindustrie, Russland zu hassen ist, dass Russland neben China und anderen durch den Aufkauf von Metallgold, die fraktionelle Goldschöpfung durch Papiergold bzw. Giralgold zunichte macht. Jede Unze von Metallgold wird so mindestens 1000 mal als aufgebläht und an die gierigen Naiven verkauft.

    Jedoch sollte in der Betrachtung des Booms von Erdöl und Erdgas durch Fracking untersucht werden, wie die Fracking-Industrie überhaupt an diese Bodenschätze gelangt, welchen Preis die ahnungslose Bevölkerung in den USA und anderswo dafür bezahlen muss. Dazu möchte ich auf ein historisches Filmdokument über Nukleares Fracking hinweisen, dass im folgenden mit deutschen Untertiteln bereitgestellt wird.

    Film Abschrift: DER ATOMARE UNTERGRUND - NUKLEARES FRACKING VON ERDGAS - ATOMENERGIE
    http://geoarchitektur.blogspot.com/p/film-abschrift-atom-underground-nuclear.html

    Damit wird klar, warum der Iran und alle anderen Länder, die Fracking betreiben wollen und müssen die #Atombombe brauchen? Nicht für #Krieg und #Abschreckung, sondern für das #Fracking!
    http://geoarchitektur.blogspot.com/p/warum-braucht-der-iran-die-atombombe.html
    #ERDGAS #ERDÖL #ATOMENERGIE #Energie